Hamas-Chef Meshaal will angeblich nicht mehr nach Damaskus zurückkehren
Gaza - Die Exilführung der radikalen Palästinenser-Bewegung
Hamas zieht sich nach Darstellung von Diplomaten still und leise aus dem von
Gewalt erschütterten Syrien zurück. Hamas-Chef Khaled Mashaal halte sich kaum
noch am Sitz seiner Organisation in Damaskus auf, sagte ein Diplomat in der
Region am Freitag. In den vergangenen Monaten sei Mashaal nur fünf Tage in
Syrien gewesen. Am Sonntag wird Mashaal, der sich zuletzt in Katar, der Türkei
und Ägypten aufgehalten hat, in Jordanien erwartet.
In Geheimdienstkreisen hieß es, der Hamas-Chef werde auch nicht mehr nach
Syrien zurückkehren. Mit einer offiziellen Erklärung zur Schließung des
Hamas-Sitzes sei aber nicht zu rechnen. Syriens Präsident Bashar al-Assad
gewährt der 1987 gegründeten Hamas wie bereits sein im Jahr 2000 verstorbener
Vater Hafez Gastrecht. Die Hamas gilt als Ableger der ägyptischen
Muslimbruderschaft, die aus den jüngsten Wahlen als stärkste Kraft
hervorgegangen ist.
Mashaal wird in Amman von König Abdullah II. empfangen, der die Bemühungen
der beiden großen palästinensischen Organisationen Fatah und Hamas um Bildung
einer gemeinsamen Regierung unterstützt. Die jordanischen Behörden hatten 1999
das Hamas-Büro in Amman geschlossen. Nach Darstellung des palästinensischen
Präsidenten Mahmoud Abbas macht die Verständigung zwischen seiner Fatah und der
im Gazastreifen herrschenden Hamas Fortschritte, wodurch die Sicherheitslage für
Israel besser werde.
Die Hamas hatte die palästinensischen Wahlen vom Jänner 2006 mit großer
Mehrheit gewonnen. Im Juni 2007 verdrängte sie die Fatah von Abbas nach blutigen
Kämpfen vollständig aus dem Gazastreifen. (APA/Reuters)