Gutachten

Zwist um Sachverständigen in Immofinanz-Verfahren

29. Jänner 2012, 09:45

Beklagtes Unternehmen favorisiert Christian Imo für Erstellung von "Riesengutachten" - Anlegeranwalt lehnt das ab

Wien - In der Causa Immofinanz herrscht immer noch Uneinigkeit darüber, wer in den tausenden Anlegerverfahren das sogenannte Riesengutachten erstellen soll, das das Handelsgericht (HG) Wien aus Kapazitätsgründen anstrebt. Die beklagte Immofinanz würde dafür gerne Christian Imo beauftragen, der bereits im Oktober 2010 eine entlastende Expertise vorgelegt hatte und im Dezember 2011 ein von beiden Streitparteien positiv interpretiertes Ergänzungsgutachten. Anlegeranwalt Michael Poduschka habe einen entsprechenden Vorschlag aber abgelehnt, echauffiert sich Immofinanz-Rechtschef Josef Mayer.

Immobilienblase schuld

"Dies legt für uns die Vermutung nahe, dass das Ergänzungsgutachten doch nicht so 'sensationell positiv' im Sinne von Poduschkas Argumentationslinie ist wie bisher von ihm behauptet." Vielmehr sehe sich die Immofinanz bestätigt: Schuld an den massiven Kursverlusten bei Immofinanz und ihrer früheren Osttochter Immoeast sei das Platzen der Immobilienblase gewesen, nicht die umstrittenen Aktienrückkäufe der Constantia Privatbank (CPB). Poduschka meinte dazu auf APA-Anfrage nur: "Das ist Entscheidung des Gerichts, ich will dem HG nicht irgendetwas vorsetzen." Zumal Imo "in anderen Fällen ohnehin bestellt ist und auch weitermachen wird".

Imo hatte laut seinem im Herbst 2010 vorgelegten Gutachten keine "ausreichend wahrscheinlichen Anhaltspunkte" für den Eingriff in die Kursentwicklung bei den beiden Immobilienfirmen gefunden. Die Gesamtergebnisse dieser - von der Gegenseite heftig kritisierten - Expertise hielt er auch in einem späteren, ebenfalls vom Gericht bestellten Ergänzungsgutachten aufrecht, kam allerdings bei der Beantwortung von Zusatzfragen zum Schluss, dass das Bekanntwerden der Aktienrückkäufe vor nunmehr über drei Jahren das Vertrauen in die Gesellschaft stark erschüttert habe. Am Wiener Handelsgericht sind derzeit rund 3.000 Immofinanz-Anlegerverfahren anhängig, die Kläger werfen der Immofinanz mehrheitlich vor, Kundengelder zweckwidrig verwendet zu haben. Die Geldflüsse innerhalb des damals von Karl Petrikovics geleiteten Firmenkonglomerats Immofinanz/Immoeast/CPB sind auch Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen. (APA)

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