Offizielle Zahlen

Budgetdefizit 2011 etwas geringer als erwartet

27. Jänner 2012, 11:14

Gesamtstaatliches Minus bei 3,3 statt 3,9 Prozent - Niedrige Zinsen und gute Konjunktur verbessern Budgetbilanz

Wien - Das Budgetdefizit ist im Vorjahr etwas geringer ausgefallen als ursprünglich angenommen. Gemäß den am Freitag vom Finanzministerium vorgelegten Zahlen lag das gesamtstaatliche Defizit bei 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Budgetiert hatte die Regierung 3,9 Prozent. Auch der Schuldenstand der Republik ist mit 72,2 Prozent etwas niedriger zum Liegen gekommen als erwartet (73,6 Prozent). Verantwortlich dafür: Die Regierung hat in Summe um 2,3 Mrd. Euro weniger ausgegeben und um 910 Mio. Euro mehr eingenommen als geplant.

Gute Konjunktur

Hauptverantwortlich für die etwas günstigere Entwicklung sind offenbar zwei Faktoren: Trotz des mittlerweile erfolgten "Downgrading" durch Standard & Poor's profitierte Österreich im Vorjahr von niedrigen Kreditzinsen (allein im Finanzkapitel gab es damit Minderausgaben von 930 Mio. Euro). Außerdem spülte die im Vorjahr noch gut laufende Konjunktur unerwartet hohe Steuereinnahmen ins Budget (von den 878 Mio. Euro an überplanmäßigen Steuereinnahmen ging etwa die Hälfte an die Länder).

Dabei handelt es sich allerdings um ein vorläufiges Ergebnis. Änderungen sind bis zum endgültigen Rechnungsabschluss noch möglich.

Im Finanzministerium zeigt man sich mit den Zahlen zufrieden, zumal das EU-Statistikamt Eurostat im Vorjahr beschlossen hat, ÖBB-Infrastrukturzuschüsse von 1,5 Mrd. Euro ab sofort in das Defizit einzuberechnet. Selbst unter diesen "ungünstigen Umständen" sei das Defizit 2011 deutlich unter dem Bundesvoranschlag gelegen, sagte Ministeriums-Sprecher Harald Waiglein gegenüber der APA: "Im Rahmen der vorsichtigen Budgetierung haben wir genau das Ziel erreicht, das wir erreichen wollten."

8,28 Milliarden Euro Maastricht-Defizit

Insgesamt hat die Bundesregierung im Vorjahr 67,82 Mrd. Euro ausgegeben und 63,45 Mrd. Euro eingenommen. Das nach EU-Kriterien berechnete Defizit des Bundes liegt allerdings deutlich höher als es diese Zahlen nahelegen würden. Dafür müssen nämlich u.a. auch die eingangs erwähnten Zuschüsse zur ÖBB-Infrastruktur (1,5 Mrd. Euro) und Abschreibungen im Zusammenhang mit der Hypo Alpe Adria (630 Mio. Euro) berücksichtigt werden. In Summe machte das Maastricht-Defizit des Bundes somit 8,28 Mrd. Euro (2,74 Prozent des BIP) aus.

Für die gesamtstaatliche Budgetbilanz werden zum Maastricht-Defizit des Bundes noch die Abgänge von Ländern und Gemeinden (0,7 statt 0,75 Prozent des BIP) sowie die etwas besser als geplant ausgefallene Bilanz der Sozialversicherungen, die im Vorjahr statt einem Nulldefizit einen Überschuss von 0,1 Prozent des BIP erreicht haben, dazugerechnet. In Summe ergibt das einen Abgang von 3,3 Prozent (statt der ursprünglich budgetierten 3,9 Prozent). Insbesondere bei den Länder-Defiziten handelt es sich jedoch noch um vorläufige Zahlen.

Risikofakter Kommunalkredit

Einen Risikofaktor beim mit 72,2 Prozent des BIP leicht unter Plan liegenden Schuldenstand gibt es allerdings noch: Eurostat prüft derzeit nämlich, ob der Schuldenstand der "Bad Bank" der verstaatlichten Kommunalkredit (KA Finanz) der Staatsschuld angerechnet werden muss. Das hätte einen deutlichen Anstieg des Schuldenstandes um etwa 15 Mrd. Euro bzw. 5 Prozent des BIP zur Folge. Im Finanzministerium heißt es dazu allerdings, dass Eurostat die bei der KA Finanz gewählte (nicht schuldenwirksame, Anm.) Konstruktion bisher akzeptiert habe und dass es derzeit keine Anzeichen für eine Änderung gebe.

