Joseph E. Stiglitz

Die Gefahren von 2012

Kommentar der anderen | Joseph E. Stiglitz, 27. Jänner 2012 18:05

Die globale wirtschaftliche Neuausrichtung wird wahrscheinlich beschleunigt und politische Spannungen werden fast unvermeidlich

Dieses Jahr wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die stets optimistischen Amerikaner die Hoffnung aufgegeben haben. Millionen von Menschen dachten, dass sie eine faire Chance hätten, den amerikanischen Traum für sich zu verwirklichen. Jetzt werden diese Träume hinweggespült.

2011 waren die Ersparnisse derjenigen, die ihre Arbeit in den Jahren 2008 oder 2009 verloren hatten, aufgebraucht. Die Arbeitslosenversicherung lief aus. Schlagzeilen, die die Entstehung neuer Arbeitsplätze verkündeten, bedeuteten nicht viel für die 50-Jährigen, die wenig Hoffnung haben, jemals wieder zu arbeiten.

Menschen mittleren Alters, die dachten, sie wären für ein paar Monate arbeitslos, müssen jetzt erkennen, dass sie tatsächlich in den Zwangsruhestand geschickt wurden. Junge Leute, die gerade ihren Abschluss an der Uni gemacht haben und zehntausende Dollar Ausbildungsschulden haben, finden gar keine Jobs. Leute, die bei Freunden und Verwandten untergekommen sind, sind jetzt obdachlos. Häuser, die während des Immobilienbooms gekauft wurden, sind immer noch auf dem Markt oder wurden mit Verlust verkauft.

Die Schattenseite des Finanzbooms der vorangegangenen Dekade ist auch in Europa deutlich sichtbar geworden. Das Zaudern in Bezug auf Griechenland und die Sparprogramme der wichtigsten europäischen Regierungen haben bereits im Vorjahr einen hohen Zoll gefordert. Italien steckte sich an. Die Arbeitslosigkeit in Spanien, die bereits zu Beginn der Rezession bei fast 20 Prozent gelegen hatte, kletterte noch weiter nach oben. Das Undenkbare - das Ende des Euro - rückte mit einem Mal in den Bereich des Möglichen.

Dieses Jahr stehen die Zeichen auf eine weitere Verschlechterung. Natürlich ist es möglich, dass die USA ihre politischen Probleme lösen und schließlich die Anreizprogramme beschließen, die nötig sind, um die Arbeitslosigkeit auf sechs oder sieben Prozent zu senken. Aber das ist genauso unwahrscheinlich, wie es unwahrscheinlich ist, dass die Europäer begreifen, dass Sparmaßnahmen allein ihre Probleme nicht lösen werden. Im Gegenteil, Sparen wird den Abschwung nur verstärken. Ohne Wachstum wird sich die Schuldenkrise - und damit die Eurokrise - nur verstärken. Und die lange Krise, die mit dem Kollaps der Immobilienblase 2007 und der darauffolgenden Rezession begonnen hat, wird anhalten.

Dazu kommt, dass die wichtigsten Schwellenländer, die erfolgreich durch die Stürme von 2008 und 2009 gesteuert sind, vielleicht nicht so leicht mit den Problemen fertig werden, die am Horizont lauern. Der pragmatische Wachstumsglaube, den man heute in Asien und anderen Schwellenländern sieht, steht in starkem Kontrast zu der fehlgeleiteten Politik des Westens, bei der man fast den Eindruck gewinnt, der Westen habe sich vorgenommen, nicht zu wachsen.

Daraus folgt, dass die globale wirtschaftliche Neuausrichtung wahrscheinlich beschleunigt wird und dass politische Spannungen fast unvermeidlich sein werden. Angesichts all der Probleme der globalen Wirtschaft haben wir Glück, wenn diese Spannungen sich nicht bereits in den kommenden zwölf Monaten manifestieren. (Joseph E. Stiglitz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.1.2012, © Project Syndicate 1995-2012 )

JOSEPH E. STIGLITZ ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Columbia University und wurde 2001 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. © Project Syndicate 1995-2012

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haarindersuppe
15.02.2012 18:35

er ist einfach einer der Besten. Auf ihn sollte man hören!

