Metastudie

Vorurteile entwickeln sich schon im Kindesalter

27. Jänner 2012, 13:37

Im Alter von fünf bis sieben Jahren werden ethnische oder nationale Vorurteile entwickelt - Prävention ist möglich

Jena - Die Wurzeln für fremdenfeindliche Einstellungen liegen nach Erkenntnissen des Jenaer Psychologen Andreas Beelmann oft schon in der Kindheit. Folglich müssten Präventionsprogramme in Vor- und Volksschule ansetzen, sagte er. Eine Auswertung von 113 Studien weltweit habe ergeben, dass Kinder vor allem im Alter von fünf bis sieben Jahren verstärkt ethnische oder nationale Vorurteile entwickeln - danach ebbe dies häufig wieder ab.

Später spiele weniger das Alter als vielmehr das soziale Umfeld wie Freundeskreis und Familie eine größere Rolle, berichtete der Experte. Die Ergebnisse hatten Beelmann und sein Kollege Tobias Raabe auch in der Fachzeitschrift "Child Development" veröffentlicht.

Vorurteile können sich früh festigen

Das Volksschulalter sei deshalb eine kritische Zeit, in der sich Vorurteile festigen können, erklärte Beelmann. "Wenn es keinerlei Kontakt zu sozialen Fremdgruppen gibt, kann man auch keine persönlichen Erfahrungen machen und hält an pauschalen negativen Bewertungen länger fest." Das erkläre die oft hohe Fremdenfeindlichkeit in Regionen mit wenig Ausländern. Einmal entstandene Vorurteile könnten so auch in späteren Lebensjahren auf hohem Niveau relativ konstant bleiben.

Gerade im Volksschulalter sei es daher wichtig, Kindern Kontakte zu Angehörigen anderer Nationalitäten zu ermöglichen. "Wenn ich einen Freund habe, gehört er zu meiner Identität", erklärte Beelmann. Dann sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass ein Kind dessen Ethnie ablehne, weil es dann auch einen Teil seiner selbst ablehne. Wichtig sei aber, dass bei Präventionsprogrammen nicht nur Kontakte hergestellt, sondern auch gemeinsame Ziele vermittelt werden - etwa über kooperatives Lernen oder gemeinsame Mannschaften im Sport.

Vorurteilen über indirekte Kontakte vorbeugen

Auch über indirekte Kontakte oder Geschichten könne Vorurteilen gegen Menschen anderer Herkunft oder Hautfarbe vorgebeugt werden, berichtete Beelmann. Etwa wenn darin ein deutsches und ein russisches Kind gemeinsam Abenteuer erleben. "Erstaunlicherweise funktioniert das fast genauso gut wie bei echten Kontakten." Aus Studien über längere Zeiträume hinweg sei bekannt, dass es bei Kindern, die mit ausländischen Kindern befreundet sind, extrem unwahrscheinlich sei, dass sie fremdenfeindliche Vorurteile bis hin zum Rechtsextremismus entwickeln. (APA)

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19 Postings
Nathaniel Winerib
11
29.1.2012, 19:17

Mir wurde als Kinder verboten, mit gewissen Kindern zu spielen. Dafür bin ich bis heute dankbar!

17+4
10
29.1.2012, 18:02
trotz Zensur nochmals

eine nona Studie, die nicht einmal stimmt, aber dafür ein Vorurteil bedient.

Queen Charlotte
00
29.1.2012, 11:30

Mein Sohn wurde böse gemobt, als wir aus der Schweiz nach Vorarlberg gezogen sind! DAS nennne ich nun wirklich ignorant und paranoid...

Quintus Beckloeffel
23
28.1.2012, 20:58

Die hier vertretene Kontakthypothese, wonach persönlicher Kontakt zwischen Angehörigen fremder Kulturen als solcher aversive Einstellungen abbaue, ist schon seit langem widerlegt. Kontakt kann die Aversion sogar noch verstärken. Änderungen von Einstellungen hängen von viel komplexeren Umstandsstrukturen ab.

Aber es wird halt gerne gehört, dass Vorurteile grundsätzlich auf Ignoranz beruhen...

Corello
 
00
31.1.2012, 12:41
"dass Vorurteile grundsätzlich auf Ignoranz beruhen..."

worauf sonst?

m0nk
10
29.1.2012, 13:07
text nicht verstanden oder nicht gelesen?

oben steht nirgends etwas vom abbau "aversiver einstellungen". im text geht es darum, das solche einstellungen gar nicht erst aufgebaut werden.

das ist vielleicht doch ein unterschied? und ihr posting somit eine klare themenverfehlung.

Quintus Beckloeffel
10
30.1.2012, 09:05
Das Lese-und Verständnisproblem ist offenbar auf Ihrer Seite.

Im Text steht, dass die Kontaktlosigkeit das längere FESTHALTEN an der Aversion impliziere. Und diese Aussage ist logisch äquivalent zur Aussage, dass ein Nichtfesthalten (also ein Abbau) stets mit dem Vorhandensein von Kontakten einhergehe. Und das ist, wie die Forschung schon seit längerem gezeigt hat, falsch.

Also: Lesen allein nützt nichts, man muss schon auch ein Mindestmaß an Logik investieren, um das Geschriebene zu verstehen.

m0nk
00
30.1.2012, 14:43
darum geht es im text also um "Präventionsprogrammen" und "Vorbeugung"?

hat noch nicht mal was mit logik zu tun, sondern lediglich mit sinnerfassend lesen.

Quintus Beckloeffel
00
30.1.2012, 19:49

Im Text geht es um Verschiedenes. Unter anderem um die Kontakthypothese. Und die ist, wie man bereits seit längerer Zeit weiß, falsch.

