"Little Joe" soll das Erbe der Kennedys fortführen

28. Jänner 2012, 11:50

2011 war das erste Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem niemand aus dem Kennedy-Clan im US-Kongress saß

Bei den Wahlen im November soll sich das ändern. Ein Enkel Robert Kennedys will antreten.

*****

Es war, als hätte sich der Clan zurückgemeldet in der ersten Liga. Als hätte Amerikas berühmteste Familie nach kurzer, aber deprimierender Durststrecke wieder einen Erben zu bieten, der an alte Größe anzuknüpfen versprach. Leidenschaftlich warnte Joseph P. Kennedy III vor den Folgen hassgetränkter Rhetorik, die politische Gegner zu Feinden erklärt. Nahm rechte Radiokommentatoren ins Gebet, weil sie Barack Obama mit Schaum vor dem Mund zum Landesverräter stempelten. Und distanzierte sich von linken Demonstranten, die "Tod für Cheney" skandierten. "Das ist nicht, wofür Präsident Kennedy stand, was Martin Luther King oder Robert Kennedy symbolisierten."

Mit irisch rotem Haar stand der 30-Jährige im Bundesstaatenparlament von Massachusetts, hielt ein Plädoyer auf einen sachlichen Diskurs anstelle billiger Sprüche und wurde mit stehenden Ovationen belohnt. "Wir haben einen neuen Kennedy" , schwärmte Therese Murray, die Senatspräsidentin. Damals, vor ziemlich genau einem Jahr, beantwortete Little Joe, wie sie ihn trotz seines Gardemaßes nennen, Fragen nach Karrierezielen noch mit üblichen Floskeln. Sein Job bei der Staatsanwaltschaft mache ihm Spaß, weshalb er sich voll darauf konzentriere. Zwölf Monate später will er für den Kongress kandidieren.

Die Chancen für den kleinen Joe stehen nicht schlecht im seinem Wahlbezirk in Boston. Unter den Bildungsbürgern des Speckgürtelmilieus gibt traditionell die Demokratische Partei den Ton an: Beim Präsidentenvotum erhielt Obama 63 Prozent der Stimmen. Was freilich nicht heißt, dass ein Kennedy schon als Sieger feststeht, sobald er auch nur an den Start geht.

Camelots Schein verblasst

"Kennedy-Müdigkeit ist mittlerweile eine chronische Krankheit in Massachusetts" , glaubt Patrick Tracey, ein Bostoner Schriftsteller. "Sich im verblassenden Schein Camelots zu sonnen ist vielleicht nicht das beste Rezept, wenn man gewählt werden will." Camelot, der sagenumwobene Hof des Mythenkönigs Artus; die Chiffre für John F. Kennedy, den 1963 ermordeten Hoffnungsträger, dessen Amtszeit von romantischen Zeitgenossen verherrlicht wird, als wäre das Washington Kennedys das neue Märchenreich gewesen. Was ist noch übrig vom alten Camelot-Zauber? Erst vor zwei Jahren gelang Scott Brown, einem gemäßigten Konservativen, eine faustdicke Überraschung, als er einen Senatssitz gewann, den 47 Jahre lang Edward "Ted" Kennedy innehatte, der jüngste, im August 2009 verstorbene Bruder von JFK.

Allein wegen der Vorgeschichte wird Little Joe im Mittelpunkt stehen. Natürlich auch, weil sein Großvater Robert F. Kennedy heißt, früher Justizminister war und heute mindestens genauso verklärt wird wie sein präsidialer Bruder. Mit RFK, der sich 1968 ums Oval Office bewarb und von einem Attentäter erschossen wurde, verband sich die Hoffnung auf ein rasches Ende des Vietnamkrieges. Bis heute genießt er bei vielen Amerikanern, vor allem, wenn sie nach links tendieren, fast so etwas wie Kultstatus. Ein Bonus für seinen Enkel, aber auch eine Bürde, eine enorme Erwartungshaltung.

