"Es findet ein Umdenken statt"

Interview | Alexandra Föderl-Schmid, 29. Jänner 2012, 17:35
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    foto: apa/epa/laurent gillieron

    Muhammad Yunus: "Geld ist eine machtvolle Maschine. Man kann sie einsetzen, um das Leben von Menschen zu verbessern."

Für seine Mikrokreditprojekte erhielt Muhammad Yunus 2006 den Friedensnobelpreis. In Davos propagierte er soziales Unternehmertum

STANDARD: Wie haben Sie in Davos Spitzenmanagern erklärt, wie sich soziales Unternehmertum von deren Ansatz unterscheidet?

Yunus: Ich sagen Ihnen, ich mache das Gegenteil von dem, was ihr macht. Ich bin Unternehmer, um die Welt zu verändern und Probleme zu lösen. Ich bin nicht darauf konzentriert, Profit zu machen. Das herkömmliche Wirtschaften hat zum Ziel, Geld zu verdienen. Die Kultur, in der wir leben, ist auf Geld konzentriert. Geld ist eine sehr machtvolle Maschine. Man kann sie einsetzen, noch mehr Geld zu verdienen oder das Leben von Menschen zu verbessern.

STANDARD: Zwei Großkonzerne haben Sie überzeugt, mit ihnen Projekte zu machen: Adidas bietet einen Billigschuh an, Danone Joghurt für Kinder gegen Unterernährung. Haben sich noch andere Manager in Davos gefunden, die mit Ihnen arbeiten wollen?

Yunus: Ich habe einige getroffen aus Japan, China und Europa. Die kommen zu uns und sagen, wir wollen etwas machen, wissen aber nicht, wie wir das mit dem sozialen Unternehmen anstellen sollen. Wir werden sehen, was dann etwas wird.

STANDARD: Technologische Innovationen werden immer wichtiger. Wie können diese Gadgets in der Entwicklungshilfe eingesetzt werden?

Yunus: Im Gesundheitsbereich gibt es kleine tragbare Geräte, die in abgelegenen Dörfern zum Beispiel bei Schwangeren eingesetzt werden können. So kann ein Arzt in Kombination mit einem Handy Anweisungen geben, Untersuchungen durchführen, auch wenn er nicht vor Ort ist. Das kann man mit Icons ganz einfach bedienbar machen. Damit kann man Arztservice überall anbieten.

STANDARD: Österreich hat die Entwicklungshilfe auf 0,3 Prozent vom BIP gekürzt. Fürchten Sie, dass die Sparmaßnahmen in Europa generell zu einem Rückgang an Entwicklungshilfe führen?

Yunus: Ja. Und die Probleme in Europa sind durch das herkömmliche Wirtschaftssystem verursacht. Wenn man in dem System bleibt, dann macht es wenig Unterschied, wie groß die Zahl hinter der Null ist, die man zur Verfügung stellt. Wenn man das Geld ohnehin nur anderen Regierungen gibt, weiß man häufig nicht, was damit geschieht. Man sollte dieses Geld stärker in soziale Unternehmen investieren, etwa um Technologie wie die vorhin geschilderte zu entwickeln. Man könnte auch Universitäten errichten, ohne dafür Hörsäle bauen zu müssen. Wir haben viele Ideen.

STANDARD: In manchen EU-Ländern gibt es eine Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 40 Prozent. Welche Ideen haben Sie, um diese abzubauen?

Yunus: Das ist schrecklich. Welche Art von Gesellschaft haben Sie nur aufgebaut, die die Kapazität von jungen Menschen mit all dem Potenzial nicht nutzt? Jungen Männern, die die Kraft haben, alles Mögliche zu machen, wird gesagt: Wir haben nichts für dich zu tun. Nicht diese jungen Menschen, die Gesellschaft hat versagt. Wir brauchen eine neue Gesellschaft ohne Arbeitslosigkeit, wo man ohne Sozialhilfe leben kann. Wir müssen viel mehr Gedanken in die Richtung investieren. Aber ich habe schon das Gefühl, es findet ein Umdenken statt.

