Zukunft urbanen Radelns

Kein Platz für Räder vor dem neuen Hauptbahnhof

29. Jänner 2012 13:40
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    Foto: igf

    "Wenn man nicht will, dass überall kreuz und quer die Fahrräder herumstehen, muss man sich die Standorte für Fahrradabstellplätze im Umfeld des Hauptbahnhofs gut überlegen", meint AK-Kommunalpolitik-Experte Michael Klug.

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    Foto: apa/wipark garagen gmbh

    So wie die Fahrradgarage auf der Hietzinger Kennedybrücke könnten die Fahrradstationen am neuen Hauptbahnhof ausschauen.

Der Hauptbahnhof Wien sieht kostenpflichtige Fahrradstationen für 1.000 Fahrräder vor - Doch wohin mit Kurzparkern im Umfeld des Bahnhofs?

Was in Städten wie Zürich, Gent oder Münster aber auch rund um den neuen Linzer Hauptbahnhof bestens funktioniert, scheint in Wien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein: In der oberösterreichischen Landeshauptstadt existieren im nahen Umfeld des Bahnhofs zusätzlich zu großzügig bemessenen Radgarage-Stellplätzen hunderte Stellplätze für Fahrräder. Ein Positivbeispiel für die Förderung der intermodalen Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel.

In den Plänen der ÖBB für die Gestaltung der Vorplätze des zukünftigen Wiener Hauptbahnhofs existiert dagegen ein Fahrrad-Parkverbot. Im Umfeld des Bahnhofs sollen keine Bügel zum kostenlosen Absperren von Fahrrädern aufgestellt werden. Doch damit nicht genug: "Jede Gelegenheit zum Anschließen von Rädern außerhalb der geplanten Radstation und -garagen soll aktiv durch dementsprechende 'Gestaltung‘ verhindert werden", berichtet Alec Hager von der Radlobby IGF und hat auf der Webseite eine Unterschriftenaktion gestartet.

1.000 überwachte kostenpflichtige Fahrradabstellplätze

Laut ÖBB wird es ab März 2015 insgesamt 1.000 überwachte kostenpflichtige Abstellplätze in drei Fahrradstationen am Hauptbahnhof Wien geben. Eine große überdeckte Fahrradstation mit einem überdeckten Zugang in die Bahnhofshalle soll sich im Bereich des zukünftigen Busbahnhofs befinden. Zwei kleinere Fahrradstationen sind im Bereich der zukünftigen Karl-Popper-Straße vorgesehen, bei der Station der Straßenbahnlinie D und dem östlichen Aufgang zu den Bahnsteigen.

"Der Gehweg zur östlichen Bahnhofshalle beträgt zirka 15 Meter", erklärt ÖBB-Pressesprecher Herbert Ofner und betont die Förderung des Radfahrens als zukunftsträchtige Fortbewegungsart in Metropolen seitens der ÖBB: "Der Hauptbahnhof Wien ist der erste Bahnhof, an dem überwachte, überdeckte Fahrradabstellmöglichkeiten für 1.000 Fahrräder vorgesehen sind. Das gesamte Gebiet des Hauptbahnhofs wird mit einem dichten Fahrradwegenetz ausgestattet."

Kurzfristiges Radparken nicht abgedeckt

Wo kann ich mein nun Fahrrad abstellen, wenn ich nur kurz am Zentralbahnhof zu tun habe, etwa um ein Magazin in der Bahnhofstrafik zu kaufen oder mich im Infocenter wegen einer Bahnreise zu erkundigen? fragen wir die ÖBB. "Sie können Ihr Fahrrad in den drei Fahrradstationen abstellen", erklärt Ofner. "Der Fußweg bis zum Eingang in den Bahnhof beträgt 15 beziehungsweise 75 Meter."

