Interventionen

Wider die Rede von der "Allmacht" der Parteisekretariate

Kommentar der anderen | 27. Jänner 2012, 18:25

Pluralität der nützt der ORF-Autonomie - Von Franz Schandl

Es gehört zur österreichischen Lebenswirklichkeit, dass sich die Institutionen der Republik fest im Griff der Parteisekretariate befinden. Meist scheuen sie das Licht, agieren im Dunkel ihrer Allmacht. Dort bestimmen sie, welche Leistungen erbracht werden müssen, entscheiden über Posten und Karrieren." - So ungefähr gehen die renommierten Vorurteile, hier vorgetragen von Joachim Riedl. (Die Zeit online, 6. Jänner 2012).

Nüchtern betrachtet ist es allerdings umgekehrt, was meint, dass gerade der Parteieneinfluss, das Spiel verschiedener Interessen erst die Freiräume zulässt, die kein Privatsender in diesem Ausmaß kennt. Der ORF ist abhängig, aber er ist multipel abhängig, da marschieren so viele Könige, Fürsten und Ritter auf, dass die Pluralität der Interventionen nichtintendierte Effekte zeitigt.

Die Parteien und deren vordergründige wie hinterhältige Interessen haben (wenn auch nicht absichtlich) die Kommandostrukturen und die Durchgriffsrechte im ORF minimiert und nicht maximiert. Wrabetz ist ein Verwalter, kein Chef. Gerade weil dort verschiedene Wünsche und Forderungen herangetragen werden und aufeinander prallen, gedeihen welche, die unmittelbar nicht auf Linie von Geschäftsführung oder Programmleitung liegen. Überhaupt ist es schwer, für diese wie jene eine Linie vorzugeben, und das ist auch besser als andersrum.

So paradox es klingt, der Parteienproporz, der Filz, ja die Korruption sind Korrektive, die relative Autonomie ermöglichen. Es ist also die Frage zu stellen, ob die allseits geforderte "Entpolitisierung" des ORF tatsächlich das Resultat liefern würde, das man propagiert, oder nicht das schiere Gegenteil der Fall wäre. So ist der ORF zwar nicht frei, aber zumindest freier.

Außerdem, das sei noch abschließend zu Riedl gesagt, ist die Allmacht der Parteisekretariate Schnee von vorgestern. Faymann, Rudas, Ostermayer, Pelinka sind doch weniger die dunkle Seite der Macht als die Comedy Capers der Ohnmacht. Selbst das Abgedunkelte fließt sofort in die Druckerschwärze oder das Sendekabel. Hier will bloß ein unbeobachteter Beobachter die Gewichtung noch deutlicher von der Politik zum Journalismus hin verschieben. Man vertritt halt seine Interessen und tritt auf die Politik hin, die ohnehin schon fast hin ist. (Franz Schandl, DER STANDARD; Printausgabe, 28./29.1.2012)

FRANZ SCHANDL (51), Historiker und Kulturpublizist, ist Redakteur der Zeitschrift "Streifzüge" und lebt in Wien.

Zum Thema
derStandard.at/Etat zur Situation im ORF

wakeup
00
28.1.2012, 13:58
unabhängigkeit...

ist nur möglich vor dem hintergrund der abhängigkeit. wir können nur beides haben. erst wenn die abhängigkeit verschwindet, wir die unabhängigkeit mit ihr gehen.

Un veistu
11
28.1.2012, 11:27
Ein Nebelwerferlein oder Geh Pepperl, plausch net..

ORF-Mitarbeiter wissen sehr wohl, bei wem sie sich anzudienen haben, bei den Schwarzen sicher nicht..

Pierre d´Aubusson
01
28.1.2012, 03:54
Natürnich, die "multiple Abhängigkeit"!

Als Austro-Praktiker weiß ich, daß immer "irgendwas Politischesch" ((c) Patzak-Zenker) hineininterpretiert wird. Man kann ja nichteinmal im Standrad was psoten, ohne daß sofort zwecks näherer Betrachtung die eindeutig gefärbte Parteibrille aufgesetzt wird. Und da dieser Einfluß von außen vorausgesetzt wird findet er auch statt. Und alles wartet auf das Eingreifen der Gegenseite. Besser wirds aber nicht gehen bei solchen Aktionen und dieser Erwartungshaltung.
Wenn sich Mitarbeiter per selbstgebasteltem Video zu Wort melden ist das schon fast ein Jahrhundertereignis.

Wenn aber Herr Niebel zurücktreten soll, dann Herr Wrabetz schon längst.
http://derstandard.at/132650386... ter-Niebel

Isegrim1
01
27.1.2012, 19:02
Na die Macht der Pluralität hat sich ja bei der Oberhauser- und Wrabetz-Wahl gezeigt

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.