Wettbewerb

Kampf der Salzstreuer

Verena Kainrath, 28. Jänner 2012 08:45
  • Artikelbild
    Foto: apa/gindl

    Im Salzlager der Salinen

Die Salinen haben das Millionengeschäft für Streusalz fest in der Hand. Konkurrenten klagen über Ausschreibungen, die auf einen Lieferanten zugeschnitten sind

Die Salinen haben das Millionengeschäft für Streusalz fest in der Hand. Konkurrenten klagen über Ausschreibungen, die in Österreich auf einen Lieferanten zugeschnitten sind. Fehlender Schnee im Osten drückt die Umsätze.

***

Wien - Rudolf Größbauer bewegt sich in Österreich auf glattem Eis. Der Salzburger handelt seit 30 Jahren als Konkurrent der Salinen AG mit Streusalz. 18 Millionen Euro setzt er um, überwiegend rund um Österreich. Im eigenen Land sieht er sich jedoch auf der Strecke bleiben, obwohl sein Auftausalz günstiger ist als jenes der Salinen.

Größbauer erhebt schwere Vorwürfe: Die österreichischen Ausschreibungen würden völlig einseitig auf einen Lieferanten zugeschnitten, sagt er im STANDARD-Gespräch - auf die Salinen, die mehrheitlich in Besitz des Industriellen Hannes Androsch und Raiffeisen stehen. Etliche Gerichtsverfahren hat er deswegen schon ausgefochten. In Brüssel prüft die EU-Kommission derzeit eine Beschwerde seiner Salzvertrieb GmbH. Es könne nicht sein, dass die Politik den Markt derart im Griff habe. Das sei kein freier Wettbewerb. "Ich höre nicht auf, dafür zu kämpfen."

Rund 400.000 Tonnen Salz landen jeden Winter auf Österreichs Straßen. Eine Tonne kostet 85 bis 90 Euro. Fast 80 Prozent liefern die Salinen. Es ist Siedesalz, das mit hohem Energieaufwand durch die Eindampfung konzentrierter Sole entsteht. Größbauer handelt mit Steinsalz: Es wird mit geringeren Kosten im Bergbau gewonnen, vor allem in Deutschland und Osteuropa, und es ist in den meisten europäischen Ländern im Einsatz.

Bei flächendeckender Verwendung sei es aufgrund niedrigerer Produktionskosten um ein Viertel bis ein Drittel günstiger als Siedesalz, sagt Größbauer, der den Importaufwand mit einrechnet. Österreich könne sich damit jährlich im Kampf gegen Glatteis mehr als 20 Millionen Euro ersparen.

Bei den Salinen ist man empört. Konzernvorstand Stefan Maix: "Es gibt kein Monopol und keine Absprachen." Ein derartiger Vorwurf sei ein starkes Stück. Der Wettbewerb sei nicht unlauter, sondern "hart aber fair". Die ausschreibenden Stellen wie die Autobahngesellschaft Asfinag hielten sich erpicht an die Spielregeln.

Siedesalz sei pro Tonne nur um zehn bis 15 Euro teurer. Die höhere Effektivität und Effizienz rechtfertigten den Preisabstand, das belegten Studien. Auch sei die Ausstattung der Winterdienste nicht auf Steinsalz ausgerichtet. Andere in der Branche sprechen von bezahlten Gutachten. Bei der Wirksamkeit der zwei Salze gebe es keine Unterschiede, sagen Größbauer wie deutsche Steinsalzanbieter.

"Für unsere Zwecke hat sich das Siedesalz als besser erwiesen", erklärt Heimo Maier-Farkas, der für die Autobahnmeistereien der Asfinag verantwortlich ist, die davon jährlich 100.000 Tonnen ausbringen. Seit der Engpässe in den vergangenen Jahren sei die Asfinag um weitere Lieferanten neben den Salinen bemüht. Zu groß sei die Gefahr, bei Knappheit in strengen Wintern auch bei gültigen Verträgen nicht ausreichend versorgt zu werden, ergänzt man beim Städtebund. Zumal es ja auch um Haftungsfragen gehe. Die Ausschreibungen seien daher "sicher nicht auf einen einzigen Anbieter" zugespitzt. Viel zu holen war für die Streusalzbranche, die schwer im Kreuzfeuer der Umweltschützer steht, diesen Winter bisher jedenfalls nicht. In Ostösterreich fehlt der Schnee, die aufgestockten Lager sind voll. Um 100.000 Tonnen sei man hinter dem Verbrauch des Vorjahres, seufzt Maix. "Wir werden die Produktion heuer zurückfahren müssen." Verlust in der Bilanz gebe es dennoch keinen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 97
1 2 3
amber103
29.01.2012 17:43
Dreck und Staub

Steinsalz enthält natürlich eine Reihe schwerlöslicher Stoffe, die als Dreck und Staub auf den Straßen, und aufgewirbelt in den Lungen der Menschen landen.

