Das Demokratiebegehren kommt im September

29. Jänner 2012, 17:50

Die von Altpolitikern getragene Initiative "MeinOE" startet ihr Volksbegehren - Mit "zumindest 400.000" Unterstützern sollen mehr direkte Demokratie und eine Wahlrechtsreform durchgesetzt werden

Salzburg - Gründung eines Trägervereines im Februar, Auflegen der Formulare für die nötigen rund 8000 Unterstützungserklärungen in Gemeinde- und Bezirksämtern im März, Eintragungswoche für das Volksbegehren im September: Auf diesen Zeitplan haben sich die Proponenten des von prominenten Altpolitikern ins Leben gerufenen Demokratiebegehrens "MeinOE" bei einem Treffen am Samstag in Salzburg geeinigt.

Das Meeting, an dem neben dem Initiator, Salzburgs Ex-SPÖ-Landeschef Wolfgang Radlegger, auch Ex-Grünen-Chef und Ex-EU-Mandatar Johannes Voggenhuber, Ex-Vizekanzler Erhard Busek, Ex-Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager und die ehemalige Verkehrsstaatssekretärin Christa Kranzl teilgenommen hatten, war gleichzeitig auch Endredaktion der inhaltlichen Positionierung für die Initiative.

Dabei sind die bereits im September vergangenen Jahres präsentierten Kernpunkte des Demokratiebegehrens bestätigt worden. Bis zum Auflegen der Unterstützungsformulare soll das dreiseitige Papier nun in eine allgemein lesbare Form gebracht werden.

Inhaltlich soll es bei Nationalrats- und Landtagswahlen in Zukunft zum Stimmensplitting kommen: Die Hälfte der Abgeordneten werde direkt gewählt, die andere Hälfte weiterhin über Parteilisten. Neu im Text ist, dass die Parteilisten nach dem Reißverschlussprinzip mit Frauen und Männern besetzt werden müssen.

Postenschacher strafbar

In Sachen direkte Demokratie will man die Latte niedriger hängen: Statt der bisher avisierten 400.000 soll es bereits ab 300.000 Unterstützungserklärungen eine verpflichtende und für den Nationalrat bindende Volksabstimmung geben.

Neben der Stärkung des Parlamentes und der Unabhängigkeit der Justiz sowie mehr Transparenz bei Spenden an politische Parteien widmet "MeinOE" ein Kapitel auch der Korruption: "Parteipolitische Postenbesetzung wird zu einem eigenen Straftatbestand", heißt es da.

Ein eigenes Kapitel ist dem ORF gewidmet. Die Initiatoren des Volksbegehrens, unter denen sich auch der langjährige ORF-Journalist Udo Bachmair findet, haben einen detaillierten Plan für einen neuen Rundfunkrat ausgearbeitet: Nach diesem werden fünf der insgesamt 15 Mitglieder von der Betriebsversammlung, zwei von der Redakteursversammlung und acht nach einem öffentlichen Hearing vom Nationalrat gewählt.

Mit welchem Ergebnis man nach der Eintragungswoche durchs Ziel gehen wird, ist für die Proponenten "schwierig einzuschätzen", sagt Voggenhuber im STANDARD-Gespräch. Ein ähnliches Ergebnis wie das von Ex-Finanzminister Hannes Androsch beriebene Bildungsvolksbegehren sollte es aber werden: "400.000 zumindest", hofft Radlegger.

Finanziert werden soll die Werbung für das Demokratiebegehren durch Spenden. Wobei Radlegger, Voggenhuber, Busek und Mitstreiter auch neue Wege beschreiten wollen: Über die Initiative "respekt.net" sollen "Zeitspenden" lukriert werden. Damit könnten freiwillige Mitarbeiter für die Bewerbung auf Zeit gewonnen werden, hoffen die Organisatoren.

"Populistischer Unsinn"

Auf Ablehnung stoßen bei "MeinOE" andere derzeit diskutierte Vorschläge zur Reform der Institutionen. Das Amt des Bundespräsidenten infrage zu stellen, wie dies der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) getan hat, ist für Voggenhuber "populistischer Unsinn". Für Radlegger ist die Diskussion um den Bundespräsidenten, die es "ja nur aus einer Richtung" gegeben habe, "tiefenpsychologisch" zu erklären.

Bei der Verkleinerung von Nationalrat oder Landtagen ist "MeinOE" ebenfalls nicht mit im Boot. "Es geht ja nicht um die Zahl der Abgeordneten, sondern um die Funktion, um die Aufgaben, die sie wahrnehmen", sagt Wolfgang Radlegger. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2012)

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25 Postings
Oddo Wolf
02
26.2.2012, 01:42
Ich glaub, hier bin ich richtig.

-
Die Mitte deffiniert sich im Wesentlichen aus einem großen Haufen, der gleich einer Kuhherde zusammensteht, unwisseend wo Rechts und Links ist. Weil aber eine Kuh nur zweidimensional denken kann, wird alles was jenseits des Weidezauns steht in Links und Rechts aufgeteilt.

