Spanien geht gegen Googles Steuerpraxis vor

Jan Marot, 29. Jänner 2012, 17:34

Granada - Seit mehr als einem Jahr fordert nun das spanische Finanzministerium Zugriff auf die Bücher von Google Spain. Dessen Einkünfte scheinen auf dem Papier minimal zu sein. 2010 meldete die iberische Filiale bei 26 Mio. Euro Umsatz mit einem Verlust von 639.499 Euro.

Aber nicht nur in Spanien, sondern europaweit suchen Steuerfahnder nach Steuersündern, die an der Schuldenkrise Mitschuld tragen sollen. Je größer, desto besser für die leeren Staatskassen: Auch multinationale Konzerne geraten verstärkt ins Visier, denn diese gehen oft trickreicher ans Werk als der Normalsteuerzahler.

Das Gros der Google-Umsätze wird wenig überraschend in Steuerparadiesen wie den Bermudas versteuert, bei einem Satz von 2,4 Prozent, berichtet El País, aber auch über Niederlassungen in Irland und den Niederlanden. In Spanien hält Google laut Zahlen des Interactive Advertising Bu- reaus und PricewaterhouseCoopers 90 Prozent Marktanteil bei der Suchmaschinen-Werbung, mit einem Volumen von 417 Millionen Euro im Jahr 2010.

Damit die Inspektoren des Finanzministeriums aktiv werden, bedarf es keines Verdachts auf eine Straftat. Doch rückwirkend auf die Jahre 2006 bis 2008 sowie für 2010 wollen die Steuerfahnder klären, ob Einkommens- und Mehrwertsteuern korrekt an den Fiskus geflossen seien. Der weltgrößte Datensammler weigert sich jedoch, seine eigenen Daten preiszugeben. Google Spain wird in puncto Wirtschaftsprüfung von Ernest & Young vertreten, die unterstreichen, dass es gar nicht möglich sei, alle geforderten Informationen bereitzustellen.

Man halte alle rechtlichen Normen in allen Staaten ein, wo man präsent sei ein, kommentierte Google selbst die Causa lapidar. Dabei steht der Konzern in seiner Steuertaktik nicht allein: So versteuert auch Apple seine Spanien-Umsätze zu 99 Prozent in Irland. 2010 flossen an Spanien 14 Millionen Euro an Steuergeldern. 1,4 Milliarden Euro verdiente der Konzern am spanischen Markt. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
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Da Gschupfte
00
30.1.2012, 14:03
Sind geschminkte Damen

oder Damen nach einer Schönheits-OP Betrügerinnen?

Das Problem ist wieder einmal die Verschönerung von der Gefährdung zu differenzieren. Und dieser Grat ist seeeehr schmal (und das freut die Juristen)

Bei Bilanzen spricht man auch oft von "Optik" oder "Kosmetik" - wo ist der Unterschied zum "Fälschen", vor allem dann, wenn die dahinter liegenden Rechtsgeschäfte grundsätzlich legal sind (siehe Doppelbesteuerungsabkommen)

Solange es meinem Staatssäckel gut tut ist es "Optik", wenns aber smart ist, dann wird aus dem Paulus ein Saulus.

(.) (.)
00
30.1.2012, 11:41
So ganz scheint Herr Marot das Steuersystem nicht verstanden haben

Gewinnsteuern werden nicht vom Umsatz gemacht, sondern vom Gewinn.

Apple hat am spanischen Markt keine 1,4 Mrd Gewinn gemacht, sondern 1,4 Mrd Umsatz.

Apple muss also nicht die 1,4 mrd Umsatz versteuern, sondern nur den daraus erzielten Gewinn. Da Apple in Spanien nur eine Vertriebstochter hat, kommt eben eine Steuerlast von 14 Mio€ heraus.

Harald Bruckner
00
30.1.2012, 12:39
200.000.000 bis 300.000.000 Euro

Umsatzsteuer wurden zwar bezahlt, aber ein Gewinn im Promillebereich bei einem höchst lukrativen Unternehmen stinkt nach Bilanzfälschung.

(.) (.)
00
30.1.2012, 13:21
Nicht wirklich

Das iPhone/iMac/iPad wird ja nicht in Spanien erzeugt und der grösste Teil der Wertschöpfungskette findet in anderen Ländern statt.

Ohne natürlich Details zu kennen, aber Apple wird sicher handelsübliche Vertriebsspannen abgesetzt haben.

Harald Bruckner
00
30.1.2012, 14:32
handelübliche Spanne von 0,3% ?

(.) (.)
00
30.1.2012, 15:14

Ihre Rechnung kann ich leider nicht nachvollziehen.

clearlake
00
30.1.2012, 13:36
Apple wird wohl Honorarnoten aus der Kabarik abgesetzt haben....

also nicht um den heissen brei herumreden, gell...

(.) (.)
00
30.1.2012, 13:49

Apple beschäftigt ca. 300 Menschen in Spanien.

Diese Mitarbeiter produzieren in Spanien eine bestimmte Wertschöpfung und einen Gewinn, den Apple in Spanien versteuern muss.

50.000€ Ertragsteuern pro Mitarbeiter finde ich eigentlich recht saftig.

clearlake
00
30.1.2012, 17:38
mir ist jetzt nicht ganz klar..

was genau sie mit diesem posting rechtfertigen wollen???

die wertschöpfung von Google den spanischen Mitarbeitern (deren Aufgabenbereich nichteingeweihten wohl unbekannt ist) zuzurechnen ändert nichts an den konzerninternen verrechnungspraktiken.....

(.) (.)
00
30.1.2012, 18:07

Ich wollte Google überhaupt nicht rechtfertigen.

