GVU

"Es geht eine Schockwelle durch die Sharehoster-Szene"

27. Jänner 2012, 14:52

Rechteverwerter: "Dahinter stehen keine Privatpersonen, sondern kriminelle Banden."

Die Schließung von Mega-Upload wirft ein Licht auf Sharehoster-Szene. "Es geht eine Schockwelle durch die Szene", sagt Matthias Leonardy, Chef der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Vielen Betreibern von Speicherseiten sei erst jetzt klar geworden, dass es ein erhebliches Risiko gibt, gefasst zu werden - auch im Ausland. Die ersten zogen bereits Konsequenzen: Bis Freitag schränkten einige größere Seiten wie FileSonic ihre Dienste erheblich ein. Trocken gelegt seien die "digitalen Kopierwerke" damit aber noch lange nicht, betont Leonardy. Es gebe noch ein halbes Dutzend deutschsprachige Seiten, die für die Rechteinhaber genauso gefährlich seien wie Mega-Upload. Weltweit habe die GVU, hinter der Verbände und Firmen aus der Film- und Softwareindustrie stehen, weit über 100 Seiten auf dem Radar. "Dahinter stehen keine Privatpersonen, sondern kriminelle Banden." 

"Die Leute, die hinter diesen Diensten stehen, haben keine Namen."

Mega-Upload war dem FBI zufolge einer der ganz großen Fische und zeitweise auf der Rangliste der meistbesuchten Internet-Seiten auf Platz 13. Die Betreiber ähnlicher Seiten dürften den Behörden aber nicht den gleichen Gefallen tun wie Schmitz, der sich erst durch einen Auftritt in einem Werbevideo als der Pate von Mega-Upload verriet, schätzt Holger Bleich, Experte für Tauschnetzwerke beim Computermagazin "c't". "Die Leute, die hinter diesen Diensten stehen, haben keine Namen."

Ausgeklügeltes Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell der sogenannten "Sharehoster" ist ausgeklügelt. Nutzer speichern Musik oder Videos auf den Internet-Rechnern der Firmen und kriegen dafür einen Link, mit dem die Datei jederzeit wieder heruntergeladen werden kann. Viele der Links tauchen dann auf separaten, von den Sharehostern unabhängigen Seiten auf, die wie Suchmaschinen funktionieren oder wie das im Sommer geschlossene Portal kino.to die Filme einfach auflisten. Mega-Upload selbst bot keine Suchfunktionen für den Inhalt seiner Server an.

Die Trennung zwischen physischem Speicherdienst und der Auflistung der Filme bei unterschiedlichen Online-Diensten liegt Mega-Upload und seinen Nachahmern am Herzen. Die Branche wähnte sich sicher vor Nachstellungen neugieriger Strafverfolgungsbehörden, da sie stets darauf verweisen konnte, dass sie nur eine technische Plattform sei. Was genau auf den Servern liege, sei allein Sache der Nutzer, argumentieren die Online-Portale. Doch ganz so einfach können sich die Betreiber der Seiten nicht aus der Verantwortung stehlen, sagt Winfried Bullinger, Medienrechtsanwalt bei der Berliner Kanzlei CMS Hasche Sigle. "Wenn 99 Prozent der Inhalte auf einer Plattform illegal sind, ist davon auszugehen, dass auch der ganze Dienst illegal ist." Rechtschaffene Unternehmen würden sofort eingreifen und die urheberrechtlich geschützten Inhalten löschen. Technisch ist das kein Problem, wie Youtube demonstriert. Das Videoportal durchforstet seine riesige Clip-Sammlung ständig nach Szenen aus Hollywood-Streifen oder Musikvideos. Raubkopien fliegen sofort wieder von den Servern.

Geld

Der umtriebige Internet-Unternehmer Kim Schmitz gab sich dem FBI zufolge sehr viel Mühe, um Mega-Upload als legitimes Unternehmen zu präsentieren. Beschwerden von Rechteinhabern über Raubkopien auf den Rechnern der Firma wurde nachgegangen, allerdings nur nach außen hin. Mega-Upload habe nur die Links gelöscht, nicht aber die Dateien selbst, heißt es in der 72-seitigen Anklageschrift der US-Bundespolizei. Und die Funktionsweise der Seite und des Ablegers Megavideo, bei dem Filme ohne Herunterladen sofort auf dem Computer liefen, sei eindeutig darauf ausgelegt gewesen, möglichst Kino-Blockbuster und populäre Serien wie "Desperate Housewives" auf die Server zu bekommen. Nutzer wurden mit Geld belohnt, wenn sie besonders gefragte Inhalte auf der Seite ablegten. Insgesamt seien Millionen auf den Konten emsiger Film-Speicherer gelandet, erklärt das FBI. Die Idee wurde von Konkurrenten kopiert: So verspricht ein Sharehoster jedem Nutzer zehn Dollar, wenn sein Film tausend Zuschauer findet.

Finanziert hat sich Mega-Upload durch Reklame und Abo-Gebühren für besonders schnelle Downloads. Von den Einnahmen konnte sich Schmitz ein riesiges Anwesen in Neuseeland und einen Fuhrpark von fast 20 Luxusautos leisten. Die Fernsehbilder von seinem Leben in Saus und Braus werden auf potenzielle Nachahmer nicht gerade abschreckend gewirkt haben. Auf Reklame-Clips, in denen sie selbst auftreten, werden die meisten verzichten.(Reuters)

pontius piratus
01
28.1.2012, 19:38

bin ich nur der erste der kommentiert...
oder ist der rest an kommentaren schon gelöscht???

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