Einfluss auf den ORF

Ein Königreich für einen unabhängigen ORF!

Kommentar der anderen | 27. Jänner 2012, 18:22

Grundzüge eines Modells für einen neuen, professionalisierten Stiftungsrat, das zumindest helfen könnte, als Schalldämpfer für politische Begehrlichkeiten zu fungieren statt wie jetzt als Megafon - Von Bernhard Görg

Als Xerxes auf dem Weg nach Salamis mit seinem Heer die griechische Grenze überschreitet, wirft sich ein Grieche vor dem Perserkönig in den Staub und ruft: "Warum nur, o Zeus, hast Du Dich als Sterblicher verkleidet und führst die ganze Welt als Dein Gefolge mit Dir?" Wenn man sich "Bundesland heute"-Sendungen ansieht, dann erinnert mancher Beitrag an diese Geschichte aus der Antike mit dem Landeshauptmann als Xerxes und dem ORF-Redakteur als palmwedelndem Griechen. Dabei gibt es schlimmere Beispiele als das Studio Wien.

Die Causa Pelinka hat uns endlich eine echte öffentliche Debatte über die Unabhängigkeit des ORF beschert. Jetzt muss das Momentum aufrechterhalten werden. Der Fall bestätigt zwar wieder einmal die alte Weisheit, dass die meisten richtigen Dinge aus dem falschen Anlass in Schwung kommen, Aber man soll die Feste feiern, wie sie fallen ... Im Folgenden möchte ich ein Modell für einen neuen Stiftungsrat skizzieren, das helfen kann, zumindest ein Schalldämpfer für parteipolitische Begehrlichkeiten zu sein und nicht wie derzeit ein Megaphon. Dabei besinne ich mich auf meine vorpolitische Profession.

Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, sehr viel Gehirnschmalz darauf zu verschwenden, wie man die Politik bei der Bestellung der Organe eines öffentlich- rechtlichen Mediums ausschalten könnte. Man soll ihr nur den nachfolgenden Einfluss so schwer wie möglich machen. Die Politik bestellt ja auch die Mitglieder der Höchstgerichte, ohne in Verdacht zu geraten, damit die Unabhängigkeit der Justiz zu untergraben. Natürlich spielen auch da landsmannschaftliche Zugehörigkeiten und Parteisympathien eine nicht unwesentliche Rolle, Aber das ist noch lange kein Grund, an der Kompetenz und grundsätzlichen Unabhängigkeit unserer Verfassungsrichter zu zweifeln.

Gerade von dem Auswahlverfahren für den Verfassungsgerichtshof kann man für die Bestellung von Stiftungsratsmitgliedern einiges lernen: Die klare Definition von Formalqualifikationen, Damit ist einem Politiker der Weg versperrt, einen jungen Sekretär mit ein paar Semestern Jus im Gepäck in Richtung Höchstgericht in Marsch zu setzen. Wie begabt der junge Mann oder die junge Frau auch immer sein mag.

Zwei Schlüsselqualifikationen sind für Stiftungsratsmitglieder ein "Must": Medien-und Unternehmensführungskompetenz. Daher würde ich als Personalberater meinem Auftraggeber einen fünfzehnköpfigen Aufsichtsrat vorschlagen. Sechs Mitglieder sollten sich aus ehemaligen Inhabern von Spitzenpositionen im Print-oder elektronischen Bereich rekrutieren (ehemalig zwecks Reduzierung von Interessenkonflikten). Dazu kommen vier weitere Mitglieder aus Spitzenpositionen in der Wirtschaft, vorzugsweise mit Finanzbackground. Die restlichen fünf Mitglieder sollten von den ORF-Mitarbeitern nominiert werden können. Davon später mehr.

