Export

Österreichs Giftmüll kommt nach Deutschland

27. Jänner 2012, 18:47
  • Artikelbild
    foto: fischer

    Die Deponie Rautenweg und ihre Bewohner: Bergziegen.

2010 wurden 5360 Tonnen exportiert - radioaktive Abfälle landen in Niederösterreich

Österreich hat zwar kein Kernkraftwerk, produziert aber trotzdem radioaktiven Müll. Dieser wird derzeit in der niederösterreichischen Gemeinde Seibersdorf gelagert.

Der Großteil der Abfälle stammt aus der medizinischen Forschung oder von Röntgengeräten und strahlt deutlich schwächer als etwa alte Brennelemente aus AKWs. Die benutzten Stäbe aus dem Forschungsreaktor am Wiener Atominstitut werden an die Erzeugerfirma zurückgegeben.

Etwa 500 Tonnen lagern derzeit in Seibersdorf. Solange es weltweit kein atomares Endlager gibt, werden sie auch dort bleiben. Erst 2011 hat die Regierung die Laufzeit des Zwischenlagers auf unbestimmte Zeit verlängert.

Kein Giftmüll erlaubt

Andere Abfälle, die vom Lebensministerium als "gefährlich" oder "nicht deponiefähig" klassifiziert werden, dürfen in Österreich nicht endgelagert werden. Zudem gibt es im ganzen Land kein einziges Tiefenlager, in dem Stoffe dauerhaft von der "Biosphäre ausgeschlossen" werden könnten. Weil aber trotzdem auch in Österreich gefährlicher Müll anfällt, wird er exportiert.

2009 wurden 214.499 Tonnen Giftmüll außer Landes gebracht, der Großteil davon allerdings zur Weiterverwendung oder Wiederaufbereitung. Nur ein kleiner Rest (2010: 5360 Tonnen) muss auf nicht absehbare Zeit endgelagert werden. Dafür wird er nach Deutschland gebracht.

Bis zu 300 Euro pro Tonne

Dort wird er in Salzstöcken eingelagert, etwa in den Anlagen Herfa-Neurode oder Heilbronn. Pro Tonne zahlt Österreich zwischen 250 und 300 Euro.

Beim Großteil davon handelt es sich um sogenannte "Rauchgas-Reinigungs-Rückstände", also das, was übrigbleibt, wenn man das Rauch-Filterwasser von Müllverbrennungsanlagen reinigt. In diesem Wasser sammeln sich nach der Verbrennung von normalem Haushaltsmüll vor allem Schwermetalle wie etwa Quecksilber.

Müll, egal welcher Art, darf in Österreich höchstens ein Jahr gelagert werden, bevor er beseitigt, also verbrannt oder chemisch behandelt wird. Die Schlacke, die bei der Müllverbrennung entsteht, wird auf mehreren Deponien gelagert. Die größte davon ist die Deponie Rautenweg in Wien-Donaustadt. (tob, DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
Ja bitte
01
28.1.2012, 23:30
Klarer Fall von Österreichischer "Logik":

Wir exportieren ~5000tonnen(!)/Jahr an hochgiftigen und nur durch Endlagerung zu entsorgender Stoffe nach Deutschland damit er dort in einem Salzstollen eingelagert wird, aber kreischen wie die Verrückten, dass es ach so unverantwortlich wäre, deutlich geringere Mengen Atommüll in Salz(oder sonst irgend wo) zu lagern!
Also wäre es wahrscheinlich besser wenn man DIESEN Müll auch nicht Endlagern würde, sondern stattdessen unsere "Superexperten" von Greenpiss und Blokal2000 zwingen würde selbigen Aufzuessen. - Oder wir betreiben die Müllverbrennungsanlagen aus denen dieser Müll stammt gar nicht und lagern den Müll stattdessen in den Gärten der "Umwelt" Aktivisten!

byron sully
10
28.1.2012, 15:30

"Österreichs Giftmüll kommt nach Deutschland"

ist damit der WKR gemeint?

radioxenon
01
28.1.2012, 10:38
Ein wenig Klarheit

Herkömmliche Röntgengeräte werden durch Benutzung weder kontaminiert noch aktiviert und auch nicht "verstrahlt". Letzteres hat ohnehin nur Sinn für organisches Gewebe.

Generell wäre es richtiger wenn auf diesen Geräten kein Radioaktiv-Zeichen wäre, denn die erzeugen lediglich ionisierende Strahlung (wenn in Betrieb), sind jedoch selbst nicht radioaktiv. Da es nun aber kein eigenes Zeichen für ionisierende Strahlung gibt und die Auswirkungen auf organisches Gewebe die selben sind wie für eine radioaktive Gammaquelle, klebt das Zeichen drauf.

Elektroneneinfang findet entgegen dem Link weiter unten in diesen Geräten nicht statt. Das irritiert mich selbst ein wenig, da von seriöser Quelle. Ich kanns mir nur so erklären...