Alles drängt jetzt zum Zaun. Macht nichts, sagt die gehörnte Blacky weil die Rosa ein paar Linken Zinsgeldkritikern aus Versehen eins mit der Antisemitenkeule drübergezogen hat.
Etwas abseits, allein in die Wiese sitzend, schau ich dem Treiben eine Zeitlang zu. Ein unschuldiges Kälbchen leistet mir Gesellschaft und fragt dann ganz frech:
Bist du ein Rechtsnazi? Aber nein, antworte ich.
Oder vielleicht Neolinx? Auch nicht.
Irgend was anderes Extremes? Ja, das schon.

Oddo Wolf
00
26.2.2012, 01:47

Ich bin die Mitte. Mitten hinein, in dein kleines, neugieriges Herz.

Zuerst etwas erschrocken, aber dann doch vertrauensvoll schaut mich das Kalb mit seinen großen Kulleraugen an. Der Tumult am Zaun wird derweil immer heftiger. Rote und Schwarze Rindsviecher wuzzeln sich im Dreck, fallen jetzt auch schon übereinander her.
Alles dreht sich, vermischt sich vor meinen Augen zu einem Brei von Roten und Schwarzen Kühen ....

Oooh, shit. Wer hätte das gedacht.

http://www.zpa.at
21

uuuuaaaaaahahahahahahahahahahaha :)))))))))))

Jülyet Ksantopulo
00
30.1.2012, 10:26

Da sie ein Mehrheitswahlrecht einführen wollen, werde ich nicht unterschreiben gehen.

Standard deviation
10
Die Einführung eines Mehrheitswahlrecht....

wäre ein wirksames Mittel gegen den um sich greifenden Populismus in diesem Land. Es macht
einfach keinen Sinn, wenn zwei Parteien mit derart
unterschiedlichen politischen Vorstellungen zu
fortgesetzten großen Koalitionen gezwungen werden.

Die stimmenstärkste Partei sollte alleine regieren
oder eine "kleine" Koalition bilden. Dann käme es
ziemlich wahrscheinlich zu häufigem demokratischem
Wechsel.

ruthwinkler
01
31.1.2012, 15:28

laut einer Info ihrer Facebook-Seite hat sich die Variante mit dem personalisierten Verhältniswahlrecht durchgesetzt. Scheint also kein Hindernis zu werden!

Johannes Voggenhuber live
01
31.1.2012, 12:55
Das Demokratiebegehren will ein Persönlichkeitswahlrecht bei voller Wahrung der Verhältnismäßigkeit einführen.

Im Beteiligungsprozess der letzten Wochen hat sich eine klare Mehrheit für das uneingeschränkte Prinzip der Verhältnismäßigkeit ausgesprochen. Und dieses Modell wurde von der Proponentenversammlung am Wochenende auch einstimmig beschlossen. Ihrer Stimme für das Volksbegehren steht also nun hoffentlich nichts mehr im Wege.

Waran
21
Die direkte Demokratie

sehe ich als Problem, da eine starke Oppositionspartei Kampagnen fahren kann.
300.000 Stimmen sind für eine Strache-FPÖ ein Klacks, wenn er eine Ausländer-Raus-Kampagne fährt und dann darüber eine Volksabstimmung abgehalten wird.

Oddo Wolf
00
26.2.2012, 02:32

Ein Mann steht traurig vor seiner toten Ziege. Kommt eine Fee vorbei und sagt: Du armer Mann, ich gewähre dir einen Wunsch, damit du nicht mehr so traurig bist. Der Mann überlegt kurz und sagt dann: Ich will, daß die Ziege von meinem Nachbarn auch tot ist.

(Im Original dieser kleinen Satire ist der Mann ein Grieche, aber das wär jetzt etwas pietätlos)

Amalrich
 
10
30.1.2012, 14:57

Wieso? Haben Sie's gern, wenn ewig in einer GroKo weitergewurschtelt wird?

ruthwinkler
02
31.1.2012, 15:31

nein, aber noch weniger gern, wenn z.B. blau-schwarz eine 2/3-Verfassungsmehrheit haben kann

Standard deviation
01

Gerade dieser Fall würde durch ein Mehrheitswahl-recht sehr unwahrscheinlich werden.

Die Blauen sind entschiedene Gegner eines Mehrheits-wahlrecht, da sie nicht mehr mit Proteststimmen
rechnen könnten und möglicherweise unter die Wahr-
nehmungsgrenze fallen würden.

Amalrich
 
22
31.1.2012, 16:17

Auch wieder recht - rot/grün mit einer 2/3-Verfassungsmehrheit wär' zB für mich ein Alptraum...

sterngucker
 
03
30.1.2012, 17:36
Gegenfrage

Haben Sie's gern, wenn eine Minderheit von 35% frustrierten Protestwählern den restlichen 65% jeden beliebigen Unfug aufoktroyieren kann?

