Männliche Promiskuität

Krieg der Spermien

Gastkommentar | 6. Februar 2012, 12:16

Wissenschaftliche und Populär-Evolutionspsychologie stehen in Konflikt: Letztere soll männliches Verhalten legitimieren - Von Jakob Pastötter

Was der Kaiser nicht geschafft hat, das hat die Naturwissenschaft für die Gesellschaft mit links erreicht: Sie hat uns "herrlichen Zeiten" entgegengeführt. Frei von lästiger Moral, altväterlicher Religion und gesellschaftlichen Regeln des Anstands und der Sitte, die alle längst von ihr als bloßes Menschenwerk, geschaffen von selbst ernannten Autoritäten zur Durchsetzung ihrer eigenen Allmächtigkeit, entlarvt wurden. Sexualität ist da nur ein Aspekt, aber durchaus nicht der geringste.

Längst ausselektiert

Zum Glück ist aber die wissenschaftliche Welt nicht nur einfältiges Weiß und Schwarz ("so wenig wie der Feminismus"), sie ist vielmehr überraschend bunt und vielfältig und deshalb auch interessant und sogar spannend, wenn man sich vor Augen führt, dass es keine fixen Gesetzmäßigkeiten in ihr gibt, sondern immer nur ein Wechselspiel aus Theorien und Experimenten, die zudem "reproduzierbar" sein, d. h. in der Wiederholung dasselbe Ergebnis erbringen müssen. Dies ist im Fall der Evolutionspsychologie naturgemäß etwas schwierig zu realisieren, will sie doch erklären, welche evolutionär Sinn habenden Wurzeln heutige Verhaltensweisen besitzen.

Wir haben es hier gleich mit zwei Bereichen zu tun, die von enormer Unschärfe geprägt sind: Weder wissen wir sonderlich viel über die heutigen sexuellen Verhaltensweisen, noch waren wir dabei, als sich in den Jahrmillionen der Entwicklung der menschlichen Spezies von Kopulation zu Geburt und schließlich nach einem guten Jahrzehnt in der "sozialen Gebärmutter" Generation auf Generation folgend ein immer funktionstüchtigeres sexuelles Verhalten herauskristallisierte.

Hier lässt sich einer der wesentlichen Unterschiede zwischen wissenschaftlicher und Populär-Evolutionspsychologie erkennen: Ersterer geht es immer um die Spezies, um die Gattung als Ganzes in ihrer zeitlichen Entwicklung und Überlebensfähigkeit, Letzterer bloß um die Legitimation der individuellen (bemerkenswerterweise meist männlichen) Promiskuität. Ein besonders markantes Beispiel für die etwas unterentwickelte Tragfähigkeit von individuellen Erklärungsmodellen der Sexualität ist Homosexualität, denn sie dürfte es aus Sicht der Populär-Evolutionspsychologie überhaupt nicht geben bzw. hätte schon längst "ausselektiert" werden müssen.

Aber auch das beliebteste Beispiel der Party-Evolutionspsychologen, die männliche Promiskuität, erscheint in einem komplexeren Licht, wenn sie gegen das fast ausschließlich männliche Phänomen der Paraphilien kontrastiert wird. Plötzlich wird männliche Sexualität als "überreguliertes System" erkennbar, das wie der zu fest zugedrehte Wasserhahn in einen unerwünschten Aggregatzustand überspringt. Tatsächlich lässt sich ein ähnlicher Zusammenhang bei heterosexuellen Männern feststellen: Mitnichten sind sie immer auf dem Sprung auf "everything that moves", sondern haben ein sehr spezielles Bild vor Augen, das mit großer Ausschließlichkeit die sexuelle Erregungsspirale in Bewegung setzt. Ein Beweis dafür sind die wie gestanzt wirkenden "Bunnies" des "Playboy"-Gründers Hugh Hefner. Für einen bekennenden Promisken, der sich doch "jede Frau leisten kann", ist es auffallend häufig immer derselbe Typ Frau.

Plastische Sexualität

Für das menschliche Männchen hat es eben keinen Sinn, mit wirklich jeder schlafen zu können, denn dann käme man(n) möglicherweise ausgerechnet bei der einen, genetisch perfekt zu einem passenden Frau (die sich durch ihr Aussehen, ihre Stimme, ihre Gesten, ihren Geruch enttarnt) zu keinem Ergebnis. Und deshalb hat es perfekten Sinn, dass die Sexualität des menschlichen Weibchens ungeheuer plastisch (sprich: auf viele Reize reagierend) ist - mit Ausnahme der genetisch kritischen Tage rund um den Eisprung. (Jakob Pastötter, derStandard.at, 6.2.2012)

Autor

Jakob Pastötter, The European, ist Visiting Scholar am Kinsey Institute for Research in Sex, Gender, and Reproduction. Er ist zurzeit Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung und Professor an der American Academy of Clinical Sexologists.

