Weltweites Gedenken an den Holocaust

27. Jänner 2012, 13:08
  • Kranzniederlegung von Holocaust-Überlebenden vor dem Konzentrationslager in Auschwitz.
    foto: dapd/guratowska

    Kranzniederlegung von Holocaust-Überlebenden vor dem Konzentrationslager in Auschwitz.

  • Gedenken am Heldenplatz in Wien.
    foto: dapd/punz

    Gedenken am Heldenplatz in Wien.

  • Protest gegen den WKR-Ball-
    foto: dapd/punz

    Protest gegen den WKR-Ball-

  • Gedenken in Moskau.
    foto: dapd/punz

    Gedenken in Moskau.

Warnung vor Aufflammen von Rassismus und Antisemitismus und undemokratischen Tendenzen bei Veranstaltung am Heldenplatz in Wien

Wien - Einige Hundert Menschen, darunter Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Kirchenrepräsentanten und Parteiprominenz von SPÖ und Grünen, haben am Freitag am Wiener Heldenplatz den internationalen Holocaust-Gedenktag begangen. Nur wenige Meter von der Hofburg entfernt, wo sich am Abend schlagende Burschenschafter zum umstrittenen Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) treffen wollten, legten sie einen Kranz nieder und formten aus Blumen den Schriftzug "Erinnern und Zeichen setzen!".

"Ihr, die ihr heute tanzen und feiern werdet"

Gedacht wurde der sechs Millionen ermordeten Juden sowie der Sinti und Roma, Homosexuellen, politisch Verfolgten und Behinderten, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer gefallen sind. "Ihr, die ihr heute hier tanzen und feiern werdet, wir erinnern euch an die Ermordung von zwei Dritteln des europäischen Judentums", sagte der Holocaust-Überlebende Rudolf Gelbard in seiner Rede.

"Wurschtigkeit der Bevölkerung"

Ariel Muzicant, Präsident der Wiener IKG, warnte vor der Gefahr der "Wurschtigkeit" in der Bevölkerung. Die Menschen seien bereit, eine Partei zu wählen, in der all das verherrlicht werde, was die schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus ausgelöst habe, sagte er, ohne die FPÖ direkt zu nennen. "Es sind nicht die blöden Buben, die irgendwelche Hakenkreuze schmieren, die mich ängstigen, es sind diese Schreibtischtäter."

Regierung warnt vor undemokratischen Tendenzen

Die österreichische Regierungsspitze nahm den Internationalen Holocaust-Gedenktag zum Anlass, um vor der Gefahr rassistischer und undemokratischer Tendenzen in Zeiten der Wirtschaftskrise zu warnen. In Aussendungen gedachten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Bundespräsident Heinz Fischer hatte am Donnerstag den Holocaust als ein "unfassbares, systematisch geplantes und organisiertes Verbrechen gegen die Menschheit, das unvergesslich bleiben wird" bezeichnet. Wer Auschwitz leugne, verharmlose oder relativiere, schließe sich aus dem Kreis jener aus, "denen die historische Wahrheit, das menschliche Leben und die Menschenrechte wertvoll sind". Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament, Hannes Swoboda warnte, dass angesichts des wachsenden Rechtsextremismus in Europa besondere Wachsamkeit gefordert sei.

Rücktrittsforderung an Graf

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erinnerte an die Symbolik des Gedenkens an jenem Ort, an dem die Menschen 1938 Adolf Hitler zugejubelt hatten. "Wir sind nicht das andere Österreich, wir sind Österreich", rief sie den Teilnehmern der Veranstaltung zu. Grünen-Chefin Eva Glawischnig sprach von abgrundtiefen Bösartigkeit der NS-Verbrechen und der Verpflichtung, diese niemals zu vergessen. "Umso perfider ist es, dass auf diesen Gräbern von Auschwitz heute getanzt wird." Einmal mehr verlangte sie den Rücktritt des dritten Nationalratspräsidenten und Burschenschafters Martin Graf (FPÖ).

Evanglischer Bischof ruft zur Wachsamkeit auf

Für die Kirchen gebe es "keine Schlussstrichmentalität", sagte der evangelische Bischof Michael Bünker. Er rief zur Wachsamkeit gegenüber Rassismus, Antisemitismus und rechtsextremem Gedankengut auf und bezeichnete es als ungeheuerliche Geschmacklosigkeit und Verhöhnung der Opfer, dass der WKR-Ball am heutigen Tag stattfinden könne. Dass auch die Kirche und viele Katholiken "in den bitteren Entscheidungsjahren des 20. Jahrhunderts" teilweise versagt und Schuld auf sich geladen hätten, erklärte die Präsidentin der Katholischen Aktion (KA), Luitgard Derschmidt.