STANDARD: In Indien haben sich Frauen verbrannt, die Kleinkredite nicht zurückzahlen konnten. War die Idee falsch, Armen durch Mikrokredite helfen zu können?

Yunus: Es gab Probleme in einer Provinz, in Andhra Pradesh, mit aggressiven Mikrokreditprogrammen, die nur aufs Geldverdienen ausgerichtet waren. Das ist eine Form, die ich immer verurteilt habe. Wir setzen Mikrokredite ein, um armen Menschen zu helfen. Aber es gibt andere, die diese gute Idee zum Geldverdienen missbraucht haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2012)

Muhammad Yunus (71), bangladeschischer Ökonom, wurde jahrelang für den Wirtschaftsnobelpreis gehandelt, 2006 erhielt er den Friedensnobelpreis. 2011 wurden gegen den Gründer der auf Mikrokredite spezialisierten Grameen Bank Vorwürfe des Missbrauchs von Geldern laut, die sich nach Untersuchungen als haltlos erwiesen. Der verheiratete Familienvater ist in verschiedenen UN-Organisationen als Berater tätig.

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prooostlX.at
00
30.1.2012, 14:26

guter mann, ich hoffe seine ideen finden gehör!

HookMind
03
30.1.2012, 13:03
ein sehr weiser Mensch

zu Recht Nobelpreistraeger...

mensdorff pfui...
00
30.1.2012, 14:06

in den letzten jahren der einzige friedensnobelpreisträger neben "ärzte ohne grenzen" der das auch verdient hat....

TrickkisteX
01
30.1.2012, 13:01

Solange der "Tanz um das goldene Kalb" weitergeht wird sich nichts ändern.

Vielleicht ist es gut für Europa auf dem befürchteten "absteigenden Ast" zu sein und somit in Wirklichkeit die Chance zu haben die nächste Evolutionsstufe zu erklimmen.

Die Zeit ist längst reif dafür wieder den Menschen, die Menschlichkeit, in den Mittelpunkt zu stellen und uns allen zu ermöglichen uns selbst zu verwirklichen.

eltor09
00
30.1.2012, 10:35
Welche Art von Gesellschaft haben Sie nur aufgebaut, die die Kapazität von jungen Menschen mit all dem Potenzial nicht nutzt?

Das wird der Schlüsselsatz für die Zukunft Europas und auch der restlichen Welt. Eine arbeitslose Jugend führt unweigerlich zu Faschismus, Intolleranz und Gewalt.

Am Beispiel Griechenland zeigen Europas Politiker, dass sie die Welt nicht verstehen und keine tragfähigen Lösungen anzubieten haben. Statt einen Finanzmarkspezialisten als Regierungschef zu installieren, sollten jene Politiker zur Verantwortung gezogen werden, die die Bilanzen für einen Beitritt zum Euro getürkt haben. Weiteres müssten jene Politiker hinter Gitter, die es zugelassen haben, dass die Reichsten des Landes keine Steuern bezahlen mussten.

Stattdessen erwarten Europas Politiker, dass in paar Monaten und einigen Euros später die heile Welt in Griechenland ausbricht.

Kühnemund
00
30.1.2012, 10:29
Wir brauchen eine neue Gesellschaft ohne Arbeitslosigkeit, wo man ohne Sozialhilfe leben kann

Also das gibts nur in Utopia. Wenn es keine Arbeitslosigkeit gäbe würde es auch keine Sozialhilfe geben müssen. Wobei es dann auch soetwas wie Mindestlöhne bzw. Recht auf Arbeit geben müsste. So etwas in dieser Art hat es 70 Jahre lang einmal gegeben und wurde aus guten Gründen als Reich des Bösen bezeichnet. Ein Ableger davon ist auch Nordkorea!
Was es natürlich geben könnte, was aber unaussprechlich ist, wäre wo man ohne Arbeit und ohne Sozialihilfe für eine gewisse Zeit genug zum Leben hat, solange bis man wieder eine Arbeit hat. Oder wo man nicht gezwungen wird 45 Jahre lang Sklave sein zu müssen weil einem immer 70-80 % weggenommen wird.