Es ist gut und richtig, dass Siedesalz ausgeschrieben wird.

Petr Novotny
30.01.2012 13:56
Genau!

Es ist gut und richtig!
Erstklassiges Speisesalz auf die Auto-Straßen!
Erstklassige Lebensmittel zu Auto-Benzin!

Vertikalfahrer
29.01.2012 13:32

So bleibt das Geld bei uns. Salz haben wir genug. Wir müssen nicht unbedingt 400.000 Tonnen Salz nach Österreich importieren, vielleicht sogar noch mit dem LKW...

Christoph Smaul, formerly known ass
 
29.01.2012 10:10

Das erinnert mich an meine Mutter, die Hausbesorgerin im 21sten war. Ich hab ihr im Winter immerwieder beim schneeschaufeln geholfen. Einmal hab ich sie gefragt, warum wir nicht einfach das Salz streuen, wenns doch so nützlich ist. Sie hat mir daraufhin erklärt, wie schädlich das ist, und dass man das außerdem als Hausbesorger nur auf ausdrückliche Meldung von WienerWohnen darf (wenn ich mich recht erinnere). Kapiert hab ichs seitdem, und ich vermisse manchmal die Bewegung früh morgens vor der Schule oder Arbeit, und wie angenehm das war, wenn man bei von gefallenem Schnee gedämpften Geräuschen in der Stadt fast als Erster auf dem Weg stand, und wie angenehm das war, wenn man endlich fertig war:)

Peter_23
29.01.2012 16:11
ja, bevor der Androsch die Salinen Austria übernommen hat, was Salzstreuen im Winter verboten und nur bei Besonderen Fällen (Glatteis) erlaubt

Nachdem der Androsch vor einigen Jahren aber einen Markt für sein Salz brauchte, hat er und seine Adjunkten eben entsprechende Lobby-Arbeit bei Städten und Gemeinden betrieben.

Und flugs ist das Salzstreuverbot unter anderem in Wien aufgehoben worden. Seit dem wird jedes Jahr die Strassen bei der ersten Schneeflocke gesalzen, dass man sich wie im Salt Lake vorkommt.

Die meisten Bäume werden dabei natürlich hinig. Das ist dem Androsch und den Salinen natürlich egal. Die wollen Reibach machen. Vielleicht spenden die Salinen in ihrer Grosszügigkeit auch mal ein paar Ginko-Bäume. Denn die halten mehr Salz aus und sind daher mit dem Androsch seinen Geschäftsmodell besser "kompatibel". Na, ist das nicht schön?

No Use for a Name
29.01.2012 10:09
das geht sich irgendwie nicht ganz aus

400.000 Tonnen, pro Tonne ca. 90 Euro sind 36 Mio, ein Viertel bis ein Drittel günstiger - mehr als 20 Millionen Euro ersparen?

hitower
29.01.2012 12:48
Naja die Politiker müssen ja auch bezahlt werden. KHG Anteil usw. ist herausgerechnet.

Bösmensch (oft zensiert)
29.01.2012 09:04
Unlängst der Salzstreuwagen im Einsatz vor mir...

....bei 4 Grad Außentemperatur. Da dachte ich mir, ob die nun schon komplett spinnen.

Cpt. Bligh
29.01.2012 11:58
nicht ganz,

eisglatte fahrbahn gibts auch bei plusgraden, durch die eiskristalle aus der atmospäre, siehe gefrorene scheibe bei leichten plusgraden

weiter wird oftmals abends gesalzen (+4), damit in der früh (-4) nichts gefriert

weiter gibt es straßenabschnitte, welche kaum sonne bekommen, gefroren sind und durch nässe sofort eis bilden (auch bei +graden)

die entscheidung zur salzstreung ist als nicht so eindimensional zu betrachten, wie sie und ihr thermometer es tun.

superloser
29.01.2012 08:56
Auf jede Schneeflocke kommt ein Kübel Salz!

Ein etwas überlegterer Umgang mit Salz könnte auch enorme Kosten sparen.

Wenn man sieht, was allein in Wien auf die Straßen und Gehsteige geworfen wird, wird einem ganz anders.

Was macht eigentlich das Salzstreuverbot, gibt es das noch?