Amalrich
 
11
30.1.2012, 20:18

Unfug wird mir doch jetzt durch die Mehrheit auch aufoktroyiert! Nicht?!
Unfug bleibt Unfug - noch schlimmer wenn er von der Mehrheit kommt...

Jülyet Ksantopulo
00
30.1.2012, 15:23

Es gibt auch etwas anderes als GroKo...

Außerdem bedeutet ein - klassisches - Mehrheitswahlrecht nicht automatisch, daß eine Partei eine absolute Mehrheit erhält.

Bei einem Einerwahlkreis-Mehrheitswahlrecht mit dem Ergebnisse des NR-Wahl 2008 hätten lediglich blau und grün draufgezahlt (zusammengeschrumpft auf zusammen ca. 10 Mandate), während ÖVP, SPÖ und BZÖ mehr bekommen hätten.

Das Ergebnis wäre gewesen, wir dann halt net rot-schwarz, sondern schwarz-orange oder - unwahrscheinlicher - rot-orange gehabt hätten.

aiuto
02
30.1.2012, 09:39
BRAVO, ich freue mich darauf.... ein erster Schritt.

Fraho
01
30.1.2012, 08:46
Das sind doch auch alles Politiker die die Zunft hochhalten

"Es geht ja nicht um die Zahl der Abgeordneten, sondern um die Funktion, um die Aufgaben, die sie wahrnehmen",

Sonst müssten sie sich schon längst fragen welche Berechtigung die 9 Landesgesetzgebungen mitsamt den 9 Landeskaisern und dem dazugehörenden Hofstaat haben!
Jedenfalls seit dem EU-Beitritt ist es völlig unnütz eigene Gesetze innerhalb Österreichs zu haben!

Jepedaia Springfield
12
30.1.2012, 08:08
werde das Volksbegehren sicher unterschreiben!

eine gute Sache im großen und ganzen.

maggo22
12
29.1.2012, 22:48

Für mich der beste Vorschlag seit langem, auch wenn damit wohl sowas wie eine Senatorendynastie heranwächst. Unser Pateiensystem lähmt uns seid drei Jahrzehnten und einen Führer will ja wohl auch fast niemend mehr.

Oddo Wolf
01
26.2.2012, 02:40

Besser, wenn die Demokratie unser Pateiensystem lähmt, als umgekehrt.

byron sully
03
29.1.2012, 18:35

auf welches der beiden modelle des 50/50-mandatssplittings hat man sich jetzt schlußendlich geeinigt? wenn es das deutsche modell ist, dann bin ich dafür gern zu haben. sollte aber die hälfte der sitze per mehrheitswahlrecht bestimmt werden, ist das für mich ein absolutes NO. in dem fall könnt ich mir nicht vorstellen, das volksbegehren zu unterschreiben. alles, was richtung mehrheitswahlrecht geht, ist für mich demokratieabbau.

black jack
00
30.1.2012, 09:20

Wichtig wäre, dass die Abgeordneten möglichst frei entscheiden können und nicht mehr von den Parteien gegängelt werden (Klubzwang) bzw nicht nur zum Selbstzweck im Parlament sitzen (Dösen im Plenum; Aufstehen, wenn der Klubchef es sagt).

Das deutsche Modell ist nicht wirklich der Bringer. Es müsste ein einfaches System geben, wo jeder sofort behirnt, warum der oder die im Parlament sitzt. Außerdem sollte das Kandidieren mit Erfolgschance auch für "Private" möglich sein.

Man müsste also in kleineren Wahlkreisen abstimmen und schon dort die Sitze möglichst fair verteilen. Dann bestünde die Chance, dass das Parlament tatsächlich unabhängig von der Regierung wird.

byron sully
00
30.1.2012, 14:17

seh ich prinzipiell ähnlich, wobei mir eben fundamental wichtig wäre, daß das verhältniswahlrecht gewahrt bleibt.
was ich mir vorstellen könnte: die mandate, die eine partei in einem wahlkreis gewinnt, sind ausschließlich nach der zahl der vorzugsstimmen zu besetzen - völlig unabhängig vom listenplatz.
was man gegen den zutiefst undemokratischen klubzwang machen könnte (den es ja in der praxis gibt, aber nirgendwo offiziell festgeschrieben, deswegen kann man ihn leider auch nicht so leicht verbieten), weiß ich auch nicht.

Robert Cvrkal
 
32
29.1.2012, 18:27

cvrkalrobertmeinte am 29.1.2012 16:11 Unabhängig wer der nächste Kanzler ist oder welche Partei nach den Wahlen in der Regierung sitzt sollte das Volk auf einen vom Volke initierten rechtlich verbindlichen Bürgerentscheid drängen, denn entsprechend den derzeitigen Bestimmungen hat das Volk innerhalb einer Regierungsperiode nichts zu sagen. Einzig bei Wahlen werden wir als mündig angesehen und während der Legislaturperiode wird über unsere Anliegen einfach drübergefahren. Deshalb Stärkung der Bürgermitbestimmung JETZT. 27 Leser sind auch dieser Meinung. zustimmen

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