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Posting 1 bis 25 von 82
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Bodo Steinbrech
02
nochmal zum mitschreiben

Evolution hat kein Ziel !!!
Evolution ist ein Zusammenspiel natürlicher Faktoren und des Zufalls.

Wir betrachten ein Stück Treibholz im Ozean und erforschen, warum es gerade hier treibt und nicht "dort drüben". Wir erforschen Wind, Wetter, Wellen, Strömung, Ebbe und Flut und alles hat irgendwie einen Einfluß. Auch Tsunamis, Vulkanausbrüche, ... haben einn Einfluß.
Wir verstehen mittlerweile wie das Stück Holz hierher gekommen ist - aber weder Wind noch Wellen WOLLTEN es hierher treiben!
Wenn die Strömung von links kommt, dann muss man daraus schließen, dass der Wind von rechts diese Strömung weit genug ausgeglichen hat, dass das Stück Holz jetzt hier in der Mitte langschwimmt.
Einfluß und Gegeneinfluß erzeugen das Endergebnis.

pick up artist - experte für genderfragen
00
Hallo Zensur

ich habe mir die Arbeit angetan einen Post zum Thema zu schreiben der die maximale Anzahl an Buchstaben zulässt. Dass dieser jetzt nicht freigeschaltet wird ist für mich höchst empörend, da ich viel Herzblut reingesteckt habe!

1116er
00
was die evolution nicht bringt, das besorgt die werbung!

auch das menschliche weibchen ist allzeit bereit, geil auf jedes noch so grausliche männchen. mit allen mitteln soll es diesem einen dauersteifen bereiten. (naja, nicht mit allen mitteln, sondern nur mit solchen, die sich kaufen lassen!)

Raul First
00

wie praktisch : ) dann brauch ich mich ja nicht mehr nach musikgeschmack, toleranz, humor, kochkünsten, charme oder erfahrungshorizont erkundigen, wenn aussehen, stimme, gesten und geruch ausschlaggebend sind. es lebe die ®evolution.

zweyenstein
 
00
pasttötterchen, was wollen sie uns genau sagen?

Vlatilatiah Kongrazia
02
Diese Andauernde Unterscheidung zwischen Natur und Kultur

Es ist ja schon längst erwiesen das auch körperliche Praktiken kulturell erlernt sind und nicht nach einem instinktiven Modell abläuft wie sich diese Evolutionsfuzzis das so vorstellen. Selbst zum Sex brauchen wir eine imaginäre Vorstellung, damit wir erregt werden. Wenn wir über unserem Körper als etwas komplett natürliches sprechen, dann geht es primär um kulturelle Überlegenheitsphantasien. Frauen sind So, Männer sind so, usw weil da so ein unsichtbares Programm abläuft. Diese schwachsinnigen Dualismus sind wirklich schon uralt (Natur /Kultur, Mann/ Frau) Wenn wir wirklich so Triebgesteuert wären, könnten wir das nicht einer so grundlegenden Selbstreflexion unterziehen. Aber dafür haben wir ja auch einen großen Frontallappen.

Gernot Schandl
01
Schwach.

Erklärungen der Makroebene und der Mikroebene werden zusammengewürfelt, längst überkommene monokausale Erklärungsmuster zu unzulässigen Umkehrschlüssen herangezogen. Der Artikel ist einfach nur schwach.

Lilith Boessse
 
00
krieg der spermien von robin baker

ist ein ganz schöner schinken - trotzdem spannend, kurzweilig und mitunter erheiternd.

Threonin
121

Jegliches Verhalten ist evolutionär legitimiert, auch Moral, Anstand und Religiosität sind evolutionär legitimiert.

Andererseits kennt die Evolution selber keine Moral, keinen Anstand und auch keine gleichberechtigung.

Evolution ist nicht sozial, soziales Verhalten kann aber einen Vorteil bringen und sich daher entwickeln.

Offenbar gefällt die Evolution nicht nur fanatischen Christen nicht, sondern auch FeministInnen, PsychologInnen und vielen Anderen.

Was einen Vorteil bringt setzt sich durch. Was keine Vorteile bringt kann aber auch überleben. Viele Entwicklungen sind aber ambivalent, bringen also nur in bestimmten Bereichen Vorteile. Daher auch die Vielfalt bei >6Mrd Menschen.

momodeluxe
03

einleitung und schluß sind ja gut gelungen, aber was ist mit dem hauptteil und der aussage?

Silvio Lackner
112
Dass Homosexualität nicht "längst ausselektiert" wurde,

weist doch nach Adam Riese darauf hin, dass sie eben nicht genetisch verankert ist. Sondern vielleicht durch den Schwangerschaftsverlauf, soziale Einflüsse, Erst- oder Späteres- Kind usw. beeinflusst wird.

