Die süßen E-Nummern

Gabrieala Poller-Hartig
1. Februar 2012, 12:33
  • In kalorienreduzierten Limonaden, Bieren, Joghurts und Süßigkeiten treffen mehrere Zuckerersatzstoffe aufeinander.
    foto: birgith / pixelio.de

    In kalorienreduzierten Limonaden, Bieren, Joghurts und Süßigkeiten treffen mehrere Zuckerersatzstoffe aufeinander.

In vielen Produkten wie Süßwaren, Snacks und Getränken wird Zucker durch kalorienarme Süßungsmittel ersetzt - Entstanden ist ein Zuckerersatz-Dschungel

Vorne locken "Light"- oder "Diät"-Aufschriften den Konsumenten, auf der Rückseite der Verpackung ist es mit der Leichtigkeit der Lebensmittel vorbei: Inhaltsstoffe mit so klingenden Namen wie Sorbit, Acesulfam K, Mannit und Aspartam verweisen auf ein hochtechnologisches Nahrungsmittel, in dem Zucker durch verschiedene kalorienarme Süßungsmittel ersetzt wurde.

In kalorienreduzierten Limonaden, Bieren, Joghurts und Süßigkeiten treffen mehrere Zuckerersatzstoffe aufeinander. "Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto mehr Zusatzstoffe sind zugelassen", erklärt die EU-Kommission, die in der Verordnung 1333/2008 alle erlaubten Zusätze auflistet und ihre Verwendung reglementiert. Süßwaren, würzige Snacks, aromatisierte Getränke und Desserts sind beispielsweise solche hochverarbeiteten Lebensmittel.

Zuckeraustauschstoffe mit Abführwirkung

Aufgrund ihres chemischen Aufbaus werden Süßungsmittel in Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe unterteilt. Zuckeraustauschstoffe basieren auf Kohlenhydraten, ihre Süßkraft entspricht etwa der des Haushaltszuckers. Sie belasten den Blutzuckerspiegel allerdings nur gering und werden nahezu insulinunabhängig verwertet. Energie liefern Zuckeraustauschstoffe, im Gegensatz zu den Süßstoffen, in Form von Kalorien - allerdings nur etwa die Hälfte der Energie, die Zucker liefert.

Auf Lebensmittelverpackungen sind Zuckeraustauschstoffe entweder durch ihre E-Nummer oder ihren Namen identifizierbar. Sorbit, Mannit, Xylit, Isomalt, Maltit, Lactit und Erythrit gehören in diese Gruppe der sogenannten Zuckeralkohole oder Polyole. Manche der Gruppenmitglieder haben natürliche Quellen, andere sind synthetischer Natur: Sorbit kommt in Kernobst vor, Mannit in Algen, Pilzen, Flechten, Feigen und Oliven, Maltit wird aus Mais- und Weizenstärke gewonnen, Xylit befindet sich als natürlicher Zuckeralkohol in vielen Gemüsesorten und Früchten sowie in der Birkenrinde. Synthetisch hergestellt wird Lactit.

Auf der gesundheitlichen Seite konnte den genannten Zuckeraustauschstoffen bisher nur eine "abführende Wirkung" beim Konsum von erhöhten Mengen nachgewiesen werden.

Kalorienarme Süßstoffe

Süßstoffe sind die - überwiegend synthetisch hergestellten - Verwandten. Die Süßkraft von Acesulfam K, Aspartam, Cyclamat, Sachharin, Thaumatin, Neotam, Sucralose, Aspartam-Acesulfamsalz und Stevioglyosid übersteigt die des weißen Zuckers um das 30- bis 3.000-Fache. Wegen ihrer geringeren Masse lassen sich die Süßstoffe nicht wie Zucker verarbeiten und müssen mit anderen Zusatzstoffen ergänzt werden. Die Sweeteners unterscheiden sich in der Süßkraft, in technischen Eigenschaften wie zum Beispiel Hitzebeständigkeit und auch geschmacklich. Zu den verkaufsfördernden Eigenschaften von Süßstoffen zählen vor allem ihre Kalorienarmut und der Umstand, dass sie keine Karies verursachen. Die meisten davon finden sich in Ernährungsplänen von Diabetikern.

Das klingt nach haushoher Überlegenheit gegenüber dem normalen Haushaltszucker. Aber Sweeteners haben auch ihre Schattenseiten: Manche machen durch einen Eigengeschmack auf sich aufmerksam, der dann wieder durch die Zugabe künstlicher Aromen oder Geschmacksstoffe übertüncht werden muss.

Aspartam enthält Phenylalanin

Was die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Süßungsmittel betrifft, ist vor allem Aspartam in Verruf geraten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) führt seit 1984 laufend Studien mit Aspartam durch, eine krebserregende oder erbgutschädigende Wirkung konnte dem Süßstoff nicht nachgewiesen werden.

