Die Nummer eins der Welt setzt sich im längsten Grand-Slam- Endspiel der Geschichte gegen Rafael Nadal durch
Melbourne - Während der Siegerehrung sind die beiden fast
zusammengebrochen. Flehend schauten der Serbe Novak Djokovic (24) und
der Spanier Rafael Nadal (25) durch die australische Nacht, es war in
Melbourne fast schon zwei Uhr früh. Die Ansprachen gerieten extrem
lange, nahezu ausufernd, die Open haben eben viele Sponsoren. Und der
legendäre Rod Laver musste gebührend begrüßt werden. Ein paar Ordner
haben sich dann der Finalisten erbarmt, sie schafften zwei Stühle
herbei. Djokovic und Nadal konnten endlich sitzen, ihre Beine begannen
den hoffnungslosen Kampf gegen die Verkrampfung.
Ein Spiel aus einer anderen Welt
Was die beiden 5:53 Stunden lang auf dem Tennisplatz zeigten, war
phänomenal, dramatisch, hochklassig, manchmal kitschig, nahezu episch.
Djokovic fasste das Geschehene so zusammen: "Guten Morgen. Danke Rafael,
leider konnte es nicht zwei Sieger geben. Es war ein historisches Match.
Du bist einer der besten und geschätztesten Spieler." Nadal sagte:
"Guten Morgen. Novak, du bist fantastisch. Obwohl ich verloren habe, war
es etwas Spezielles für mich. Ich werde weiterkämpfen und wiederkommen."
Zwischendurch ist Djokovic entkräftet auf dem Boden gelegen. Das war
wohl auch eine Folge des Halbfinales vom Freitag, für den Sieg gegen
Andy Murray hatte er fast fünf Stunden benötigt. Aber der
Titelverteidiger ist am Sonntag immer wieder aufgestanden. Sogar nach
Verlust des vierten Satzes, den Nadal nach 88 Minuten im Tiebreak
gewinnen konnte. Er feierte das voreilig wie den Matchsieg. 75 Minuten
später beklagte er den Matchverlust. Es war das längste Endspiel in der
bisherigen Grand-Slam-Geschichte. Eine neunminütige Regenpause, in der
das Dach der Rod-Laver-Arena geschlossen wurde, ist darin inkludiert. In
Punkten endete das Match 193 zu 176.
Nadal hat nun sieben Finale in Serie gegen Djokovic verloren. Der
Weltranglistenerste hält bei fünf Grand-Slam-Titel (Nadal hat zehn),
drei davon trugen sich in Australien zu. Je einer stammt aus Wimbledon
und New York, die French Open fehlen in der Liste. Er ist erst der
fünfte Profi, der drei Major-Turniere in Folge holen konnte. Die vier
anderen sind Roger Federer, Pete Sampras, Rod Laver und Nadal.
Die zwei Turnierwochen wurden von 686.006 Menschen besucht. Djokovic:
"Die wahren Helden sind die Fans." (hac, sid, DER STANDARD Printausgabe 30.01.2012)