Angeblich Indizien für Verwicklung in Bestechungsaffäre
Madrid - Der renommierte spanische Richter Baltasar Garzón könnte
in diesem Monat zum dritten Mal auf der Anklagebank landen. Ein
Untersuchungsrichter in Madrid stellte am Freitag fest, es gebe Indizien, dass
Garzón in eine Bestechungsaffäre verwickelt sei. Er habe zur Finanzierung von
Kursen an der Universität von New York in den Jahren 2005 und 2006 Gelder der
spanischen Großbank Santander und anderer Unternehmen angenommen. Im Falle einer
Verurteilung würde der Oberste Gerichtshof in Madrid Garzón mit einer Geldstrafe
belegen.
Garzón hatte sich am vergangenen Dienstag bereits vor dem Obersten
Gerichtshof wegen seiner Ermittlungen zu den Verbrechen der Franco-Diktatur als
Angeklagter vor Gericht verantworten müssen. In dem Prozess hielt die Anklage
dem Juristen vor, ein Amnestiegesetz aus dem Jahre 1977 ignoriert und seine
Befugnisse überschritten zu haben. Garzón droht ein Berufsverbot von bis zu 20
Jahren.
Der Richter stand in der vorigen Woche auch in einem anderen Verfahren als
Angeklagter vor Gericht. Dabei ging es darum, dass Garzón die Gespräche zwischen
Verdächtigen in einem Korruptionsskandal und deren Rechtsanwälten abhören ließ.
In diesem Prozess wird in Kürze das Urteil erwartet.
Garzón ist Spaniens berühmtester Jurist. Mit seinen Untersuchungen gegen
ehemalige Militärherrscher in Lateinamerika hatte er sich weltweit einen Namen
als "Tyrannen-Jäger" gemacht und war als Kandidat für den Friedensnobelpreis
nominiert worden. 1998 erwirkte er die Festnahme des chilenischen Ex-Diktators
Augusto Pinochet in London. Die britische Justiz lieferte Pinochet jedoch nicht
nach Spanien aus und ließ ihn schließlich in seine Heimat zurückkehren. (APA)