Tatsächlich gefährlich ist Aspartam für Menschen, die an der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie leiden. Sie können die Aminosäure Phenylalanin, die Aspartam enthält, nicht aufnehmen. "Betroffenen fehlt das entsprechende Enzym ganz oder teilweise, und es kommt aufgrund des fehlenden Abbaus zu hohen Konzentrationen im Blut. In den ersten Lebensjahren führt dies in den meisten Fällen zu bleibenden mentalen und teilweise körperlichen Fehlentwicklungen wie geistigen Defekten, epileptischen Anfällen, Hirnkleinwuchs, Pigmentstörungen der Haut oder allgemeiner Übererregbarkeit", sagt Marlies Gruber, wissenschaftliche Leiterin des "forum. ernährung heute". "Phenylketonurie ist nicht heilbar, jedoch mit strenger Diät sehr gut behandelbar. Eine deutliche Kennzeichnung ist daher wichtig." Produkte und Tafelsüßen mit Aspartam tragen den Hinweis "enthält eine Phenylalaninquelle" oder "mit Phenylalanin".

Maximale Tagesdosis

Um etwaigen gesundheitlichen Folgen vorzubeugen, hat die EFSA für jeden Zusatzstoff eine maximale Tagesdosis (Acceptable Daily Intake, ADI) festgelegt. So liegt zum Beispiel der ADI-Wert für den Süßstoff Aspartam bei 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Aspartam oder E 951 süßt beispielsweise Coca-Cola light. Die Limonade darf laut EU-Verordnung maximal 600 Milligramm Aspartam pro Liter enthalten. Kinder mit einem Körpergewicht von 25 Kilo sind also nach dem Genuss von 1,6 Litern Coke light bei ihrer maximalen Tagesdosis angelangt.

Generell werden Süßungsmittel nur dann zugelassen, wenn die EFSA ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit erklärt. Das bestätigt auch Alexandra Hofer von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), ergänzt jedoch, dass einzelne Personen mit Unverträglichkeiten reagieren können. Allergikern und Menschen mit Stoffwechselerkrankungen bleibt also nur das genaue Studium der Inhaltsstoffe, um sich vor unliebsamen Folgen des kalorienreduzierten Süßigkeiten-Genusses zu schützen. (derStandard.at, 1.2.2012)


Zum Thema

Stevia, der große Bluff

Weitere Informationen:

Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Konsumentenschutz über den Zusatz von Süßungsmitteln zu Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln (Süßungsmittelverordnung)

Information zu Süßstoffen von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung

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Gescheiter als Aspartam ist Stevia!

Vor allem für alle, die sich von Haus aus Gedanken über die Ernährung machen. Dieses ganze krebserregende Klump ist doch längst ersetzbar...

Sogar Schokolade gibts zuckerfrei und trotzdem ohne Aspartam: zB. hier http://shop.steviaschoko.at
LG

Werbung?

Zu jedem Artikel im Webstandard zum Thema Stevia posten Sie einen Link zu Ihrer ach so tollen Steviaschoko-Seite.
Sind Sie dafür bezahlt worden oder "empfehlen" Sie das nur?

So ein Schwachsinn: "Aspartam enthält Phenylalanin"

Aspartam ist eine DERIVAT von Phenylalanin, sodass beim ABBAU von Aspartam Phenylalanin ENTSTEHEN kann.

Es ENTHÄLT aber kein Alanin, da Aspartam aus lauter identischen Molekülen besteht, und nicht aus einem Gemenge von Phenylalanin und anderen Substanzen.

Warum können in der Wissenschaftsredaktion nicht Leute schreiben, die mit zumindest dem einfachsten naturwissenschaftlichen Grundverständnis ausgestattet sind??!

Ständig merkt man, dass da überwiegend die Ahnungslosen Abschreiber am Werk sind, und das nervt (gewaltig!!).

Der nächste - noch toxischere Hammer: NEOTAME von Monsanto…

…Das modifizierte Apartam wird 2002 von der FDA ohne weitere Verträglichkeitsstudien zugelassen:

http://www.naturalnews.com/034915_ne... eners.html

FS3-NACHLESE:
http://derstandard.at/plink/132... 8/24698253
http://derstandard.at/plink/132... 8/24686392

Wow, geile Quelle! NutraSweet hat schon 2002 nicht mehr zu Monsanto gehört, demnach ist auch Neotam NICHT von Monsanto. Aber dieser Firmenname scheint ja pauschal jedes rationale Argument zu ersetzen.
Warum schreiben Sie "der nächste"? Neotam ist seit 2001 auf dem Markt und auch schon seit zwei Jahren in der EU zugelassen (E961).
Das ist auch ganz sicher nicht toxischer als Aspartam, alleine schon, weil es in wesentlich geringeren Mengen eingesetzt wird.

