Korruptionsstaatsanwaltschaft

Tiroler leiden auch unter Wertpapieren

Renate Graber , 27. Jänner 2012 17:49
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    Foto: standard/matthias cremer

    Die Hypo Tirol hat ihren Eigenbestand an Wertpapieren von fünf auf drei Milliarden Euro reduziert; weiterer Abbau ist nötig.

Die landeseigene Tiroler Hypo hat nicht nur in Italien Sorgen. Sie hat auch viel eigenes Geld in Wertpapiere der krisengeschüttelten PIIGS-Staaten gesteck

Die landeseigene Tiroler Hypo hat nicht nur in Italien Sorgen. Sie hat auch viel eigenes Geld in Wertpapiere der krisengeschüttelten PIIGS-Staaten gesteckt. Allein in Spanien sollen es rund 200 Mio. Euro sein.

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Wien - Jetzt ist die Hypo Tirol ein Fall für die Korruptionsstaatsanwaltschaft. Nach einem Gespräch der Hypo-Banker mit der Staatsanwaltschaft Innsbruck hat selbige ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter eingeleitet - und die Sache an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien weitergeleitet. Das bestätigt der Sprecher der Innsbrucker Behörde, Hansjörg Mayr. Die geografischen Umwege, die daraus erwachsen, sind hausgemacht: Die WKStA ist für alle Wirtschaftsstrafsachen zuständig, deren Schaden fünf Mio. Euro übersteigt. Der Plan der Justiz, mehrere Standorte einzurichten, wurde unter Ministerin Claudia Bandion-Ortner verworfen.

In der Sache Hypo Tirol geht es um die Verluste, die vor allem aus dem Italiengeschäft erwartet werden. Der Vorstand unter Markus Jochum hat im Dezember einen Wertberichtigungsbedarf von 120 Mio. Euro angekündigt. Man sprach von "kriminellen Machenschaften"; der Ex-Vorstand weist die Vorwürfe zurück. Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen, die die Bank beauftragt hat, lassen nun aber nichts Gutes ahnen. Die Prüfer haben bisher Kredite über rund 400 Mio. Euro (von insgesamt 1,3 Mrd.) analysiert. Und: Der Wertberichtigungsbedarf von 120 Mio. dürfte sich bewahrheiten, ist zu hören.

In der Hypo-Italien-Bilanz 2010 wurden bereits Forderungen von 227,5 Mio. Euro als "leistungsgestört" vermerkt; der Rest galt als "einwandfrei".

Vertragslose Zustände

Zudem lassen die Erkenntnisse der Prüfer eine recht spezielle Kreditvergabepraxis vermuten. Bloß ein paar Indizien: In vielen Fällen gibt es keine Kreditverträge; oft waren die Kredite endfällig (Zinsen und Kapital). Gab es sie, so waren die Verträge oft in Italienisch verfasst, was dort Probleme macht, wo die internen Revisoren gar nicht Italienisch können.

Das rasante Kreditwachstum war strukturbedingt: Man setzte Kreditvermittler ein, die 1,5 bis drei Prozent Provision kassierten - unabhängig davon, ob die Kredite zurückkamen. Dazu sollen kriminelle Machenschaften rund um Immo-Schätzgutachten kommen.

Probleme haben die Tiroler auch abseits von Italien, etwa in Bayern. Dort wird rund um ein Solarkraftwerksprojekt ein mutmaßlicher Betrugsfall verhandelt; es geht um rund 20 Mio. Euro. Und: Auch bei den Wertpapierveranlagungen (die Bank sitzt auf viel Liquidität) bangt man um Geld - speziell in Spanien. Dort hat die Hypo ihr Geld u. a. in Pfandbriefe und Jumbo-Pfandbriefe (sie haben mehr als eine Mrd. Euro Volumen) gesteckt und versucht nun, die Positionen abzubauen. Am Freitag betonten die Hypo-Banker, dass "die spanischen Wertpapiere in Summe eine untergeordnete Bedeutung" spielten ("6,5 Prozent des gesamten Eigenbestands"); ihre Bonität sei zudem gut, die Werthaltigkeit hoch.

Wie hoch der Eigenbestand ist, verrieten die Tiroler nicht. Aus Aufsichtsratskreisen ist zu hören, dass der Wertpapierbestand der Bank (Bilanzsumme: 11,2 Mrd. Euro) von fünf Milliarden auf 2,9 Mrd. Euro zurückgefahren wurde. Auf Spanien würden so an die 200 Mio. Euro entfallen. Alle Investments in Papiere der PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) seien reduziert worden, so der Aufseher.