Um sicherzustellen, dass die Politik den Begriff "Spitzenposition" nicht zum Eigenwohl extensiv interpretiert und so einen ehemaligen Redakteur der Fleischhauerzeitung oder den stellvertretenden Finanzreferenten der Bau-und Holzarbeitergewerkschaft in den Stiftungsrat bugsiert, muss die Formalqualifikation sehr restriktiv und präzise definiert werden.

Aber hohe professionelle Qualifikation schafft nicht automatisch ein Mehr an Unabhängigkeit. Es zählt zwar zu den von den Funktionseliten besonders sorgfältig gepflegten Mythen, dass für ihren Aufstieg Mut und Zivilcourage unabdingbare Voraussetzungen gewesen sind. Aber dieser Mythos hat den gleichen Wahrheitsgehalt wie der Mythos von der potenzsteigernden Wirkung von zerriebenem Elfenbein.

Selbst Gerd Bacher, den ich für den weitaus tüchtigsten aller bisherigen ORF-Generalintendanten halte, ist eher ein begnadeter Mut-Darsteller denn ein tatsächlich Mutiger gewesen. Wofür verbiegen sich große wie kleine Kirchenlichter am meisten? Für ihre Wiederbestellung. Daher muss man per Gesetz dafür sorgen, dass sich für Stiftungsratsmitglieder vorauseilender Gehorsam und Anpassungsbereitschaft nicht auszahlen: Es gibt nur eine Bestellung für eine einzige Periode

Selbstverständlich sollen die Mitarbeiter im Stiftungsrat vertreten sein. Nicht nur die Redakteure, weil der ORF mehr ist als die Summe seiner Redakteure. Allerdings sollten die Mitarbeiter bei der Bestellung der ORF-Spitzenpositionen kein Stimmrecht haben. Es macht nämlich keinen Unterschied, ob der Generaldirektor zur Sicherstellung seiner Wiederwahl mit der Politik oder mit den Belegschaftsvertretern kungelt.

Eine letzte Bemerkung: Mich selbst hat das quasi selbstverständliche Du zwischen Politikern und ORF-Redakteuren immer gestört und habe dabei auch nie mitgemacht. Ich weiß, dass dieses Du nicht wirklich etwas bedeutet. In Österreich ist man mit so vielen Leuten per du, dass man gar nicht allen Gutes tun kann, die man duzt. Selbst wenn man wollte. Aber als Berater würde ich sowohl der Politik als auch dem ORF empfehlen, die Verpflichtung zur Distanz auch dadurch zu unterstreichen, dass auf das Du auch im privaten Gespräch verzichtet wird. Stil ist nicht alles, aber ohne Stil ist alles nichts.(Bernhard Görg, DER STANDARD; Printausgabe, 28./29.1.2012)

BERNHARD GÖRG, Jg. 1942, war von 1992 bis 2002 Landesparteiobmann der Wiener ÖVP und davor lange Jahre im Personalmanagement tätig.

Zum Thema
derStandard.at/Etat zur Situation im ORF

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Posting 1 bis 25 von 40
1 2
rispentomate
00
29.1.2012, 21:32
38 Postings nach über 48 Stunden ... Erklärung?

Oh, das ist für Österreich schon ein Achtungserfolg!

Es ging ja nicht um das Haargel des Kanditaten ...

Chi-Unit
00
29.1.2012, 17:57
man könnte das Ding auch einfach abschaffen

aber das will man ja nicht, zu verlockend ist der Staatsfunk als Machtmittel. Bis die Generation der Fernseh-Zuseher ausgestorben ist und die Leute sich wundern, wieso sie über 20€ im Monat für den Anachronismus Fernsehprogramm ausgeben MÜSSEN. Jeder vernünftige Mensch fragt sich das ohnehin bereits.

dummer Hans
00
29.1.2012, 17:30
Apropos Königreich

Interessanterweise ist bei den Qualifikations-Bedingungen der 10 Stiftungsmitglieder der BBC-Stiftung auf der Website der BBC das Thema "Erfahrung im Mediensektor" wieder herausgeflogen:
Die Seite am 13.4.2010:
http://web.archive.org/web/20100... ment.shtml
Die Seite heute:
http://www.bbc.co.uk/bbctrust/... /trustees/

Buckladahund
04
29.1.2012, 17:28
Wann wird dieser WRABETZ in die Wüste geschickt?

falsa demonstratio non nocet
03
29.1.2012, 16:42
Ich lese normal kein Österreich

aber heute hat mir der Niki Lauda gefallen!

