Zur Abwechslung ins Stundenbüro

Wojciech Czaja, 29. Jänner 2012, 21:10
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    foto: neno

    25 Euro für ein paar Stunden: Co-Working-Plätze wie etwa im Neno-Office in Wien-Mariahilf richten sich in erster Linie an Selbstständige, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.

Im Neno-Office an der Ecke von Mariahilfer Straße und Neubaugasse können sich Selbstständige für bestimmte Zeit einmieten. Technik und schicke Möbel haben allerdings ihren Preis

Wien - Von den rund 4,1 Millionen erwerbstätigen Österreichern sind etwa 478.500 Personen selbstständig tätig (Stand 3.Quartal 2011). Und die Zahl wird - abgesehen von ein paar kleineren Schwankungen - von Jahr zu Jahr größer. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren war die Selbstständigenquote in Österreich noch um ein Fünftel geringer.

"Die Gesellschaft ändert sich und mit ihr auch die Bedingungen am Arbeitsmarkt", erklärt Alexander Strohmayer, Gründer und Geschäftsführer der Neno-Offices, mit einem gewissen Pathos. "Daran besteht kein Zweifel, und darauf müssen wir reagieren." Gesagt, getan. Vergangenen Dienstag luden er und sein Team ins Dachgeschoß eines noblen Gründerzeithauses mit Blick auf Mariahilfer Straße und Neubaugasse. Anlass war die Eröffnung des neuen Neno Head Office, einer Art anmietbaren Arbeitsstätte auf Zeit.

Apple-Ästhetik

Hoch oben über dem Café Ritter, wo bis Sommer 2010 der österreichische Fernsehsender Go-TV eingemietet war, befindet sich nun ein 550 Quadratmeter großes Loft mit 35 vermietbaren Arbeitsplätzen, die sich über drei Geschoße erstrecken. Böden, Schreibtische und Lounge-Chairs sind weiß, die schicken Accessoires sind lindgrün, hellblau und magentafarben. Apple-Ästhetik pur. Es ist, als würde man in einem überdimensionalen iPod sitzen.

"Die coole Gestaltung ist bewusst gewählt", erklärt Strohmayer, "denn wir wollen mit diesem Head Office vor allem digitale Nomaden und Young Urban Creatives ansprechen, die für ein paar Stunden oder Arbeitstage aus ihrer Home-Office-Isolation flüchten und sich in Gesellschaft begeben wollen." Die Anreize gegenüber einem Kaffeehaus lägen nicht nur in den sozialen Kontakten, sondern auch in der technischen Infrastruktur.

Post wird auf Wunsch gescannt

Jedes Neno-Mitglied hat Wi-Fi-Zugang und kann Drucker, Kopierer und Plotter ohne Entgelt mitnutzen. Außerdem können über sogenannte Smart-Boards interaktive Videokonferenzen abgehalten werden. Ein 3-D-Drucker (Rapid Prototyping) für Architekten, Designer und Modellbauer sowie ein holografisches Display, mit dem Räume und Diagramme dreidimensional veranschaulicht werden können, befinden sich bereits in Planung. Auf Wunsch gibt es auch mail2email: Per Post eingelangte Briefe werden geöffnet, gescannt und sofort an den Adressaten weitergemailt.

"Wir bieten an, unser Office als offizielle Postadresse zu nutzen", sagt der Neno-Mann. "Nachdem die meisten unserer Kundinnen und Kunden mobil sind, gehe ich davon aus, dass dieses Service stark genutzt werden wird." Die Pläne gehen noch weiter: In Anlehnung an Offshore-Dienstleistungen, die heute meist nach Indien delegiert werden, soll man im Neno-Office schon bald Terminorganisationen, Reisebuchungen und einfache Buchhaltungen einkaufen können.

Neno-Office Tuchlauben

Die nächsten Neno-Offices sind bereits in Bau. Ende Februar wird auf den Tuchlauben ein Nobelbüro eröffnet. Und im Mai folgt ein Neno-Loft am Rochusmarkt. "Wir wollen unseren Kunden eine gewisse Standort-Flexibilität anbieten" , sagt Strohmayer. Doch eines hätten alle - auch zukünftigen - Standorte gemeinsam: "Unsere Offices liegen alle maximal fünf Gehminuten von einer U-Bahn-Station entfernt."

