Ein Drittel der Vorstandsbezüge bei der Deutschen Bahn soll künftig von der Bewertung durch Kunden und Mitarbeiter abhängen
Der Kunde ist König: Damit der wunderschöne Spruch auch auf Beförderungsmittel zutrifft, lässt sich die Deutsche Bahn etwas Neues einfallen. Sowohl die Fahrgäste als auch die Beschäftigten der Deutschen Bahn (DB) AG bestimmen in Zukunft mit, wie viel die Vorstände des Konzerns jährlich verdienen. "Wir haben zum ersten Mal die Zufriedenheit der Kunden und der Mitarbeiter in den Vergütungssystemen unseres Unternehmens verankert", sagte Vorstandschef Rüdiger Grube laut deutschen Medienberichten in Berlin. Die Bezahlung orientiere sich dabei an "messbaren, nachvollziehbaren Werten", so der Bahnchef. "Das bedeutet, dass jedes Mitglied des Vorstandes ab sofort die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit im Portemonnaie spürt."
Der Chef der Deutschen Bahn ist mit der Idee kein Pionier. Bei den Nachbarn gibt es schon eine ganze Reihe von Unternehmen, denen die Einschätzung von Kunden oder Beschäftigten für die Festlegung der Vorstandsbezüge wichtig ist. Die AUA-Mutter Lufthansa gehört dazu. Die sieben Vorstände der DB AG soll es künftig aber ganz besonders treffen, wenn ihnen inner- und vor allem außerhalb des Unternehmens ein schlechtes Zeugnis ausgestellt wird.
Nur noch ein Drittel der Einkünfte der Konzernvorstände könnte künftig aus einem Fixgehalt bestehen. Für ein weiteres Drittel soll das Votum der Fahrgäste und Mitarbeiter entscheidend sein. Das letzte Drittel soll davon abhängen, in welchem Umfang der Konzern seine selbst gesteckten Ziele in Sachen Finanzen und Unternehmenserfolg erreicht. Damit gibt es kaum ein anderes Unternehmen bei den Nachbarn, in dem Kunden und Mitarbeitern so großer Einfluss auf die Gehälter der Unternehmensspitze zugestanden werden soll. (rb, derStandard.at, 27.1.2012)