"Griechenland ist de facto zahlungsunfähig"

Interview | Alexandra Föderl-Schmid, 27. Jänner 2012 17:14
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    Foto: ap/marcel mettelsiefen

    Roland Berger verspricht eine unabhängige Ratingagentur.

Wie weit sein Unternehmen mit dem Aufbau einer europäischen Ratingagentur ist, erklärt Berater Roland Berger

Berater Roland Berger schließt einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone nicht aus. Wie weit sein Unternehmen mit dem Aufbau einer europäischen Ratingagentur ist, erklärte Berger in Davos Alexandra Föderl-Schmid.

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STANDARD: Der Internationale Währungsfonds erwartet 2012 eine "milde Rezession" in der Eurozone. Ist das realistisch?

Berger: Ja, das ist durchaus realistisch. Einige Länder, unter anderem Deutschland, Österreich und Polen, werden im zweiten Halbjahr wieder anfangen zu wachsen. Wenn auch langsam.

STANDARD: War es klug, dass Deutschland in der Eurozone eine Schuldenbremse forciert?

Berger: Ja, das ist klug, aber es darf nicht das einzige Instrument bleiben. Wachstumsstimulierende Strukturmaßnahmen müssen jedes massive Sparprogramm begleiten.

STANDARD: Sehen Sie die?

Berger: Ja, etwa in Italien. Mario Monti hat sein Programm geteilt: einerseits Sparen und Steuern erhöhen, andererseits das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Nur Geld in die Wirtschaft zu pumpen hilft nur in einer Konjunkturkrise. Wir befinden uns aber in einer Struktur- und Vertrauenskrise. Deshalb braucht es strukturelle Einschnitte bei der Verschuldung und begleitend dazu Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Nur beides zusammen schafft das nötige Vertrauen bei Märkten, Investoren und Verbrauchern - und damit Wachstum.

STANDARD: Italien sehen Sie also auf einem guten Weg. Und Griechenland?

Berger: Griechenland ist de facto zahlungsunfähig, wenn auch nicht de jure. Deshalb ist es unerlässlich, dass Griechenland spart und restrukturiert und dabei durch die starken Euroländer zunächst weiter finanziert wird. Dabei geht es letztlich vor allem darum, weltweit das Vertrauen in die Eurozone wieder herzustellen. Besteht dieses Vertrauen wieder, muss Griechenland gehört werden: entweder Insolvenz und Austritt aus dem Euro oder längerfristige, tunlichst degressive Transfers.

STANDARD: Am 13. Jänner gab es eine Herabstufung von neun Eurostaaten, inklusive Österreich, durch Standard & Poor's. Können Sie die Kritik daran nachvollziehen?

Berger: Das kann ich. Bei den meisten Staaten hatte sich nichts Wesentliches geändert. Da fragt man sich schon, warum werden alle neun plus der Rettungsschirm ESFS ausgerechnet zu dem Zeitpunkt herabgestuft? Aus meiner Sicht hat diese Aktion zwar nicht zur Glaubwürdigkeit des Euro beigetragen, aber auch nicht zu der der Ratingagenturen.

STANDARD: Wie stark ist die Glaubwürdigkeit Österreichs durch den Verlust des Triple-A beschädigt?

Berger: Ratingagenturen beurteilen ja nicht einzelne Länder wie etwa Österreich, sondern die Sicherheit österreichischer Staatsschulden für Investoren. In der Tat hat sich in Österreich einiges an Schulden akkumuliert. Hinzu kommen eine nicht sehr fruchtbare Reform- und Spardebatte plus Zweifel an der Zahlungsfähigkeit in osteuropä-ischen Ländern, die für die österreichische Wirtschaft eine wesentliche Rolle spielen. Und natürlich die hohe Exposure der österreichischen Banken in dieser Region. Ferner ist das mit Österreich wirtschaftlich eng verflochtene Ungarn in Schwierigkeiten und beschädigt durch staatliche Eingriffe die österreichischen Banken. Insofern hat sich die Situation nicht zum Besseren gewendet.

STANDARD: Was davon ist hausgemacht?

Berger: Die österreichische Wirtschaft ist per se gesund. Aber Banken wie Unternehmer erleben im Moment, dass Risiken eintreten, die sie bewusst und richtigerweise eingegangen sind.