Schieder sieht Regierung auf "gutem Kurs"

Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) sieht die Regierung angesichts der Budgetzahlen für 2011 "auf einem guten Kurs, der sich an sich ein Triple-A verdient". Einen Grund, die Sparanstrengungen zurückzunehmen, sieht Schieder darin aber nicht: "Wir müssen den Weg konsequent weiter gehen, 2017 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, so wie es die Schuldenbremse vorsieht", betonte Schieder. Grundsätzlich sieht er den vorläufigen Abschluss 2011 aber positiv: Es handle sich dabei um "die in Budgetzahlen realisierte Wachstumsdividende". Das bedeute freilich nicht, dass der Pfad einfacher werde. Mittelfristig müsse man aber natürlich auch Strukturen ändern.

Gezeigt hat das Jahr 2011 für Schieder aber auch, dass die damals beschlossenen neuen Steuern wirken, ohne die Konjunktur abzuwürgen. "Das zeigt, dass man an mehreren Schrauben drehen kann: Ausgaben, Einnahmen und Wachstum." Auch für das aktuelle Sparpaket wünscht sich Schieder daher entsprechend der Parteilinie "wachstumsschonende Einnahmen" - etwa durch eine Umwidmungsabgabe oder eine neue Erbschaftssteuer. Dass Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung neue Steuern generell als wachstumsschädlich ablehnen, geschehe wohl eher "aus Sicht der eigenen Brieftasche" als aus Sicht der Unternehmen, kritisiert der SP-Politiker.

Dass es 2012 höhere Zinsen und damit eine schwierigere Budgetlage geben könnte, glaubt Schieder nicht: Er verweist darauf, dass die Bundesfinanzierungsagentur bereits ein Drittel der heuer benötigten Kredite aufgenommen hat: "Es laufen Bemühungen, dieses relativ niedrige Zinsniveau zu halten." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 95
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Design Unit
11
28.1.2012, 19:42
also alles beim alten...

ein defizit. ich wäre auch dafür den begriff sparpaket nur dann einzusetzen wenn gespart wird und sonst einfach steuererhöhung dazu zu sagen.

cantanto
01
28.1.2012, 18:43
"etwas geringer"

Zur Erklärung wie die Bilderberger-Zeitung Standard Schlagzeilen verfasst:

Wenn die Wirtschaft um 0,1% schrumpft, dann heißt die Schlagzeile: Rezension, Drama, die Welt geht zu Grunde, etc.

Wenn die Vorhersage für das Budgetdefizit um über 15% (!) unterboten wird, dann ist es "etwas geringer".

der Xote
10
28.1.2012, 17:59
Was soll das heissen, Budgetdefizit geringer???

Die Österreicher zahlen soviele Steuern. Wieso ein Defizit?

plebs et principes
00
28.1.2012, 17:28

die kommunalkredit hat in ihrer bad bank noch cds-risiken von knapp über 9 mrd in ihren büchern. 15 mrd sind es zum glück nicht mehr.

good night austria
00
28.1.2012, 19:17
na das gibt doch mut für die zukunft!

... vielleicht kann diese zockerbude im tarnungs- mäntelchen eines "konservativen und grundsoliden kommunalfinanzierers" wieder zu diesen richtungsweisenden geschäftsmodellen zurückkehren.
auch personell wäre mit kompetenz vom feinsten vorgesorgt; die heutige unterrichtsministerin - die damals zeitweise im vorstand saß und angeblich von nix gewusst hat (!), eine tatsache die in einem strasser-grasser-telekom-faymann-land kein mensch kritisch hinterfragt und sie ganz im gegenteil für einen ministerposten qualifiziert...- stünde sicher wieder für höhere aufgaben bereit.

brrrrrr
00
28.1.2012, 17:20
schnarch

es wird doch immer so budgetiert, dass man am Ende ein besseres Ergebnis als den Voranschlag hat.

Cuchullain
12
28.1.2012, 16:18
"Budgetdefizit 2011 etwas geringer als erwartet ..."

Juhuuu!
Wir müssen gar nicht sparen!
Also weiterhin Förderungen für Großbauern und Schwarzgeld für die ÖVerbrecherPartei!!

natoll
03
28.1.2012, 14:23

das vertrauen in die politik in diesem land ist auf dem nullpunkt. ich kenne zumindest keinen der diesem pack noch irgendwas glaubt.
reihenweise rennen sie zum strache oder (die intelligenteren) ins nichtwähler-lager. wird noch witzig werden. oder auch nicht. hoffe die herrschaften von spö und övp können damit gut leben. zumindest die jungen der genannten parteien sollten langsam mal aufwachen. weil den älteren ist es ohnehin schon egal.

Allmächtiger Satan
00
28.1.2012, 13:31

Man sollte lieber erst die inoffiziellen Zahlen abwarten.

Kaufe Luchs in Luxenburg
00
28.1.2012, 12:59
Sparen...

...wie die Engländer ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=t... ideo_title

franzauer
00
28.1.2012, 10:29
Bravo

Gesamtstaatliches Minus bei 3,3 statt 3,9 Prozent. Das ist ein Rückgang von 15%. Basta

Glasperlenspieler
00
28.1.2012, 11:59
Im Jahr 2010 lag das Defizit bei 4,4%

also ein Rückgang um 1,1% oder 25%.

