Erwin Pröll kann sich die Hofburg abschminken

Kolumne | Gerfried Sperl, 29. Jänner 2012, 17:58

Soll jemand in die Hofburg, der diese Aufgabe eigentlich ablehnt? Eher nicht

Erwin Pröll will die Volkswahl des Bundespräsidenten abschaffen und Regierungsmitglieder durch die Hofburg rotieren lassen. Die Schweiz sei das Vorbild. Wie so oft, wenn irgendwer irgendwas aus der Schweiz kopieren will (zum Beispiel deren direkte Demokratie), wird bewusst ignoriert, dass das politische System der westlichen Nachbarn komplett anders ist.

Was Pröll verlangt, haben prominente Landeshauptleute vor ihm auch schon vertreten. Josef Krainer I wollte überhaupt das Schweizer System der österreichischen Republik überstülpen. 1. Regierungszusammensetzung nach Parteienstärke (bis heute in einigen Ländern). 2. Rotation des Bundespräsidenten (mit Machtverlust). 3. Kompetenzstärkung der Länder (Bildung und Steuern).

Als Jörg Haider Ende der 90er-Jahre die These vom starken Mann vertrat, Bundeskanzler und Präsident wie in den USA in einer Person vereinigen wollte, verwies ich ihn in einem Interview auf die Gefährlichkeit dieser Machtfülle in einem Land, das den Nationalsozialismus noch nicht völlig überwunden hatte. Haider, immer zu Volten aufgelegt, machte eine totale Kehrtwendung und sagte: "Dann übertragen wir halt das Schweizer System auf Österreich."

Pröll wandelt also auf den Spuren zweier sehr unterschiedlicher Landeshauptleute, die mit dem niederösterreichischen Amtsinhaber eines gemeinsam hatten. Sie waren starke Persönlichkeiten, die im politischen System der Schweiz gezähmt werden.

Wir hätten in Österreich ja eine ganz andere Möglichkeit, die verschiedenen Wahlsysteme zur Geltung zu bringen. Die Volkswahl für den Bundespräsidenten, das Listenwahlrecht für den Nationalrat. Würden wir den Bundesrat ernst nehmen, sollte er wie der US-Senat oder der Senat der Tschechischen Republik über Direktwahlen zusammengestellt werden. Das würde außergewöhnliche Persönlichkeiten forcieren. Karl Schwarzenberg beispielsweise war vor seiner Bestellung zum Außenminister gewählter Prager Senator.

Aber das und noch dazu eine Stärkung des Bundesrats wollen nicht einmal die kleineren Parteien. Weshalb man dieses letztlich völlig machtlose Gremium überhaupt abschaffen sollte. Mit der Verkleinerung von Nationalrat und Landtagen käme eine massive Einsparung zustande.

Mit seinem Ansinnen, den gewählten Präsidenten abzuschaffen, hat sich Pröll freilich auch die Chance genommen, im Jahre 2016 für die Nachfolge Heinz Fischers zu kandidieren. Soll jemand in die Hofburg, der diese Aufgabe eigentlich ablehnt? Eher nicht.

Dass es in der SPÖ eine Neigung gibt, die Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (falls ihre Partei die Wahlen von 2013 gewinnt) für die Hofburg als Kandidatin zu nominieren, ist bekannt. In der ÖVP scheint das Rennen wieder offen zu sein.

Wahrscheinlich muss sich die Volkspartei nach einer integren Persönlichkeit außerhalb der momentanen Regierungspartei umsehen. Weshalb Franz Fischler infrage käme, der optisch die Tradition Karl Renners und Theodor Körners aufnehmen würde. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2012)

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Peter Sichrovsky
01
Ab-Schminken

Bin ich froh, dass einer endlich das Amt des Bundespräsidenten mit aufgetragener Schminke vergleicht!

Denkwerkstatt
00
30.1.2012, 19:56
Irrtum

hier liegt ein großer Irrtum vor. Man kann den Präsidenten gar nicht abschaffen, dann wäre das österreichische Großunternehmen Präsidentschaftskanzlei" kopf- und führungslos. Stolze 85 Personen beschäftigt unser Heinzi in seiner Kanzlei. Die 4 Personen in der Abteilung Wissenschaft werden Gerüchten zufolge bald (kurz nach Wiedererlangung des AAA durch die Republik) einen Nobelpreis nach Hause bringen. Von Protokoll über Europäische Angelegenheiten, Bürgerservice, Grundsatzfragen, wirtschaftliche Angelegenheiten reichen die Geschäftszweige. Am Leben gehalten von einer schlanken Verwaltungsgruppe mit 23 Personen (ohne EDV, nochmals +3). Das zukunftsträchtige Juwel aber ist die Ehrenzeichenkanzlei mit 4 Mitarbeitern für 1.000 Orden jährlich.

1116er
00
30.1.2012, 19:41
und was wäre mit dem typ,

für den der kanzler nur ein zwischenschritt ist?

eine win-win situation:
WIR sind ihn los.
ER hat endlich seinen versorgungsposten.
und die GANZE WELT hat was zum lachen.