Gedenken auch in Deutschland

Der 91-jährige Holocaust Überlebende Reich-Ranicki schilderte im deutschen Parlament, wie die SS im Juli 1942 die "Umsiedlung" anordnete. "Die in den Mitvormittagsstunden des 22. Juli 1942 begonnene Deportation der Juden aus Warschau nach Treblinka dauerte bis Mitte September. Zur Eröffnung der Bundestagssitzung hatte deutsche Parlamentspräsident Norbert Lammert an die im vergangenen Herbst aufgedeckte Neonazi-Mordserie erinnert. Diese Gewalt und dieser Hass seien nicht zu akzeptieren, sagte er und warnte vor Antisemitismus in Deutschland.

Gegen Relativierung historischer Fakten

Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau fand am Freitag Polens zentrale Gedenkveranstaltung statt. Staatspräsident Bronislaw Komorowski übernahm das Patronat, war aber selbst nicht anwesend. In seiner Grußbotschaft hieß es, Polen werde sich "allen Versuchen, die historischen Fakten zu relativieren, entgegenstellen". Dies gelte auch für unzulässige Wortverbindungen wie "polnische Konzentrationslager", so der Präsident. Außerdem gab es überall in Polen lokale Veranstaltungen, darunter eine Aufführung von Mozarts Requiem in d-Moll, dirigiert von Jerzy Maksymiuk, im ostpolnischen Bialystok, wo bis zum zweiten Weltkrieg 50.000 Juden wohnten.

In Serbien legte Präsident Boris Tadic einen Kranz bei einem Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs in dem früheren Konzentrationslager Staro Sajmiste in Belgrad nieder.  Gedenkveranstaltungen waren auch in Slowenien und Ungarn geplant. In New York sollte am späten Nachmittag (17.00 Uhr) eine Gedenkstunde der UNO-Vollversammlung zum Holocaust-Gedenktag stattfinden. Das türkische Außenministerium bekannte sich anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages am Freitag zum kompromisslosen Kampf gegen Rassismus, Xenophobie und Antisemitismus. (APA)

Wissen:

Die Vereinten Nationen hatten im Jahr 2005 den 27. Jänner offiziell zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt. Weltweit wird dabei der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am Holocaust-Gedenktag wird an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau 1945 durch die Rote Armee erinnert. Auschwitz-Birkenau steht als das größte NS-Vernichtungslager symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden.

In Israel wird der Holocaust-Gedenktag (Yom haShoa) als Nationalfeiertag nach dem jüdischen Kalender begangen. Er fällt in diesem Jahr auf den 19. April. Dabei wird des Austandes im Warschauer Ghetto 1943 gedacht.

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weltweites ablenken von den wahren schuldigen

weltweites ablenken von den verbrechen der eliten und der zinsknechtschaft durch die internationalen banken.

hui "zinsknechtschaft" .. übrigens ein NSDAP Propagandabegriff.

Sicherlich ein Zufall .. gell?

Mir tun alle Ermordeten gleichermaßen leid, nicht nur die ermordeten Juden, Roma, Sinti, Homosexuellen usw. sondern auch die 100 Mio.fach ermordeten Indianer in N+S-Amerika, Afrikaner, Kambodschaner, Chinesen, Russen, Aborigines, Kelten, Karthager, Kanaaniter usw. usw. usw.

Ein entfernter Onkel wurde als geistig Behinderter umgebracht und einer fiel im Krieg. Beide habe ich nicht gekannt, war lange vor meiner Geburt und betrifft mich daher so gut wie nicht. Das ganze ist über 70 Jahre her! So gut wie kein heute Lebender war direkt betroffen, und schuldig daran schon gar nicht. Diese Zeit ist uns so fern wie Caesars Gallienkriege.

Es tut mir leid, dass viele Juden heute noch an ermordete Verwandte denken müssen - aber die Welt geht weiter.

Naja, Sternchen,

natürlich geht das Leben weiter und ich überließe es Ihnen, selbst wenn Sie eben wie gehabt weiterleben würden, nachdem Ihre Kinder einem Verkehrsunfall oder Raubmord zum Opfer fielen. Ich würde Sie nicht zwingen, deswegen zu trauern, aber Sie müssen akzeptieren, daß es auch weniger gefühlslose Menschen gibt, die eben ob ihrer Verluste trauern.

Ich habe meine Großeltern väterlicherseits nicht gekannt, da ich erst nach ihrer Ermordung geboren bin. Darf mich das nicht betreffen?
Mein Vater wurde im KZ gequält, betrifft mich dies wirklich nicht? Welches Verhältnis haben denn Sie zu Ihren Eltern!?

Sollen wir Ostern abschaffen, nur weil "kein Lebender direkt davon betroffen..."?

Mir kommt vor es geht gar nicht um das Thema, sondern man will nur die Steuer-Erhoehungs-Diskussion aus den Medien haben.

Die Warnungen vor undemokratischen Verhalten sind berechtigt

Wie die Gegendemo gegen einen Ball zeigt, sind die Warnungen vor undemokratischen Verhalten, Faschismus und Ausgrenzung durchaus berechtigt.

Die Demo hat dies eindrucksvoll bewiesen.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundesobmann der
Freiheitlichen Christen Österreichs (FCÖ)
http://www.bedenklich.at

Wenn Sie, Peitl,

Angst vor undemokratischen Bewegungen haben, müßten Sie vor FCÖ warnen.

heul doch ...

