Erinnerung

Einserkastl | Hans Rauscher, 27. Jänner 2012, 22:15

Von den schlagenden Burschenschaftern ist nie ein klares Signal gekommen, dass sie etwas begriffen hätten

Es gibt viele furchtbare Fotos aus dem Holocaust, mit all den Leichenbergen und den Erschießungsszenen, aber eines schnürt die Kehle furchtbar zu. Es wurde am 26.Mai 1944 von einem SS-Mann in Auschwitz aufgenommen und zeigt eine alte jüdische Frau und ein paar kleine jüdische Kinder, die in einer von Stacheldraht gesäumten Gasse auf die Gaskammer zugehen. Die Kinder stapfen so dahin, die Frau führt sie an der Hand. Gottergeben oder eingeschüchtert von der NS- Terrormaschine gehen sie aus dem Eisenbahnwaggon direkt in den Tod. Dieses Dokument (von zehntausenden ) lässt keinen Anständigen kalt.

Unter den deutsch-völkischen bis rechtsextremen schlagenden Burschenschaftern, die da in der Hofburg einen Ball feiern, ist es weit verbreitet, derlei entweder überhaupt zu leugnen oder zu bagatellisieren oder bestensfalls mit einem "Ja, ja, aber wir Deutsche waren auch Opfer" von sich wegzuschieben. Das ist der eigentliche Grund, warum gegen eine Versammlung von mehrheitlich Verstockten wie den "Wiener Korporationsring" protestiert werden darf/soll/muss.

Von diesen Leuten ist nie ein klares Signal gekommen, dass sie etwas begriffen hätten. Sie wollen ihren Platz in der Gesellschaft, sie wollen in die Institutionen - sind schon recht tief dort eingedrungen - dann müssen sie auch damit rechen, dass man von ihnen Rechenschaft über ihre Haltung zum größten Zivilisationsbruch verlangt. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2012)

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FeLiXe
 
31
29.1.2012, 17:09
Demonstration gegen Menschen

ich habe eher das Gefühl, dass eine Demonstration gegen Menschen nie ok ist. sollen sie sich ihre Käppchen aufsetzen und die Wangen zerkratzen - das ist irgendwo die persönliche Freiheit. Diese Demonstrationen stärkten wohl nur den inneren Zusammenhalt der Gruppe und zum Umdenken kann man so wohl niemanden bewegen

also: Demonstration für Inhalte - ja. Demonstration gegen Menschen - nein.

Al Trux
01
29.1.2012, 14:49
Lieber Herr Rau,

Das Auftreten gegen die Erben des Nationalsozialismus, die in verschiedensten Verkleidungen im Alltag unserer Republik Fuß fassen wollen, darf sich nicht in revolvierenden Demutskundgebungen vor den Schandmahl Holocaust erschöpfen. Wie sich Nazis gebärden, konnten wir alle beobachten, und welchen wandelnden Bedeutungslosigkeiten es Spaß macht, Herrn Dr. Muzicant wie ein Lausbuben zu behandeln, um dessen persönliche Sicherheit wir uns andererseits nicht allzugroße Sorgen machen müssen. Diesen ollen Ball ins Zentrum der Problematik zu rücken, halte ich für beinahe überflüssig.

Fritz Meyer
12
29.1.2012, 09:51
Historisch leider nur konsequent.

Aus den Mitläufern wurden die Mittäter und die haben sich später zu "Opfern" stilisiert.

Warum sollten die Ziehsöhne und Enkel von diesen Leuten eine andere Gesinnung haben, wenn schon ihre Vorgänger (weitestgehend) ungeschoren damit durchgekommen sind?

Peter Sichrovsky
13
29.1.2012, 03:09
Benutzbar

Muss jede Argumentation gegen Rechts unsere ermordeten Verwandten benutzen? Oder koennen die Nachkommen der Taeter auch einmal ihre Vorfahren als Mahnung zeigen?

mikromalist
 
00
29.1.2012, 22:03
Ja, es ist schrecklich, aber

ist es prinzipiell moeglich Moerder ohne Opfer zu beschreiben? Spielen nicht Motive, Vorsatz, Grad der Bestialitaet, ... DIE zentrale Rolle, bei der Beurteilung von Morden?
Einmal ganz abstrakt: beschrieben wir einen Moerder mit, sagen wir, seiner Axt ganz isoliert. Was beschriebe ihn, als das was er im ist? Ein Axtschwinger?