Gerhard Ingolf
00
28.1.2012, 17:42

Zur Materialuntersuchung werden [Röntgen- Gammastrahler, wo immer Sie die Grenze setzen] verwendet, die als Strahlenquelle ein radioaktives Kobaltisotop verwenden. Ich nehme an, dieses ist damit gemeint?

radioxenon
00
28.1.2012, 20:48

Ja, Troxler-Sonden z.B.... Co-60 ist sehr beliebt weil gut zu handhaben und 2 Gammalinien in einem geeigneten Energiebereich.

radioxenon
01
28.1.2012, 10:46

...dass da von einem atomaren Elekroneneinfang (in der Atomhülle) die Rede ist und nicht Elekroneneinfang, der normalerweise mit dem Wort verbunden wird: den nuklearen Elektroneneinfang "EC". Letzterer tritt wirklich nur bei radioaktiven - nämlich protonenreichen - Isotopen auf. Dass setzt aber vom vornherein radioaktives Material im Target voraus, was natürlich nicht der Fall ist. Auch werden nicht radioaktive Isotope nicht durch Elektronenstrahlung zu radioaktiven avtiviert.

Eine Röntgenröhre ist nicht radioaktiv, wenn außer Betrieb. Auch nicht wenn in Betrieb, aber da emittiert sie ionisierende Strahlung.

Al Borland
00
28.1.2012, 10:45

In diesem Link kommt der Begriff "electron capture" nur als prinzipiell möglicher Prozeß vor - von Radioaktivität ist auch dort keine Rede.

radioxenon
00
28.1.2012, 10:52

Mit electron capture ist fast immer der radioaktive Zerfall gemeint. Im Link, so meine Vermutung, jedoch nicht, würd auch wenig Sinn machen. Das ist meiner Meinung nach zu wenig ausformuliert im Link und kann zu Missverständnissen führen.

Paul Achatz
 
00
28.1.2012, 19:59
Meine erste Vermutung war, dass auf Grund des

Bombardements der Anode mit hochenergetischen Elektronen, die offensichtlich bis zum Kern vordringen - sonst gäbe es ja keine Bremsstrahlung - mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit auch Kernprozesse initiiert werden können, die nach jahrelangem Betrieb problematisch sein könnten.
Nach weiterer Recherche komme ich zum Schluss, dass das nicht der Fall ist, da in den Entsorgungsanleitungen der Röhren hauptsächlich vom Berylliumfenster die Rede ist, das zwar giftig, aber nicht radioaktiv ist.
http://www.nonius.nl/fr591/man... l#Disposal
Die mangelhafte Unterscheidung zwischen giftigem (Be) und radioaktivem Abfall (Radionuklide aus der Medizin) im Artikel hat, das muss ich unverhohlen zugeben, auch mich verwirrt.

radioxenon
00
28.1.2012, 20:43

Welcher Artikel?

Bezügl. Elektronen: Um Elektronen auch nur in Kernnähe zu bringen, müssen sie immense kinetische Energie haben. Kann man sich übers coulombsche Gesetz ausrechnen, bin aber grad zu faul. Und selbst wenn schätze ich wären die Wirkungsquerschnitte für einen Einfang extrem klein, selbst bei protonenreichen Kernen. Im Vergleich zum Neutroneneinfang sind die Querschnitte für Protoneneinfang schon winzigst. Für Elektronen müsste der noch sehr viel kleiner sein, obwohl mir ehrlich gesagt nicht mal irgendein Dataset bekannt wäre, wo die angeführt wären.

Paul Achatz
 
00
28.1.2012, 22:01
Aber wie gesagt, meine Sinneswandel

stammt weniger aus kerntheoretischen Überlegungen, von denen ich zuwenig verstehe, als aus rein praktischen Aspekten der Abfallsentsorgungs- und Produkthaftungsgesetze:
Würde aus der eher überschaubaren Anzahl von in Österreich verwendeten Röntgenröhren jährlich im Tonnenmaßstab radioaktiver Abfall anfallen, der so gefährlich ist, dass er irgendwo endgelagert werden muss, stünde das in der Betriebsanleitung garantiert drinnen. Es steht ja sogar die Batterie drinnen. Was anderes kann sich ein Hersteller nicht leisten.

Paul Achatz
 
00
28.1.2012, 21:53
Im Zeitungsartikel.

Das Coulomb'sche Gesetz hilft da nicht viel, denn zwischen positivem Kern und negativem Elektron gibt es ja grundsätzlich eine Anziehung, keine Abstoßung. Da muss man schon die Kernkräfte bemühen.
Die Elektronen in der Röntgenröhre haben offensichtlich genügend Energie, um
1. die Abstoßung der Elektronenhülle zu überwinden und dann auch noch ein inneres Elektron völlig aus dem Atom zu entfernen, siehe charakteristische Strahlung
2. nahe genug an den Kern heranzukommen, um mit ihm in Wechselwirkung zu treten und dabei die Bremsstrahlung zu erzeugen.
Beim radioaktiven Elektroneneinfang reicht schon die quantenmechanische Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Elektrons der innersten Schale am Kern aus, das deutlich geringere Energie hat.

radioxenon
00
28.1.2012, 23:07

Stimmt, + und - ziehen sich natürlich an :).

