Rauchfreie Taxis - Strenge Kammern

  • Jetzt hat es sich ausgeraucht in den Wiener Taxis - aber nicht ausgestunken.
    foto: apa/montage:derstandard.at

    Jetzt hat es sich ausgeraucht in den Wiener Taxis - aber nicht ausgestunken.

Mit Verhängung des mobilen Rauchverbots trat die olfaktorische Komponente der Chauffeure (weiter) in den Vordergrund

Nach Amtsgebäuden, Zügen und Wirtshäusern sind nun also Taxis rauchfrei. Seit Jahresbeginn ist Pofeln in Mietkutschen untersagt. Endlich! Vorbei die Zeiten, da es dem vielfahrenden Fahrgast das Wasser in die Augen treibt, weil die Fahrgastzelle mit Smart bis zur Unsterblichkeit eingeräuchert und eingeäschert wurde.

Bis der über Jahre sorgfältig und mit Hingabe eingehauchte kalte Dunst endgültig verweht, wird es freilich noch ein Weilchen dauern. Wohl werden die rollenden Stinker mit bräunlichgrauem Himmel und tendenziell klebriger Kunststoffverkleidung (welche Farbe hatten die eigentlich, bevor sie zu Räucherkammern wurden?) weniger. An Mief mangelt es trotzdem nicht.

Denn Stallgeruch ist treu. Der hängt, fast muss man sagen: leider, eben nicht nur von verheiztem Tabak ab.

Im Gegenteil, mit Verhängung des mobilen Rauchverbots trat die olfaktorische Komponente der Chauffeure (weiter) in den Vordergrund. Und die entspricht, das lässt sich insbesondere im Winter erfahren, vielfach nicht den Mindeststandards der zivilisierten Welt. Das ist bitter. Kaum sind die Süchtler, die keine zehn Minuten ohne Zigarette auskommen, ausgebremst, sind die mit Hingabe transpirierenden Taxler im Vormarsch. So eine Stadtfahrt wird schnell zum Härtetest.

Sitzt man einmal in solch einer strengen Kammer drin, ist es zu spät. Luftanhalten schützt zwar vor gefährlichen Gerüchen, aber nicht eine Viertelstunde lang. Also Fenster auf. Geht auch nicht. Der elektrische Fensterheber ist bei solchen Typen prinzipiell deaktiviert. Schließlich ist dem echten Schweißler die Frischluft, was dem Teufel das Weihwasser. Da hilft kein Deo, kein Wunderbaum. Aber vielleicht eine Rauchwolke. (Luise Ungerböck, DER STANDARD, Automobil, 27.1.2012)

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