Das "mega-wahnsinnige" Leben des Kim Schmitz

Der Weg von Kim Schmitz zu Kim Dotcom ist gepflastert mit Prunk, Pleiten und viel Mega

Als letzte Woche Megaupload vom Netz genommen wurde und auf dem Anwesen des Gründers eine Razzia stattfand, rückte er wieder einmal in den Mittelpunkt der Berichterstattung: Kim Schmitz. Auch bekannt unter den Namen Kimble, Kim Tim Jim Vestor und Kim Dotcom. Ein selbst ernannter Dr. Evil, der mit seiner opulenten Behausung, Luxuskarossen und seiner Vorliebe für Models alles tut, um sein Image als Bösewicht zu untermauern.

"Ein Traum für Journalisten"

Mit seinem Gehabe hat er sich zum Liebling der Medien gemausert. Der "Telegraph" nannte ihn 2001 "einen Alptraum für einen PR-Mann und einen Traum für Journalisten". Doch erst kürzlich schrieb Schmitz, dass das alles hinter ihm liege. Er sei ein Familienmensch geworden und treffe Nachbarn zum Kaffee, hieß es.

Razzia

Laut Polizeibericht versteckte sich Kim Schmitz bei der Razzia in seinem Panic Room. Als die Polizei zu dem Sicherheitsraum durchgedrungen war, fand sie Kimble in der Nähe einer abgesägten Schrotflinte. Bei weltweiten Razzien wurden hunderte Server in den USA hochgenommen und 100 Polizeibeamte durchsuchten Wohnungen und Büros in Hongkong.

Hinter der Fassade

Mit allen seinen Aktionen hat sich Kim Schmitz zu einer Medienlegende gemacht. Er ist Investor, Hacker und Modern Warfare 3 Multiplayer Champion. Wired hat einmal hinter die Fassade von Kim Dotcom geschaut, um zu erfahren, wer Kim Schmitz wirklich ist.

Kim Schmitz wurde am 21. Jänner 1974 in Kiel geboren. Seine Mutter ist Finnin, darum hat er auch eine Doppelstaatsbürgerschaft. In den frühen 1990er Jahren nutzte er die wachsende Paranoia über die Macht der Hacker, um eine Karriere im Internet-Security-Business zu starten.

1992 war er zum ersten Mal in den Medien präsent. Er gab der deutschen Presse ein Interview, und das "Forbes"-Magazin berichtete über ihn in einem Artikel über Computerhacker-Kriminalität. Schmitz nutzte das technische Unwissen der Journalisten aus, um sich ein interessanteres, gefährlicheres Image zu verpassen.

"Kimble"

Er gab sich den Namen "Kimble" (nach dem Hauptcharakter aus dem Film "Auf der Flucht") und behauptete, der Anführer der internationalen Hacker-Gruppe "Dope" zu sein. Geld machte die Gruppe durch den Verkauf von gehackten Zugangscodes zu PBX-Systemen und angeblich abhörsicheren Telefonen.

Schmitz rühmte sich auch, die Citibank gehackt und 20 Millionen US-Dollar an Greenpeace gespendet zu haben. Später stellte sich heraus, dass russische Hacker in die Server der Citibank eingedrungen waren und nichts an Greenpeace gespendet hatten. Was Schmitz nachweislich gemacht hat, war, die Codes von Telefonkarten zu stehlen und einen Betrug mit Premium-Nummern aufzuziehen. Er nutzte ein "War Dialer"-Programm, um teure Chat-Hotlines in Hongkong und der Karibik anzurufen. Damit hat er über 61.000 Euro Gewinn gemacht.

Haft Nr. 1 und Haft Nr. 2

Im März 1994 wurde er für den Handel mit gestohlenen Telefonkarten-Nummern verhaftet. Er saß einen Monat im Gefängnis und wurde kurz nach seiner Entlassung wegen weiterer Hacking-Vergehen erneut verhaftet. 1998 erhielt er wieder zwei Jahre auf Bewährung für einige weitere Vergehen.

Lufthansa-Deal

Schmitz nutzte seine Bekanntheit, um sein Sicherheits-Geschäft zu pushen. Seine Firma Data Protect unterzeichnete einen Vertrag mit der Lufthansa, nachdem Schmitz eine scheinbare Sicherheitslücke aufgedeckt hatte. Später stellte sich heraus, dass er mit einem Lufthansa-Mitarbeiter zusammengearbeitet und sich die Hacker-Fähigkeiten eines Komplizen zu eigen gemacht hatte.

"Kimble, Special Agent"

Seinen Verdienst investierte Schmitz in schnelle Autos. Um sein Bad-Boy-Image zu fördern, produzierte er den Flash-Film "Kimble, Special Agent" - in dem er erstmals seine Obsession für den Begriff "Mega" öffentlich machte, indem er in einem "Megacar" und einem "Megaboat" fuhr. 

"Megacar"

Nach Telefonbetrug setzte Schmitz auf Internet-Start-ups. 1999 entwickelte er "Megacar", ein internetfähiges Luxusautosystem mit einem eigenen Pentium-III-Windows-NT-On-Board-Computer, Router, Videokonferenzsystem und einem 17-Zoll-Monitor. Für die Breitbandverbindung benötigte das Auto 16 Multiplex-GSM-Verbindungen. Der Einstiegspreis betrug 90.000 US-Dollar.

"Kimble Goes Monaco"

Nachdem Schmitz 80 Prozent von Data Protect verkauft hatte, nutzte er das Geld, um einen weiteren Film zu produzieren. In dem Roadmovie "Kimble Goes Monaco" ist Schmitz vor allem in schnellen Autos unterwegs und spielt mit teurem Spielzeug. 