rari
31.01.2012 19:31
politische Spannungen...

solange sie sich nicht in sozialen Spannungen entladen, sind ein demokratisches Phänomen. Vielfalt an Meinungen/Lösungen führen logischerweise zu Spannungen.
Auf soziale Spannungen sind unsere Systeme gut vorbereitet. Sie haben sicher aus den Unruhen der letzten Zeit z.B. in Griechenland gelernt. Mir tun nur die Polizisten leid, die dann für Ordnung sorgen müssen, obwohl auf der anderen Seite, wenn auch, Hitzköpfe (sonst werden sie ja medial nicht wahrgenommen) auch gegen den Sozialabbau aller Arbeitnehmer, der privaten, wie der öffentlichen Arbeitgeber, protestieren.

antisumo
29.01.2012 17:40

Koennte man das bloede Sparen nicht mit mehr Arbeit ersetzen? Wenn nein, weil keiner die mehr erbrachte Leistung braucht, wo liegt dann das Problem?

Dhimmi
29.01.2012 15:37
"Dieses Jahr stehen die Zeichen auf eine weitere Verschlechterung"

Eine Ansammlung von Pessimismen. Den Asteroiden hat er noch vergessen.

Das ist ein Artikel von der Art, wie man ihn aufheben sollte und dem Autor am Ende des Jahres um die Ohren hauen.

higgs - wozu?
29.01.2012 15:31

nun, die größte gefahr besteht darin, daß ihr, liebe medien und politiker, uns weiterhin die hucke vollügt, uns weiterhin für grenzdebil haltet, uns weiterhin im dunklen über die wahren probleme unseres system haltet, uns weiterhin die heile welt vorspielt und uns weiterhin mit falschen dogmen, flosklen und längst falsifizierten theorien zumüllt, wärend sich eure andere hand tief in unserer tasche befindet, und unsere arbeitsleistung weiterhin permanent richtung monopolisten umverteilt - wir sehen die monopolisten die aus euch sprechen nämlich nicht, freunde, wir sehen nur euch, die marionetten, und es steht zu befürchten, daß ihr die ersten seid, die vom system als schuldige vorgeschoben werden.
fangt an die wahrheit zu schreiben

Broz_Filip_Tito
29.01.2012 10:13
her wig
29.01.2012 08:53
"Die Schattenseite des Finanzbooms"

Na das ist ja schon ein Indiz dafür dass er etwas erkannt hat. Warum aber habe ich den Eindruck er sieht die Lösung des Problems darin, den Finanzballon noch weiter aufzublasen?

ZwischenZeilen
29.01.2012 06:24
http://www.margritkennedy.de/

..... schönen Sonntag

Rudolfo Karellowitsch
29.01.2012 11:01
Noch so eine Heilsverkünderin,

bei der es letztlich auf der Homepage nur eines gibt:
eine Preisliste für ihre Bücher und Videos.

Die gute Frau will also auch nur unser Bestes: unser Geld.

Von denen die rumlaufen und behaupten sie wüssten wie es geht und die letztlich nur ihre Lehren verkaufen wollen, gibt es schon genug. Wenn die gute Frau umsetzbare Ideen hätte, dann hätte sie bereits eine politische Heimat gefunden und man würde an der Umsetzung arbeiten. Offenbar mangelts aber an der Umsetzbarkeit, sonst würde sie nicht von Büchern und Viedeos leben, sondern hätte 90 % der Wählerstimmen und würde politisch abheben wie eine Rakete.

Schöne Woche.

ZwischenZeilen
29.01.2012 17:43
In Hoffnung auf konstruktive, sachliche Vorschläge...

.... verbleibe ich mit hervorragenden Grüßen,

Ihr ZZ

Der Ruhestifter
28.01.2012 19:07
Darf ich 1 und 1 zusammenzählen?

Stieglitz hat natürlich recht: sparprogramme führen zur rezession und verschärfen die krise: 1!

Auch wahr ist, dass mittlerweilen alle staaten insolvent sind, wenn man die fähigkeit betrachtet, aus den einnahmen neben den laufenden ausgaben auch die kredite zu bedienen. Die refinanzierung durch neue kredite ist einfach konkursverschleppung: 1!

