Facebook-Entgleisung nach Ärztekammer-Diskussion
Wien - Auf dem Podium und im Publikum ging es überaus hitzig zu, als am Dienstagabend auf Einladung der Wiener Ärztekammer deren Vizepräsident Johannes Steinhart mit Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und der Geschäftsführerin der Elga-GmbH, Susanne Herbeck, über die Elektronische Gesundheitsakte diskutierten. Noch hitziger ist nun das Nachspiel der Diskussion im Internet: "die kammer sind echte nazis" schrieb Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer auf seiner Facebook-Seite, und weiter:"schon mal was gehört von gesinnungsterror und der unterdrückun (sic!) von meinungfreiheit! echter faschistenverein!"
Pichlbauer sagte dem Standard, ihn hätte eine Debatte auf seiner Facebook-Pinwand in Rage gebracht. Dort hatte eine Teilnehmerin bei der Diskussion am Dienstag gepostet, ihr Statement - das pro Elga ausgefallen wäre - sei nicht zugelassen worden. Eine längere Facebook-Unterhaltung mit Ärzten brachte Pichlbauer zu dem Schluss, es habe sich um eine "Propagandaveranstaltung" gehandelt" .
Einige Stunden später postete er, die Facebook-Diskussion sei "sehr emotional und eigentlich privat" gewesen; Pichlbauers Profil ist freilich für jeden Nutzer zugänglich. Im Gespräch mit dem Standard distanzierte er sich am Donnerstagnachmittag von dem Nazi-Sager, bleibt aber dabei, dass die Ärztekammer "totalitäre Meinungsmache" betreibe, die in einer Demokratie nichts verloren habe.
Bei der Wiener Ärztekammer will man sich die Vorwürfe jedenfalls nicht gefallen lassen, eine Klage wird derzeit geprüft. (hei, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)