"Freiheitlich" im Sinne der FPÖ und "christlich" sind aber ein krasser Gegensatz.

Sie müssen sich schon entscheiden, ob sie für rassistische Ausgrenzung und Faschismus (FPÖ-Parteiprogramm) sind oder für Nächstenliebe und Toleranz (Bibel).

Aber es ist ja Fasching und genau so deute ich Ihren Beitrag auch.

Die Bibel: Tolerant??? Schenkelklopf.....

Rührend wie Nazi Peitl einen auf dicke Träne macht. Ganz wie dein "demokratischer" Führer, nicht? Eh schon wissen, die Braunen als "neue Juden" usw.

Die Nziverharmloser und die "langsam muss mal gut sein"-Prediger .. überbieten sich hier wieder gegenseitig an Geschmacklosigkeiten.

traurig

aber wahr :o(

Auch die Türkei

gedenkt des Völkermords, sofern ein anderes Volk den Mord begangen hat.

.

heute wird eine vielzahl von verhaltensweisen, einstellungen, politischen programmen vom herrschenden diskurs als rassistisch bezeichnet. all das wird durch die bezeichnung rassismus in die gleiche kategorie eingeordnet wie der holocaust, und somit als indiskutabel gebrandmarkt.
dabei hat etwas das suedafrikanische apartheids system nicht mit dem holocaust zu tun.

Sie haben sich mit Ihrem Posting wohl im Artikel geirrt?

HIER geht es um den Holocaust!!?

... ist südafrika ihre ehemalige heimat oder deutsch südwest?

"Wurschtigkeit" in der Bevölkerung

Das ist auch nachvollziehbar weil sich heute die Feindbilder geändert haben.
Früher (und auch viel früher) waren die Juden in allen Möglichen Ländern das Feindbild #1 und wurden auch regelmäßig verfolgt und enteignet.

Heute sind die Feindbilder korrupte Politiker, Lobbyisten und Banker. Blöd ist nur, dass genau diese Personen an der Macht sind...

gar nichts hat sich geaendert, die verbrecher sind noch immer die selben

Ich bin in den 60er geboren, und ich muß sagen dass mich dieses tägliche erinnern und einem ein schlechtes Gewissen einreden langsam tierisch irgendwo hingeht. Nächstes Jahr gedenkt man dem 68 Jahrestag usw. usw. Es vergeht kein Tag, wo nicht auf einem Sender ein Film oder Doku über dieses Thema läuft. Ich verabscheue zutiefst was diesen Menschen angetan wurde. Das darf sich auch niemals wiederholen. Aber ich mache wenn es um Greueltaten geht keinen Unterschied wem was angetan wird. Es ist jeder Mensch gleich viel Wert und hat denselben Respekt verdient! Ich mag es aber nicht, das man schon darauf achten muß, das man nicht zufällig ein Wort aus der damaligen Zeit verwendet (nicht alle bekannt 60 Jahrgang) um als NAZI beschimpft zu werden.

Geht mir auch wohin...

aber Österreich glaubt immer noch Opfer gewesen zu sein ...den wirtschaftlichen Aufbau habe die Ösis ja geschafft.. aber moralisch verkommen wie in den 30ern...

das ewige opfer

sind schon diejenigen die damals verfolgt wurden, die glauben noch in hundert jahren davon profitieren zu koennen.

Genau das, die heutigen Menschen haben keinerlei Bezug mehr zur Judenverfolgung und dem 2. WK, das ist etwas was man gehört hat, weder ist man selbst betroffen noch ist man selbst schuldig. Man kann entsetzt sein, dass sowas vorgekommen ist, aber die Menschen haben in der Geschichte damals wie heute Gräuel begangen, wo man sich denkt, wie tief kann mensch eigentlich noch sinken... Aber es ist nun mal für uns abstrakte vergangene Geschichte, Historie, wie der 30-jährige Krieg.

Ich war damals noch nicht auf der Welt, ich bin sicher daran nicht schuldig und lasse mir auch keine Schuldgefühle einreden, was aber permanent versucht wird! Im Grunde gehört das noch immer traumatisierte jüdische Volk kollektiv auf die Psychotherapie-Couch.

Ob sich Aehnliches wiederholt interessiert die Berufsaufgeregten aber wenig.
Sich bei dem Nazi Thema wichtig machen ist einfach und ungefaehrlich.
Sich gegen Genozid, Geheim/Foltergefaengnisse etc etc zu engagieren ist viel schwieriger.
Die USA hat Pol Pot unterstuetzt.
In Falluja wurde fast jeder Mann in der Stadt ermordet. Aufregung?
Israel hat die Palaestinenser von ihrem Land vertrieben und versucht sie auszuhungern.
Weder regt das auf noch will sie ein anderer Staat aufnehmen....

Sie haben ein Beispiel vergessen:

In Österreich werden die Rechtsextremen immer dreister und schicken sich unter Wegschauen des Staates an, den Kanzler zu stellen.

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