"Lufthansa unterbietet unsere Preise"

29. Jänner 2012, 17:59
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Eine einseitige Kündigung des Kollektivvertrags wäre die Aufforderung zu Kampfmaßnahmen, sagt der AUA-Betriebsrat

Eine einseitige Kündigung des Kollektivvertrags wäre die Aufforderung zu Kampfmaßnahmen, sagt der AUA-Betriebsrat. Dieser urgiert die versprochenen Synergien mit der Lufthansa und Investitionen.

Wien – "Wir sind gesprächsbereit, über künftige Modelle zur Entlohnungsfindung zu verhandeln, aber wir wollen zuerst von der Lufthansa Investitionen in den Standort", sagen die beiden AUA-Betriebsräte Alfred Junghans und seine Stellvertreterin Didem Strebinger im Standard-Gespräch. Andernfalls müsste man sich überlegen, ob die Lufthansa der richtige Partner für die AUA sei.

Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die bei der Übernahme durch die Deutschen 2009 gesteckten Ziele, nämlich 2011 eine schwarze Null zu schreiben, "unrealistisch waren", so Strebinger. Wie berichtet, hat die AUA auch 2011 rund 65 Mio. Euro Verlust gemacht.

Allerdings wurden in der Zeit Schulden und Mitarbeiter abgebaut, Letztere haben auch auf Gehalt verzichtet. Aber im Gegenzug hätte man wenig bekommen, so die Kritik. Die vielgepriesenen Synergien aus dem gemeinsamen Vertrieb und Umsatzzuwächse aus der Gruppe seien bisher kaum erfolgt. Junghans: "Wir haben nicht einmal ein Drittel der in Aussicht gestellten Vertriebssynergien lukriert."

An Beispielen fehle es nicht: Die AUA ging nach Osteuropa, investierte in neue Destinationen, dann flog die Lufthansa auf der gleichen Strecke, und die AUA muss nun um diese Strecken kämpfen, berichten die Personalvertreter. Aus Sicht der Betriebsräte sei die AUA nicht über die Kosten zu sanieren, sondern über die Steuerung der Umsätze und ein Gesamtkonzept sowie eine richtige Positionierung innerhalb des Lufthansa-Konzerns.

Beide Betriebsräte widersprechen der AUA-Führung, wonach die Personalkosten trotz Mitarbeiterabbau auf dem Niveau von 2009 sind: Zwischen 2009 und 2011 sank die Anzahl der kaufmännisch- technischen Mitarbeiter um 15 Prozent, die Personalkosten um 17 Prozent. Faktum ist, kritisiert Strebinger, die bei der AUA die Stabsstelle Unternehmenskultur leitet: "Die Lufthansa unterbietet unsere Preise, fliegt selbst mit höheren Kosten und sagt uns, aus welchen Strecken wir uns zurückziehen müssen." Junghans: "Dort, wo wir unsere Prozesse an jene der Lufthansa anpassen müssen, wird alles teurer, weil die Deutschen die höheren Kosten haben." Die AUA sei nur mit einem starken Partner überlebensfähig, aber da müssten sich beide ergänzen "und nicht gegenseitig die Füße wegziehen".

Gefragt seien Perspektiven und die versprochenen Investitionen in die Flotte: Statt elf alter Boeing 737 sollen sieben neue Airbusse kommen, wurde seitens des Managements angekündigt. Gut und schön, sagen die Betriebsräte, das sei trotzdem ein Minus von vier Fliegern, und es gebe keine Garantie, dass die neue Flieger tatsächlich kommen. In Aussicht gestellt wurden auch Langstreckenmaschinen, die würde man jetzt brauchen und nicht in ferner Zukunft, alles freilich wieder ohne Gewährleistung.

Strebinger kann die Rechnung von Lufthansa-Chef Christoph Franz nicht nachvollziehen, der "offenbar getrieben von den Finanzanalysten" eine Renditeerwartung konzernweit von rund sieben Prozent vorgibt, wo die gesamte Luftfahrt vielleicht auf zwei käme. Junghans: "Statt zu hackeln, wird alle zwei Monate eine neue Story erfunden." Seit der Pensionierung von Ex-Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, der den AUA-Kauf maßgeblich vorantrieb, sei innerhalb des Konzerns eine Zentralisierung feststellbar, die eher mehr Kosten verursache denn weniger, lautet die Kritik. Die Lufthansa, so Strebinger, habe aber als Konzern die Verpflichtung zu investieren, zumal sie 2009 nicht nur die Schulden, sondern auch die Vermögenswerte (Flugzeuge, Slots etc.) übernommen hätte. Dazu kamen 500 Millionen Euro vom Staat, und die Mitarbeiter haben durch diverse Verzichte ihrerseits 150 Mio. Euro zum Sparpaket beigetragen, um die Übernahme nicht zu gefährden. Nun wollen die "Mitarbeiter wissen, wofür sie diese Vorleistungen erbracht haben", sagt Strebinger und meint: "Wir waren in dem Pakt bisher der verlässliche Partner, jetzt wollen wir wissen, wie es weitergeht."

Dass die Deutschen die AUA gegebenenfalls in die Pleite schicken würden, erwarten die Belegschaftsvertreter nicht: Ein Konkurs käme der Lufthansa zu teuer und wäre strategisch nicht sinnvoll, weil sich alle Nicht-Star-Alliance-Fluglinien leicht in Stellung bringen könnten und Lufthansa den Markt Österreich verlieren würde. Zudem wäre es betriebswirtschaftlich unsinnig, von den Mitarbeitern zunächst Zugeständnisse zu verlangen, die erst in vielen Jahren schlagend werden.

Eine einseitige Kündigung des Kollektivvertrags durch die AUA-Führung erwarten Junghans und Strebinger ebenso wenig, denn das wäre "in Österreich der Auftakt für Kampfmaßnahmen bis zum Äußersten". Junghans: "Noch ist es nicht so weit, weil sich alle an die Vereinbarungen halten." (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.1.2012)

  • Alfred Junghans, Betriebsratschef Bodenpersonal.
    foto: standard/robert newald

    Alfred Junghans, Betriebsratschef Bodenpersonal.

  • Didem Strebinger, Leiterin Stabsstelle Unternehmenskultur.
    foto: standard/robert newald

    Didem Strebinger, Leiterin Stabsstelle Unternehmenskultur.

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