FIS-Renndirektor von Unmöglichkeit überzeugt - "Nicht einmal richtig besichtigten können"
Garmisch-Partenkirchen - Nebel war zum Leidwesen der
alpinen Skirennläufer am Sonntag der große Sieger in
Garmisch-Partenkirchen. Wegen dichter und vor allem hartnäckiger
Nebelschwaden im Streckenteil "Hölle" musste am Sonntagnachmittag der
Weltcup-Super-G der Herren im WM-Ort 1978 und 2011 nach dreimaliger
erfolgloser Verschiebung endgültig abgesagt werden. "Es war absolut
unmöglich, hier zu fahren. Der Nebel war so stark, dass nicht einmal
richtig besichtigt werden konnte", erklärte FIS-Renndirektor Günter
Hujara.
Somit mussten die Speed-Spezialisten wieder einmal unverrichteter
Dinge abreisen. "Das ist sehr schade, denn unsere Burschen sind
gestern schon in der Abfahrt sehr gut gefahren und wären auch heute
im Super-G vorne dabei gewesen. Ich habe fix mit unserem ersten
Stockerlplatz im Super-G in dieser Weltcup-Saison gerechnet",
bedauerte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum die Absage in Bayern.
Nachdem bereits in der Vorwoche der Super-G in Kitzbühel nicht
hatte stattfinden können, ist man nun bereits mit zwei Rennen in der
zweitschnellsten Alpin-Disziplin in Verzug. Die naheliegendste
Variante dürfte sein, dass sowohl Ende Februar in Crans-Montana als
auch Anfang März in Kvitfjell je ein Super-G nachgeholt wird. In
beiden Weltcup-Orten steht bereits je ein Rennen in dieser Disziplin
im ursprünglichen Programm. Eine Bestätigung soll bereits in der
kommenden Woche in Chamonix erfolgen, wie Hujara am Sonntag
bestätigte. Allerdings hätte in Kvitfjell eine zweite Abfahrt
Vorrang, sofern in der Königsdisziplin noch ein Nachtragsrennen
notwendig werden sollte.
DSV und Garmisch im Clinch
Die Absage am Sonntag war ein weiterer Rückschlag für
Garmisch-Partenkirchen, wo die Zukunft der Weltcup-Rennen infrage
steht. Es geht wieder einmal ums liebe Geld und darum, wie
Leistungssport und Tourismus nebeneinander funktionieren. "Die
Grundproblematik ist, sind wir am Hang Störfaktor oder sind wir gern
gekommene Gäste, die eine klare Marketingbotschaft
Garmisch-Partenkirchens nach außen tragen", betonte Alfons Hörmann,
der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV).
Der DSV bemängelt, dass er die Kandahar nicht wie erhofft zu
Trainingszwecken nutzen kann und zudem beim Weltcup noch einmal zur
Kasse gebeten wird. In die Infrastruktur von Garmisch-Partenkirchen
waren im Zuge der WM 2011 rund 25 Millionen Euro investiert worden.
Im laufenden Jahr, betonte Hörmann, seien zudem etwa 400.000 Euro
mehr vom Verband für die vier Rennen ausgegeben worden als noch vor
zwei Jahren. Das sind laut dem DSV-Boss umgerechnet "acht bis zehn
Trainer weniger oder mehr in den verschiedenen Disziplinen".
Sogar die deutschen Athleten sind mit der aktuellen Situation bei
ihren Heimrennen unzufrieden. "Wenn man sich das Drumherum anschaut,
dann wäre ich nicht so sauer, wenn es woanders hingeht", sagte
Stephan Keppler. "Wir trainieren auch nicht gerne hier. Es ist selten
genug, dass wir hier zum Fahren kommen." Im Training sei man auch
schon von Einheimischen beschimpft worden. "Die Garmischer wollten
uns noch nie hier haben zum Trainieren", gab der 28-Jährige zu
Protokoll.
Bis zum Kongress des Internationalen Skiverbandes FIS vom 27. Mai
bis 2. Juni in Kangwonland/Südkorea will der DSV Klarheit. Sollte in
Garmisch-Partenkirchen kein Speed-Weltcup mehr gefahren werden,
drohen die Rennen komplett ins Ausland abzuwandern. Bis 2016 steht
die Marktgemeinde aber noch im provisorischen Weltcup-Kalender.
Kommende Woche gastiert der Damen-Weltcup mit einer Abfahrt und einem
Super-G in Garmisch-Partenkirchen.
(APA/dpa)