"Die großzügig geplante Radstation ist sehr begrüßenswert, kann aber kurzfristiges Radparken nicht abdecken", betont Alec Hager. "Mit einem Radpark-Verbot vor dem Bahnhof züchtet sich die ÖBB eben jenes massive Radpark-Chaos, das sie vermeiden möchte. Mit dem Plan, die Bahnhofsvorplätze radabstellfrei zu halten, ignoriert die ÖBB die Bedürfnisse der Radfahrenden und blockiert am wichtigsten Mobilitätsknotenpunkt Wiens, der gleichzeitig ja auch Konsumknotenpunkt werden soll, den Aufschwung des Fahrrades als Verkehrsmittel in Wien", sagt der IGF-Obmann und nennt internationale funktionierende Beispiele von Bern bis Münster. "Diesen Erkenntnissen und Trends kann sich die ÖBB unmöglich verschließen."

ARGUS fordert Radständer auf der Oberfläche

Auch seitens der Radlobby ARGUS bezieht man Stellung: "Wir begrüßen die Radstation am Zentralbahnhof und betrachten sie heute bei so einem Projekt als selbstverständlich. Nichts desto trotz gibt es viele Radfahrer, die ihr Fahrrad aus verschiedenen Gründen an einem normalen Radständer auf der Oberfläche abstellen wollen." Für diese Zielgruppe fordert die ARGUS eine ausreichende Anzahl an Abstellplätzen - "absolutes Minimum 300, sinnvoll wäre 600" - mindestens ein Drittel davon überdacht.

Als Beispiel nennt die Radlobby die bestens ausgelasteten 300 Abstellplätze rund um den Bahnhof Floridsdorf sowie die 260 Abstellplätze bei der U1-Endhaltestelle. Für sinnvoll erachtet die ARGUS auch, die Abstellplätze an mehreren Stellen an den verschiedenen Zufahrten und Eingängen zu verteileilen. "Zudem sollten sie am Weg zum Ziel liegen, da eine Abstellanlage, von der aus man wieder zurückgehen muss, schlecht angenommen wird."

"Die Entwurfsplanung ist abgeschlossen"

Einige Workshops hat Michael Klug, Kommunalpolitik-Experte der Arbeiterkammer (AK) Wien, unter der Teilnahme von Vertretern der ÖBB, der Stadt Wien sowie der Fahrradlobbys bereits mitorganisiert. Die AK sponsert öffentliche Radabstellplätze und vertritt in Bezug auf den neuen Zentralbahnhof zwei Interessen: "die Errichtung von Pendler-Fahrradabstellplätzen, und die Verbindung einer der Fahrradgaragen mit einem sozioökonomischen Betrieb."

Aus Pendlersicht unterstützt die AK geschützte, wetterunabhängige Abstellplätze für Langparker. "Darüber hinaus müssen aber auch kostenfreie Kurzabstellanlagen an der Oberfläche zur Verfügung stehen", sagt Klug, und weiter: "Wenn man nicht will, dass überall kreuz und quer die Fahrräder herumstehen, muss man sich die Standorte für Fahrradabstellplätze im Umfeld des Hauptbahnhofs gut überlegen." Die ÖBB hätten diese Signale erkannt, der Diskussionsprozess sei noch nicht abgeschlossen, setzt der AK-Experte auf weitere Verhandlungen. Seitens der ÖBB heißt es hingegen: "Die Entwurfsplanung ist abgeschlossen, die Detailplanung ist wie vorgesehen derzeit in Arbeit."

Kostenlose Stellplätze werden 2014 rückgebaut

Ausschließlich temporär sollen zur Teil-Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs am 9. Dezember 2012 provisorische, kostenlose im Freien situierte Fahrradabstellplätze im Bereich der zukünftigen Busspur der Wiener Linien errichtet werden. "Zur Vollinbetriebnahme des Hauptbahnhofs Wien im Dezember 2014 werden diese Stellplätze rückgebaut und der Bereich für den Bus der Wiener Linien freigemacht", so der ÖBB-Pressesprecher Herbert Ofner. (Eva Tinsobin, derStandard.at)

Die Forderungen der IGF:

  • Eine ausreichende Anzahl von gut platzierten und ausgestalteten Radabstellmöglichkeiten vor allen Bahnhofszugängen des neuen Hauptbahnhofs.
  • Die Vergabe der sachgemäßen Betreuung der Radstationen und der Open-Air-Abstellanlagen an geeignete Anbieter mit gutem Konzept.
  • Die überlegte Steuerung der verschiedenen Radnutzergruppen durch passende, sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Angebote.
  • Die Sicherstellung des bestmöglichen Umfelds und Services für radfahrende Kunden.


