"Die Grünen wollen mehr Drive und Pepp"

Interview | Marie-Theres Egyed, 27. Jänner 2012, 15:44
  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/lis

    "Glawischnig ist die Einzige, die österreichweit bekannt ist."

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/lis

    "Es geht nicht, dass wir nur die Wiener Innenstadt-Bezirke ansprechen, das muss darüber hinausgehen."

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/lis

    "Manche Leute wollen daraus eine Führungsdebatte machen."

Gebi Mair über Eva Glawischnig, ihre potenziellen Nachfolger und warum mehr debattiert werden müsse

"Mir geht es nicht darum, dass Eva Glawischnig abtreten soll", erklärt der Tiroler Landtagsabgeordnete Gebi Mair im derStandard.at-Interview. Seine Aussagen in der "Tiroler Tageszeitung", dass die Grünen mehr Persönlichkeit brauchten, relativiert er. Es gehe ihm darum, eine Debatte loszutreten über die Zukunft der Grünen. Wie die Partei von der aktuellen politischen Situation besser profitieren könnte, erklärte er Marie-Theres Egyed.

***

derStandard.at: Ihre Kritik an Bundessprecherin Eva Glawischnig kam überraschend. Sie sagen im Interview mit der "Tiroler Tageszeitung", dass den Grünen Persönlichkeit fehle. Was wollen Sie damit erreichen?

Mair: Mir geht es nicht darum, dass Eva Glawischnig abtreten soll. Sie ist eine gute Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl 2013. Das liegt unter anderem daran, dass sie österreichweit bekannt ist. Ich glaube aber, dass Georg Willi Potenzial hat, das wir nutzen sollten. Er könnte nach der Nationalratswahl die Klubführung übernehmen.

derStandard.at: Die Tiroler Landespartei hat sich sofort von der Kritik distanziert. Anscheinend will Georg Willi nicht auf Glawischnig folgen.

Mair: Ich verstehe es, wenn sich Menschen nicht öffentlich an solchen Diskussionen beteiligen wollen, eine interne Diskussion ist immer feiner. Es ist aber zulässig, auch offen darüber zu diskutieren, wie wir Potenziale und Persönlichkeiten bei den Grünen besser nutzen können und wie wir den Mut zeigen, um Themen zu setzen und um Personen zu profilieren. Wir sollten eine Diskussion in Gang setzen angesichts der Verlotterung durch Spindelegger und Faymann. Das ist die Partie, die dieses Land führt, davon müssen wir profitieren, und das tun wir nicht ausreichend. Mir geht es nicht darum, Eva Glawischnig etwas Schlechtes zu tun.

derStandard.at: Sie haben gesagt, dass Sie klare Konturen und Persönlichkeit vermissen, die Partei brauche frischen Wind. Was meinen Sie damit?

Mair: Es gibt in diesem Land eine "Obezahrer-Stimmung", die von der Regierungsspitze verantwortet wird. Es muss uns Grünen gelingen, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen, dass wir nicht in diesen "Obezahrer-Strudel" mit hineingezogen werden. Wir haben damit nichts zu tun, und es muss uns gelingen, durch überzeugende Leute und emotionale, ansprechende Themen die Menschen zu erreichen und ihnen zu zeigen, dass es auch anders geht. Georg Willi kann das.

derStandard.at: Wen verstehen Sie unter profilierten Persönlichkeiten? Nicht Eva Glawischnig?

Mair: Darunter verstehe ich auch Eva Glawischnig und andere.

derStandard.at: Wen meinen Sie mit "andere"?

Mair: Ich habe einen angesprochen, weil ich tatsächlich glaube, dass er etwas beitragen kann. Ich will auch, dass es eine starke Tiroler Stimme gibt. Er hat das Potenzial für die Klubführung. Ich hoffe, dass sich andere Leute auch für andere in die Bresche hauen.

derStandard.at: Warum ist es Ihnen so wichtig, eine "starke Tiroler Stimme" in der Bundespartei zu haben?

Mair: Es gibt unterschiedliche Lebenslagen und unterschiedliche Leute in dem Land, die man unterschiedlich ansprechen muss. Es geht nicht, dass wir nur die Wiener Innenstadt-Bezirke ansprechen, das muss darüber hinausgehen. Das kann Georg Willi. Es ist nicht nur eine Diskussion von Land und Stadt, wir müssen eine breitere Basis bilden. Das ist die Gesamtverantwortung der Partei und nicht nur von Eva Glawischnig.

derStandard.at: Dann könnte Georg Willi auch gleich Spitzenkandidat für die Nationalratswahl 2013 werden.

Mair: Wir brauchen ihn ganz dringend für die Nationalratswahl in Tirol. Er wird hoffentlich die Wahl in Tirol anführen. Eva Glawischnig ist die Einzige, die österreichweit bekannt ist. Deswegen soll sie das auch machen.

derStandard.at: In dem erwähnten Interview sagen Sie, dass Sie auch Unterstützung aus den Bundesländern haben. Wer schließt sich Ihrer Kritik an?