Peter_23
29.01.2012 16:14
Es gibt defakto kein Salzstreuverbot mehr

Wurde abgeschafft, um den Salinen entsprechende Absatzmarkt zu schaffen. Sonst würden dort ja eine Arbeitsplätze verloren gehen.

Petr Novotny
29.01.2012 07:58
Raus mit dem Salz! Auf die Straßen damit, ihr Christen !!

Ihr seid das Salz der Erde.
Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man's salzen?
Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es
hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. (Markus 9.50) (Lukas 14.34-35)

dermartino
29.01.2012 04:39

Äußere Zeichen: Schuhe, Fahrrad und Hunde leiden...
Autos rosten, Straßensanierung kostet viel Geld

und wesentlich schlimmer: Der Natur wird extremer Schaden zugefügt

Ist das wirklich nötig?
Vor 15 Jahren wurde fast gar nicht gesalzen und plötzlich geht es nicht mehr ohne?

Paul Achatz
 
29.01.2012 08:40

"Vor 15 Jahren wurde fast gar nicht gesalzen und plötzlich geht es nicht mehr ohne?"

Mir kommt der Zeitpunkt ähnlich vor. Davor wurde massiv über Streusalz diskutiert und verstärkt auf Split umgestellt. Seitdem hört man kaum mehr etwas davon.

Ob das mit dem Kauf der Salinen durch Hannes Androsch im Jahr 1997 zusammenhängt?
Es wäre interessant mal nachzuforschen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem in einer Gemeinde verwendeten Streumaterial und der Farbe des Bürgermeisters. Z.B. rot = Salz, schwarz = Split.

jumpingjack flash
29.01.2012 09:05

der split verursacht aber staub - und der ist nicht gut für unsere lungen.
der split ist unangenehm beim radfahren und skaten.
das salz macht m.m. nach wenig schaden.
für die schneeräumung am gehsteig wär in bezug auf rutschsicherheit ein extremer mix angesagt - und mehr arbeitsaufwand. haben sie schon einmal vor einem grösseren haus das eis vom gehsteig gehackt, händisch, vor 6uhr früh - ich öfters, ist sehr mühsam und laut.

spitzenkandidat.2.0.
29.01.2012 00:40
blödes Salz

da muss ich die Verschleißteile bei meinem Fahrrad immer viel öfters wechseln :(

:-:¦¦¦¦:+_†_+:¦¦¦¦:-:
29.01.2012 00:12
genau wie beim Zucker..

Agrana, Raiffeisen,..

Petr Novotny
28.01.2012 23:36
Das heißt "SalzstreuerIn".

Ergates faber
28.01.2012 23:07
Salzauf die Straße streuen ist generell pervers.

90€/Tonne....die haben ja einen Vogel. Nur damit die Leute im Winter mit 100 auf der Bundesstrasse brettln können.
Ich hab lieber Schneefahrbahn und fahre langsam.

Ruben Weil
28.01.2012 22:14
36 Millionen €uro

ist das Salzmonopol wert!

Ruben Weil
28.01.2012 22:05
In Tirol gibt es einen Ort an der Zugspitze

dessen Strassen im Winter endlich wieder weiss sind. Nicht wie bisher vom Salz sondern vom Schnee! Was die Einheimischen und Touristen gleichermassen sehr erfreut. Den Bürgermeister hat dieser kleine Salz Schnitzer zwar den Job gekostet. Zum Glück hat er sich aber rechtzeitig in den Landtag gerettet ...

Max Arnstein III.
 
28.01.2012 21:29
Ein verurteilter Steuerhinterzieher und ein Machtnetzwerk

machen gemeinsame Sache. Dass es hier keinen freien Markt gibt, ist wohl selbstverständlich.

Senna4ever
28.01.2012 20:49
Salz, das beste Mittel für die Autoindustrie - viel besser als die Verschrottungsprämie

http://de.wikipedia.org/wiki/Salz... C3%BChtest

:-:¦¦¦¦:+_†_+:¦¦¦¦:-:
29.01.2012 00:17

Ich dachte, das Rostproblem bei Autos ist gelöst? Hab einen Volvo von 1995, der hat natürlich schon seine Wehwechen, aber von Rost keine Spur.

Schuttwegräumer
13.02.2012 21:19
Ist es auch

Dass ein Auto nicht druch Rost auser Betrieb gewetzt wird kommt fast nimmer vor.
Geht ja nicht dass da die Fahrzeuge zu lange genutzt werden.
Künstliche Obsoleszenz nennt man das.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 97
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.