littlemisssunshine87
00
30.1.2012, 09:58
the micro debt

wer wirklich wissen möchte, wie diese mikrokredit- unternehmen vorgehen und was da angerichtet wird, dem sei die doku ,,the micro debt" ans herz gelegt.
http://m.youtube.com/index?des... i3BhPKkVHo

sonne-licht
 
01
30.1.2012, 09:51
es findet ein umdenken statt

in wels hat sich ein "armer" öffentlich verbrannt!

die aussagen der sozial institutionen es war ja nur milieu-bedingt sagt schon aus was in den köpfen der menschen in gewissen bereichen vorherrscht!

in österreich sind die meisten sozial einrichtungen nur da um postenschacher zu betreiben bzw. um sich auf kosten des staates wichtig zu machen.

dort wird nur verwaltet, jedoch selten geholfen.

in den sozialeinrichtungen in österreich werden sogar die hilfe suchenden menschen unterdrückt und blockiert um sich den eigenen arbeitsplatz zu erhalten! gesetze werden nicht vollzogen, sondern polemisch blokiert!

warum gibts keine liste von menschen, die es mit hilfe der öster. sozialeinrichtungen aus der sozialen armut geschafft haben?

littlemisssunshine87
00
30.1.2012, 09:25
the micro debt

wer wirklich wissen möchte, was mikeokredite aneichten, dem sei die doku ,, the micro debt" ans herz gelegt.

http://m.youtube.com/index?des... i3BhPKkVHo

prooostlX.at
00
30.1.2012, 14:15

ich kann jetzt leider ihren link nicht öffnen, allerdings habe ich das buch von muhammad yunus dazu gelesen und die idee ist sicher eine edle - die sich natürlich wie immer auch missbrauchen lässt..

Roter Baron
10
30.1.2012, 09:02
schaut eher net danach aus

das downgrading europe progrom
der us-rumrate-agenturen läuft auf vollen touren weiter.
kein wunder, lässt sich mit fallen kursen ja reichlichst kohle machen.
was wohl früher kommt, ZZZ- für alle, oder eine regulierung der märkte, der börsen und der bankster ?

roter baron

YuandI
02
30.1.2012, 08:33
Das möchte ich herausstreichen:

Yunus: "Das ist schrecklich. Welche Art von Gesellschaft haben Sie nur aufgebaut, die die Kapazität von jungen Menschen mit all dem Potenzial nicht nutzt?"

Keep in touch
10
30.1.2012, 08:27

....ja habs gleich auf facebook geteilt...

)so(
00
30.1.2012, 00:50
Europa und Amerika "downsizen" und Asien pushen, um globale Unterschiede zu nivellieren

Das ist das einzige Umdenken, das ich erkennen konnte. Das aber schon vor etwa 1 Jahrzehnt bzw seit Chinas WTO-Beitritt.

Papa Radzy
12
29.1.2012, 22:50

Soziales Unternehmertum, das hört sich wie Musik in meinen Ohren an, nur warum sollte ein Multinationaler Konzern sein profitorientiertes Geschäftsmodell aufgeben?

Solange sie niemand daran hindert die 3te Welt auszubeuten und wir nicht mehr für Faire Lebensmittel zahlen wollen, bleibt leider alles beim alten ;[

prooostlX.at
00
30.1.2012, 14:20

ich kann ihnen nur das buch dazu empfehlen (yunus - creating a world without poverty). ein ansatz dazu: die klassischen spenden in solche unternehmen investieren, die aus diesem einmalbetrag einen ständigen mehrwert generieren können. beispiel danone: sie kaufen mit ihrer spende nicht x becher joghurt, sondern dieses unternehmen baut viele kleine lokale fabriken in denen die armen arbeit finden und die jughurt ladies die produkte zu quasi herstellungskosten verteilen. - natürlich ist das jetzt nur ein konzept, da kann viel schiefgehen und es kann ausgenützt werden - aber die dahinter stehende idee ist fein.