Wer schaut so sich Sendungen a la dancing Stars an? Wo sind die Stars? Alt-Porno-Stars? in diesem Geschäft war ie ein Star, aber auf dem Tanzparkett?

Panem et circensis, das dürfte Kalkül am Küniglberg sein!

Gurkenhobel
00
29.1.2012, 16:51
nur am küniglberg?

in der ganzen unterhaltungsindustrie!

DirtyHarry
03
29.1.2012, 12:37
Ein Königreich für die Freiheit keine Zwangsgebühr

zahlen zu müssen!

MacTux
00
29.1.2012, 15:26
privatisierung jetzt

sledgehammer44
02
29.1.2012, 09:38
was als nächstes?!

das geht aus dem gleichen grund nicht, aus dem es bei so vielen (ex-)politikern bei der anzeige bleibt.
und wieso ist das so?
man nehme als beispiel das bildungsvolksbegehren. 300000 unterschriften, passieren tut nix. selbst wenn man davon ausgeht, das ca doppelt so viele menschen in österreich politisch interessiert sind, das reicht nicht um irgendeine der "nochgrossparteien" von den trögen zu vertreiben. dem rest ist alles egal, die drei warmen mahlzeiten müssen halt drin sein...

Bluestone
05
29.1.2012, 08:17

Ist ja eine nette Überschrift-nur was hat Herr Görg in seiner aktiven Zeit als Politiker dazu beigetragen, daß der ORF unabhängig wird?
Einen unabhängigen ORF scheuen die Politiker wie der Teufel das Weihwasser. Was täten sie ohne den Propagandasender und wohin würden sie ihre Günstlinge sonst in die ewige Versorgung schicken?

Mac McMack
05
29.1.2012, 07:33
unabhängig

gibt es maximal am papier. alle großen tageszeitungen in österreich behaupten unabhängig zu sein. trotzdem sind alle problemlos politisch zuordenbar.

Gerald Nessmann
03
29.1.2012, 05:40
Warum nicht einfach

den ORF aufloesen und die Rundfunksteuer abschaffen.

Stellt sich nur eine Frage: Wohin mit den hoechstqualifizierten Mitarbeitern.

das ist fix
00
11.2.2012, 13:34

welche "höchstqualifizierten" mitarbeiter?

falsa demonstratio non nocet
00
29.1.2012, 16:43
Die ÖBB sucht doc immer ...

... hoechstqualifizierte Mitarbeiter ...

zB als Zugbegleiter oder bei Mungos?

0 1 9 0
01
29.1.2012, 12:15
ORF Neugründung unausweichli

moulin rouge
00
29.1.2012, 04:49
WENN EINER GLAUBT,

dass die Polkitik ja auch Richter bestellt, ohne in Verdacht zu geraten, damit die Unabhaengigkeit der Justiz zu untergraben, dann kann derjenige ohne weiters auch an die Entstehung des Himmels durch die bestaendige Existenz der Hoelle glauben. Wie man so etwas nennt, wenn die Richter durch die Politik (Parteien) bestellt werden, wussten schon die alten Griechen und der gute Zeus haette ausgerufen, pfui Teufel das ist Korruption. Wer allerdings glauben kann, dass dadurch eine Unabhaengigkeit gewahrt bleibt, ist ganz simpel ein Vorteilnehmer dieses korrupten Systems! Ich frag den Pendler was der davon haelt: http://www.youtube.com/user/00derpendler

AbdA
00
28.1.2012, 21:11
Königreich für unabhängigen ORF?