Aber schlichte Gemüter, die ihre Wunschfantasien für empirische Resultate halten, können sich halt schwer von ihr trennen. Aber erkundigen Sie sich doch mal: vielleicht gibt es in Ihrer Nähe ja eine Selbsthilfegruppe für Opfer der Realität!

Fritz Meyer
21
29.1.2012, 10:49
Dein Beitrag ist der beste Beleg...

dass Vorurteile durchaus auch auf Ignoranz beruhen.

Du vertrittst nämlich einfach nur den Standpunkt, der besser in Dein kleinbürgerliches Weltbild passt.

Quintus Beckloeffel
11
29.1.2012, 12:58

Ich vertrete den Standpunkt, der auch derjenige des wissenschaftlichen status quo ist und den man in jedem aktuellen Fachbuch nachlesen kann.

Wenn Sie sich diesem verschließen, dann ist die Ignoranz mit samt ihren pejorativen Zusatzattributen ganz auf Ihrer Seite.

witchdoctor
14
28.1.2012, 15:11

Kinder im Vorschulalter sind sich meist der Unterschiede gar nicht bewusst.
Bin selber in den 60er Jahren auf dem Land aufgewachsen, aber mit sehr viel internationalen Kontakten, d.h. jedes Wochenende full house mit v.a. asiatischen Studenten diverser Religionen. Später dann habe ich immer international gearbeitet, war vom Fremden fasziniert und sehr positiv auf kulturelle Unterschiede eingestellt.
Erst nach sehr negativen Erfahrungen mit Angehörigen speziell eines Kulturkreises bin ich vorsichtiger geworden, d.h. negative Erlebnisse wann immer im Leben prägen sehr wohl unsere Sicht der Welt.

dieDingesindnichtdas, was sie scheinen.
00
Und Enttäuschungen, die von einem Familienmitglied kommen?

Wie gehen Sie damit um?? Ganz einfach einer ganzen Nation gegenüber "vorsichtig" zu werden, weil man von einem Menschen oder einer Familie eines bestimmten Kulturkreises enttäuscht wurde, lässt mir eigenständiges Denken vermissen! Werden alle Menschen schwul oder lesbisch, weil sie von einem Vertreter des anderen Geschlechts enttäuscht wurden? Meiner Meinung nach sind Vorurteile hausgemacht und die Menschen, die damit durchs Leben gehen, tun sich selbst nichts Gutes. Das schlägt sich sogar auf die eigene Gesundheit. Aber wer einfach vorurteilt, kann über weitere "Strecken" wohl kaum denken.

witchdoctor
00

Die Familie ist sowieso die erste Prägungsinstanz, speziell in den ersten 3 Lebensjahren. Und auch da gehe ich auf Distanz zu Personen, falls es zu einem schweren Vertrauensbruch kommt, aber ohne Sippenhaftung.
Bin in der glücklichen Lage, Freunde aus aller Welt zu haben - aus wirklich jedem Kulturkreis. Lehne aber als Feministin körperliche Gewalt und Unterdrückeung von Frauenrechten in jedem Kulturkreis ab. Falls Sie, wie ich jemals mit einem Springmesser von jemandem bedroht wurden, verstehen Sie vielleicht doch mein Vermeidungsverhalten in gewissen Situationen.

astemp79
13
28.1.2012, 10:53
Vorurteile = Muster setzen die ELTERN

- nicht die Schule!

Sind die Eltern labil und anfällig gegenüber Vorurteilen, oder haben sie gar feste Vorurteile, auch solche, die aus eigenen negativen Erfahrungen stammen, dann geben sie diese an die Kinder weiter.
Die Schule oder der Kindergarten sind - da überfordert und zu wenig zielbewusst -, höchstens Festiger von Vorurteilen.

Sind Eltern in ihrer Einstellung sehr klar, haben sie positive Ansichten und sprechen darüber auch und können sie begründen: so erziehen sie damit ihre Kinder, auch dieses Verhalten zu zeigen.

Deshalb ist es so wichtig, Kinder nicht zu früh in den Kindergarten abzuschieben: denn gerade die frühen Jahre sind prägend für die grundsätzliche Einstellung der Kinder, auch in und nach der Pubertät.

Lesen gefährdet die Dummheit1
00
29.1.2012, 02:32

?? Ihrer Ansicht nach ist es also besser, Kinder länger der (oft) unreflektierten Obhut ihrer ausländerfeindlichen oder homophoben Eltern zu belassen als sie mit der tatsächlichen Realität der Diversität zu konfrontieren? Und was soll das bringen?

Pogled
01
28.1.2012, 19:25

Dann belauschen Sie mal einen Lehrerstammtisch in einer ländlichen Gegend, Sie werden Ihre Aussage leider nicht aufrecht erhalten können.
Fremdenfeindlichkeit ist nicht ein Eltern- oder Lehrerproblem sondern ein Gesamtproblem.

viajera
01
28.1.2012, 11:44

allerdings haben die wenigsten eltern nicht-rassistische und nicht-muslimenfeindliche einstellungen, und das wahrlich nicht nur in den unteren sozialen schichten. auch der gefährlichste ort um gewalt zu erleben ist zu hause. je früher ein kind alternativen sehen kann, desto besser.

palmström
20
28.1.2012, 13:06
zum tangotanzen gehören zwei

wenn sich zuwanderkinder nicht abgrenzen und wenn einheimische kinder nocht verschließen, dann wirds was

immer nur den unsrigen die schuld zuschieben ist dümmlich naiv

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