Betrieb eingestellt

Hunderte Passagiere nach Spanair-Pleite gestrandet

29. Jänner 2012, 13:53

Spanische Fluggesellschaft stellt Betrieb plötzlich ein - 647 Flüge gestrichen, 22.000 Passagiere betroffen

Barcelona - Die finanziell schwer angeschlagene spanische Fluggesellschaft Spanair hat ihren Betrieb abrupt eingestellt und sämtliche Flüge gestrichen, zum Teil eine halbe Stunde vor dem geplanten Abflug. Spanischen Medien zufolge waren am Wochenende mindestens 22.000 Passagiere betroffen. Auf spanischen Flughäfen saßen hunderte Fluggäste fest, von denen viele ihrem Ärger lautstark Luft machten.

Der letzte Flug der Gesellschaft landete am Freitag um 22.00 Uhr. Danach mussten konkurrierende Fluggesellschaften wie Iberia, Vueling und Easyjet einspringen. Die Regierung gab die Zahl der zwischen Samstag und Montag gestrichenen Spanair-Flüge mit 647 an. Auf einem Flughafen in Mali saßen demnach 170 Passagiere fest, eine ähnlich große Zahl in Gambia, außerdem mehrere in Marokko.

Passagiere beschweren sich: Ersatzticket selbst zu zahlen

Das spanische Verkehrsministerium erklärte, die Firma sei verpflichtet, sich um die betroffenen Passagiere zu kümmern. Insbesondere müsse sie ihnen den Ticketpreis erstatten und eine alternative Beförderungsmöglichkeit zur Verfügung stellen. Einige Passagiere beschwerten sich, dass sie zu allem Übel auch noch für Ersatztickets zahlen müssten.

Spanair erklärte zur Begründung der sofortigen Einstellung des Betriebs am Freitagabend, die Entscheidung sei angesichts der "mangelnden finanziellen Aussichten für die kommenden Monate" aus Vorsicht und zur Sicherheit getroffen worden. Die Leitung des Unternehmens bedauere die Lage und bitte alle Betroffenen um Verzeihung.

Katalonien wollte keinen Kredit geben

Die Region Katalonien, die einer der wichtigsten Anteilseigner der Firma ist, hatte zuvor erklärt, dass sie wegen der "aktuellen Krise" der angeschlagenen Fluggesellschaft keinen neuen Kredit geben könne. Diese Entscheidung sei nach dem Scheitern der Verhandlungen von Spanair mit Qatar Airways über eine finanzielle Partnerschaft getroffen worden, hieß es. Die Region hatte im Januar 2011 Spanair einen Notkredit von 10,5 Millionen Euro gewährt. Spanair war auch zuvor massiv vom Staat unterstützt worden.

Die spanische Regierung kündigte am Samstagnachmittag Strafmaßnahmen gegen Spanair an. Wegen Verletzung der Regeln über Betriebskontinuität und Passagierrechte könne ein Bußgeld von bis zu neun Millionen Euro auf das Unternehmen zukommen. Das Verkehrsministerium erklärte, dass es wegen zweier schwerer Verstöße gegen das Gesetz über die Luftsicherheit gegen die Firma vorgehe. In beiden Fällen könnten demnach jeweils 4,5 Millionen Euro Strafe fällig werden.

1986 gegründet

Spanair war 1986 gegründet worden. Die Fluggesellschaft war vor allem innerhalb Spaniens aktiv. In Deutschland flog Spanair zuletzt Berlin, Hamburg, Frankfurt und München an. 2009 wurde die Tochterfirma der skandinavischen Fluggesellschaft SAS von spanischen Aktionären, darunter der Region Katalonien, übernommen.

