Tiroler Grüner fordert Ablöse von Parteichefin Glawischnig

27. Jänner 2012, 10:49
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    foto: standard/cremer

    Gegenwind aus Tirol für Grünen-Chefin Eva Glawischnig.

Landtagsabgeordneter Gebi Mair: Bundessprecherin soll nach NR-Wahl den Posten räumen - Parteikollegen distanzieren sich

Innsbruck - Geht es nach einem Vertreter der Tiroler Grünen, soll Klub- und Parteichefin Eva Glawischnig nach der Nationalratswahl 2013 den Posten räumen und zurücktreten. Landtagsabgeordneter Gebi Mair bezeichnete den derzeitigen Zustand der Bundespartei als nicht erfreulich, er vermisse die "klaren Konturen" bei den Grünen. "Wo ist unsere inhaltliche Positionierung derzeit auf Bundesebene?", fragt er sich in der Freitagsausgabe der "Tiroler Tageszeitung". Die Grünen bräuchten frischen Wind an der Spitze, den Mairs Meinung nach der Tiroler Klubchef Georg Willi nach Wien bringen könnte.

Fehlendes Profil

"Nicht nur wir in Tirol hoffen auf Veränderungen, wir bekommen derzeit auch viel Unterstützung aus anderen Bundesländern", wurde Mair in dem Blatt zitiert. Der Wunsch nach frischem Wind an der Spitze sei spürbar. Ihm fehlten Konturen und inhaltliche Positionierungen der Grünen. Glawischnig sei nicht in der Lage, den Grünen ein klares Profil zu geben, meinte Mair. Seiner Ansicht nach sei es zuletzt nicht gelungen, "dass wir zu einem Faktor werden, dass man sich mit unseren Positionen auseinandersetzt. Deshalb fällt es uns auch schwer, politisch zu punkten."

Willi wird in Position gebracht

Als größten Mangel ortet der Tiroler Landtagsabgeordnete derzeit die fehlende Persönlichkeitsentwicklung bei den Grünen. "Georg Willi bringt hier viel Erfahrung mit", erklärte Mair in der "TT". Er lasse in Tirol zu, dass sich Persönlichkeiten bei den Grünen entfalten könnten, auch wenn er inhaltlich nicht immer mit ihren Positionen übereinstimme. Und im Gegensatz zu Glawischnig könne Willi Beziehungen zu Menschen herstellen, sie auch inhaltlich fesseln, so der Jungpolitiker. Daraus müssten die Konsequenzen gezogen werden.

Tiroler Landespartei distanziert sich

Mair hat nach seinem Vorstoß von seiner Landespartei offenbar eine Kopfwäsche erhalten. "Weder können wir uns dieser Kritik anschließen noch haben wir uns im Vorfeld darüber ausgetauscht", teilten der Klubobmann der Tiroler Grünen, Georg Willi, und Landessprecherin Ingrid Felipe in einer Aussendung am Freitag mit. "Als Landessprecherin bin ich sehr verwundert über die Kritik von Gebi Mair an Bundessprecherin Eva Glawischnig", fügte sie hinzu.

Eva Glawischnig sei eine inhaltlich äußerst kompetente Bundessprecherin für die Grünen. Bei Diskussionsbedarf würden sie zum Telefon greifen und eine professionelle, lösungsorientierte und offene Zusammenarbeit mit ihr erleben. "Ich distanziere mich von Mairs Aussagen und von dieser Art, Politik zu machen", erklärte Felipe. Der Klubchef erwartete sich indes von seinem Landtagskollegen, "dass nicht über Positionen in einem zukünftigen grünen Klub spekuliert wird". "Ich halte Eva Glawischnig für eine ausgezeichnete Bundessprecherin und Klubobfrau und werde sie auch in Zukunft in welcher Rolle auch immer voll unterstützen", sagte Willi.

Er werde bis zur Landtagswahl mit voller Kraft für Tirol arbeiten, wo es derzeit gerade angesichts der jüngsten Korruptionsfälle riesige Herausforderungen gebe. Von Mair erwarte er sich, dass dieser sich "voll auf seine Arbeit als Aufdecker von Missständen in Tirol konzentriert", so Willi. "Wir brauchen in Tirol mutige Entscheidungen, um den falschen Kurs der Landesregierung zu ändern, nicht persönliche Profilierung auf Kosten anderer", meinte der Tiroler Klubobmann.

Wallner verwundert

Der grüne Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner hat sich verwundert über die Kritik seines Tiroler Parteikollegen Gebi Mair an Bundessprecherin Eva Glawischnig gezeigt. Wallner verwies auf positive Rückmeldungen aus den Ländern, was inhaltliche Debatten, Schwerpunktsetzungen und Kampagnen betreffe. Auch Mair habe sich dazu bisher nicht kritisch geäußert. Eine "Kopfwäsche" für den aufmüpfigen Tiroler schloss Wallner aus. "Ich bin Bundesgeschäftsführer und nicht Friseur."

