1.700 Morde, Vergewaltigungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden verhandelt - Angeklagter schwieg zu Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft
Guatemala-Stadt - Ein Gericht in
Guatemala hat am Donnerstag gegen den früheren
General und Diktator Efrain Rios Montt (85) einen Prozess wegen Völkermordes
eröffnet. Nach einer ersten Anhörung entschied die Richterin aber, dass Rios
Montt wegen seines Alters während des Verfahrens nur unter Hausarrest gestellt
wird. Während der ersten Anhörung hatte der Ex-General zuvor zu den
Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft geschwiegen.
Rios Montt, der sich 1982 an die Macht geputscht hatte, wird vorgeworfen, für
Massenmorde an der Maya-Bevölkerungsgruppe der Ixil verantwortlich zu sein.
Konkret geht es um mehr als 1.700 Morde, aber auch um Vergewaltigungen und
schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit. "Es gibt rationale Anzeichen seiner
(Rios Montts) möglichen Beteiligung an den Ereignissen, die die
Staatsanwaltschaft vorgetragen hat", sagte die Richterin Patricia Flores.
Während des 30-jährigen Bürgerkrieges mit insgesamt rund 200.000 Toten hatten
die Militärregime in Guatemala zahlreiche Dörfer
regelrecht ausradiert, um zu verhindern, dass sich die Stämme mit der linken
Guerilla verbündeten. Der Krieg endete 1996.
Der Ex-General hatte sich dank seiner Immunität als Abgeordneter bisher der
Justiz entzogen. Im neuen Parlament, das am 14. Jänner zusammentrat, ist er
nicht mehr vertreten, da er im November des vergangenen Jahres nicht
wiedergewählt worden war. (APA)