1+1: die liquidität, die jetzt über den umweg der aufnahme von staatsschulden in die wirtschaft zurück geleitet wird, muss da auf anderen wegen hinkommen. Und das bedeutet: reduktion der lasten auf erwerbseinkommen und kapitalerträge plus(!) verzicht auf aufnahme von staatsschulden, beides kompensiert durch steuern auf vermögenssubstanz und erbschaft.

Rudolfo Karellowitsch
29.01.2012 11:04
Dein Ansatz hat einen Fehler:

Das "aufgenommene Geld" ist ja nur fiktives Geld. Das Geld gibt es nicht, sondern wird durch eine Buchungszeile in einem Bankcomputer "erzeugt". Genauso schnell verschwindet das Geld wieder, indem bei einem Haircut wieder 70% dieser Buchungszeilen "gelöscht" werden.

Die Realität ist deutlich einfacher, als es dieser Artikel versucht mit künstlicher Komplexität aufzublasen

h 90
29.01.2012 14:28

Mehrere Probleme:
Die Geldschoepfung muss staatlich sein, auf keinen Fall privat.
Der Staat muss mit Geld konservativ (NEIN ich meine hier auf keinen Fall konservative Parteien). umgehen.

Der Hausverstand hat aber keinen Lobbyisten der was ueberweist, darum werden wir weiter die Banken stuetzen.

Wahlarzt
29.01.2012 16:21
Die Geldschöpfung

"muss staatlich sein"
Welchen Staat meinen Sie den? Idealerweise wäre es eine zentrale Institution für die ganze Welt...

Ob konservativer Umgang mit Geld oder nicht: entscheidend ist meiner Meinung nach die Geldumlaufgeschwindigkeit!
Leuten/Institutionen die große Mengen Geld abschöpfen und es horten kann nur Einhalt geboten werden, wenn anderweitig genügend Geld nachgedruckt wird und in Umlauf gebracht wird.

h 90
29.01.2012 17:08

eine zentrale institution kann man kaufen, funktioniert also nicht.
deshalb muss es staatlich sein.
Das verhindet schon mal das meiste an abschoepfen. Aber wenn gewisse Leute abschoepfen dann muss nachgedruckt werden. Richtig

Der Ruhestifter
29.01.2012 14:16
Wieso ist geld im computer fiktiver als papierstücke?

Ist das problem nicht eher, dass die gesamtmenge des geldes in diesem system eigentum an mehr gütern repräsentiert, als vorhanden sind?

Das ist insofern nicht ganz gleichgültig, als sich die frage ergibt, wo man das fiktive vermögen aus dem system nimmt. Durch staatsbankrott? Durch geldverdünnung mithilfe der notenpresse? Oder, indem man den wertberichtigungsbedarf auf alle vermögen überwälzt, zum beispiel durch eine einmalige abgabe, aus der dann die schulden beglichenw werden?

Karl Labruni
29.01.2012 10:39
"reduktion der lasten auf ... .... Kapitalerträge..."???

Ansonsten denke ich: ja!

Der Ruhestifter
29.01.2012 11:26
Ja: reduktion der steuern auf kapitalerträge!

Dafür eben: steuern auf substanz. Oder, was auf das selbe hinausläuft: besteuerung auf basis der mittleren rendite eines vermögens anstelle der tatsächlichen.

Argument: zu jeder zeit ist ein teil des kapitals in prozessen veranlagt, die auf veraltenden methoden der verwertung basieren. Ein anderer teil ist in denen veranlagt, welche die wertschöpfung in den alten prozessen verdrängen. Das eine wären zum beispiel kaufhäuser, das andere online-shops.

Diese schöpferische zerstörung passiert einfach aufgrund menschlicher erfindungsgabe. Was ein staat unbedingt verhindern muss, ist, dass seine wirtschaft überproportional an den verlusten der verlierer und unterproporional an den gewinnen der gewinner beteiligt ist.

BigPeng
28.01.2012 12:47
NIX ALS KALTER KAFFEE...

und das vermutlich noch teuer bezahlt.
Das zeigt doch nur, dass diese Herren mit "ihrem Latein" schon lange am Ende sind.

