Tausendmal probiert, tausendmal ist nix passiert

29. Jänner 2012, 17:07
  • Artikelbild
    grafik: der standard

    Anläufe, die Effizienz des Staates zu steigern und damit auch Milliarden einzusparen, gab es zuhauf.

Seit Jahren wird eine Verwaltungsreform als Teil der Budgetsanierung eingefordert - Ein großer Wurf ist aber weiterhin nicht in Sicht, womit die Schuldenbremse wieder eher in Richtung neue Steuern funktionieren wird

Wien - Man kann ja nie wissen. Die Polizeigewerkschaft hat letzte Woche gleich einmal präventiv reagiert und einen Protestbrief an die Regierung abgeschickt. Sie solle sich hüten, eine Beamtensteuer zur Budgetsanierung einzuführen. Und überhaupt: Weitere Verwaltungsreformen werde man sicher nicht in Kauf nehmen.

Die Ordnungshüter hätten sich die Nerven sparen können. Laut letzten Meldungen der Austria Presseagentur liegt - was eine Verwaltungsreform anbelangt - bisher ohnehin nur ein dünnes Programm auf dem Tisch. So wolle Justizministerin Beatrix Karl kleine Bezirksgerichte zusperren, ein bissl gespart werden soll auch bei den Heeresspitälern. Und aus den Bundesländern käme auch ein Beitrag: Die Steiermark habe Gemeindezusammenlegungen eingeleitet, in Oberösterreich soll es zumindest Gemeindekooperationen geben.

Wenn das alles ist, was von den großen Reformdebatten der letzten Jahre übriggeblieben ist, wird die Warnung des Wifo-Chefs Karl Aiginger aus dem Jahr 2009 sich bewahrheiten: Ohne Verwaltungsreform, sagte Aiginger, müsse das Defizit über höhere Steuern abgebaut werden.

Anläufe, die Effizienz des Staates zu steigern und damit auch Milliarden einzusparen, gab es zuhauf. Noch vor zwei Jahren, im Februar, rief der damalige ÖVP-Chef und Vizekanzler Josef Pröll sogar zu einem "nationalen Kraftakt" auf. Der budgetäre Druck mache es notwendig, endlich eine Verwaltungsreform anzuschließen, ließ sich Pröll die Forderung sogar mit einem Beschluss des Parteivorstandes besiegeln. Der Antrag ruht noch immer schwer im ÖVP-Archiv.

Es brennt der Hut

Man kann das Rad noch weiter zurückdrehen. 2003 trommelte die schwarz-blaue Regierung heimische Experten zu einem Österreich-Konvent zusammen. Ex-ÖVP-Politiker und Verwaltungsspezialist Bernd Schilcher skizzierte damals - wie auch das Wifo und der Rechnungshof -, wie eine raschere, verlässlichere Verwaltung organisiert werden könnte. Schilcher kam auf Einsparungen von 16 Milliarden Euro durch eine Straffung der Strukturen.

Dass der Hut brennt, hatte schon ein Jahr zuvor das Institut für Föderalismus in Innsbruck notiert: Ein Vergleich des Aufwandes der öffentlichen Dienste für die vier Staaten Deutschland, die Niederlande, die Schweiz und Österreich zeige: Kein Land gibt so viel Geld für Verwaltung aus wie Österreich.

Heute, zehn Jahre später, ist Österreich kaum einen Schritt weiter. Obwohl: Das Wifo rechnete 2010 neuerlich aus, dass schon durch eine kleine Verwaltungsreform - allein durch eine Nichtnachbesetzung von Dienstposten, stärkere Kooperation der Gemeindeverwaltungen und besseren Einkauf von Sachleistungen - enorme Einsparungen möglich seien.

Langfristiges Sparpotenzial sei auch durch ein flexibles, neues Beamtendienstrecht - weniger Versetzungs- und Kündigungsschutz - zu heben.