LetsBuyIt.com

Als 2001 die Dotcom-Blase zu platzen begann, kaufte Schmitz für 375.000 Euro LetsBuyIt.com. Er gab bekannt, weitere 50 Millionen Euro in die Seite zu investieren. Der Börsenkurs von LetsBuyIt ging daraufhin in die Höhe. Schmitz ließ sich auszahlen und machte einen Gewinn von 1,5 Millionen Euro.

Abgesägt

Einen Teil des Geldes investierte er in einen Mercedes Brabus EV12 Megacar, mit dem er 2001 das Gumball-3000-Rennen gewann. Aufgrund seiner zwielichtigen Investment-Strategie kam es allerdings zu Untersuchungen. BMP und TÜV, die Teilhaber in diversen Firmen von Schmitz waren, entfernten ihn aus den Managementpositionen, da ihnen alles rund um Schmitz dubios vorkam.

11. September

In der Zwischenzeit machte sich Schmitz die Attentate des 11. September zunutze. Er behauptete, dass er die Gruppe Young Intelligent Hackers Against Terrorism (YIHAT) gegründet habe. Er will auch sudanesische Bankkonten von Osama Bin Laden gehackt haben.

Im September 2001 behauptete Schmitz, ein Vermögen von 100 Millionen US-Dollar zu besitzen. Im November gingen aber alle seine Firmen den Bach runter. Auch die Hacker-Szene hatte sich gegen ihn gewandt und seine Seite und die Seite von YIHAT gehackt.

Flucht nach Thailand

Wegen des Vorwurfs des Insiderhandels flüchtete Schmitz im Jänner 2002 nach Thailand. In Thailand angekommen, wurde er verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert und vor Gericht gestellt. Er wurde zu 20 Monaten auf Bewährung verurteilt und musste 100.000 Euro Strafe zahlen. 2003 bekannte sich Schmitz schuldig, Darlehen für seine Firma Monkey AG veruntreut zu haben. Er erhielt weitere zwei Jahre auf Bewährung.

Hongkong

Schmitz ging nach Hongkong und gründete die Firma Trendax. Einen Hedgefonds, der angeblich von einer künstlichen Intelligenz gesteuert wurde. Wenn man 50.000 US-Dollar investierte, versprach die Firma eine jährliche Rendite von 25 Prozent. Schmitz investierte 250.000 US-Dollar in die Firma, wovon der Großteil für das Design der Webseite verwendet wurde.

Gleichzeitig mit Trendax versuchte Schmitz in Hongkong seine alten Firmennamen neu aufzulegen. Er gründete Data Protect Limited, aus der später Megaupload entstand. Ob er mit seinen Firmen in Hongkong Geld gemacht hat, ist unklar, Schmitz lebte auf jeden Fall im großen Stil weiter. 2003 nahm er erneut am Gumball-3000-Rennen teil und bezahlte die marokkanische Polizei dafür, einen Konkurrenten anzuhalten. Als er das Auto des Konkurrenten vor sich sah, fuhr er hinein.

"Kimpire"

Auf seiner Webseite suchte Schmitz Freiwillige für sein "Kimpire". Wer es in die Hall of Fame schaffen sollte, dem versprach er "Respekt, Freundschaft, Weisheit und Geld". Auch wenn dieses "Kimpire" lächerlich klingt, dank File Hosting wurde es Realität.

Megaupload

2005 änderte er den Namen von Data Protect in Megaupload. Gleichzeitig änderte er seinen Namen in Kim Dotcom. Seinen finnischen Pass ließ er auf den Namen"Kim Tim Jim Vestor" ausstellen. Bis 2007 gab es keinen Zusammenhang zwischen Kim Dotcom und Megaupload. Erst 2011 wurde er offiziell als Gründer genannt.

Die Firma erwirtschaftete laut US-Regierung 175 Millionen US-Dollar, die Schmitz auch großzügig ausgab. So fand die Polizei von Hongkong heraus, dass er ein Büro für 12.800 US-Dollar pro Tag angemietet hat.

Familienmensch

Dotcom hat mittlerweile geheiratet und ist Vater von drei Kindern. Er zog nach Neuseeland und pachtete ein Anwesen in der Nähe von Auckland für 24 Millionen US-Dollar. Damit sein ständiger Aufenthalt in Neuseeland genehmigt wurde, investierte er zehn Millionen US-Dollar in Staatsanleihen, wodurch er in die Einwandererkategorie "hohe Investitionen" fiel. Er spendete viel Geld für den Christchurch-Erdbeben-Hilfsfonds und bezahlte eine halbe Million US-Dollar für das Silvesterfeuerwerk 2011 in Auckland.

Als die Behörden in Neuseeland allerdings seine Vergangenheit durchleuchteten, wurde ihm untersagt, das gepachtete Anwesen zu kaufen, weil er in Deutschland vorbestraft war und aus Thailand abgeschoben wurde.

Festgenommen

Dotcom sagte, dass er sich geändert habe. Er habe eine Firma mit mehr als 100 Angestellten, und alle seine Verbrechen seien längst verjährt. Dennoch war er in der Nachbarschaft nicht gern gesehen. Dotcoms Frau flüchtete vor der aufgeheizten Stimmung nach Hongkong, um ein weiteres Kind zu gebären. In ihrer Abwesenheit stürmte die neuseeländische Polizei das Anwesen und nahm Dotcom fest.

Nachdem ihm bei der ersten Verhandlung die Entlassung auf Kaution verweigert wurde, wartet er auf die Anhörung zur Auslieferung im Gefängnis im Neusseland. (soc)

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