Mair: Wenn man in die Grünen hineinhört, merkt man, dass es den Wunsch nach einer Politik mit mehr Drive und mehr Pepp gibt. Ob sich jemand öffentlich äußert oder nicht, ist mir wurscht.

derStandard.at: Die Grünen gelten nicht als geschlossene Partei. Bei der Wien-Wahl 2010 herrschte bei Wählern Unmut über den ständigen Streit innerhalb der Partei. Ist vor diesem Hintergrund eine öffentliche Diskussion förderlich?

Mair: Ja, klar. Das sind völlig unterschiedliche Situationen. Es geht darum, einen kreativen Prozess zu starten. Ich bin ein loyaler Grüner. Diese Partei ist meine Heimat, aus vielen Gründen. Trotzdem glaube ich, dass man diese Partei zu einer bunteren, fröhlicheren und lustbetonteren Partei machen kann, die Leute fasziniert. Das fehlt uns.

derStandard.at: Warum äußern Sie dann die Kritik in einem Zeitungsinterview? Wieso soll das ein Denkanstoß sein?

Mair: Das ist typisch österreichisch. Dass man eine Diskussion unter der Tuchent führt und sie dann als fertiges Ergebnis präsentiert. Das wollen die Leute nicht, sie wollen keine vorgefertigten politischen Paketen haben. Sie wollen sich an solchen Prozessen beteiligen.

derStandard.at: Jetzt gibt es aber einen öffentlichen Schlagabtausch in den Medien. Das ist die Einladung an die Bürger?

Mair: Das kann eine Einladung an Bevölkerung und Partei werden. Man kann streiten, ob dieser Start klug war. Vielleicht war es nicht klug, die Debatte in einem Interview loszutreten. Wir können diskutieren, wo diese Partei und dieses Land hinkommen sollen. Wir müssen diskutieren, wie wir aus diesem "Kas" herausgekommen, es ist nicht auszuhalten, mit welchen Plattitüden wir uns beschäftigen.

derStandard.at: Bis dahin ist es aber ein weiter Weg. Im Moment müssen sich die Grünen mit einer Führungsdebatte und nicht mit bundespolitischen Themen auseinandersetzen.

Mair: Manche Leute wollen daraus eine Führungsdebatte machen. Es geht um eine Debatte, wie wir grüne Potenziale nutzen. Die Reaktionen aus Tirol waren weit weniger überrascht als jene in Wien. Man kennt mich in Tirol auch als jemanden, der sagt, was er denkt. Ich halte viel davon, wenn Politiker sagen, was sie denken. (derStandard.at, 27.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 312
1 2 3 4 5 6 7
Brenna tuats guat
01
17.3.2012, 07:11
der Tiroler hat scheinbar eine freiere Luft um die Nasen

-und so mokiert er sich eben verständlicherweise über die Mieselsüchtigkeit unserer ostischen Itsche und Witsche. Und recht hat er! Differenziert ist das nicht, nicht einmal besonders intelligent, wie er selbst zugibt. Aber irgendwo hat er recht, ich denke das spüren wir alle, oder?

PaterWilli
11
25.2.2012, 13:41
Wer ist der hoffnungsfrohe Junge Mann ....

dem der Drive abgeht. (Drive = Antrieb)

Ja da hat er wohl recht, das ist der Eindruck, den die Grünen momentan verströmen, Antriebslosigkeit. Der Reflex, die Autofahrer in Wien zu zwingen, ihre Fahrzeuge wegzuschmeißen, heilt NICHT alle Inhaltslosigkeit.

Es ist schon sehr deutlich für den Wähler, daß es keine Konzepte gibt. Die Grünen ernten Zustimmung dort, wo sie kritisch Mißstände aufdecken (Peter Pilz u.a.), aber wirken hilflos in der Konzeption. Es fällt ihnen offensichtlich einfach nichts ein (außer eben die "Kapitalisten" von ihren Autos zu "befreien").

Hier lieben Wählerpotentiale - ungenutzt - brach. Sascha Van der Bellen fehlt mittlerweile schon sehr!

free cookies
02

manchmal, wenn ich ganz enttäuscht und angewidert von der Politik von heute bin, schau ich mir Van Der Bellen videos auf youtube an. Dann hab ich wieder ein kleines bisschen Hoffnung. Schade, dass man ihn nicht mehr so oft sieht/von ihm hört...

Gabi69
03
Drive und Pepp?

Wie wärs mit Umweltthemen? Eigentlich hätten die Grünen genug zu tun, wenn sie nicht so mit den eigenen Eitelkeiten beschäftigt wären. Was reimt sich auf Pepp, D..., "Gebi" ist dafür der richtige.

PZN
14

Jössas jetzt hab ich mich aber erschreckt, dachte schon der junge Braunauer ist wieder auferstanden. Bitte liebe Grüne, klärts den Herrn Mair schonend über seine Wirkung auf! (Der ist ja erwiesenermaßen nicht kritikfähig.)

springflower
12
Grundsätzlich ist seine Kritik richtig!

Mit Ewa Glawischnig und Rudi Anschober sind die Grünen eine grün-konservative Partei geworden, bei der sich Linke nicht mehr heimisch fühlen. Ein Wechsel wäre dringend nötig!

