Sicherheitskräfte der Amerikanischen Universität sollen auf Demonstranten geschossen haben - Vorwurf richtet sich auch gegen Israel
Kairo - Der Anwalt des früheren ägyptischen
Innenministers Habib al-Adli hat den USA und Israel vorgeworfen, für
die Tötung von Demonstranten während des Aufstandes auf dem Kairoer
Tahrir-Platz im vergangenen Jahr verantwortlich zu sein. Israels
strategisches Ziel sei es, Ägypten zu destabilisieren und dessen
nationale Sicherheit zu schädigen, während die USA zum selben Zweck
eine Reihe von Einzelpersonen und Gruppen unterstützten, sagte
Mohammed al-Gendi am Donnerstag.
Unter anderem warf der Anwalt Sicherheitskräften der
Amerikanischen Universität in Kairo vor, auf Demonstranten geschossen
zu haben. Der Campus der Universität grenzt an den Tahrir-Platz, das
Zentrum der Proteste, die im vergangenen Februar zum Sturz von
Präsident Hosni Mubarak geführt hatten.
Wachleuten widersprochen
Al-Gendi widersprach damit den Aussagen der Wachleute, die vor
Gericht erklärt hatten, dass Scharfschützen des Regimes von den
Dächern der Universitätsgebäude auf die Demonstranten geschossen
hätten.
Al-Gendis Vorwürfe folgen der Linie des Mubarak-Regimes und des
derzeit regierenden Militärrats, die wiederholt Kräfte aus dem
Ausland für die Unruhen verantwortlich gemacht haben.
Innenminister al-Adli steht derzeit ebenso wie Mubarak und vier
weitere Angeklagte wegen der Tötung hunderter Demonstranten während
des Aufstandes vor Gericht. Bei einem Schuldspruch droht ihnen die
Todesstrafe.
Mubaraks Anwalt hat die Verteidigung bereits abgeschlossen,
al-Adlis Verteidiger hat dafür insgesamt fünf Tage Zeit, die der
übrigen Angeklagten noch bis Mitte Februar. Mit baldigen Urteilen
wird nicht gerechnet. (APA)