Studiendauer

EU will Medizinstudium verkürzen - Unis und ÖH fürchten um Qualität

27. Jänner 2012, 14:54
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    foto: apn/matthias rietschel

    Derzeit dauert die Medizin-Ausbildung sechs Jahre.

Ausbildung der Allgemeinmediziner soll nur mehr fünf statt sechs Jahre dauern - Unis und Studenten warnen vor Verlust des Praxisbezugs

Wien - Die EU-Kommission will die Mindestdauer der Medizinerausbildung von derzeit sechs auf fünf Jahre verkürzen, allerdings soll das Studium weiterhin aus "mindestens 5.500 Stunden theoretischen und praktischen Unterrichts" bestehen. Das sieht die geplante Änderung der Richtlinie über Berufsqualifikationen vor, die die Mobilität von Ärzten und anderen Berufsgruppen vereinfachen soll. Kritik kommt von österreichischen und deutschen Medizin-Unis und Studentenvertretern.

Die letzte Harmonisierung der Berufsqualifikationen etwa für Mediziner liege schon 20 bis 30 Jahre zurück. "Sie sind jetzt aktualisiert worden, um der Weiterentwicklung dieser Berufe und der Ausbildung in diesen Bereichen Rechnung zu tragen", begründet die EU-Kommission ihren Vorschlag. Für eine tatsächliche Änderung wäre noch ein Beschluss von Rat und EU-Parlament nötig, danach müsste noch das österreichische Recht an die neue Richtlinie angepasst werden.

Warnung vor Qualitätsverlust

Da die Kommission nur eine Dauer von "mindestens" fünf Jahren vorgibt, wäre es zwar theoretisch möglich, Allgemeinmediziner weiterhin sechs Jahre lang auszubilden. Wegen befürchteter Wettbewerbsverzerrungen würde sich die Verkürzung auf fünf Jahre aber wohl durchsetzen, meinen die Kritiker und warnen vor einem Qualitätsverlust.

"Eine Verkürzung der Studiendauer bei gleichen Unterrichtsstunden würde die Qualität des Studiums gefährden und ist auch den Studierenden nicht zumutbar", betont der Rektor der Medizin-Uni Wien, Wolfgang Schütz. Im Mittelpunkt der Diskussion um eine Verkürzung müsse jedenfalls die Qualität der Ausbildung stehen, fordert Schütz wie auch Norbert Mutz, Vizerektor für Lehre der Medizin-Uni Innsbruck.

Mutz betonte die wichtige Rolle von Praktika. Die neuen Curricula sehen für das sechste Studienjahr ein klinisch-praktisches Jahr vor, in dem die Studenten von der Theorie an den beruflichen Alltag herangeführt werden sollen. Mutz geht aber "davon aus, dass in dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist."

Praktische Ausbildung kürzer

An der Medizin-Uni Graz würde eine Verkürzung des Studiums zu Lasten der praktischen Ausbildung gehen, so Rektor Josef Smolle. Dort ist das sechste Jahr ebenfalls ein "praktisches Jahr". Wenn dieses wegfalle, müsse die klinische Erfahrung in den postgradualen Bereich verlagert werden. Nur die Uni-Ausbildung anzusehen, würde aber bei einer Vereinheitlichung der Qualifikation von Ärzten in der EU ohnehin zu kurz greifen. "Wenn man wirklich eine Harmonisierung will, muss man sowohl die Studiendauer, als auch die postgraduale Ausbildung gemeinsam betrachten."

ÖH fürchtet aus für Nebenjobs

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) befürchtet, dass eine Verkürzung des ohnehin bereits jetzt zeitintensiven Medizin-Studiums das Aus für Studenten mit Nebenjob bedeuten könnte. Dass lediglich die Mindeststudiendauer verändert werden soll, ist für die ÖH keine Beruhigung. Sie rechnet damit, dass die Verkürzung dennoch umgesetzt würde. "Gerade im universitären Bereich wurde Österreich bei der Umsetzung in Bezug auf den Bologna Prozess bisher oft als Vorbild gehandelt", so der Vize-Vorsitzende Martin Schott (Fachschaftslisten, FLÖ). Die ÖH an der Medizin-Uni Graz fürchten um das Wohl der Patienten, denn: "Schlechtere Ausbildung heißt mehr Fehler - hier wird mit dem Leben und der Gesundheit von Patienten gespielt."