Peter Ebner1
02
Wieso denn das?

damit sie noch weniger Stimmen bekommen und mit dem BZÖ um den vierten Platz konkurrieren???

re flexion
02
Echt?

Sie meinen wirklich dass er an Glawischnig und Anschober das zu wenig Links kritisiert?

Naturfreund
 
00
Grüne Fürhrungspersönlichkeiten

Glücklicherweise haben die Grünen genügend Fürhrungspersönlichkeiten. Ich finde Glawischnig gut, gemeinsam mit Van der Bellen war sie eine Klasse stärker.

fredi 1990
02
solange galwischnig und vasilako was zu sagen haben bei den grünen, sind sie leider unwählbar!

dakakadu
23
DIE GRÜNEN SIND ZU WENIG LINKS, ZU WENIG SOZIAL, ZU SEHR DER OBERSCHICHT VERPFLICHTET

DAS MACHT ES MIR ENORM SCHWER DIESE PARTEI ZU WÄHLEN, ABER LEIDER GIBT ES KEINE (LINKE) ALTERNATIVE.

DIE GRÜNEN HABEN KEIN PROBLEM MIT DER AUSBEUTUNG VÖLLIG VERARMTER MINDESTSICHERUNGSBEZIEHER DURCH SÖB'S.

WO IST DAS SOZIALE ENGAGEMENT DER GRÜNEN ?

free cookies
10

Warum schreiben Sie alles in Großbuchstaben? Sowas les ich nicht, empfangen sie ein gratis "Minus".

public observer
 
35
der Pursche könnte genauso im büro

vom dritten nationalratspräsidenten arbeiten. - selbe frisur, sehr ähnliche charakteristik, genauso wenig intellekt aber dafür umso mehr (falsches) politisches "bewusstsein".

Brenna tuats guat
00
17.3.2012, 07:13
wer sagt, was falsch

oder richtig ist -sind das Sie?

Jan Sommer
01
Das hat einer ganz speziellen rosa-Szene angepassten Hintergrund und keinen

braunen.
js

armin delmenhorst
 
03
Musste auch gleich an die Hitler Jugend

denken.

Bsoffokles
20
was soll ich sagen...

ich habe diesem Gebi schon vor Jahren gesagt, dass eine Partei nur soviel Frauen verträgt wie es Eingangstüren im Parlament gibt...
freut mich geholfen zu haben

bbbbbbb
00
im Kampf,

wer den besseren LIVEBALL organisiert, sind sie sich nicht mehr einig. Fr. Glawischnig hat die Grünen zu einer Lachnummer gemacht und davon will Mair auch etwas haben!

Briefmarkenkleber
20
Dürfen wir auch über den grünen Immunitäts- und Bespitzelungsskandal erfahren, oder veröffentlich man hier nur PR?

hcl3
00
31.1.2012, 08:09

wir haben gewählt
und dann hat uns ein grüner parteiobmann erklärt
der errungene stimmanteil sei kein regierungsauftrag--

die folgen sind bekannt
grün hatte den auftrag der wähler
blau-schwarz-orange zu verhindern

doch sah sich nicht imstande verantwortung zu übernehmen

ihr auftrag ist offenbar
den weniger gebildeten, finanziell weniger gut abgesicherten zu sagen sie sollen sich schämen
weil sie in ihrer existenzangst sprücheklopfern nachquatschen

barro
00
31.1.2012, 05:16

alleine der tatbestand, dass frau glawischnig die grünen in zeiten der atomkraftwerksfrage nicht über 20% gebracht hat, sollte schon grund genug sein, dass sie zurücktritt. die zeiten sind zu prekär für persönliche befindlichkeiten!

Hans-Georg Peitl
11
30.1.2012, 07:25
GRUENE Potentiale in Tirol

Die GRUENEN Potentiale in Tirol lassen sich mit Sicherheit nur sehr schwer mit dem EU pro Kurs der GRUENEN zur EU vereinbaren.

Denn in Tirol ist das grösste Problem der Transit!

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundesobmann der
Freiheitlichen Christen Österreichs (FCÖ)
http://www.bedenklich.at

G. B. Corner
00

Wo haben Sie denn das her?
Ich bin Tiroler und mein größtes Problem ist mit Sicherheit nicht der Transit (ich rede jetzt einmal von politischen oder gesellschaftlichen Problemen ^^). Es hat auch schon einige Autobahnbesetzungen gegeben, und die Anzahl der Beteiligten dabei lässt darauf schließen, dass es den meisten Tirolern nicht anders geht als mir - der Transit mag lästig sein, aber ist sicher kein Hauptproblem in Tirol.

Tempora
02
was ist

blos aus den grünen geworden? der transit in tirol ist für sie kein problem??? dann sind sie froh und glücklich, für die grünen sollte das eigentlich eins der größten probleme sein, oder haben sie die umwelt als thema gestrichen?

Gerald H
11

Das Problem der Tiroler sind eher der beschränkte Horizont und die Kehllaute.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 312
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.