>> IGF-Umfrage: Welches Angebot an Radpark-Anlagen soll die ÖBB am zukünftigen Hauptbahnhof Wien anbieten? 

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Posting 1 bis 25 von 153
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albertalbert
07.02.2012 14:14
Wirrjoepfe bei den OEBB

die Verantwortlichen bei den OEBB haben bis jetzt nicht begriffen das RadfahrerInnen potentielle Kunden sind, und zwar Stammkunden im gegensatz zu AutofahrerInnen die nur Rosinen picken. Wenn bei den OeBB alle MitarbeiterInnen des Managements (auch alle Vorstaende) nicht mit dem Auto fahren wuerden gebe es wesentlich bessere Entscheidungen fuer die Allgemeinheit, die Umwelt und nicht zuletzt fuer die OeBB selber

Gabriel Hasenburger
02.02.2012 01:45

Meiner Erfahrung nach fahren die meisten Leute deshalb mit dem Rad, weil es schnell, billig und unkompliziert ist und man direkt ans Ziel kommt.
Von diesen Vorteilen bleibt nach derzeitigen Plänen gerade einmal der letzte. Das verstehen die ÖBB also unter "Förderung des Radfahrens"!

Ernst Hirschmugl
 
01.02.2012 18:24
Rad mitnehmen

Wenn wo kein Radabstellplatz war, habe ich schon mal mein Rad ins Geschäft mitgenommen. Denn: ich bin Kunde, hergekommen, um was zu kaufen. Wenn ein Laden mich nicht will, braucht er mich nur wegzuweisen.

hot doc
02.02.2012 12:12

wenn ich ein geschäft hätte, würde ich dankend auf kunden verzichten, die ihr dreckiges und öliges radl an meinen produkten abstellen.
und ja, auch ich bin radfahrer.

Ernst Hirschmugl
 
02.02.2012 14:26

Sehen Sie, da gibt es einen Unterschied: Mein Rad ist weder dreckig noch ölig; deshalb hatten die Beschäftigten (beide Male, öfters war das noch nicht) nichts dagegen, daß ich mein Rad mitnahm. Aus dem Aspekt rate ich Ihnen, Ihr Rad gelegentlich sauber zu halten.

Ernst Hirschmugl
 
01.02.2012 18:22
Argus fordert

das kann ARGUS, weil Fordern nichts kostet. Für einen Unternehmer ist dann was "sinnvoll", wenn eine Investition Geld bringt.

dirry
02.02.2012 10:46
Radfahrer sind wichtige ÖBB-Kunden

denn immerhin haben viele Menschen in Wien kein Auto und fahren deshalb mit dem Rad. Für lange Strecken nehmen diese Menschen den Zug. Insofern ist es für die ÖBB wichtig genau auf diese Gruppe besonders Wert zu legen.

Ernst Hirschmugl
 
02.02.2012 11:28

Das ist schon richtig, aber Menschlichkeit ist in der Wirtschaft nicht gefragt. Die Bahn nimmt wohl die Stellung ein: Auch wenn es keine Radabstellplätze gibt, fährt der von Ihnen genannte Kundenkreis trotzdem.

Um so ein Thema zu lösen, bedarf es Argumente, warum es für die Bahn "vorteilhaft" (=geldbringend) ist, solche Parkmöglichkeiten anzulegen.

Für die Menschlichkeit ist letztlich nurmehr die Stadtverwaltung zuständig, die entscheidet, ob sie dafür Geld auslegt oder eben nicht.

Kaktus
31.01.2012 18:48
Wer's weiß, bitte um Antwort:

Was sollen denn die kostenpflichtige Fahrradstation kosten, z.B. für 10 min und wie erfolgt die Bezahlung?
Wie lange braucht man dort zum ein- und auschecken bei Vollbetrieb?
Wie viel Platz ist für MIV-Kurzparker vorgesehen?

chacun à son gout
31.01.2012 16:03
Welcome to the 21st century, ÖBB!