Ineffizienzen

Das Sparausmaß bezifferte das Institut mit kurzfristigen 200 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro, langfristig seien bis zu 2,5 Milliarden drinnen. Der Rechnungshof eruierte jüngst, dass allein eine Harmonisierung der Regelungen für Landesbedienstete mit den Bundesbediensteten 700 Millionen Euro einsparen könne, die Streichung der Sonderpensionsrechte der ÖBB, Notenbanken und Sozialversicherungsträger brächten weitere kräftige Einsparungen.

Es gehe, sagt Rechnungshof-Chef Josef Moser im STANDARD-Gespräch um die Eliminierung von Doppelgleisigkeiten, von Ineffizienzen. Die Reform müsse endlich kommen. Die Notwendigkeiten lägen auf der Hand. Allein die Schulden in den Gemeinden seien zwischen 2006 und 2010 um 61 Prozent gestiegen, jene der Länder um 89 Prozent. Moser: "Sehr viele Gelder, sogar im Pflegebereich, kommen nur zum Teil bei den Betroffenen an, viel zu viel versickert in der Struktur." (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 74
1 2
Waran
00
11.2.2012, 11:43
Es gibt ein altes Sprichwort:

Ein Gesetz mit einer Ausnahmebestimmung ist nur die Hälfte wert und ein Gesetz mit zwei Ausnahmebestimmungen ist gar nichts mehr wert.
Eine immer komplizierter werdende Gesetzgebung, die teilweise nur noch von hochspezialisierten Personen durchblickt wird, zieht natürlich einen entsprechenden Verwaltungsaufwand nach sich.

Waran
00
11.2.2012, 11:40
Es gibt ein altes Sprichwort:

Angelika70
00

Einfach die Bundesländer abschaffen, und das wars schon.

Jukebox
00
Oberlehrer VdB zur Verwaltungsreform (etwas älter):

http://www.youtube.com/watch?v=A5zGtR55hjI

ritter sperber1
00

so gesehen ist unsere heutige demokratieform verhinderer, wir brauchen unseren kaiser ..

rrrn
 
00
Verwaltungsreform

auch bei den privaten Betrieben: dort wird die Buerokratie immer groesser, zB bei den Banken: frueher eroeffnete man ein Sparbuch in 15 Min., heute braucht es Tage.

Ohr O Pax
02
31.1.2012, 11:50
Die groooooße Einladung

an den Bundeskanzler Strache.
Es ist schon wirklich faszinierend zu beobachten, wie SPÖ und ÖVP sehenden Auges durch volkommene Unfähigkeit und Inkompetenz der FPÖ den Weg frei machen. Davon werde ich eines Tages meinen Kindern erzählen (müssen), fürchte ich.
Der Wohlstand ist ein echter Hund!

Michael ....
00

Einzig die FPÖ selber kann das noch verhindern ...

Klabautermann96
00
30.1.2012, 20:55
Verwaltungsreform

Die letzte erfolgreiche Verwaltungsreform in Österreich hat Kaiser Josef II. geschafft. Nach so langer Zeit sollte es vielleicht doch wieder und zwar energischer versucht werden.
Eventuell zuerst einmal bei den Pfoterlhebern im Nationalrat und in den Landtagen.

Helenos
00
30.1.2012, 12:31

Im Verwaltungsbereich gibt es definitiv großes Einsparungspotential, allerdings sollte doch erwähnt werden, dass die Beschäftigungsquote im öffentlichen Dienst von 13,5% (Jahr 2000) auf 11,4% (Jahr 2008) gefallen ist. Die skandinavischen Länder haben eine deutlich höhere Beschäftigungsquote im öffentlichen Dienst als Österreich. Norwegen 29,3%, Dänemark 28,7%, Schweden 26,2% oder Finnland 22,9%.

super Typ
00
30.1.2012, 14:28
Wurde da wirklich Verwaltung eingespart oder nur ausgelagert?