Auch in Deutschland Kritik

In Deutschland hat der Medizinische Fakultätentag, die Interessensvertretung der 36 Medizinfachbereiche an deutschen Unis, ebenfalls heftige Kritik an den Plänen geübt. Durch die Verkürzung steige der Lernaufwand von 72 auf 90 Stunden pro Woche, Zeit für die Praxis fehle. Hintergrund der EU-Pläne soll laut Fakultätentag ein Vorstoß von England und Irland sein, wo das Studium vor Einführung der Richtlinie im Jahr 2005 fünf Jahre gedauert hat - wenn auch bei geringerem Praxisanteil. Auch in Österreich war dies übrigens früher der Fall, allerdings fand eine Reform schon vor 30 Jahren statt.

Wissenschaftsministerium beruhigt

Im Wissenschaftsministerium sieht man vorerst keinen Grund für Aufregung, immerhin gebe es derzeit nur Diskussionen über eine Änderungen der Richtlinie, aber noch keinen Ratsbeschluss. Außerdem solle zwar die Mindestdauer verringert werden, aber nicht der Umfang von 5.500 Stunden. Sollte die Mindeststudiendauer tatsächlich verkürzt werden, wäre eine etwaige Adaption jedenfalls mit den Unis zu diskutieren. "Aus Sicht des Ministeriums ist das entscheidende Kriterium, dass die Qualität gewahrt bleibt", heißt es. (APA)

Kommentar posten
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sovereignty
00
Dann aber erst recht ...

einen Medical Master (MM) statt einem MD/Dr.med ... die anderen fünfjährigen Studien führen ja schließlich auch nicht nach einer Pseudo-Doktorarbeit (aka oft Mini-Diplomarbeit) zum Dr. ... eigentlich sollte das auch im sechsjährigen System so sein und der Dr. nur nach eindeutiger wissenschaftlicher Befähigung (sprich ordentliches Doktorat) verliehen werden

665
00
das gehört nur ordentlich organisiert!

Bisschen mehr Mut zur Lücke!
Wir machen dann ein paar Ärzte Kategorien:
AH-Ärzte für alle Krankheiten mit Anfangsbuchstaben A-H, GO-Ärzte für alle Krankheiten die mit G bis O anfangen usw.
Und dazu eine Schichtmatrix: 1er Ärtze kennen sich vom Scheitel bis zum Schlüsselbein aus, 2er Ärzte ab dem Schultergürtel bis zum Nabel, usw.
Bitte beachten Sie die wohlüberlegten leichten Überschneidungen in der Spezialisierung, damit wird der Patient dann nicht überfordert.

didi111
00
30.1.2012, 09:49
Vorschlag:

Statt Studiendauern verkürzen zu wollen und dabei billigend einen Qualitätsverlust in Kauf nehmen will, wäre es der Sache dienlicher, die gleichen Menschen würden über eine Mindestqualifikation bei Politikern nachdenken.

Hier wäre beispielsweise aks Ziel zu verhindern, daß ein MUSIKlehrer Sobotka mit NULL fachlicher Ahnung von Ökonomie und Finanz als Finanzlandesrat in NÖ werklt (so schauts übrigens auch aus).

Es wäre doch wirklich vorstellbar, daß diese Leute vor Dienstantritt eine (abgeprüfte) Mindestqualifikation haben müssen, und dann erst dann auf die Menschheit losgelassen werden können.

Es müssen als Ziel DIESE fachlich unbedarften Sobotkas verboten werden.

Hosenträgerträger
01
29.1.2012, 19:20
Darf man auch erfahren, welchem geistigen Hochflieger das eingefallen ist?

Es ist völlig gleich, wer es ist. Es ist auch völlig gleich, wo, wann oder ob derjenige Medizin studiert hat. Er verpflichtet sich aber mit diesem Vorschlag dazu nurmehr von 5-Jahre-Studenten behandelt zu werden.

Das gesamte Posting ist geschlechtsneutral gemeint, aber "es ist..." liest sich beschissen.

maggo22
00
30.1.2012, 00:04

Bin mir ziemlich sicher daß Kommissionsmitglieder sicher nicht zu diesen Ärtzten gehen...

wer ist wir?
01
29.1.2012, 17:19
vielleicht wäre es auch an der zeit

dass mediziner auch mit "mag" abschließen und nicht mit "dr".

