Spanische Fluggesellschaft stellt Betrieb plötzlich ein - 647 Flüge gestrichen, 22.000 Passagiere betroffen
Barcelona - Die finanziell schwer angeschlagene
spanische Fluggesellschaft Spanair hat ihren Betrieb abrupt
eingestellt und sämtliche Flüge gestrichen, zum Teil eine halbe
Stunde vor dem geplanten Abflug. Spanischen Medien zufolge waren am
Wochenende mindestens 22.000 Passagiere betroffen. Auf spanischen
Flughäfen saßen hunderte Fluggäste fest, von denen viele ihrem Ärger
lautstark Luft machten.
Der letzte Flug der Gesellschaft landete am Freitag um 22.00 Uhr.
Danach mussten konkurrierende Fluggesellschaften wie Iberia, Vueling
und Easyjet einspringen. Die Regierung gab die Zahl der zwischen
Samstag und Montag gestrichenen Spanair-Flüge mit 647 an. Auf einem
Flughafen in Mali saßen demnach 170 Passagiere fest, eine ähnlich
große Zahl in Gambia, außerdem mehrere in Marokko.
Passagiere beschweren sich: Ersatzticket selbst zu zahlen
Das spanische Verkehrsministerium erklärte, die Firma sei
verpflichtet, sich um die betroffenen Passagiere zu kümmern.
Insbesondere müsse sie ihnen den Ticketpreis erstatten und eine
alternative Beförderungsmöglichkeit zur Verfügung stellen. Einige
Passagiere beschwerten sich, dass sie zu allem Übel auch noch für
Ersatztickets zahlen müssten.
Spanair erklärte zur Begründung der sofortigen Einstellung des
Betriebs am Freitagabend, die Entscheidung sei angesichts der
"mangelnden finanziellen Aussichten für die kommenden Monate" aus
Vorsicht und zur Sicherheit getroffen worden. Die Leitung des
Unternehmens bedauere die Lage und bitte alle Betroffenen um
Verzeihung.
Katalonien wollte keinen Kredit geben
Die Region Katalonien, die einer der wichtigsten Anteilseigner der
Firma ist, hatte zuvor erklärt, dass sie wegen der "aktuellen Krise"
der angeschlagenen Fluggesellschaft keinen neuen Kredit geben könne.
Diese Entscheidung sei nach dem Scheitern der Verhandlungen von
Spanair mit Qatar Airways über eine finanzielle Partnerschaft
getroffen worden, hieß es. Die Region hatte im Januar 2011 Spanair
einen Notkredit von 10,5 Millionen Euro gewährt. Spanair war auch
zuvor massiv vom Staat unterstützt worden.
Die spanische Regierung kündigte am Samstagnachmittag
Strafmaßnahmen gegen Spanair an. Wegen Verletzung der Regeln über
Betriebskontinuität und Passagierrechte könne ein Bußgeld von bis zu
neun Millionen Euro auf das Unternehmen zukommen. Das
Verkehrsministerium erklärte, dass es wegen zweier schwerer Verstöße
gegen das Gesetz über die Luftsicherheit gegen die Firma vorgehe. In
beiden Fällen könnten demnach jeweils 4,5 Millionen Euro Strafe
fällig werden.
1986 gegründet
Spanair war 1986 gegründet worden. Die Fluggesellschaft war vor
allem innerhalb Spaniens aktiv. In Deutschland flog Spanair zuletzt
Berlin, Hamburg, Frankfurt und München an. 2009 wurde die
Tochterfirma der skandinavischen Fluggesellschaft SAS von spanischen
Aktionären, darunter der Region Katalonien, übernommen.
Im August 2008 wurde die Gesellschaft durch den Unfall einer ihrer
Maschinen am Flughafen von Madrid schwer getroffen. 154 Menschen
starben, als das Flugzeug beim Start abstürzte. Danach wurde das
Unternehmen umstrukturiert. Von den zuvor 4.000 Angestellten wurden
1.100 gekündigt. (APA)