Trotzdem wird die EU wohl wieder ein Defizitverfahren gegen uns einleiten, da wir wieder über den 3% sind.

Die 0,63 Mrd. € für die HAAG wollte man eigentlich schon letztes Jahr budgetieren, daher wurde auch letztes Jahr das Defizit von 4,6 auf 4,4 runterkorrigiert.

Aber die EU hat beschlossen, dass diese Einmalabschreibung von 0,2% des BIP ins 2011er-Budget eingerechnet werden müssen.

Also fallen diese 0,2% nächstes Jahr schon mal weg.

Dafür wächst die Wirtschaft heuer nur mehr um 0,5-1%, die Steuereinnahmen brechen weg und schon sind wir wieder bei knapp 3-4% Defizit.

Ausser die Regierung konsolidiert heuer um insgesamt 3-4 Mrd. €

Andreas Sonnberger2
00
28.1.2012, 14:04

Es wurde auch fürs Jahr 2011 ein 2,8-Mrd.-Sparpaket geschnürt (Bankensteuer, Kürzung Familienbeihilfe, Erhöhung Mineralölsteuer etc...)

Childerich von Bartenbruch
00
28.1.2012, 15:02
eigentlich werden seit 20 jahren ...

... andauernd sparpakete geschnürt.

?und
00
28.1.2012, 11:25
und das weil die steuereinnahmen stiegen und die schuldenzinsen gefallen sind

super eingespart, unsere politiker sind halt schon ihr geld wert - weil sparen können sie.

neuraltradingfx
02
28.1.2012, 09:44

gehen sich wieder mehr dienstautos und schmiergelder aus.

sonne-licht
 
00
28.1.2012, 08:47
so was sollte sich der standard sparen

zu veröffentlichen - manipulation bzw. beeinflussung von meinungen ohne genau daten und fakten!

insbesondere bei den länder-defiziten handelt es sich jedoch noch um vorläufige zahlen.

was soll die veröffentlichung eines berichtes der nicht vollständig ist?

um die massen der bevölkerung in sicherheit zu wiegen, gehören ehrliche zahlen veröffentlicht, nicht nach griechenland-muster. es ist "so(ll), jedoch könnte es auch noch so zu "haben" sein.

so werden "vielleicht" positive meldungen schon am anfang ad absurdum geführt!

Paul Achatz
 
05
28.1.2012, 08:24
"910 Mio. Euro mehr eingenommen als geplant"

Die Erfahrung lehrt, dass es sich nur um Stunden handeln kann, bevor der erste Politiker mit einem Vorschlag aufwartet, wie man denn diese unerwartete Geldschwemme stimmenmaximierend ausgeben kann.

Volleystop
07
28.1.2012, 05:44
Kein Grund zum Jubeln!

Verantwortlich für die Verbesserung ist
1. die Konjunktur (höhere Steuereinnahmen)
2. das Zinsniveau (geringere Zinsbelastung)

Sparmaßnahmen der Regierung tragen genau 0 - in Worten: NULL - dazu bei.

An Herrn Schieder e. a.: Verwenden Sie bitte in Zukunft den Ausdruck "Einnahmen- oder Steuerpaket" statt "Sparpaket". Das wäre wenigstens ehrlich.

I pocks net
 
02
28.1.2012, 07:00

Trotzdem sieht man hier gewaltig die Auswirkung der Zinsen für unsere hohen Schulden - also Schulden abbauen, die geringeren Zinsen saniert das Budget damit automatisch.

Andreas Prucha
00
28.1.2012, 22:39

Klingt ja recht nett - nur wird man sich schwertun jemanden zu finden, der freiwillig Geld rausrückt um die Staatsschulden zu zahlen.

Ohne Gurt im Ionensturm
00
28.1.2012, 10:48

Hat je eine regierung schulden abgebaut? Die haben ja schon ein tamtam um ein virtuelles nulldefizit gemacht welches eh nur durch verschleudern von staatseigentum erreicht wurde. Wie um alles in der Welt will man Schulden abbauen?

I pocks net
 
00
28.1.2012, 18:24

Wie man das macht, weiss jeder. Nur will keiner die politische Verantwortung dafür übernehmen. Am einfachsten geht, den leuten das Geld mittels neuer Steuern aus der Tasche zu ziehen, als die Transfers zu verringern. Oder wo würden Sie mehr schreien: 25 % Mwst statt 20 % oder Streichung der Familienbeihilfe (vorausgesetzt Sie sind Student oder Elternteil)?

trampelpfad
02
28.1.2012, 05:37
... etwas geringer als erwartet?

Kein grund zum Jubeln; Defizit, welches "nur kleiner wird" ist noch immer ein Defizit!

miles a head
01
27.1.2012, 22:42
Österreich

Sofort runterstufen. Diese Provokation muss von den U.S. Ratingagenturen sofort geahndet werden. ;-)

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