Phan Tast
00
31.1.2012, 07:23

die mediziner schließen eh mit einem dr.med. ab, der rechtlich auf der stufe eines magisters/masters steht. wo is das problem?

wer ist wir?
00
31.1.2012, 09:12
dass das viele / die meisten

nicht wissen.
warum schließen sie nicht mit magister ab?

Phan Tast
00
31.1.2012, 09:18

nun, auch der dipl-ing steht auf dieser stufe und hat keinen magister. ich denke nicht, dass die bevölkerung sich daran gewöhnen wurde, zum master of medicine zu gehen - dafür wird der doktor als arzt schon seit jahrhunderten synonym verwendet.

Chris Lance
01
30.1.2012, 08:30

übrigens der titel "dr." ist kein richtiger doktor, da das medizinstudium zum diplomstudium degradiert wurde...

wer ist wir?
00
30.1.2012, 09:59
genau

das hab ich ja gemeint!

Blodtryck
00
29.1.2012, 18:24

Ja, weil das ja das große Problem am Medizinstudium in Österreich ist - der Dr. med. univ..

Got Your Nose!
01
29.1.2012, 13:27

es könnte stressig werden...

dumm gelaufen
00
31.1.2012, 16:04
Exakt!

Die frage ist ob sich der Stoff dann noch ausgeht oder ob das Studium entschlackt werden kann

Got Your Nose!
01

"entschlackt" ist herrlicher unfug im selben atemzug mit "medizin", gefällt mir :D

es wurde schon ein großteil der praxis aus dem studium entfernt um die immer größer werdende menge an grundlagentheorie unterzubringen.

optischDick
01
29.1.2012, 12:49
wielange bekommen...

..die mediziner noch einen doktor für ihr diplomstudium?

Got Your Nose!
00
29.1.2012, 13:27

ist auch kein echter doktor, wie man weiß. "dr. med." heißt das dann.

NPT
00
30.1.2012, 08:33
?

Schwachsinn! Dr. phil., Dr. rer. nat., Dr. techn. usw.! Hinter dem "Dr." steht IMMER der Fachüberbegriff!

Phan Tast
00
31.1.2012, 09:20

Spätestens beim wieder eingeführten PhD triftt das nicht zu, genauso, wie es im letzten Jahrhundert lange war - der Doctor philosophiae als Grundbegriff der wissenschaftlichen Welt. Die Fachbezeichnungen sind jünger.

Got Your Nose!
00
30.1.2012, 21:19

jeder weiß aber dass der mediziner-dr nur ein traditionstitel ist.

Miss Spock
10
29.1.2012, 06:58
Das Problem " Nebenjob " ließe sich damit lösen....

... Das Medizinstudium erfolgt in Verbindung mit einem Arbeitsplatz, der im Bereich: Pflege, Krankenbetreuung, etc... angesiedelt ist. Man arbeitet neben dem Studium täglich etwa 4 Stunden, oder länger in eine Spital oder Praxis. Man lernt den Beruf Praktisch im Dienst, und studiert die Theorie.

Got Your Nose!
01
29.1.2012, 13:29

ich bin mit der theorie etwa 12 stunden am tag beschäftigt, zur prüfungszeit mehr.
wenn sie mir einen entsprechenden amphetaminkonsum erlauben, wären die 4 stunden arbeit rein theoretisch auch noch machbar.

maggo22
00
30.1.2012, 00:05

Wie hat mein Deutschlehrer schon gesagt, bei unseren Hausaufgaben bleibt ihm nur um Tagesverlängerung anzusuchen.

murdoch block, for a truer internet
00
29.1.2012, 10:57
Problem lösen?!

Sollen BWLler nun bei McDonalds oder Burger King oder Billa hackeln, damit sie Praxiserfahrung in der Wirtschaft erhalten?

elle
00
18.2.2012, 17:58

auch das würd nicht schaden.
wer die tägliche arbeit seiner kollegen und untergebenen kennt, tut sich dann tendenziell leichter, keine fachtrottelentscheidungen zu treffen, die in der praxis nur kopfschütteln verursachen.

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