Die unfassbare Maschinenhaftigkeit, der schrecklich zynische Vorgang der Morde selbst, die kaltschnaeuzigen Luegengespinste ...

Wie koennen wir uns jemals vorstellen ..?

Ist nicht das NIE WIEDER das Wichtigste?

Truth Digger
 
00
30.1.2012, 09:56
Wenn der Moerder aus Ihrer Verwandtschaft kommt ...

dann ist es reine Feigheit sich immer nur auf die Opfer zu berufen, wenn man die "wehret den Anfängen" Botschaft rausposaunt.

Die FPÖ istdie Zielscheibe so manches Standard-Journalisten und Linken in diesem Land. Ein Ball am Sonntag - an dem wohl hunderte gleichzeitig stattfanden - durfte nicht sein.

Rauscher schreibt "von diesen Leuten ist nie ein klares Signal gekommen, dass sie etwas begriffen haben". Dasselbe gilt für Rauscher und seinen Anhaengern hier, die hier die Moralapostel spielen.

Die Wahrheit ist: Der Holocaust ein unfassbares Verbrechen war, das sich wiederholen kann und sich sogar täglich - im kleineren Ausmass (Abu Ghraib) - wiederholt. Die ganze Menschheit hats NOCH nicht begriffen.

Dieser Ball ist NICHT das Problem.

mikromalist
 
00
30.1.2012, 16:07
Der typische versuch das Unfassbare

zu zerstäuben, auf "alle" zu verniedlichen ...

Tatsache ist, dass wesentliche Repräsentanten der F es als attraktiv sehen, sich mit diesem schrecklichen Regime zu sympathisieren.

Da kann weder rau, noch andere kritische Stimmen, weder Linke noch Wertekonservative etwas dafür.

Das ist Gesinnung, Strategie und Taktik von schrecklichen Menschen in Politikerverkleidung.

Truth Digger
 
00
30.1.2012, 21:16
Antworten wie immer ZENSURIERT!

Meinungen werden hier nur von einer Seite geduldet. Und mit der "anderen Seite" meine ich bei Gott nicht Straches Standpunkt. Hetzerei - wie sie hier betrieben wird - gehoert von allen Seiten verurteilt.

Na, wie schmeckt es sich immer im eigenen Saft zu suhlen?

derStandard ist zur Plattform der Linksextremisten geworden. Ich hoffe, der Verfassungsschutz liest hier mit!

mikromalist
 
00
31.1.2012, 08:28
Zur Einseitigkeit meiner Augen,

brauchen Sie nur meine Beiträge lesen. Sind ja offen.

Aber es kommt mir immer seltsam vor, wenn jemand explizit BETONEN muss, mit der F eh-nicht ...

Für mich ist das eine selbstverständliche Annahme, weil nur Niedertrachties und Idioten können mit dieser ... wirklich ernsthaft sympathisieren.

Und ich nehme zuerst immer das Beste an .....

BuchbinderWanninger
 
10
29.1.2012, 00:10
Das große Problem in Österreich....................

ist, dass alles mit Euphemismen vernebelt wird. Nirgendwo ist irgendein Klartext in Sicht. Im Grunde sind/wären sogar M.Deix und Th. Bernhard Verniedlicher, gemessen an der realen Gegenwart.

potamu
00
29.1.2012, 11:20

Die Aussage "Nirgendwo ist ein Klartext in Sicht" halte ich für inhaltlich falsch. Da brauch ich nur an die www.atheistische-religionsgesellschaft.at oder an www.attac.at denken - und einige andere.
Allerdings sollten die Klartextinseln endlich viiiiel größer sein/werden!

Fritz Meyer
02
29.1.2012, 10:15
Klartext muss gar nicht sein...

was heute fehlt ist ein Qualtinger, der diese verlogene Gesellschaft so genau plakatiert und parodiert, dass es selbst die grössten Ignoranten endlich begreifen.