Mit der Kapitalerhöhung (die Tiwag schießt dem Land 230 Mio. Euro Dividende vor, das Land steckt sie in die Bank) kommen die Banker einem herandräuenden Problem zuvor. "Vor dem Hintergrund der neuen Vorschriften würde unser PS-Kapital nicht mehr als Eigenkapital anerkannt", erklärt ein Banker. Die Hypo hat 2009 rund 60 Mio. Euro kapitalgarantierter Partizipationsscheine (fünf Prozent Zinsen) mit Putoptionen ausgegeben; die Konstruktion läuft via Hypo-Anteilsverwaltung. Gezeichnet haben - angeblich - Tiwag, Tiroler Landesversicherung, Private; sie werden nun ausgezahlt. Die jetzige Lösung sei "einfach und sauber", analysiert ein Involvierter. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.1.2012)

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15 Postings
Lucius Vorenus
28.01.2012 21:39
Ich leider wegen Zuständen wie diesen:

http://dietiwag.org/blog/index.php (aus irgendeinem Grund will darüber kein Medium berichten - leider auch Der Standard nicht)

sonne-licht
 
28.01.2012 20:39
wer glaubt das alles övp verursacht hat

ist nur einfach ungebildet!

was ich immer schon sagen wollte ...
29.01.2012 08:49
eh nicht, denn die tiroler hypo hat auch gar nix mit der tiroler politk = oevp seit jahrzehten zu tun ....

... wie so viele betriebe/firmen im tirol politumfeld: sind ja nur ,,bekannte'' der politik - in einem kleinen land/in einer kleinen stadt wie innsbruck ,,kennt'' mensch sich eben ... zufaelligerweise ... vom gruessen am berg oder am samstag vormittag in der markthalle ... eh klar.

wer meint, dass das nix mit der politik zu tun hat ist wohl vom sonnen-licht beim schifahren auf der seegrube oder am patscherkofel geblendet - vorsicht, verursacht netzhautschaeden ;)

*uahahaha*

EINSZWO
28.01.2012 16:09
Ein herzliches und aufrichtiges Danke ...

... an die ÖVP.

Tirol (Hypo, Agrargemeinschaften,..), Kärnten (Hypo, ...), Niederösterreich (Wohnbaugelder,....), Steiermark (Herberstein,...)...
Eine Partei der Wirtschaftsexperten und Patrioten.

Vielen Dank nochmals

Krones
28.01.2012 19:25
dazu noch OÖ., wo

einem völlig unbekannten ungarischen Fin.Berater ein Einschaurecht in Konten - was darunter zu verstehen ist, weiss niemand - gewährt werden sollte, der bot dafür eine ungeheure Summe!
OÖ. hat die Rücklagen aufgebraucht, und baut nun Schulden auf, der OÖ.LH - auch einer von dieser Sorte!!!

123155465
28.01.2012 15:28
Na, dann mal runter vom hohen Ross liebe Kollegen im WP Handel!

Selten ein so arrogantes Pack erlebt ^^

DirtyHarry
28.01.2012 12:23

und wieder einmal zeigt sich, dass dort wo die öffentliche hand mitmischt, noch mehr unsinn passiert, als in der "privatwirtschaft"

im klartext:
ein bundesland braucht keine landeseigene bank

schnuddeldiwuddeldi
28.01.2012 13:30
nein

aber dringend die Aufsicht !

plebs et principes
28.01.2012 11:35
was sich in der österr. bankenszene absielt, ist katastrophal

die landes-hypos sind ja wahre goldperlen!
oder sind es die gierigen landes-häupter, die ihre hypos zu immer risikoreicheren investments treiben, damit die rendite zu ihren schlechten budgeds passt?

aber es passt irgendwie ins bild zur ersten, raika, volksbanken, .....

eine einzige katastrophe!

Grammelschmalzbrot
28.01.2012 09:28
"Die LANDESEIGENE Tiroler Hypo hat ... auch viel EIGENES Geld in Wertpapiere der krisengeschüttelten PIIGS-Staaten gesteckt. "

Bin ich jetzt etwas zu pingelig wenn ich hier vorschlagen würde hier nicht "EIGENES Geld" sondern "Geld der Steuerzahler und Kunden" zu schreiben?
Das würde den Sachverhalt besser darstellen!

;-)

Totaler Durchblicksstrudel
 
28.01.2012 14:25

Ja, zu pingelig. Das Geld gehört der Bank, die Bank dem Land. Dass das Land den Steuerzahlern, bzw. besser den Bürgern gehört, könnte man so sehen. Den Kunden gehört ihre Einlage, sonst nix. Bei Kreditkunden nicht einmal das ;)

Erwin Wolfram
28.01.2012 01:14

in jedem skandal ist die korruptionsstaatsanwaltschaft ganz vorne dabei... das kann aber nicht sein, dass es sich um ein gremium handelt, dass die eliten reinwaschen soll!

Waran
28.01.2012 09:49

Der Verdacht könnte schön langsam entstehen.

sentvromeieifon
27.01.2012 21:03
Da können wir noch was lernen!

Zukünftig empfohlene Vertragssprachen in Österreich: italienisch, chinesisch, Swahili, ...

oas
28.01.2012 20:27
Na stell Dir vor

Du liessest in Tirol durchblicken, dass Du italienisch verstündest! So Du nicht alle heiligen Eide zusandekriegst, in Südtirol aufgewachsen, unter der schrecklichen Zwangsitalienisierung gezwungen warst, dieses Welsche zu erlernen und einen urtirolerischen Namen trägst - die Karriere möchte ich sehen! Nicht in Tirol…

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