Im August 2008 wurde die Gesellschaft durch den Unfall einer ihrer Maschinen am Flughafen von Madrid schwer getroffen. 154 Menschen starben, als das Flugzeug beim Start abstürzte. Danach wurde das Unternehmen umstrukturiert. Von den zuvor 4.000 Angestellten wurden 1.100 gekündigt. (APA)

Kommentar posten
14 Postings
Mimir
00
Nein, iberia ist etwas anderes

Iberia ist seit 25 Jahre ohne Bruchlandung unterwegs

Bernhard K.1
 
00
Spanair = Iberia?

Ich dachte die 2008 abgestuerzte Maschine war von Iberia? Lieg ich da falsch oder is das die selbe Linie?
Immerhin sind die Star Alliance member. Ich bin immer davon ausgegangen mit denen ein sicheres Ticket zu haben :(

SK26
10
30.1.2012, 22:03
Spanair

Manager -> Gefängniss

Ischgl
21
30.1.2012, 13:08
Billigflieger Schicksal

Die selben Routen werden von renommierten Fluglinien beflogen und serviciert. Die Passagiere von SpanAir wollten die selbe Dienstleistung zum Billigpreis. Da ist das anstranden ganz normales Risiko. Wie heisst es so schön: " Für Geld gibt´s Zucker. "
Mein Bedauern hält sich in Grenzen.

McDonnell Douglas
01
30.1.2012, 18:59
War kein Billigflieger

Star Alliance Member und Code-Share Partner der LH.

QUMI
10
30.1.2012, 11:02
Strafen helfen doch im Nachhinein nicht

Es sollte verankert werden, dass jede Fluggesellschaft Rückstellungen (in Cash) bilden muss (einzulegen beim Staat und wenn der schwach ist bei einem anderen EU-Staat oder der Weltbank, oder wo auch immer) und diese Rückstellung zumindest für einen Betrieb ausreichen muss, der garantiert, dass alle bereits gekauften Tickets und "abgearbeitet" werden könnnen, bzw. alle sich auf Reisen befindlichen Personen entsprechend dem Flugplan zurück gebracht werden. Im Nachhinein Strafen für einen Konkurbetrieb zu verhängen ist Nonsens

sysiphos
 
00
29.1.2012, 20:53
die strafzahlungen werden sie nicht mehr jucken...

sieht ja eher danach aus, dass die bude pleite anmeldet und bestenfalls übernommen und dann weitergeführt wird, aber erst nach einem insolvenzverfahren, oder??

Peter_23
15
29.1.2012, 16:24
Ist denn der Herr Niki Lauda bei der Spanair etwa Berater?

Das mit den Pleite machen und Passagiere (und Steuerzahler) sitzen lassen, schaut ganz nach der Handschrift und dem Drehbuch des Mr. Niki-"Starunternehmer"-Lauda aus.

Vitaminbombe
20
29.1.2012, 17:14
sind die AUA

Lobbyisten heute einmal nicht mit sich selbst beschäftigt ...

Vitaminbombe
01
29.1.2012, 16:07
parallel zu

der Insolvenzabsicherung für Pauschalreisen (und die Flüge als Teil solcher) wird es Zeit für eine Insolvenzabsicherung für die Passagiergelder von Flugunternehmen, insbesondere für den Rücktransport!

macstar
13
29.1.2012, 15:19
einfach flüge streichen und passagiere sitzen lassen

auch bekannt als die niki lauda methode :D

Vitaminbombe
00
29.1.2012, 16:09
kostet die Fluglinie

(falls sie nicht insolvent ist) aber dann auch zwischen 250 und 600 (je nach Destination) Ausgleichsleistungen pro Passagier zusätzlich zum Beförderungsanspruch!

Montgomery McFerryn
10
29.1.2012, 14:34

Und wieder eine Billigairline weniger, naja es werden noch einige folgen.

Martin Müller10
 
00
29.1.2012, 14:31
Es wäre Zeit da eine Verischerungspflicht für die Fluglinien einzuführen

über die IATA, vor allem bei entlegenen Destinationen ist ein Ersatzflug oft schwer zu kriegen. Bei einer Quetschn wie der Spanair geht man ein gewisses Risiko aber ich erinnere mich noch als die Swiss-Air grounded blieb war das echt ein Schock, ich hab die Swiss-Air oft in Krisenregionen verwendet, galt im allgemeinen als die letzte die noch aus Krisengebieten ausgeflogen haben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.