Der Flug ins Freie

27. Jänner 2012, 19:20

"Fledermaus returns!" im Theater an der Gumpendorfer Straße

Zum Jahreswechsel gibt es mit der Fledermaus immer das Gleiche zu hören. In Fledermaus returns! im Theater an der Gumpendorfer Straße ist alles anders: Die Musik von Johann Strauß Sohn ist nur rudimentär präsent, stattdessen bieten Komponist Oskar Aichinger und seine Sidemen Paul Skrepek, Martin Zrost und W. Vincenz Wizlsperger eine irre, großartige, offene, tiefenentspannte Melange aus allem Klingenden, also aus Schlagern, die in Free-Jazz-Improvisationsflächen auslaufen, aus Funk, aus Lateinamerikanischem u. v. m. Die Musiker stehen den (singenden) Akteuren im souverän eingedampften Handlungsverlauf (Fassung/Inszenierung: Elisabeth Gabriel) auch schauspielend zur Seite - so ist Aichinger ein dankenswert lethargischer Orlowsky, und bei Wizlspergers genialem Frosch ahnt man, dass man sich von nun an ein Musikbeschreibkraftleben lang nach diesem sehnen wird, unbefriedigterweise. Weitere Highlights: Johanna Orsini-Rosenbergs schiache, dürre Rosalinde; und Liese Lyon verleiht der Figur der Adele eine bemerkenswerte Weite. Vorschlag: So die ganz große Krise kommt, soll man diese Version doch bitte die nächsten zehn Silvester an der Staatsoper spielen - kost' fast nix. Und dann am Neujahrskonzert im Musikverein bitte gleich nochmal. (end, DER STANDARD - Printausgabe, 28./29. Jänner 2012) 

6., Gumpendorfer Str. 67, 28. 1. 20.00

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