Schiedsrichter-Boss Hantschk: "Es interessiert sie nicht" - Kritik auch an säumigen Klubs
Lara - Österreichs Fußballern mangelt an der
nötigen Regelkenntnis. Das sagt Johann Hantschk, und der ist immerhin der Chef der hiesigen Schiedsrichter. "Die
Regelkenntnis ist schlecht, es interessiert sie einfach nicht. Wenn
man 'Mensch ärgere dich nicht' spielt, muss man sich vorher die
Regeln anschauen. Fußballer machen das eigentlich nicht, das ist
paradox, aber so ist es", so Hantschk.
Das Interesse an Regelkunde scheint bei den Klubs ganz
allgemein nicht sehr ausgeprägt zu sein. Das Angebot der
Schiedsrichter, in der Türkei zu einem Meinungsaustausch und
Regeldiskussionen zusammenzutreffen, wurde von keinem einzigen der
sieben Vereine, die dieser Tage dort ebenso wie die Referees ihre Saison-Vorbereitung abslovieren, angenommen.
Dem noch nicht genug haben laut Hantschk mit Meister Sturm Graz,
Salzburg, Austria, Admira, Wacker Innsbruck, Mattersburg und dem
LASK sieben Vereine der ersten beiden österreichischen Ligen noch
immer nicht die einmal pro Saison verpflichtende Regelschulung
durchgeführt. "Den Spielern und Trainern soll man jetzt vor der
Frühjahrssaison die Schwerpunkte erklären, die schon seit einem
halben Jahr gelten. Wir haben erfahren, dass ein paar Spieler und
Trainer diese gar nicht gekannt haben", ärgerte sich Hantschk über
die fehlende Mitarbeit der Teams.
Solche Treffen - Kapfenberg machte die Schulung am Donnerstag in
Side - sind aus seiner Sicht äußerst wichtig. "Wir wollen partnerschaftlich
agieren. Aufeinanderzugehen, miteinander kommunizieren und
Verständnis für den anderen haben. Die Spieler können ihre Sorgen
kundtun, und wir sagen aus unserer Sicht was falsch läuft oder
verbessert gehört", meinte der 72-jährige Vorsitzende der Schiedsrichterkommission des ÖFB.
Im Herbst standen die Schiedsrichter mehrmals in der Kritik, bei
kaum einem Referee wurde kein Fehler aufgedeckt - zu einem Großteil
freilich mit technischen Hilfsmitteln hinterher. "Fehlerquellen,
die im Herbst passiert sind, arbeiten wir auf, um den Ärger im
Frühjahr nicht wieder zu haben", betonte Hantschk.
Zu diesem Behufe versammeln sich Österreichs Elitereferees daher täglich im Lehrsaal. Doch auch an Kraft und Kondition wird in Lara gearbeitet, wo sich die Unparteiischen bereits zum 14. Mal den letzten Schliff geben. (APA/red)