Kühnemund
20
30.1.2012, 10:20
Deine Aussage ist falsch und dumm!

Die 3. Welt wird nicht ausgebeutet indem man den Menschen dort Arbeit gibt die ihnen ein ehrwürdigeres Dasein ermöglicht als wenn sie keine Arbeit hätten. Viele dieser 3. Weltstaaten sind durch Arbeit zu Reichtum gekommen: Südkorea, Vietnam,...
Würden die Gesetze in Europa nicht so krank sein würde es hier auch weniger Arbeitslosigkeit geben. Ich kenne genug Kleinstunternehmen, die gerne mehr Mitarbeiter anstellen würden, Dank der entsetzlichen Lohnnebenkosten ist das unmöglich.

Marth
00

Warum schließen sie immer von sich auf andere?
Zu ihren haltlosen ad-hoc These:
Kennen sie die Kontingenztheorie? Zentrum-Peripherie Modell? Internationale Verstrickungen sind weitaus komplexer.
Zu ihrer zweiten These:
Sie beziehen sich, wie man so gerne sagt auf die ökonomische These der natürlichen Arbeitlosigkeit. Diese ist jedoch emprisch nicht fundiert.

GTV916
 
00
30.1.2012, 13:13
Mhm ... soso ...

WER wird den reich in dritten Welt- und Schwellenländern?

dasandere
01
30.1.2012, 01:29
es gibt schon viele

die sie daran hindern. Die Frage ist eher, warum tun es nicht noch viel mehr und jederzeit. Ja, warum arbeiten noch immer Leute bei den Top 500 Konzernen (denen 3/4 der Weltbesitztümer gehören)?

know your enemy
23
29.1.2012, 20:10
ich halte es immer noch für einen skandal, dass man dem man den friedens- statt den wirtschaftsnobelpreis gegeben hat

es gibt mittlerweile übrigens viele gute möglichkeiten für jedermann direkt selber in mikrokredite zu investieren und damit menschen zu helfen!

die rendite ist nicht die welt, aber sonst wo ist sie auch nicht grad toll .-)
und man setzt sein erspartes dadurch wirklich sinnvoll ein, anstatt es irgendwelchen gierigen bankern in den rachen zu schieben!

nur ein beispiel:
http://www.oikocredit.org/de/home

schauts euch an!

dasandere
21
30.1.2012, 01:30
Bitte zuerst kritisch

über Mikrokredite recherchieren.
Inklusive (und insbesondere) oikocredit.

Wenn schon Geld geben, dann bitte auch wirklich hergeben.

know your enemy
00
30.1.2012, 06:07
mehr haben sie nicht zu bieten?

sowas wie ein agrument zum beispiel?

was ihren letzten absatz angeht muss ich sie enttäuschen.
an almosen sind die meisten empfänger nicht interessiert und dass geld verschenken nicht funktioniert ist milliardenfach bewiesen.

aber auf ihre argumente gegen mikrokredite bin ich gespannt

dasandere
00
30.1.2012, 17:16
Geld verschenken

funktioniert nicht, wurde Mrd-fach bewiesen?

Also meines beruflichen und fachlichen Wissenstands nach, und ich arbeite in dem Feld, wurden weder jemals Milliarden verschenkt, noch wissen wir, was dann passieren würde. Die Forscher im Bereich globale Gerechtigkeit sind sich ziemlich einig, dass diese nicht vorhandene, bedingungslose Umverteilung der Grund für fast alle globalen Probleme ist.
Umgekehrt arbeite ich selbst mit Forschungsgruppen, die erstmalig empirische und qualitative Ergebnisse zu Mikokrediten aus Kamerun, Vietnam, Bangladesch liefern werden (noch unveröffentlicht). Natürlich gibt es kein schwarz-weiss - aber in der Regel versagt das System, die Leute werden in ein Kommerzialisierungsverhältnis gedrängt, Schuld übersteigt.

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