Beklagtes Unternehmen favorisiert Christian Imo für Erstellung von "Riesengutachten" - Anlegeranwalt lehnt das ab
Wien - In der Causa Immofinanz herrscht immer noch
Uneinigkeit darüber, wer in den tausenden Anlegerverfahren das
sogenannte Riesengutachten erstellen soll, das das Handelsgericht
(HG) Wien aus Kapazitätsgründen anstrebt. Die beklagte Immofinanz
würde dafür gerne Christian Imo beauftragen, der bereits im Oktober
2010 eine entlastende Expertise vorgelegt hatte und im Dezember 2011
ein von beiden Streitparteien positiv interpretiertes
Ergänzungsgutachten. Anlegeranwalt Michael Poduschka habe einen
entsprechenden Vorschlag aber abgelehnt, echauffiert sich
Immofinanz-Rechtschef Josef Mayer.
Immobilienblase schuld
"Dies legt für uns die Vermutung nahe, dass das
Ergänzungsgutachten doch nicht so 'sensationell positiv' im Sinne von
Poduschkas Argumentationslinie ist wie bisher von ihm behauptet."
Vielmehr sehe sich die Immofinanz bestätigt: Schuld an den massiven
Kursverlusten bei Immofinanz und ihrer früheren Osttochter Immoeast
sei das Platzen der Immobilienblase gewesen, nicht die umstrittenen
Aktienrückkäufe der Constantia Privatbank (CPB). Poduschka meinte
dazu auf APA-Anfrage nur: "Das ist Entscheidung des Gerichts, ich
will dem HG nicht irgendetwas vorsetzen." Zumal Imo "in anderen
Fällen ohnehin bestellt ist und auch weitermachen wird".
Imo hatte laut seinem im Herbst 2010 vorgelegten Gutachten keine
"ausreichend wahrscheinlichen Anhaltspunkte" für den Eingriff in die
Kursentwicklung bei den beiden Immobilienfirmen gefunden. Die
Gesamtergebnisse dieser - von der Gegenseite heftig kritisierten -
Expertise hielt er auch in einem späteren, ebenfalls vom Gericht
bestellten Ergänzungsgutachten aufrecht, kam allerdings bei der
Beantwortung von Zusatzfragen zum Schluss, dass das Bekanntwerden der
Aktienrückkäufe vor nunmehr über drei Jahren das Vertrauen in die
Gesellschaft stark erschüttert habe. Am Wiener Handelsgericht sind
derzeit rund 3.000 Immofinanz-Anlegerverfahren anhängig, die Kläger
werfen der Immofinanz mehrheitlich vor, Kundengelder zweckwidrig
verwendet zu haben. Die Geldflüsse innerhalb des damals von Karl
Petrikovics geleiteten Firmenkonglomerats Immofinanz/Immoeast/CPB
sind auch Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen. (APA)