Andere Landesparteien: "Einzelmeinung"

In den restlichen Bundesländern wurden die Aussagen von Mair als "Einzelmeinung abgetan. In Innsbruck stünden dieses Jahr Gemeinderatswahlen an, da scheine es gewisse Profilierungswünsche zu geben, die Ansichten Mairs seien sicher nicht die Meinung der Grünen in Tirol. Landessprecher der Grünen in Kärnten, Frank Frey: "Die Kärntner Grünen stehen voll und ganz hinter Eva Glawischnig."

Thomas Huber, Landesgeschäftsführer der niederösterreichischen Grünen bezeichnete Mairs Aussagen als "völlig jenseitig" sei. Der Mandatar wolle sich nur profilieren. Grünen-Chef und Landesrat in Oberösterreich, Rudi Anschober, sieht die Bundespartei gut aufgestellt - und sicherte Glawischnig aus Oberösterreich volle Unterstützung zu. Der Tiroler Klubobmann Georg Willi wäre sicherlich eine Bereicherung für den Parlamentsklub sein, so der Landesrat zu den personellen Wünschen Mairs, mehr würde dieser auch selbst nicht wollen.

"Unbegründet und vor allem rätselhaft" ist für die Salzburger Landessprecherin Astrid Rössler die Forderung aus Tirol. Sie kenne den Hintergrund nicht und könne die Aussage daher auch nicht einordnen, "aber ich denke, es wird einen Grund dafür geben". Inhaltlich entspreche diese Kritik nicht dem derzeitigen Arbeitsstil der Parteispitze, den sie als "konsequent und konstruktiv" empfinde, so die sichtlich überraschte Rössler, die sich gerade auf dem Weg zum erweiterten Bundesvorstand befand.

Bei den steirischen Grünen ist eine Ablöse Glawischnigs kein Thema. Es seien dazu keinerlei Diskussionen bekannt, hieß es am Freitag aus der Landespartei. Außerdem lägen die Grünen in Umfragen derzeit gut, besser als zu Zeiten Alexander Van der Bellens, so ein Sprecher.

Die grüne Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou antwortete gelassen auf Mairs Äußerungen: "Eva Glawischnig ist zuletzt mit 96 Prozent im Bundeskongress bestätigt worden. Damit kann man sagen, sie ist unangefochten, Gebi Mair ist nur einer von den vier Prozent."  (APA)

Kommentar posten
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W.E.
01
12.2.2012, 08:56
Mit Glawischnig an der Spitze ...

... ist wenigstens sichergestellt, dass dieser Haufen vorerst keinen größeren Schaden anrichten kann. Von da her: Sie haben alles richtig gemacht, Frau Glawischnig und machen Sie bitte noch ganz lange weiter so. Sehr fein!

Walter J. Ferstl
00
Gewählt wird - spätestens! - im Herbst 2013.

Für alle Parteien gilt: Eine personelle Neubesetzung der Spitze sollte nicht zu knapp vor Wahlen stattfinden...

Die Zeit für Personalentscheidungen (sofern sie überhaupt als Notwendigkeit gesehen werden) wird in einigen Parteien schon bald knapp, nicht nur bei den Grünen...

hardy ess
 
01
30.1.2012, 14:07
keine ahnung

warum die felipe stress kriegt, wenn gebi mair ausspricht, was so offensichtlich ist. in bezug auf georg willi teile ich die meinung von mair nicht.
zum niederösterreicher huber ist vielleicht noch zu sagen, dass die positionierung von mair "als jenseitig" auch einiges über die eigene positionierung verrät. auf alle fälle kann erwin pröll den niederösterreichischen grünen nur dankbar sein.

grüße

xerxes0001
13
28.1.2012, 09:49
Miese Performance der Führungsriege

Der Führungsriege fehlt es nicht nur an Performance, sie gebieten auch immer präpotenter über die Partei. Basisdemokratie ist zum Schimpfwort geworden. Wallner meinte unlängst sogar bestimmen zu müssen, wer in Kärnten Parteichef werden darf. Glawischnig braucht sich nicht zu wundern, wenn sie solche Leute übers Land ziehen lässt.

Tisco_over
08
27.1.2012, 17:12
recht hat er der gebi!

die eva bringts einfach nit.

weiter lesen
01
27.1.2012, 17:56

Der Willi auch nicht.

Thun23
 
15
27.1.2012, 17:08
Ohne Voggi wähl ich die sowieso nicht und seh

ich die Eva wo, versuch ich wegzuschalten bevor ich mich ärger.

Karlsson vom Dach1
12
27.1.2012, 16:10
gut und schön

aber bitte nicht den Willi als Klubobmann! Der steht sicher nicht für klare Linie, prononcierte Politik etc.
da soll schon eher der Herr Mair selbst fürs Parlament kandidieren. Der hat zumindest bewiesen, dass er es nicht allen recht machen will.

