Wien

Karlsplatz, Ort der Konzeptlosigkeit

Thomas Trenkler, 27. Jänner 2012, 18:05

Die Stadtpolitik kümmert sich nicht um den Kunstplatz Karlsplatz

Weder wird eine Entscheidung über das Wien-Museum gefällt, noch wird das Künstlerhaus bei der Sanierung unterstützt. Die Resignation wächst.

Wien - Am Karlsplatz reiht sich eine Kulturinstitution an die andere - wie Perlen an einer Schnur, so die gern verwendete Meta- pher: Wien-Museum, Musikverein, Künstlerhaus mit Brut und Kino, Project Space der Kunsthalle und Secession. Hinzu kommen die Karlskirche, die Technische Universität und nicht weit entfernt das Theater an der Wien, die Generali Foundation und die Akademie der bildenden Künste.

Doch all diese Perlen wirft man vor die Säue, um im Bild zu bleiben: Der Karlsplatz gilt als urbaner Unort. Vor nun 15 Jahren wurde auf Anregung des Künstlers Gebhard Schatz der "Kunstplatz Karlsplatz" ins Leben gerufen. Es kam in der Folge zu einer Vernetzung der Kultureinrichtungen: Auf www.karlsplatz.org werden alle Aktivitäten gebündelt angekündigt. Auch der Resselplatz wird mehr genutzt - beispielsweise für das Popfest und von den Wiener Festwochen.

Doch zu einer Neuordnung des Platzes, der von sechsspurigen Stadtautobahnen durchschnitten wird, kam es nicht: Man reduzierte bloß das Gebüsch (um das Wien-Museum sichtbarer zu machen), pinselte einen Zebrastreifen auf und verbesserte ein wenig die Beleuchtungssituation.

Ob der nach wie vor unbefriedigenden Situation organisierte das Künstlerhaus eine Podiumsdiskussion, die am Donnerstag unter der Leitung von Standard-Kulturressortleiterin Andrea Schurian stattfand. Um einen Gegenspieler aus der Politik zu haben, lud man u. a. auch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) ein. Er ließ sich entschuldigen - mit der Begründung, dass seine Anwesenheit im Gemeinderat vonnöten sei. Was den anwesenden Klaus Werner-Lobo, Kultursprecher der Grünen, verwunderte, da die Gemeinderatssitzung längst zu Ende war.

Die Diskutanten konnten mit ihrer Enttäuschung über die Stadtpolitik nicht hinter dem Berg halten. Architekt András Palffy, kürzlich wiedergewählter Präsident der Secession, zog über die Planung der 60er-Jahre her (oben der Verkehr, in der Passage die Passanten) und forderte ein "großes Konzept" ein. Auch Peter Melichar von www. kunstplatz.org sprach sich für eine Neugestaltung aus - es gibt ja nicht einmal öffentliche Toilettenanlagen.

Zwei klaffende Wunden

Architekturkritiker Jan Tabor ätzte wortgewandt über die inhaltliche Stille: Nur die Schnellstraße bringe noch Bewegung in den Platz. Auch Beppo Mauhart, der als Präsident der Wirtschaftsinitiative Neues Künstlerhaus WINK Geld für die Sanierung des ramponierten Gebäudes aufzutreiben versucht, meinte enttäuscht, dass "in Wahrheit nichts passiert" sei mit dem Kunstplatz Karlsplatz: Noch immer gäbe es die Wunden Wien-Museum und Künstlerhaus.

Manfred Nehrer, Expräsident des Künstlerhauses, hatte eine Antwort parat: "Der Stadt ist es ein Dorn im Auge, dass die Immobilie einer Künstlervereinigung gehört. So lange das so ist, wird es keine Unterstützung geben." Aus dem Publikum kam die Meinung: "Die Stadt will uns aushungern." Diese Einschätzung dürfte nicht unrichtig sein. Denn das Kulturamt gab auf Anfrage des Standard bekannt: "Aus Sicht der Stadt liegt kein tragfähiges und finanzierbares Konzept für die Sanierung des Künstlerhauses vor."

Zudem fällt die Stadt keine Entscheidung, ob das Wien-Museum einen Zubau oder einen Neubau bekommen soll: Direktor Wolfgang Kos hielt bei der Diskussion wieder ein flammendes Plädoyer für den Karlsplatz (ob der Sorge, dass der Neubau beim Zentralbahnhof errichtet werden könnte).

Auf die Frage des Standard, wann mit einer Entscheidung von Mailath-Pokorny gerechnet werden könne, blieb dessen Pressesprecherin vage: "Unsere Experten arbeiten nach wie vor intensiv an der Prüfung der Standorte." Also kann immer nur diskutiert werden. Und das ist für Pálffy Konzept: "So lange man diskutiert, muss man nichts tun." (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 28./29. Jänner 2012)

meresi
00
29.1.2012, 19:29
standard zensur ist allgegenwärtig...

allmächtiger...

holodri
12
29.1.2012, 11:57
das Künstlerhaus

versteckt sich seit jahren hinter riesigen Werbeflächen und macht von außen den eindruck einer dauerbaustelle... wobei bauarbeiter noch nie gesichtet wurden.
vielleicht wiederspiegelt dies ja die inneren zustände des hauses.

Strelnikow
00
29.1.2012, 08:34
Zentralbahnhof

statt Koralmtunnel hätte man den Zentralbahnhof unter den Karlsplatz bauen können, dann hätte er wenigstens einen ordentlichen Ubahnanschluss.

Max Arnstein III.
 
10
28.1.2012, 21:37
Der Karlsplatz als Verkehrsknotenpunkt ist älter

als der Karlsplatz als Kunstmeile. Die Wienzeile und Getreidemarkt als Stadtautobahnen zu bezeichnen zeugt von einigem Differenzierungsverlust. Die wahre Schweinerei liegt in der Überlassung des Verkehrsbürogebäudes an die Novomatic.

aaronthebaron
10
28.1.2012, 21:30
Konzeptlos ist der Karlsplatz nicht

Es gibt ein klares Konzept, es wird nur nicht gesprochen darüber: Es soll mit allen Mitteln verhindert werden, dass sich dort irgendwas ausser Autoverkehr im 60-Jahr Stil des vorigen Jahrtausends abspielt oder entwickelt.. ausser Behübschungen aller Art, bis hin in den Kulturbereich..

donna corleona
00
28.1.2012, 17:46

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) ließ sich entschuldigen.....
Wie charmant - wieder einmal überlässt Mailath, wenn's unangenehm wird, den Grünen den Vortritt ;-)

byron sully
00
28.1.2012, 14:57

mitverantwortlich dafür ist auch, daß der wienfluß am karlsplatz unterirdisch verläuft. ein schöner, begrünter wienfluß mitten durch den karlsplatz (so à la venedig-kanal) - das wär doch was (sieht auf alten fotos aus dem 19.jahrhundert eigentlich recht hübsch aus).
ein zurück ist natürlich aufgrund der u-bahnen aber wohl kaum möglich.

Erwin Wolfram
10
28.1.2012, 06:47
...

wie perlen gelt wir brauchen eine institution die das abzocken organisiert, sicher blablabla

Walter Gröbchen
00
28.1.2012, 03:15
Karl tanzt.

"Inhaltliche Stille" ... "Die Diskutanten konnten mit ihrer Enttäuschung über die Stadtpolitik nicht hinter dem Berg halten" ... ""So lange man diskutiert, muss man nichts tun" ... "Die Resignation wächst." Da sollte doch mal Bewegung reinkommen. Sollte es nicht?

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