Hab kurz mal geschmökert: Die eigentlich richtige Gleichung ist die Bethe Formel. Kernkräfte haben da keinen Einfluß, da das Elektron die ja nicht sieht.

So wies aussieht wird im allg. auf 2 Arten der Wechselwirkung reduziert:

1. Collision: Überlappung der Wellenfunktionen und Energieübertrag

2. Radiation losses: Bremsstrahlung durch Umlenkung in einem Gemisch aus abstoßenden und anziehenden Potentialen (Hüllen und Kernen).

Interaktion mit einzelnen Nukleonen scheint mir wegen des geringen Kerndurchmessers (einige fm) sehr unwahrscheinlich, da ist das Coulombpotential doch sehr viel weitreichender.

:-:¦¦¦¦:+_†_+:¦¦¦¦:-:
01
27.1.2012, 22:02
Röntgengeräte?

Bitte korrigiert mich, ich dachte immer, Röntgengeräte erzeugen die Strahlung mittels Elektronenröhren und nicht mittels radioaktiver Stoffe?!?

Paul Achatz
 
01
28.1.2012, 09:03
LMGTFY

http://hps.org/publicinf... q3132.html

"When accelerated electrons produced in the x-ray tube interact with the target, there are four typical interactions (electron scattering, electron capture, characteristic x-ray production, and bremsstralung production)"

Der Elektroneneinfang bewirkt die Entstehung anderer Nuklide im Anodenmaterial, die u.U. auch radioaktiv sein können.
http://de.wikipedia.org/wiki/Elek... neneinfang

Martin Müller10
 
00
28.1.2012, 10:13
Können Sie zwischen Elektroneneinfang in der K oder S Schale

oder im Atomkern unterscheiden?? Sie schreiben Unsinn.

Al Borland
01
28.1.2012, 10:29

Jetzt haben Sie etwas mißverstanden.

Beim Elektroneneinfang wird ein Elektron AUS der K-Schale VOM Atomkern eingefangen.

Das hat allerdings mit Röntgengeräten rein gar nichts zu tun und die Behauptung, daß im Anodenmaterial radioaktive Kerne entstehen können ist reiner Unsinn.

Martin Müller10
 
00
28.1.2012, 10:45
In der Antikathode findet Elektroneneinfang in die K und S

Schale statt, das gibt die im Spektrum einer Röntgenröhre die antikathodenspezivischen Röntgenlinien. Da wird ein Atom ionisiert und beim Einfang eines Elektrons wird die charakteristische Strahlung frei.

Al Borland
01
28.1.2012, 11:11

Und dieser Vorgang wird von niemandem als Elektroneneinfang bezeichnet.

sick boy
31
28.1.2012, 05:15

Röntgengeräte erzeugen die Strahlung mittels Elektronenröhren ..... und verstrahlen in diesem zug alles, was um sie herum ist. logisch, oder? irgendwo muss die strahlung ja auch hin...

Martin Müller10
 
02
28.1.2012, 10:00
So ein Unsinn, trinken Sie erst den Kaffee und posten nachdem

er wirkt! Die Röntgenstrahlung wird einfach in Wärme umgewandelt.

radioxenon
23
28.1.2012, 09:53

Wow, so sachlich fundiert... Atom-, Energie- und Klimaexperte bei Greenpeace?

MovGP0
00
28.1.2012, 13:07
Radioaktive Aktivierung

Radioaktive Aktivierung geschieht normalerweise nur durch den Beschuss des Atomkerns mit Neutronen, welche aus dem Zerfall radioaktiver Isotope stammen.

Die Aktivierung kann zwar auch durch Gammastrahlung (aka. Röntgenstrahlung) erfolgen indem das Photon zumindest ein Baryon (dh. entweder Neutron oder Proton) aus dem Kern des Atoms 'stößt' (Kernphotoeffekt), aber dazu muss die Energie des Photons sehr hoch (ca. 2 MeV) sein, was bei medizinischen Strahlungsquellen (normalerweise) nicht der Fall ist.

sick boy
00
28.1.2012, 09:58

gut, es war noch früh am morgen, als ich geschrieben hab...der kommentar oben von paul achatz untermauert das von mir schwammig formulierte recht gut - natürlich bitte ich die saloppe ausdruckweise zu entschuldigen!

Paul Achatz
 
00
28.1.2012, 20:20

Ich habe gesehen, dass Sie sich auf eines meiner Postings beziehen.
Leider ist die darin enthaltene Aussage falsch.
Siehe dazu die Korrektur:
http://derstandard.at/plink/132... 2/24616973

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.