1116er
01
30.1.2012, 19:37
Erwin Pröll kann sich die Hofburg abschminken

erwin pröll kann alles, was er will. in NÖ.

Jimmy Neutron
00
30.1.2012, 18:29

"Weshalb Franz Fischler infrage käme, der optisch die Tradition Karl Renners und Theodor Körners aufnehmen würde." Wegen seinem Bart? Waren Letztere etwa auch so beleibt?

Uljanovnig
01
30.1.2012, 17:47
Gott schütze Österreich,

danke Herr Sperl.

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
30.1.2012, 18:07
denn unsere Politiker könnens nicht!

Rester
00
30.1.2012, 16:58
Also wenn sich der mal für die Hofburg bewirbt

dann starte ich sofort eine große Unterstützungskampagne!!
Was besseres kann uns gar net passieren - dann hat der schwindliche wenigst nix mehr zum sagen! :)

verleih nix
00
30.1.2012, 16:54
was solls, der ist teil der övp. und die können froh sein wenn sie noch jemals an einer angelobung teilnehmen. mehr ist da wirklich nicht drinnen...

Michael Holzermayr2
00
30.1.2012, 16:33
Aufwachen, Herr Sperl!!!

Das hat sich Pröll (zwangsweise) schon lange abgeschminkt!

Dissident
 
02
30.1.2012, 16:09
Das ist doch schäbig. Nur weil es er nicht werden durfte (wg. "Neffentrtick"), soll die Funktion gleich abgesschafft werden.

Ich hätte Erwin Pröll mehr Format zugetraut, als sich eines Tages so billig revanchieren zu wollen. Er hätte den Vorschlag sicher nicht gemacht, würde heute Frau Ferrero-Waldner in der Hofburg sitzen. Wie erbärmlich ein Bundespräsident dasteht, der nicht vom Volk, sondern von der jeweiligen Parlamentsmehrheit gbewählt wird, das kann man gerade in Deutschland mit der traurigen Figur Wulff studieren. Der höchste Mann im Staate am Gängelband von Frau Merkel un dem unsäglichen Herrn Rösler(FDP)...

armin delmenhorst
 
01
30.1.2012, 16:07
Hat dieser teure Politpensionär

den Diplomatenpass bereits abgegeben oder vertritt er auch die Meinung von Vranz, dass sie unheimlich wichtig seien und ihnen sogar Personenschutz zuteil werden sollte?

Scardanelli
00
30.1.2012, 16:04
herr sperl, falsche conclusio!! herr pröll möchte die hofburg "abschminken" und in den fundus verschwinden lassen, und nicht umgekehrt....

Lord Lurch
01
30.1.2012, 14:47
Jawoll, Fischler!

Enormes Einsparungspotential! Man könnte alle Urkunden, Briefe etc. weiterverwenden und der Neue müsste jeweils nur ein handschriftliches l dazuflicken!

Postingname geändert
01
30.1.2012, 14:51
nur ein handschriftliches l...

dazufi#$en!

John Sandwich
01
30.1.2012, 13:08
"Schuster", bleib bei deinen Leisten!

Bunga bunga à la Grafenwörth & Co.

Sidlo
00
30.1.2012, 12:38
Bundespräsident will er eh nicht werden, da ist in

Österreich das Amt eines Provinzkaisers eh viel attraktiver.

Ausgeflippter Lodenfreak
01
30.1.2012, 14:51

Von der realen Macht in Österreich ist Landeshauptmann wirklich besser. Allerdings hat der Bundespräsident viel theoretische Macht und viel davon, was einem LH von NÖ abgeht: Glamour und internationales Flair.
St. Pölten und Weinfeste sind halt doch etwas anderes als die Hofburg und Staatsakte.

Franz Weinpolter aka Franz Ehm
04
30.1.2012, 12:17
die schweiz ist KEIN vorbild...

...und kojak pröll soll in hinkunft maximal das amt es radlbrunner bürgermeisters ausfüllen.

ursonate
 
10
30.1.2012, 11:34
ballsaison

lieber unnötige bälle abschaffen und schmisse abschminken

Andreas Hofer10
01
30.1.2012, 10:46

Sollte der Herr Pröll doch wieder kandidieren wollen, so würde das ein sehr amüsanter Wahlkampf werden. Und das wäre doch auch nicht so schlecht.

Edmund der Fröhliche
91
30.1.2012, 09:47
HALLO! Wie im Westen wollen keinen F@ymann, Pröll oder Strache.

Aber Wien und der Osten wird uns wohl diese Herrschaften einbrocken!

K.H.Leh.
00
Ganz sicher Nicht !!!

Wir, im Südosten wollen diese unnötige Figuren auf keinen Fall !!

didi111
08
30.1.2012, 13:08
Mit der intellektuellen Klasse..

..eines Platters oder Gorbachs kann der Osten Österreichs natürlich nicht mithalten.

Edmund der Fröhliche
00
30.1.2012, 17:52
Nicht nur Vorarlberg liegt im Westen, aber die größten Pfosten findet man im Osten.

Kaum kommt einer nach Wien, ist das erste was er lernt die Hand aufhalten.

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