Aber ihre Quelle weiß es sicher besser - schließlich haben die ja auch einen eigenen Shop in dem sie völlig überteuerte Konkurrenzprodukte dazu verkaufen...

Die betreffende Studie, auf Basis derer die FDA-Bewilligung erfolgte, war per Apr.2001 abgeschlossen und wurde während jener Zeit erstellt, als Monsanto noch Eigentümer war (2000)…

…Ein Großteil der Evaluierung von Neotame basiert auf älteren Aspartam-Ergebnissen:

http://health.groups.yahoo.com/group/asp... essage/843

ist doch egal, wer, was, wo das Gift hergestellt wird -

zitiere-umstritten ist,ob Aspartam auch für Hirntumoren verantwortlich gemacht werden kann:Einige Studien legen diesen Schluss nahe.Die Autoren des ameri.Verbraucherschutz-Bestsellers-Safe Food-empfahlen daher schon 1993-vermeiden sie Aspartam,wenn sie schwanger,an PKU leiden und geben sie Kinder kein Aspartam.

Wenn ihnen das egal ist...

Aspartam sollte von PKU-Patienten nicht genutzt werden, genauso wie Nüsse nicht von Nussallergikern genutzt werden sollten.
Bei der Verstoffwechselung von Neotam entsteht zwar ebenfalls Phenylalanin, aber im Vergleich zum Aspartam wird so wenig zugesetzt, dass das sogar für PKU-Patienten ok ist.
Und nein, auch wenn das in ihrem tollem Buch steht, damit es sich besser verkauft: es gibt keine Studien, die den Schluss nahelegen, Aspartam würde Gehirntumore verursachen.

ja, aber im Zweifelsfalle Finger weg - was habe ich davon, sollten

die Wissenschafter gscheiter werden, dann hab ich die Krankheit- kein Schwein schert sich darum - es braucht keiner das Aspartam, es werden nur Milliarden gescheffelt - und es sind gefälschte Studien - aus pasta

ja, eh. Wenn Sie im Zweifelsfalle die Finger von etwas lassen wollen, ist das völlig richtig und in Ordnung, ich nehme an, sie manche das sowieso, wie die meisten anderen Menschen auch.

Aber wir sollten uns nicht dazu aufspielen, anderen vorschreiben zu wollen, was die essen dürfen oder woran sie zweifeln sollten.

warnen ist nicht aufspielen -

Warnen kann man ja, aber die Entscheidung was erzeugt wird, treffen ohnehin die Konsumenten beim Einkauf.

Übrigens gibt es genug Leute, die Aspartam gerne konsumieren. Ich zum Beispiel bin recht froh, dass es diesen kalorienfreien Zuckerersatz gibt. Und die hohen Verkaufszahlen zeigen, dass viele andere das auch so sehen.

genießen sie es - ich nicht

ja, so soll es eh sein. Jeder genießt das, was ihm schmeckt.

Dafür, dass keiner Aspartam braucht, wird es ganz gut verkauft. Schreiben Sie ja selbst. Wenn Sie glauben, dass Sie von automatisch Hirntumore bekommen, wenn Sie einmal Aspartam konsumieren, erschießen Sie sich besser gleich.
Und welche Studien sind jetzt gefälscht? Die, die aussagen, dass Aspartam Hirntumore aulöst?

es wird den Leuten vorgegaukelt, dass es unbedenklich ist und das stimmt nicht - das ist Betrug am Menschen

der sich mit diesem Thema befasst, nimmt es nicht

Sie gaukeln den Leuten vor, es wäre gefährlich. Das wissen Leute die sich damit befasst haben und in der Lage sind Studien und Quellen zu beurteilen.

Aber es gibt doch einen Film... ;-)

genau und darum Finger weg, nur weil etliche die Gier frißt

Mir als Konsument geht es beim Genuss von Aspartam nicht um Gier, sondern um meine eigene Gesundheit. Die Schädlichkeit von Zucker ist längst nachgewiesen.

weniger Zucker - aber kein Aspartam

Weniger Zucker ist noch immer Zucker. Getränke mit Aspartam sind meistens völlig zuckerfrei.

und sehr gesund

Gesünder als Zucker auf jeden Fall.
Meine Frau hat mir gerade ein Video gezeigt von einem Ernährungsberater, der empfiehlt, an 6 Tagen in der Woche auf alle schlechten Kohlenhydrate zu verzichten, (als Zucker, Brot, Vollkornbrot, Kartoffel, Reis) weil die im Körper in Zucker umgewandelt werden und die gleichen Schäden anrichten. Das klingt recht plausibel.

Ernährungsberater gibt es viele - normal gesund essen - da braucht man niemanden dazu

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