B612
62
28.1.2012, 22:35

S. g. Herr Rauscher, wenn Sie schreiben "Es gibt viele furchtbare Fotos" haben sie vollkommen recht. Aber nicht nur Fotos von Verbrechen der Nazis. Es gibt furchtbare Dokumente menschlicher Grausamkeit, Verkommenheit und Bosheit. So viele, von so vielen Orten und zu so vielen Zeiten, sogar von heute. Und auch morgen werden wieder Dinge passieren, die jedem normal denkenden Menschen die Eingeweide verkrampfen. Und Ihnen und mir und den meisten von uns SIND DIESE DINGE EGAL UND WIR DISTANZIEREN UNS NICHT VON IHNEN. Die Intention Ihres Artikels mag anständig sein, aber nur EINE Gruppe auszuwählen und von dieser zu verlangen, sich von EINEM grauenvollen Geschehen zu distanzieren, ist kein Grund dafür dass "protestiert werden darf/soll/muss".

knutrecht
00
29.1.2012, 16:46
Sie bestellen wohl

auch immer drei Bier auf einmal?

B612
00
30.1.2012, 19:39

Was genau bringt Sie zu diesem Schluss über meine Trinkgewohnheiten?
Oder pöbeln Sie einfac nur gerne herum?

Ludholm der Kranführer
11
29.1.2012, 11:24
Klassische Argumentation von Rechts

Ihre Argumentation "Jaja, aber es gibt auch sonst viel Böses auf der Welt, in Geschichte und Gegenwart" entspricht klassischer rechter Logik und verschleiert/verharmlost konkrete Verantwortung für konkrete Bestialität unter schulterzuckenden Pauschalaussagen wie "es gibt nun mal viel menschliche Grausamkeit auf Erden, das ist halt so". Damit erspart man sich eine kritische Auseinandersetzung mit konkreten Taten und dazugehöriger konkreter Ideologie.

B612
00
30.1.2012, 19:49

Teil der von Ihnen angesprochenen konkreten Ideologie war unter anderem die Teilung in eine "deutsche" und "jüdische" Wissenschaft. Wollen Sie jetzt ernsthaft mit der Existenz einer "guten linken" und einer "bösen rechten" Logik argumentieren? Für mich ist es auf alle Fälle nicht nachvollziehbar, warum das Wissen über andere Verbrechen mein Wissen über die Nazigräuel schmälern sollte.

rispentomate
00
29.1.2012, 08:49
Doch, sehr geehrte/r Frau/Herr B612 !

Das darf/kann/muss man von jeder Gruppe, letztlich von jedem Menschen verlangen.

B612
00
30.1.2012, 20:08
Ja eben:

von allen, nicht von EINER!
Und immer wieder von jedem und (achtung Pathos, aber ernsthaft) gegen alles Böse!!!

frantic
00
28.1.2012, 23:55
?

Ab wieviel Gruppen "darf/soll/muss dann protestiert" werden?

B612
00
30.1.2012, 20:03

Es soll eben überhaupt nichts mit Gruppen zu tun haben. Ich finde die Vorstellung, das man sich nicht an alle erreichbaren [s.l.] Menschen wendet und sie zum Aufstehen gegen "alles Böse" auffordert ich befremdend.
Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass eine "Demo gegen Rechts" als substanzieller Akt gegen den Faschismus gesehen wird, sodass eine Auseinandersetzung mit den aktuellen repressiven Staaten und deren Opfern gar nicht mehr erfolgt.

Ich wünschte, ich wäre Thurston Moore
04
28.1.2012, 22:48
Vielleicht ist es Ihnen ja entgangen

aber der Kommentar wurde als Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis geschrieben.

B612
00
30.1.2012, 19:52

Ja, genau wie ich meinen Beitrag auf den konkreten Artikel von Herrn Rauscher hin verfasst habe. Das sagt aber nichts über die Richtigkeit oder Sinnhaftigkeit beider Texte aus

TAO
 
13
28.1.2012, 18:47

Zuerst einmal: Danke für das Einserkastl.
Der Irrtum dürfte allerdings im Schlußsatz liegen: Eben weil sie schon recht tief in die Institutionen eingedrungen sind (vielleicht richtiger: immer in diesen vertreten waren) müssen sie NICHT damit rechnen, dass eine Mehrheit von ihnen Rechenschaft verlangt.

rispentomate
00
29.1.2012, 08:50
Mehrheit?

Dazu braucht's keine Mehrheit.

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