US-Finanzminister in Davos

Geithner kritisiert EU-Krisenmanagement

27. Jänner 2012 14:16
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    Foto: ap/niedringhaus

    US-Finanzminister Timothy Geithner will Stimuli

US-Finanzminister Timothy Geithner hält die Bemühungen für einseitig, Davos-Gegner Jean Ziegler das Weltwirtschaftsforum für einen Zirkus

Davos - US-Finanzminister Timothy Geithner hat das europäische Krisenmanagement als zu einseitig kritisiert. "Wer glaubt, mit Sparmaßnahmen alleine erfolgreich sein zu können, liegt in der Regel falsch", sagte Geithner am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Solange nicht stärker daraufgesetzt werde, das Wachstum zu stimulieren, seien die Probleme nicht zu lösen.

Geithner betonte jedoch, dass zuletzt Fortschritte in Europa gemacht worden seien. Mit den neuen Regierungen in Italien, Spanien und Griechenland sei man ein Stück weit vorangekommen. Auch die Schritte in Richtung einer fiskalischen Union bewertete der US-Finanzminister als positiv. In den USA gilt die europäische Schuldenkrise derzeit als größtes Risiko für die eigene Wirtschaft.

Rundes Wachstum - große Herausforderungen

Trotz des globalen Abschwungs wächst die US-Wirtschaft nach Einschätzung Geithners mit einer Jahresrate von zwei bis drei Prozent wieder relativ rund. Dennoch sei die größte Wirtschaftsmacht noch länger mit Aufräumarbeiten der Schäden aus der Finanzkrise beschäftigt, sagte Geithner. "Wir stehen vor großen Herausforderungen in den USA", warnte der Minister wenige Stunden vor der Veröffentlichung der offiziellen Wachstums-Zahlen.

Auch Notenbankchef Ben Bernanke konnte dem Land trotz der leichten Aufwärtstendenzen keine wirtschaftlich stärkere Phase bescheinigen. Insbesondere der langsame Abbau der für US-Verhältnisse hohen Arbeitslosigkeit macht dem Fed-Boss zu schaffen. Die Notenbank geht davon aus, dass die Erwerbslosenquote auch dieses Jahr mit 8,2 bis 8,5 Prozent weiterhin für US-Verhältnisse hoch bleiben wird und selbst im Jahr 2014 noch um die sieben Prozent aller Amerikaner ohne Job sein werden.

Auch der Wohnungsmarkt, auf dem die Finanzkrise mit einer geplatzten Immobilienblase ihren Ausgang nahm, bleibt Achillesferse der Wirtschaft: Die Zahl der verkauften Eigenheime ging im Dezember um 2,2 Prozent zurück. Der Schätzung des Handelsministerium zufolge wurden aufs Jahr hochgerechnet nur 307.000 Neubauten verkauft. Experten hatten mit 320.000 gerechnet. Die Notenbank erwägt, der Wirtschaft mit weiteren Geldspritzen Beine zu machen, sollte sich die Erholung zu lange hinziehen. Sie hat sich zudem dazu bekannt, ihre extrem konjunkturstimulierende Nullzinspolitik noch bis mindestens Ende 2014 beizubehalten.

Jean Ziegler: "Es geht nur um Macht"

Der Schweizer Soziologieprofessor Jean Ziegler hat indes das Weltwirtschaftsforum scharf kritisiert. Beim alljährlichen "WEF-Zirkus" in den Alpen gehe es "nicht um Dialoge, sondern um Machtbeziehungen", sagte der bekannte 77-jährige Globalisierungskritiker in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Schweizer Online-Zeitung "20 Minuten".

Davos biete den Mächtigen eine Art "korrektive Psychotherapie": "Die Herren der Welt, die Kosmokraten, die am Forum teilnehmen, haben einen schlechten Ruf und leiden darunter." WEF-Impresario Klaus Schwab richte sie wieder auf, sagte Ziegler. Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des Forums sei ein kluger und brillanter Mann. "Ihm gelingt es, mit seinem WEF-Zirkus, der nichts anderes ist als heiße Luft, ein Millionenvermögen zu machen."

Ziegler warf dem WEF vor, als "Ideologiefabrik der Kosmokraten" immer wieder Ziele zu setzen, auf die man dann nicht mehr zurückkomme. So sei 2011 als ein Ziel die Kontrolle der weltweiten Nahrungsmittelspekulation genannt worden, die einer der Hauptgründe für den Hunger sei. Doch es sei nichts getan worden. Stattdessen sei die Nahrungsmittelspekulation 2011 explodiert und die Preise für Reis und Weizen seien dramatisch gestiegen.

"Das WEF fabriziert die Legitimationstheorie für die kannibalische Weltordnung", erklärte Ziegler. Der Genfer Professor war von 2000 bis 2008 UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Er engagiert sich im Organisationskomitee des Weltsozialforums, das 2001 als Gegenbewegung zum WEF geschaffen wurde. (APA)

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20 Postings
romantschi
29.01.2012 17:20

Die Welt braucht viel mehr Zieglers und weniger Geithners...