Der Druck ist so groß wie die Schuhe, in die er schlüpfen soll. Fieberhaft sucht der legendäre Clan nach begabtem Nachwuchs, um ein Vakuum zu füllen. Seit Jänner 2011 ist er, erstmals seit 1947, im Parlament nicht vertreten. Little Joe soll es nun füllen. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 63
1 2
Der Rotschopf ist jetzt aber schon lange auf der Seite

Hat der was eingezahlt?

No more Kennedys, please!

Schon JFK war einer der überbewertesten Politiker aller Zeiten. Sein Bruder Edward eine reine Katastrophe und vom Rest der Skandal-Familie mag man gar nicht reden.

US Wahlergebnisse vorweg durchgesickert

Seht selbst

http://wirbelung.wordpress.com/wp-admin/... ostpost=v2

Na Ja

"Mit RFK, der sich 1968 ums Oval Office bewarb"...

JFK wurde aber am 20. Januar 1961 Präsident. Fakten sind anscheindend des Standards nicht.

kennedy

oder weasley?

Urtragisch!

2011 ist auch keiner aus meiner Familie im Kongress gesessen...

Mein Gott, er sieht ja aus wie der amerikanische Optimismus persönlich. Selbst Obama wirkt blass dagegen.

Zu blass, zu rot

Sie irren: Es gibt nur einen Little Joe:

http://www.weirdspace.dk/LuckyLuke... others.jpg

(1. v. r.)

Der Niko P. als US-Ausgabe

Schaut auch bisschen wie Conan O'Brien aus..

Noch eine Harry-Potter-Brille und fertig ist die Wiedergeburt

des alten Stammvater Prohibitions-Joe...

Das ist wie mit den Kims in Nordkorea.

dieser redneck hat nicht das zeug dazu.

sieht man auf den ersten blick.

soll er doch aktionskünstler oder holzfäller werden.

omg

Es it offensichtlich, dass du nicht mal weisst was das wort redneck bedeutet. Vor dem Posten bitte erst informieren

us-aristokratie-redneck

so oder so irgendwie ein erb-abgeordneter, erb-senator.

die amis sind halt genau so blöd wie die europäer, was ihre "glamorösen familien" angeht.

seine vorgelegten und einstudierten reden interessieren mich an schmarrn.

hampelmann. für die vorstädtischen demokraten-hausfrauen.

der nächste bitte.

Wieso sollte ein Yankee aus Massachusetts

ein redneck sein ?

Wenn man schon mit Ausdrücken um sich wirft dann doch bitte mit den richtigen ...

Oder Büroleiter beim ORF...

wenn little joe in die spur seines grossvaters tritt, wird er letztlich der 99%-bewegung beitreten.

Das liest sich jetzt so, als hätten Sie Ihre Kennedy-Infos aus der Klatschpresse.

Ich geb Ihnen mal ein paar Stichworte zum googeln: Mafia, Vietnam, Kuba und Schweinebucht.

Ach, ich würde die Nazis noch einschließen. Papa Joe war ein

großer Freund der Nazis.

Mafia, Vietnam, Kuba und Schweinebucht. Für diese Übeltaten sind wohl die CIA und der "militärisch-industrielle-Komplex" den sowohl Eisenhower als auch JFK der Verschwörung bezichtigten, verantwortlich.

http://www.youtube.com/watch?fea... w8Dyg8uE#!

Hier noch ein anderes Schmankerl:
„Es existiert eine Schattenregierung mit ihrer eigenen Luftwaffe, ihrer eigenen Marine, ihren eigenen Geldbeschaffungsmechanismen sowie der Möglichkeit, ihre eigene Vorstellung nationaler Interessen durchzusetzen, frei von allen Kontrollen und frei vom Gesetz selbst.“

– US-Senator Daniel Inouye während der Senatsanhörungen zur Iran-Contra-Affäre 1986

http://de.wikipedia.org/wiki/Iran... ff%C3%A4re

Posting 1 bis 25 von 63
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.