Re?ersi
10
27.1.2012, 15:50
Immerhin...

hat Glawischnig mit "Die Arbeit der Nacht" ein tolles Buch geschrieben.

asdf 1234
00
27.1.2012, 17:56
Na,

und der glatzenpröll hat sogar ein buch gelesen. so er das doch gesagt, oder nicht????
die övpler müssen erst schlaumeier sein;-)))

odrr
02
27.1.2012, 18:07

ja, und zwar hat der landescowboy aus st.poelten karl may gelesen:

""Unvergessen: Der niederösterreichische Landeshauptmann war einst mit dem Sager aufgefallen, in seinem Leben nur ein einziges Buch zu Ende gelesen zu haben: Karl Mays „Der Schatz im Silbersee". "Damit wirkt der Landeshauptmann wenigstens net so obergscheit", wusste Prölls (ehem.) Parteifreund Ernst Strasser diese Schwäche damals zu verteidigen.""

http://www.youtube.com/watch?v=moF83uYnwyE
(siehe dortige info)

;))

g_icebear
00
28.1.2012, 14:51
Da fragt man sich schon

wie sich dieser Mensch (und viele seiner Kollegen) einen bzw. zwei akademische Abschlüsse "erarbeitet" hat?

sprung
 
011
27.1.2012, 15:49
Die Grünen lassen sich, wie ganz Österreich,

viel zu leicht in diesen oberflächlichen, selbstreferentiellen, belanglosen Promi-Zirkus eingarnen. Kein Wunder, dass sich dann immer der berechnende rechte Flügel durchsetzt.

Immer nur kleine, meistens sinnvolle Schritte in der Realpolitik reichen sicher nicht - Es braucht nicht weniger als eine zusammenhängende Vision für ein Zusammenleben jenseits der totalen Ausbeutung.

Karl Mayr
01
27.1.2012, 15:40
Es angehen statt fordern!

Politiker aller Farben sollten nicht ständig etwas über die Medien fordern, sondern sich an die Arbeit machen, es durchsetzen. Auch auf die Gefahr hin, dass sie dann selbst Verantwortung übernehmen müssten

peace-out
17
27.1.2012, 15:38
waer doch ein nettes thema fuer eine kleine User-Umfrage

xerxes0001
00
28.1.2012, 10:54
proletenniveau

man kann ja über alles diskutieren, aber muss das auf deinem proletenniveau stattfinden.

homer j.s
43
27.1.2012, 16:28

Bin dafür!!! Und die vassilakuh bitte auch gleich mitnehmen...

pmacke
11
27.1.2012, 15:37
hab' schonmal popcorn geholt.

ein herrliches Thema. Da braucht man den Artikel garnicht lesen. Soviel Unterhaltungswert wie der Titel im Forum verspricht gibt in keinem Kabarett..

puno1
44
27.1.2012, 15:34

ich fänds toll, wenn sich die leute - anstatt hier zu posten - mal hinsetzen würden, um sich aktuelle aussendungen und programme der grünen anzusehen. vielleicht würden dann auch einige mal begreifen, dass man inhalte und ideen wählt, nicht eine frau glawischnig oder einen herrn van der bellen etc.
mir ist schon klar, dass man als partei inhalte kommunizieren muss. ich seh aber auch bei mir und allen wählerInnen eine gewisse holschuld. wenn ich was wissen will zur grünen position zu einem thema, dann setz ich mich hin und such.

weiter lesen
111
27.1.2012, 17:58

Hab ich.
Die Grünen fordern eine gerechte Entlohnung für Praktikaten.
Ich hab als Praktikant für einen Sommer lang 300 Euro bekommen.

Bei den Grünen.

die elster
 
02
27.1.2012, 16:48
parteiprogramme ...

... sind nur bedingt relevant, entscheidend ist das tagesgeschäft. ich hab nix davon, wenn die frau glawischnig und die grünen zwar meiner meinung sind, aber das nicht lautstark einfordern. dazu sind sie gewählt, sonst könnt ich mich ja selber hinstellen.

Das Salz in der Suppe
03
27.1.2012, 15:49
.... dann setz ich mich hin und such.

Gut und schön, da sucht sich wohl jeder das heraus, das ihm zusagt.

Und wie bitte kann ich mich gegen die oft unsäglichen Aussagen der Fr. Glawischnig wehren, die mir, wenn ich eine Zeitung aufschlage oder den Fernseher einschalte, entgegenspringen?

Sorry, aber genau sie, macht alle meine guten Vorsätze, mich mit den jetzigen Grünen zu versöhnen, ganz rasch zunichte.

g_icebear
04
27.1.2012, 15:42
In der realen Welt

lesen sich aber die meisten WählerInnen das Parteiprogramm nicht durch, sondern wählen entweder aus Gewohnheit, Wut oder Sympathie. Die ersten beiden fallen bei den Grünen ziemlich weg und die letzte Möglichkeit wird durch Fr.Glawischnig verhindert. Aber vielleicht wollen die Grünen ja nicht mehr Stimmen bekommen!

Rosa Grün
 
12
27.1.2012, 15:51
relativierung

aus wut (auf övp und spö) grün wählen is schon drin, doch ja, da spielt dann auch die spitzenkandidatin keine rolle mehr, denn dann ist die wut über die spitzenkandidatin das geringere übel.

Das Salz in der Suppe
01
27.1.2012, 16:08

Grünwähler sind lauter Wutbürger, meinten sie ;-)

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