Anaxagoras
27.01.2012 16:46
Mr. Geithner reden Sie doch über das übehaupt nicht ....

....existierende US-Krisenmanagment.

Macbook2010
27.01.2012 16:38

Timothy Geithner tut ja so als hätten nur wir in Europa schulden. Dabei sollte man ihn mal erinnern das die USA bei weitem mehr Schulden hat!! Außerdem macht sich Herr Geithner nicht um die Weltwirtschaft sorgen sondern um die Amerikanische. Bin mal gespannt wie lange es noch dauert bis die Politiker drauf kommen das dieses Märchen vom Wachstum zu Ende ist.... Denn wohin sollen wir denn noch wachsen?? Wollen wir nochmehr sinnlose Produkte produzieren als wir jetzt schon haben?? Sorry Leute: Auch wenn es viele nicht hören wollen und noch immer viele verdrängen möchten......Unser Globales Wirtschaftssystem ist am Ende angelangt. Nur der genaue Termin des Zusammenbruchs steht noch nicht fest.

tho_mi
27.01.2012 17:03

Fragen Sie mal die Menschen in Afrika was die vom angeblichen Ende des Wachstums halten...

Macbook2010
27.01.2012 20:33

ja sie haben recht......hören sie mal zu wenn die in Afrika reden!!! Denn die meisten sind angefressen weil wir europäer insbesondere die Franzosen Ihre Überproduktion von z.b Milchpulver die bei uns kein Mensch mampfen würde nach Afrika exportieren. Und dadurch machen viele Afrikaner die etwas anbauen kein Geschäft weil wir ihnen mit dem ganzen Billigdreck ihren Markt zerstören.

tho_mi
27.01.2012 15:42

Man darf gern über Geithner meckern, aber er hat Recht, sparen alleine wird uns nicht aus der Krise bringen.

Voll in die Kaldaunen!
27.01.2012 15:12
Jean Ziegler

ein Bravo!

Rumo von Zamonien
27.01.2012 14:56

Tuts schön weiter Geld drucken, dann wird alles gut.

ARO5
27.01.2012 14:44

Irgendwie schaut er aus wie Al Bundy.

Verzweifelnd
27.01.2012 14:42

Es gibt einen US-Finanzminister??

Wusste ich bis dato gar nicht, ich dachte die hätten einfach eine grosse Notenpresse

Mac McMack
27.01.2012 14:29
der troll

soll bitte seinen mund halten. das ist ja gerade so als ob ein alkoholiker dem anderen erklärt wie man trocken wird.

vollkorn20
 
27.01.2012 14:23

aber die Schuldengrenze alle paar wochen/monate nach oben verschieben ist krisenmanagement ;-)))))

Allmächtiger Satan
27.01.2012 13:50

Aus seiner Perspektive des freien Falls erklären sich Geithners wirre Worte. Die USA, eine Nation jenseits der Klippe. Ein Fall für die Historiker.

Reiner D
27.01.2012 13:47
Geithner? - Zum Lachen!

Timothy Geithner, alle Jahre wieder, jeden Monat neu.

Man kann den Menschen genausowenig ernst nehmen, wie Barrack Obama oder Ben Bernanke.

Die Herrschaften sitzen selbst im Glashaus und werfen mit Steinen. Sie tun genau nichts gegen die Schulden in den USA, außer...mehr Geld zu drucken.

Europa sollte mit seinem Euro mehr Selbstbewußtsein zeigen und diese "Schwachköpfe" (Verzeihung) nicht ernster nehmen als einen Comic von Walt Disney.

Dagmar Rehak Wien
 
27.01.2012 18:35

Falsch.
Geithner ist unser Oberfinanzminister, und die EU gehört den USA.

higgs - wozu?
27.01.2012 15:28

das blöde daran: der euro besteht zum großteil aus us-dollar - ist also auch eine dollarwährung - daher ist der medial aufgezogene konflikte der beiden ein künstlicher, und kein realer.
die meisten länder dieser erde haben ihre reserven in usdollar, der heißt das ding auch welt(leit)währung.

HansPeter10
27.01.2012 13:44

Ist er schon wieder in Europa und goschert. Wir werden ihm die Mitzi schicken.

Dagmar Rehak Wien
 
27.01.2012 18:32

Er ist der Chef von der Mitzi. Er ist von allen Finanzministern der EU der Chef, und wenn er kommt und was sagt, wird das gemacht. Manchmal schickt er auch Berater, die natürlich ein Honorar bekommen. In besonders kritischen Phasen kaut er den Unterabteilungen Sprücherl für die Öffentlichkeit vor, unserer Mitzi zuletzt im September:
http://derstandard.at/131500662... verfolgung
Das ist nicht auf ihrem Mist gewachsen, das hat ihr der Geithner gesagt, damals in Polen. Die Reaktionen sind aber nicht so ausgefallen, wie er sich das vorgestellt hat. In Ö hat sich der Schuldkomplex nämlich irgendwie verselbständigt.

Arthur Vandelay
27.01.2012 14:59

und zwar immediately, without von delay.

Der Artikel gefällt mir
27.01.2012 17:45
Nestroy schau oba!

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