Mir geht es darum, dass der Zusammenhang zwischen 14 Mio (Ertrags-)Steuern und 1,4 Mrd Umsatz von Apple eigentlich ganz normal ist.

Mediamarkt ist auch im Vertrieb von elekton. Geräten tätig und hat bei einem Quartalsumsatz von 6 Mrd€ in Europa ein EBIT von 70 Mio€ im Quartal.

Lukas&F
00
30.1.2012, 11:20
chelene chirsch
02
30.1.2012, 08:14
kreativer als "Normalsteuerzahler"

das ist im wahrsten sinne des wortes der blanke hohn. denn ein "normalsteuerzahler", oder auch arbeitnehmer, hat de facto keine nennenswerten abschreibungs- oder gestaltungsmöglichkeiten.

0815-Kommentar
00
30.1.2012, 07:59

"dass es gar nicht möglich sei, alle geforderten Informationen bereitzustellen."

also meinem wohnsitzfinanzamt dürfte ich damit nicht kommen.

eltor09
01
29.1.2012, 23:23
Umsatz als Steuerbemessungsgrundlage, dann ist der Gewinn egal

Für international agierende Unternehmen müsste es schon längst eine andere Steuerbemessung bestimmt werden. Es sollte die Steuer nicht am Gewinn des Unternehmens bemessen werden, sondern an der vereinnahmten Umsatzsteuer. Diese Steuer ist der echte und gültige Maßstab der Wertschöpfung im agierenden Land. Der Gewinn kann durch diese Unternehmen viel zu leicht gestaltet werden, indem die Gewinne durch sogenannte Lizenzgebühren von Tochterfirmen in Steuerparadiese abgeschöpft werden.

Siehe am Beispiel dieses Beitrages.

georg-98113
00
30.1.2012, 10:20

die schleusen nicht nur den gewinn über steueroasen sondern auch den umsatz ... bei 14 Mio. Steuern bei 1,4 Mrd. Umsatz - da geht sich nicht einmal die USt. aus ...

das ist übrigens das wahre Problem - Google ist da kein Einzelfall, ebay usw. machen das genauso - hier muss dringend angesetzt werden.

andreas stampf
00
30.1.2012, 03:18

umsatz/gewinn ist aber doch je nach branche massiv unterschiedlich.

Utrillitn
03
29.1.2012, 22:12
ja, ja die Steuerpraxis

Das ist das Eine. Das Andere z.B., daß Irland mit niedrigen Steuern den anderen Euroländern in den Rücken fällt.

Dann gibt es noch die Oasen.
Weltweit am wenigsten kooperieren: die ehrenwerte Schweiz und Luxemburg.

Mit dem meisten Umsatz: GB und USA

http://bit.ly/AsTZya

Es spielt sich alles in den reichen (oecd) Ländern ab. Das Geld aus den armen Ländern geht auch dorthin.

Griechenland: allein im Oktober €14 Mrd in die Schweiz transferiert.

CEEIT
01
29.1.2012, 21:20
Google ist aber nicht allein. 99% der Konzerne agieren so oder ähnlich:

http://www.faz.net/aktuell/w... 26896.html

http://www.synercon.at/de/veranl... ngen/varia

Ohne Gurt im Ionensturm
00
29.1.2012, 21:05

Könnt ma das auch mal bei Schweizer pharmafirmen und ihren niederlassungen in wien auhof machen ;-) da gibts so komische geschichten von überstunden in der it weil noch schnell vor jahresabschluss die finanzen ein bissl umgebogen werden müssen weil der konzernzentrale die gewinne zu hoch sind.

Mann40
00
29.1.2012, 20:36

Bravo Spanien, und bitte jetzt konzertiert europaweit, eine echt Schweinerei wie sich hier die Konzerne aus der Steuerschlinge ziehen. Das darf nicht sein, das ist keine Steuergerechtheit.

CEEIT
05
29.1.2012, 19:56
das ist das Problem; alle großen Konzerne versteuern nicht,

sondern Nutzen legale Umgehungen über Steuerparadiese. Der Sapnischen Niedrlassung werden horrende rechnungen aus einem Steuerparadies gestellt, sodass keine Steuer anfällt:

http://www.synercon.at/de/veranl... ngen/varia

es müssen keine Steuern erhöht werden, sondern einfach die vorhandenen bezahlt werden. Doch dies geschieht global nicht.

4311503
00
29.1.2012, 21:06

Ganz so leicht ist das aber auch nicht. Verrechnungspreise müssen schon eine gewisse Fremdüblichkeit haben, sonst werden sie einfach nicht anerkannt.

Wenn das Spiel so leicht wäre, dann gäbe es ja keine auf Konzernsteuerrecht/internationales Steuerrecht spezialisierten Steuerberater ;)

CEEIT
00
29.1.2012, 21:18
und genau diese Berater fürhren es durch.

CEEIT
00
29.1.2012, 21:17
Doch es ist leicht - für Großkonzerne

Deloitte und all die anderen leben davon. Jeder Konzern zahlt heute an diese Firmen mehr als an die Staaten Steuern.
Darum ist es leicht - sie müssen gar nichts tun - das Konzept und die Umsetzung wird von Spezialisten erstellt und begleitet.
99% der Konzerne lasen dies so durchführen.

4311503
00
29.1.2012, 21:54

Es ist möglich, aber es ist definitiv nicht so naiv leicht, wie in dem Posting, auf das ich geantwortet habe, beschrieben.

Und wie sie selber sagen, benötigt es dafür das Knowhow von Spezialisten. Das zeigt ja schon die Komplexität auf. Nachdem Beamte aber nichts verdienen dürfen werden die, die wirklich was drauf haben und nicht völlige Idealisten sind, eher auf der privaten Seite sitzen.

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