Rudolfo Karellowitsch
29.01.2012 11:08
Nö,

die haben schwer auf dieses Ziel hingearbeitet. Erst jetzt wo alle an die Finanzkrise fest glauben, können Gesetze beschlossen werden, von denen die Politiker früher nur geträumt haben. Rettungsschirme in ungeahnter Höhe wären vor 2008 undenkbar gewesen. Milliarden in die Banken zu schieben, wäre undenkbar gewesen. Mehrwertsteuer (in DE 2009) erhöhen wäre undenkbar gewesen. Und derzeit wird weiter daran gearbeitet den Pöbel in Angst und Schrecken zu versetzen um noch wildere Gesetze zu beschließen. Wer spricht noch über ACTA und andere Abzockereien? Alles keine Thema, vor lauter Wirtschaftskrise?

Das was im Moment abgeht hatten unsere Großväter schon mal. Aber keiner warnt uns davor.

bAuminger
28.01.2012 12:42
Nichts Neues. Nichts Konstruktives.

Schade.

nomad13
28.01.2012 12:00
Die US hat die EUerreicht:

http://derstandard.at/plink/132... 4/24611663

Fingerprints, Gesichts u Bodyscanner (TSA Abbildr) werden wohl folgen. ACTA ist durch - Internetkontrolle. Für NDAA "warten" bereits erste Ableger... sieht so aus als ob man in der EU leichter umsetzt - weil ganz einfach hinter der Bühne...während in der US das eine od andere schon mal für Aufregung sorgte.
Die US ist bereits gläserner als die Stasi in ihren kühnsten Träumen für möglich gehalten hätte.

U der Militärapparat samt gleichgeschalteten MEdienkonsens (welcher übrigens ebenfalls durch 911 eingeschränkt wurde)zeigt sich EBEN nicht nur in der mittlerne Osten Geopolitik -

Dennoch -wer aber zu blöcken glaubt dass ist anders... der darf das ruhig tun
Ich schenk ihm ein LOL

nomad13
28.01.2012 11:49
Die EU hat bald den USPooolizeistaat erreicht

www.youtube.com/watch?v=Wf7zBLy5LIo
www.agriculturedefensecoalition.org/?q=weathe... ifications
JA - die US hat die EU erreicht... hinsichtlich Militärappparat u gleichgeschalteten Medien - veöffentlicht wird - was gefällt. Selbst WMO darf bei manchen modifications - eben den Grösseren - nur noch eine veallgemeinernde Zeile einbringen - z.B "rain enhance" u fertig. Wenn z.B. "irgendwas" trocken gelegt wird. Ganz egal wie da Allergien u Atmungserkr. steigen. LOL

Was kommt noch aus US als Schutz:
Fingerprints, Body u Gesichtscanner, Datenspeicherung, ACTA ist durch - also Netzkontrolle, freie Hand mittels NDAA - einsperren von Revolutias im Namen des Terrrors etc. Die US ist heute schon gläsern u nicht erst morgen...

blöck blöck blöck

nomad13
28.01.2012 16:27
Komisch - unterschätz ich die Schafe?

u blickt da doch jemand in Wien manchmal gen Himmel?
So z.B. heute - @sunshine Schimmer - tja meine postings sind timing gebunden

Also Früher da hät es da noch viele Antworten gegeben - VT bla bla bla - 20mal rot rot rot stricheln.Scheint so - Heute weiss keiner mehr so recht - wer was macht... u die geld - ero infolosen MEdienhuren betriffts ja auch

nomad13
29.01.2012 08:48
@sunshine gestern

viel Spass mit dem Nebel heute.Woher ich dass weiss? es wurde geleaked da grössere Versicherungsunternehmen für künstliche Manipulationen nicht aufkommen wollen.Z.B: im Falle von lokalen Überschwemmungen.Ob sie jetzt hinter der Bühne bezahlt wurden - kann ich nicht sagen - spielt auch keine Rolle
PS: z.B. Murdoch gehört auch der "australian rain corporation" an...wobei - dass sind ja auch nur Sicherheitsdeckel - der militärische sprich "richtungsgebende(kontrollierende) Nutzen" überwiegt

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