STANDARD: Und die Politik?

Berger: In solchen Zeiten ist es immer bedauerlich, wenn Koalition und Opposition aus parteipolitischen Gründen über die Notwendigkeit von Reformen streiten, um die tatsächlich keiner herumkommt. Das schränkt die Handlungsfähigkeit der Politik ein und schwächt das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Regierung und des ganzen Landes. Letztlich riskiert man so unnötig das Wohlergehen der Bevölkerung.

STANDARD: Roland Berger baut eine europä-ische Ratingagentur auf. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?

Berger: Die Welt braucht nicht zwangsläufig eine europäische Ratingagentur, aber eine unabhängige, transparente, glaubwürdige, ohne eingebaute Interessenkonflikte, die in der Lage ist, mehr Wettbewerb herzustellen. Das Rating-Business ist nämlich ein gutes Geschäft. Die Gewinnmarge liegt in der Größenordnung von 40 Prozent vom Umsatz. Wobei das ökonomische Risiko beherrschbar ist.

STANDARD: Wie soll diese Unabhängigkeit hergestellt werden?

Berger: Durch ein neues Geschäftsmodell: Die künftige Agentur zahlen nicht die, die die Finanzprodukte herstellen, sondern die, die sie kaufen. Ein Automobilkonzern finanziert ja auch nicht seine Tests selbst, sondern lässt seine Fahrzeuge von Unabhängigen mit den Augen der Kunden prüfen. Hinzu kommt ein modernes methodisches Bewertungsmodell, ähnlich dem, das Banken heute für ihr Risikomanagement nutzen.

Außerdem wird die neue Ratingagentur für ihre Ergebnisse haften. Der Kunde kann, wenn er Geld verliert, in einem gewissen Rahmen Ansprüche geltend machen. Bisher gab es keine Produkthaftung: Das Rating der derzeitigen Anbieter gilt nur als Meinungsäußerung. Last, but not least wird die neue Agentur einer Stiftung gehören, keinen an Gewinnmaximierung durch begrenzten Wettbewerb interessierten privaten Investoren. Eine Stiftung unterliegt strengen Aufsichts- und Managementgesetzen, ihre Organe müssen unabhängig sein.

STANDARD: Wo soll der Sitz der Stiftung sein?

Berger: Wahrscheinlich in den Niederlanden. Zum Start werden 30 bis 50 Investoren wie etwa Banken, Versicherungen, Pensionsfonds diese europäische Ratingagentur in Form von Mezzanindarlehen (Anm.: Finanzierungsarten, die eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital darstellen) vorfinanzieren. Diese wird die Ratingagentur aus ihren Erlösen zurückzahlen und danach allein der Stiftung gehören. Namen möglicher Investoren dürfen wir derzeit noch nicht nennen.

STANDARD: Wann wird die Ratingagentur starten?

Berger: Wir haben mündliche Zusagen für das von uns als nötig erachtete Startkapital von 300 Millionen Euro. Die schriftliche Fixierung sollte bis zum Ende des zweiten Quartals möglich sein - oder eben später. Dann braucht man noch Infrastruktur, Personal. Losgehen könnte es also gegen Anfang nächsten Jahres. Roland Berger Strategy Consultants selbst hat dabei übrigens keine ökonomischen Interessen. Wir haben zwar das Modell entwickelt, und möglicherweise beraten wir beim Aufbau der Agentur, danach sind wir aber draußen.

STANDARD: Manche Politiker meinen, eine europäische Ratingagentur würde vieles in Europa milder beurteilen. Teilen Sie diese Erwartung?

Berger: Nein. Und der Anstrich, sie wäre von der Politik gewollt, um europäische Märkte milder zu beurteilen, wäre auch tödlich für diese neue Agentur. Sie muss und wird überzeugen durch Transparenz, Leistungsstärke und politische wie wirtschaftliche Unabhängigkeit. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.1.2012)

ROLAND BERGER (Jahrgang 1937) ist studierter Betriebswirt. Er ist Gründer und Aufsichtsrat der gleichnamigen Beratungsgruppe sowie Politikberater. Roland Berger Strategy Consultants unterhält 45 Büros in 33 Ländern und beschäftigt mehr als 2500 Mitarbeiter.