Vielleicht wär's umgekehrt besser?

Mirabeau
06
28.1.2012, 21:00
Das Demokratieverständnis eines ÖVP Mannes:

Alle sitzen im Aufsichtrat. Die Banker. Die Wirtschaft. Die anderen Medien. Die Mitarbeitervertreter.

Nur eine Gruppe nicht: die gewählten Vertreter der Seher und Höhrer, diejenigen, die das alles bezahlen müssen. Die sollen gefälligst brennen, Werbung schaun und die Pappn halten.

Was, Herr Personalberater, würden sie eigentlich Coca Cola empfehlen? Den Pepsi Vorstand als Aufsichtrat?

Allmächtiger Satan
00
28.1.2012, 19:57

"Daher würde ich als Personalberater meinem Auftraggeber einen fünfzehnköpfigen Aufsichtsrat vorschlagen. Sechs Mitglieder sollten sich aus ehemaligen Inhabern von Spitzenpositionen im Print-oder elektronischen Bereich rekrutieren (ehemalig zwecks Reduzierung von Interessenkonflikten). Dazu kommen vier weitere Mitglieder aus Spitzenpositionen in der Wirtschaft, vorzugsweise mit Finanzbackground. Die restlichen fünf Mitglieder sollten von den ORF-Mitarbeitern nominiert werden können."

Diese Leute existieren ohne Parteibuch bzw. parteibuchgleicher Nähe zu Parteien defacto nicht.

Stahl_____666
13
28.1.2012, 19:27
.

Was heisst da Königreich?

Der ORF nimmt jetzt schon aus Gebühreneinnahmen 560 Mio. ein.

Zum Vergleich: die englische Krone bekommt 40 Mio. Pfund vom Staat.

Hugo Strudl
13
28.1.2012, 21:13

Ja die Verwaltung royaler Besitztümer und die Führung eines Medienunternehmens, brillianter Vergleich ohne jeglichen Zusammenhang oder ansatzweise Vergleichbarkeit.

Bin dafür öffentlich rechtliche Medien trotz Unannehmlichkeiten zu erhalten, denn eine totale privatisierte Medienlandachaft ist in der heutigen Zeit eine riesige Gefahr.
Die zahlungskräftigsten Kräfte können sich dadurch öffentliche Meinung erkaufen und die Arbeit einer Regierung kann von außen torpediert werden. Und das ohne der Regierung gleichberechtigte Mittel für eine öffentliche Diskussion zur Verfügung zu stellen.

werwolfi
05
28.1.2012, 16:20

“ Die Politik bestellt ja auch die Mitglieder der Höchstgerichte, ohne in Verdacht zu geraten, damit die Unabhängigkeit der Justiz zu untergraben.“

Ahahahahahahaha... *augenwisch*

Um die Unabhängigkeit der Justiz zu untergraben, braucht es längst keine Bestellung von Höchstrichtern.
Wie uns in den letzten paar Jahren eindrucksvoll demonstriert wurde, reicht da das Halten des Justizministeriums und weisungsgebundene Staatsanwälte völlig, um das Wort “Unschuldsvermutung“ zu einen Zerrbild seiner ursprünglichen Bedeutung zu machen...

tich nak
21
28.1.2012, 15:52

Das ganze ist lächerlich, privatiseren, fertig, wer braucht bitte einen Staatsfunk der Zwangsgebühren einhebt, das klingt für mich mehr nach Nordkorea als nach sonstwas.

Hugo Strudl
00
28.1.2012, 15:31
Ein Königreich für nur irgendein unabhängiges Medium

Ist nicht existent und unabhängige Medien sind auch eingebunden in die freie Marktwirtschaft nicht zu bewerkstelligen.

wakeup
00
28.1.2012, 13:53
Rede eines Abhängigen über Unabhängigkeit...

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