Das ist ja ein einfacher Trick: Man wandelt ein Amt in eine Ges.m.b.H. um und kauft dann die Leistungen bei der Ges.m.b.H. ein. So wird Personalaufwand zu Sachaufwand.

Bei den Zahlen zu skandinavischen Ländern frage ich mich auch, inwieweit sie vergleichbar sind.

silverfinger
00
30.1.2012, 11:42

eine neue partei müsste her damit nicht mehr in diesen schwarz/rot/blauen denkmustern gedacht wird wo jeder nur seinen arbeitsplatz sichern will

The Baldy Man of Hütteldorf
10
30.1.2012, 10:58
Alles, was bei den Ärmelschonern eingespart wird, ...

...darf man dann den Dumpfbacken, die man nicht mehr in den Staatsdienst übernehmen kann, am AMS als Arbeitslosengeld zahlen!

So schauts leider aus!

Beispiel: DIe Weiß/blau/Irgendwas-Kappler. Wenn Sie diese zusammenlegen, brauchen Sie wahrscheinlich nur mehr die Hälfte von denen. Die haben aber auch bisher die Hackn nicht gemacht, weil sie so strebsam und intelligent sind, sondern weil's die letzte mit diesem IQ noch verfügbare Hackn war. Also: Ab zum AMS ....

Papp Kamerad
00
Das wäre immerhin schon eine über 50%ige Einsparung! Ist das etwa nichts???

Lehrer88
00
30.1.2012, 15:43
postens doch nicht so einen unqualifizierten Sch..... dreck !!!

Die Finanzämter wurden zusammengelegt, immer 2 angrenzende Bezirke
Ist die Welt zusammengebrochen ?

Vorstadtmama
 
03
30.1.2012, 09:44
"Tausend und eine Nacht und es hat zugemacht..."

Es wird zu Reformen kommen, entweder sanft mit Übergangsfristen ab sofort - oder auf Druck von EU und Ratingagenturen erst in ein bis zwei Jahren aber dafür radikal und über Nacht.

czech
10
30.1.2012, 15:04

selten so gelacht

viele köche verderben den brei und die EU wird sicher nicht vorschreiben, die krankenkassen zusammenzulegen, gemeinden zusammenzulegen, schulverwaltung auf bundesebene, einheitliche pensionskassen oder gar bundesländer organisatorisch zusammenzulegen; von den sich wehrenden landeshauptmännern will ich gar nicht anfangen

auf druck von der EU werden wir eher Vorratsdatenspeicherung oder strengere Urheberrechtsgesetze umsetzen oder glühbirnen verbieten um giftige energiesparlampen in den häusern zu forcieren (gottseidank sind LED im anmarsch)

Android1337
12
30.1.2012, 06:53
Bitte Österreichs Budgethoheit an internationale Gremien abgeben!

Walter Bimini
12
30.1.2012, 07:02
das kommt bald, wenn wir keine kredite mehr bekommen

dann bestimmen unsere gläubiger wie einst in der ersten republik.

Walter Bimini
03
30.1.2012, 06:48
schon die überschrift ist falsch

richtig müßte es heißen: schon tausendmal versprochen nie im traum daran gedacht

Cogito Ergo Dumm
00
30.1.2012, 08:36
Die Überschrift ist ein Zitat

http://www.youtube.com/watch?v=mrbNKOeIlLY

The Baldy Man of Hütteldorf
01
30.1.2012, 10:52

Und was hat das Elektrikerlied jetzt mit der Verwaltungsreform zu tun?

Gambler
19
29.1.2012, 23:13
wer ist wählbar?

ich weiß ich hab zwar noch ein jahr zeit bis zur nächsten wahl aber irgendwie glaube ich dass ich auch in einem jahr noch keine wählbare partei gefunden haben werde.

Vorstadtmama
 
10
30.1.2012, 09:45
..alle, die antreten dürfen, sind wählbar...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 74
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.