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no.coffee.no.prana.
30.01.2012 08:41
zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig?

so menschlich.

alles ist so viel teurer plötzlich bzw. erstmals muss ich was bezahlen (steuern!), und ich hab natürlich nix gespart.

ich werde deshalb, obwohl ich natürlich in zukunft doch vielleicht ein bisschen sparen möchte, nun einmal meine monatlichen mietzahlungen einstellen. ist mir zu hoch. ja, ich brauche nämlich einen mietschnitt.

solln doch bis dahin (und gerne länger) die bösen reichen deutschen studenten in wien meine miete berappen. sie profitieren ja so vom gratisstudium.

ich nenne das zahlungsunfähig, und die bösen meinen wohl allen ernstes ich sei zahlungsunwillig? wirklich?

José Atento
29.01.2012 15:19
Österreichische Politiker sind Würschteln!

Die können nicht einmal 4 Mrd. von 68 Mrd. Staatsausgaben einsparen, denn dann hätten wir ein Nulldefizit.
JEDER Manager kann das, wenn es notwendig und sinnvoll ist. Es wäre schon lange notwendig und sinnvoll.

Elduderino78
29.01.2012 10:31
gewinn marge VON WAS

das hätte ich gefragt...woran verdiehnt denn eine ratingagentur, wie erreichen sie ihren gewinn, wieso ist da ein so kalkulierbares risiko, auf welcher gehaltsliste stehen diese agenturen und zu guter letzt

wen wir ja jetzt eine unabhängige freie transparente brauchen....gähn....sind die großen also irgendwas davon nicht......ergo wieso werden sie nicht einfach demaskiert und bloss gestellt anstatt ihnen hörig hinterherzuhecheln

denn so oft wie die großen ratingagentruen in den letzten 10 jahren daneben lagen müssten sie alle in konkurs sein ;)

Johann Dau
29.01.2012 13:06
Lesen hilft:

"Die künftige Agentur zahlen nicht die, die die Finanzprodukte herstellen, sondern die, die sie kaufen."

Was glauben Sie wohl, wer die aktuell großen Agenturen bezahlt?

Elduderino78
29.01.2012 19:41
es war auch keine echte

fragestellung
!!

und ihren großen unterschied sieht man auch nur wenn man daran glaubt denn ich unterstelle den großen ratingagenturen mehr als nur Insider trading da kann man die geldfluss Seite beliebig austauschen es sind immer die selben die zahlen.....sie nennen sich nur anders ;)

Roter Baron
29.01.2012 08:59
die rating-agentur wirds nicht lang geben, wenn sie für ihr rumgemutmaße haften soll

daBart
29.01.2012 10:19

Da irrst du dich gewaltig.

Es gibt jetzt schon kleinere, seriöse Ratinagenturen welche ein sehr hohes hit to miss ration erreichen.

http://www.egan-jones.com/

inness robins
29.01.2012 08:00
Zeugungsunfähig

Beim Lesen der Überschrift erlag ich einer Freud'schen Fehlleistung: zeugungs statt zahlungsunfähig.
Ich habe meine zahlungs/zeugungsfähigkeit bereits unter Beweis gestellt, Grieche bin ich keiner. Was kann das dann bedeuten? Für mich und die Griechen?

Müffeltiger
 
29.01.2012 01:24
Unabhängig & objektiv

Sind ja richtige aber hehre Ziele.
Die Unabhängigkeit wird auf eine sehr harte Probe gestellt, wenn Griechenland gleich mal auf D und USA + UK auf BBB gesetzt werden.
Die Glaubwürdigkeit wird man sich nur sehr mühsam erarbeiten können.

khaleb
29.01.2012 00:00
Einer muss in diesem Spiel den schwarzen Peter haben und als erster Bankrott gehen

Geld wird bei Geschäftsbanken durch Kreditvergabe erzeugt und verschwindet bei der Tilgung des Kredites.

http://www.rayservers.com/images/Mo... hanics.pdf - FED

Doch das Geld für die Zinsen wird nicht erzeugt, in Summe ist daher auf jeden Fall zu wenig Geld da, als dass alle Teilnehmer Kredit und Zinsen zurückzahlen können. Einige Zeit kann man die Zahlungsunfähigkeit hinausschieben - man nimmt halt einfach wieder Kredit auf. Das Ende ist aber unvermeidlich, es müssen Teilnehmer bankrott gehen.