Die Preispolitik, gibt man sich bei Neno stolz, sei transparent gestaltet. Ein Arbeitsplatz kostet 25 Euro pro Halbtag beziehungsweise 39 Euro für den ganzen Tag. Das Besprechungszimmer gibt es ab acht Euro pro Stunde. Damit ist Neno das jüngste, aber auch mit Abstand teuerste Co-Working-Office in Wien. Bei Sektor 5 (Siebenbrunnengasse 44, 1050 Wien) gibt es einen Arbeitsplatz ab 15 Euro pro Tag. Bei The Hub Vienna (Lindengasse 56, 1070) kann man sogar schon um 12,50 Euro unter Gleichgesinnten arbeiten. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.1.2012)

Kommentar posten
17 Postings
lisa marie
00
30.1.2012, 15:05
super

auch für Kriminelle: eine vorzeigbare Adresse für dubiose Aktivitäten, wenn sich Kunden beschweren wollen, keiner da.
und dann auch für die Bürobetreiber selbst verschwunden wie ein Schaas im Wind, nebst schuldig bleiben von Miete, dafür mitnahme des Inventars

Derstandarddurchschnittsposter
00
30.1.2012, 10:57

Interessante idee. Das Design ist aber vermutlich nicht meines.
Überlege mich mit zwei, drei Kollegen selbstständig zu machen. Das wäre für den Anfang sicher eine Alternative zum eigenen Büro, wenn man sich nur zwei Mal die Woche trifft und den rest von daheim aus erledigt.

sleepyc
00
30.1.2012, 14:48
bei -

über den daumen gerechneten- kosten von ca 3k / mon können sie aber auch gleich über einen richtigen standort nachdenken...

Derstandarddurchschnittsposter
00
30.1.2012, 20:00

Auf 3k/Monat komm ich da nicht.
3 Personen 2x die Woche:
€ 39,-- * 3 Personen x 2 Tage /Woche * 4 Wochen =
€ 936,-- / Monat

Wenn ich selber ein Büro miete, zahl ich eine Provision, habe eine Mindestvertragsdauer, hab noch keine Infrastruktur, keine Raumpflege usw.

Wenns blöd her geht, wird aus der Geschäftsidee doch nix und ich hab ein Büro für 12 Monate gemietet.

Sicher hat ein eigenes Büro auch seinen Reiz. Aber die Idee von solchen "Shared Spaces" finde ich einfach interessant.

Bernhard Hoetzl
00
günstige Alternative direkt gegenüber: smartspaces.at

t 3
 
00
30.1.2012, 14:58
ich komm'

bei seinem beispiel nur auf ~1,5k/monat. überdies ist der nachteil an einem eigenen standort nat., dass die kosten in jedem fall anfallen, ab nun dauernder bedarf besteht oder nicht. vmtl. auch kaution u. provision mal zu finanzieren sind, equipment angeschafft werden muss, etc.pp. wenn man ein projekt startet, und die zukunft noch ungewiss ist, ist so ein on-demand modell so schlecht nicht...

Bürgerüberwachungs- und Totengräberindustrie
02
30.1.2012, 10:35
Idee gut, Bedarf auch da, Preis wäre auch fast ok.

Das Design ist jedoch ....uugh.
Alles aus Plastik, glänzendem Klumpert wie auf einer Mondstation. Da kommt wenig Entspannung auf, das stresst eher und schaut nicht gesund aus.

Ich glaube, Menschen die aus dem Home Office raus wollen, suchen eher eine entsapannende Umgebung.
Ökologisches Tagesoffice wäre glaube ich eine gute Geschäftsidee, die von jungen, bewussten Menschen gerne angenommen würde (den 3D-Hologramm-Diagrammbeamer könnte man sich übrigens auch sparen, statt solchem Schnickschnack die Raummiete um 10.- reduzieren, würde das ganze attraktiver machen).

jassl11
00
30.1.2012, 09:09

super idee, passendes styling.

OttotheBusdriver
01
30.1.2012, 09:02
Ein Arbeitsplatz kostet 25 Euro pro Halbtag beziehungsweise 39 Euro für den ganzen Tag.

Das ist WESENTLICH billiger als das was ich hier (Großkonzern) an unsere interne Gebäudevermietungsabteilung bezahle. (Prinzip "linke Tasche - rechte Tasche)

8 EUR/h Besprechungszimmer = Supersonderangebot.

Sabine Werner
14
30.1.2012, 08:02

das ganze "schicke" weiß sieht einfach nur furchtbar aus, da würde mir die lust zu arbeiten komplett vergehen. ist so gemütlich wie in der pathologie......

)so(
02
30.1.2012, 02:07
* bezahlte Anzeige

t 3
 
04
29.1.2012, 22:38
man kanns

mit hellen farben auch übertreiben. schick ist ja grundsätzlich in ordnung, aber das sieht auf dem bild ein einfach überhaupt nicht einladend aus. inkl. dem design der schreibtische - das kommt fast legebatterie-feeling auf...

<!-- 42 -->
00
30.1.2012, 00:00
steht doch schon im artikel,...

... apple-"asthetik"!

ca. so aufregend wie eine zahnarztpraxis,...

t 3
 
00
30.1.2012, 00:07
... ich nenne

marke u. farbe meines smartphones jetzt mal lieber nicht ;)

<!-- 42 -->
00
30.1.2012, 00:14
wenns ein ei-föhn wär,

wärs aber non-nonconformista ;)

t 3
 
00
30.1.2012, 00:18
... da die mehrheit

android lieber mag, irgendwie doch (bzw. "doch nicht" - verneinung einer mehrfachen verneinung - kompliziert ;)

Solemnly Soliloquising Somnambulist
01
29.1.2012, 22:28
gulag des 21. jh.

dafür soll man auch noch zahlen?

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