Wien

Deutsche Nacht: "IchundIch" im Hamakom-Theater

27. Jänner 2012, 18:26

Michael Gruner inszenierte Else Lasker-Schülers "theatralische Tragödie"

Wien - Else Lasker-Schülers "theatralische Tragödie" IchundIch zeigt die Dichterin als Wiedergängerin ihrer selbst. Von den Nazis verunglimpft, aus Deutschland vertrieben, schreibt die wichtigste Dichterin ihrer Generation (1869-1945) in Jerusalem Goethes Faust zu Ende.

König David selbst sitzt in Puppengestalt über ihrem Spektakel zu Gericht: Regisseur Michael Gruner hat für die Erstaufführung im Hamakom-Theater im Wiener Nestroyhof die Spielfläche in der Mitte leergeräumt (Bühne: Gabriele Sterz), den Raum mit schwarzen Vorhängen spärlich strukturiert und die Galerie mit einem Popanz geschmückt. In der Tat: Lasker-Schülers teuflische Revue enthielte womöglich die bekömmliche Rezeptur für eine postdramatische Festspeise.

Doch Gruner, der den nicht unproblematischen Text bereits 1979 in Düsseldorf uraufführte, konzentriert sich ganz auf die Sprache. Diese torkelt auf jambischem Fuß durch die innersten Bezirke der Hölle, in deren schlackenschwarzen Bauch sogar die Nazis hineindrängen, weil sie Petroleum wollen. Dem von Tragik umflorten Faust (Hans Diehl) steht ein aasiger Mephisto (Jakob Schneider) zur Seite. Man gewahrt eine Unmenge aparter Einzelheiten, bewundert George-Grosz-Momente und ergötzt sich an Max Reinhardt (Hans Escher), der das Spektakel "inszeniert". Dieses lässt einen aber seltsam unberührt. (poh, DER STANDARD - Printausgabe, 28./29. Jänner 2012)

31. 1., 1. bis 4. 2.

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