In diesem Sinne ist Griechenland nicht Schuld am Bankrott, denn die Zahlungsunfähigkeit von Schuldnern ist einfach eine Eigenschaft des Systems. Griechenland ist nur Schuld daran, dass es als erstes EU-Land Bankrott geht.

MATRIX@GELD
28.01.2012 20:38
Die Eu ist Schizophren

Schummler dürfen weiter spielen. Wir dürfen uns so verhalten wie Eltern mit einen Kleinkind, wegschaun und so tun alls wär alles in ortnug.

flatus incarceratus
28.01.2012 20:14
haben die deutschen ihre kriegsschuld in griechenland schon bezahlt?

ihre kriegsschuld in griechenland schon bezahlt?

schlitzohrlinski
29.01.2012 02:39
und habens schon die eu-hilfen gegengerechnet, die gre

seit dem beitritt bekommen hat.

dummes argument!

Anaxagoras
28.01.2012 18:41
Weit besser als das Interview sind die Kommentare.

Denn im Gegensatz zu Berger Aussagen, beweisen die KOmmmentare wekche ungeheure Menge an Unkenntnis bei den Schreibern vorhanden ist.

X Y
28.01.2012 16:21
Den Anfang des

Interviews gelesen, und dann gleich aufgegeben. Der glaubt auch an die Confidence Fairy. Da wird dann alles sinnlos. Er will zwar, dass die Konjunktur angekurbelt wird, rechtfertigt aber gleichzeitig die Todsparbremse. Erklären tut er das mit dem Feenreich. Da hätt´ sogar der Raimund zum Weinen begonnen.

Hugo Strudl
28.01.2012 15:45
Giechenland zahlungsunfähig?

Das war doch aber schon vor 18 Monaten klar.

Rating Argenturen gehören prinzipiell verboten. Ihre Eigentümer können diese instrumentalisieren und offenbar ganze Industriestaaten zu fall bringen und somit erpressen.
Außerdem verdienen sie ihr Geld damit Blasen zu bilden indem sie haufenweise wertlose Finanzprodukte ihrer Kunden mit tripleA bewerten.

Ging nach der Krise unvermindert weiter weil eine Rating Argentur so eben ihr Geld verdient...
http://news.firedoglake.com/2011/08/3... -triple-a/

Hans Vogel
28.01.2012 13:08
Am besten

versklavt sie.

Roter Baron
29.01.2012 09:04

ist eh schon fast soweit.
duetschland hat schon vorgeschlagen
dass gtriechenland entmündigt werden soll
der schritt zum verkauf der griechen
nacht stück gewicht und zahnqualität
ist also nimmer weit weg.

bei den römern waren griechische sklaven als hauslehrer sehr beliebt; nur werden die heutigen römer auch bald handelsware sein.

spanier gibts ja schon ganz billig
insbesondere unter 25 jahre.

roter baron

W. Müller
 
29.01.2012 11:18
Entmündigt ?

Zahl'n, Papp'n halten und hoffen, daß Vereinbarungen irgendwann vielleicht gehalten werden, wär' die Alternative.

Beides ist irgendwie unbefriedigend.

http://derstandard.at/plink/132... id24600195

daBart
29.01.2012 10:23

Hab mir mal so ne Spanierin schicken lassen, kannst vergessen ... die kommandieren nur rum.

Dank 14-Tage Rücktrittsrecht war ich sie schnell wieder los!

DirtyHarry
28.01.2012 12:19
Video zum "Rettungsschirm"

Ein gutes - aber leider auch erschreckendes - Video zum "Rettungsschirm":
http://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0

estewe
28.01.2012 09:06
Frage:

Lassen die Ratingagenturen auch Kriterien wie Hegenomie, militärische Stärke oder Außenpolitik eines Staates in ihre Bewertungen einfließen?

L. W.
28.01.2012 11:51
hegenomie?

nukular. das wort ist nukular.

Anchel Kingsman
28.01.2012 11:18

nur flugzeugtraeger zaehlen....

(die antwort ist, nein, nicht direkt)

Politiker sind Gauner!!
28.01.2012 08:43
brav, toll

tja, was soll man dazu sagen...
wir deppen !

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