Bodo Steinbrech
00
verabschieden sie sich von dem Gedanken, dass er Evolution ein Individuelles Schicksal am Herzen liegt

Ja verabschieden sie sich von dem Gedanken, dass der Evolution überhaupt irgendwas am Herzen liegt!

Wir Menschen hatten BISHER Glück und sind nicht in einer Sackgasse gestrandet (und ausgestoreben).
Evolution würede es aber auch geben, wenn wir - wie viele andere - ausgestorben wären.

Die Evolution bewirkt Veränderungen in der Population. "Schädliche" Eigenschaften werden in der Population minnimiert, gute maximiert - nach Möglichkeit.
Neutrale hingegen bleiben unberücksichtigt.

Vom Standpunkt der Species Mensch aus gesehen, sind Schwule neutral. Bringen keinen rechten Vorteil in der Vermehrung/Verbreitung (der Species wohlgemerkt!), aber auch keinen echten Nachteil = wird weder minnimiert noch maximiert.

Silvio Lackner
00
Was soll denn bitte der Evolution am Herzen liegen?

Dass die Menschheit irgendwann ausstirbt, ist mir ohnehin klar. Ich verstehe nicht, worüber Sie sich echauffieren. Mein Posting impliziert keinerlei Wertung sexueller Ausrichtungen, es geht um wertfreie Logik.

Ich habe die im obigen Artikel angesprochene Unlogik aufgegriffen. Das einzige mir einleuchtende Gegenargument auf mein Posting hat noirc80 gebracht:

Wenn Homosexualität tatsächlich erblich ist, dann ist sie deswegen nicht ausselektiert, weil sie (vermutlich häufiger von Frauen, denn die dürften sich dabei leichter tun) sozusagen "versteckt" vererbt wird.

chg4711
00
Im Gegenteil, von Ausselektion kann keine Rede sein.

weite Verbreitung von Homosexualität führt zu einer Verflachung der Kurve des Bevölkerungswachstums. Sie rettet uns letztlich vor dem Ende der Menschheit durch Überbevölkerung ;)
Bald werden Menschen die in einer Mischehe (Mann/Frau) leben, geächtet werden.
- ich komme mir selbst schon ganz schäbig und asozial, - eben hetero vor.

strangerinastrangeland
 
04

Nur weil einer lieber mit anderen Männern pudert, muss er deswegen noch lange nicht auf Frau und Kinder verzichten.

Silvio Lackner
00
die arme Frau,

muss als Zuchtmensch herhalten

strangerinastrangeland
 
00
10.2.2012, 21:02
der arme Mann,

muss als Zahlmensch herhalten

strangerinastrangeland
 
00
10.2.2012, 21:01
der arme Mann,

noirc80
13
nein.

denn homosexuelle pflanzen sich ja fort. thomas mann z.b. hat seine sexualität in seinen romanen verarbeitet aber nach allem, was wir wissen, nicht real gelebt, statt dessen war er verheiratet und hat nachkommen gezeugt. nach allem, was wir wissen, können wir leider keine sichere aussage darüber treffen, warum jemand homosexuell ist und jemand anderes heterosexuell.

p.s. der schwangerschaftsverlauf ist übrigens auch teilweise genetisch bedingt.
neuere forschung legt den schluß nahe, dass das genetische ausgangsmaterial übrigens auch stark durch umwelteinflüsse (z.b ernährung) beeinflusst werden und nicht etwa statisch sind. das denken gene vs. sozialisation scheint immer weniger geeignet, die realität zu beschreiben.

Threonin
23

Schwangerschaftsverlauf ist einer der Einflüsse, der auch im tierversuch nachgestellt werden konnte.

Pierre d´Aubusson
20
ausselektiert

Ich erinnere mich noch sehr gut an die beiden Pudel, die es da - einmal dieser, dann der andre hinten drauf - miteinander trieben und weiße Flecken am Teppichboden hinterließen. Die haben mit dem angeblichen Dominazverhalten ganz ordentlich danebengelegen, die Verhaltensforscher...
:-)

Wär was Weibliches dagewesen, die beiden hätten sich wahrscheinlich im Kampf um deren Gunst gebissen...

AlBundyFan
 
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kann da wer anders auch dran erinnern?

oder warst du der einzige der da intressiert zugeschaut hat wie sich die pudel gegenseitig bespringen?

Pierre d´Aubusson
00

Aber ja, da waren genug Personen da. Es war grad Weihnachten und die haben eben auf ihre Art gefeiert...

samba cat
010
wenn's rein ums fortpflanzen ginge

wuerden frauen nach der menopause sofort tot umfallen, da es sich sicher evolutionaer bewaehrt haette, unnuetze esser auszuselektieren.
aber irgendeine funktion duerften die grossmuetter wohl gehabt haben. warum also nicht die schwulen onkel auch?

kopfsalat
00
bienen und ameisen

arbeiterinnen pflanzen sich nicht fort, sind aber fuer die arterhaltung unerlaesslich.

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