Ernst Hirschmugl
 
02.02.2012 11:30

bei dem "a" gehört der accent weg. Das a bedeutet in dem Kontext "hat".

chacun à son gout
02.02.2012 15:14
wenn ich jemand anderen ausbessere,

schau ich zur sicherheit vorher noch einmal nach - auch wenn ich mir ganz sicher bin. in ihrem fall hätte sich das auch gelohnt, da sie einfach nicht recht haben. die übersetzung lautet nicht "jeder hat seinen geschmack", sondern "jeder nach seinem geschmack". daher ist der akzent völlig richtig. fände ich bei meiner tastatur auch noch den akzent für das u würde ich ihn ganz richtig schreiben. da fehlt nämlich einer.

zol ex û
02.02.2012 17:47

Welches Tastatur-Layout?

chacun à son goût
02.02.2012 20:16
problem gelöst :-)

danke

Ernst Hirschmugl
 
02.02.2012 16:03

Ja, Sie haben Recht, ich habe auch nachgesehen, mein Fehler, ich bitte um Entschuldigung.

chacun à son goût
02.02.2012 20:17
chapeau

sie beweisen größe!

Entfesselter Prometheus
31.01.2012 14:59
RADikal

Das gÖBBt Krieg!

gigngogn
31.01.2012 10:07
Was bitte soll das für ein Argument sein?!

..."Wenn man nicht will, dass überall kreuz und quer die Fahrräder herumstehen, muss man sich die Standorte für Fahrradabstellplätze im Umfeld des Hauptbahnhofs gut überlegen"..

Drehen wir das Ganze doch mal ein bisschen um um zu zeigen was das für ein absurde Forderung ist

..."Wenn man nicht will, dass überall kreuz und quer die Autos herumstehen, muss man sich die Standorte für Autoabstellplätze im Umfeld des Hauptbahnhofs gut überlegen"...

Mit anderen Worten, wie kann es sein das es offenbar völlig OK zu sein scheint Fahrräder illegal abzustellen, aber wehe ein Autofahrer parkt auf dem Radweg, dann geht es los mit dem Gejammer

senf mit korn
01.02.2012 15:07

Auf Radwegen (Arsenslstrasse, Sonnwendgasse), Gehsteigen (Südtiroler Platz, Sonnwendgasse), in zweiter Spur (Bereich Favoritenstrasse/Sonnwendgasse), einfach auf der rechten Fahrbahn hintereinander (Gudrunstraße), rund um das Hauptbahnhofsgelände ist das ein ein alltägliches Bild.

Wegen dieser Autos schreit kaum jemand, weil es sowieso nichts bewirkt. Die Polizei interessiert so etwas nicht.

Ernst Hirschmugl
 
01.02.2012 18:26

das ist auch meine Erfahrung. Gelegentlich wird die Warnblinkanlage eingeschaltet.

Searles
 
31.01.2012 12:59

Um die Autofahrer brauchst du dir keine Sorgen machen. Es wird am Bahnhof 600 unterirdische Parkplaetze geben.

albertalbert
07.02.2012 14:20

diese Parkplaetze kosten sicher viel mehr als sie an Einnahmen bringen. Die OeBB kapieren einfach nicht wer ihre Kunden sind.

gigngogn
31.01.2012 13:09
Und wenn es keine gäbe dürfte man die Autos einfach irgendwie abstellen? Denn das ist es was hier von den Radfahrern als Konsequenz angedroht wird

Searles
 
31.01.2012 14:13

Wenn es in der naeheren Umgebung keine Parkplaetze geben wuerde? Ja, es wuerden illegalerweise Autos im Parkverbot geparkt werden. Unglaublich, oder?

gigngogn
31.01.2012 14:32
Und was wäre die Konsequenz? Strafzettel und/oder Abschleppen! Was geschieht bei Fahrrädern? Nichts!

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