Offener Hochschulzugang

Online-Weg in Hochschulbildung für alle

26. Jänner 2012, 19:07
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    foto: ap/bruns

    Raus aus dem überfüllten Hörsaal von heute, rein in die Internet-Universität von morgen: Die Plattform udacity.com will Hochschulbildung zu geringen Kosten in die ganze Welt bringen.

Ein Ex-Stanford-Professor will mit einer Bildungsplattform das Hochschulwesen demokratisieren

Wien/München - Können Sie sich eine Vorlesung vorstellen, an der 160.000 Studenten teilnehmen? In einem physischen Hörsaal ist das nicht möglich, im digitalen Raum aber schon. 160.000 virtuelle Hörer aus 190 Ländern hat eine Einführungsvorlesung über künstliche Intelligenz des Stanford-Professors Sebastian Thrun vergangenen Herbst erreicht. 23.000 Onlinestudenten absolvierten die Lektion erfolgreich.

Der Erfolg und das Echo auf das Projekt waren für Thrun so überwältigend, dass der deutsche Wissenschafter nun seinen Uni-Job an den Nagel gehängt und mit Stanford-Kollegen vor wenigen Tagen die Bildungsplattform Udacity gestartet hat.

Studenten aus der ganzen Welt, egal welchen Alters, Geschlechts oder Herkunft, sollen darüber an Hochschulkursen teilnehmen können, wie sie sonst nur an Elite-Unis abgehalten werden. "Wir wollen damit das Universitätswesen demokratisieren", erzählte Thrun dem STANDARD über seine Visionen.

"Allen Unkenrufen zum Trotz hat das Experiment im Herbst auch gezeigt, dass sich mittlerweile online gut unterrichten lässt", ist der Professor für künstliche Intelligenz überzeugt. Der zehnwöchige Kurs über künstliche Intelligenz setzte sich aus Videovorlesungen und interaktiven Aufgaben zusammen, Hausaufgaben, Prüfungen und Noten inklusive. Mithilfe des Google-Moderator-Service konnten die Studenten Fragen stellen und abstimmen, welche Fragen der Professor per Video oder Onlinechat beantworten sollte. Eine Schar von 2000 freiwilligen Helfern wirkte an der Übersetzung in 44 verschiedene Sprachen mit.

Nun soll auf Udacity der nächste Schritt des weltweiten digitalen Lernens vorangetrieben werden. Interessierte können sich hier für einen siebenwöchigen Grundkurs für Informatik einschreiben, an dessen Ende die Studenten in der Lage sein sollen, eine Suchmaschine programmieren zu können. "Wenn auch nicht mit allen Finessen von Google", räumt er ein.

Derzeit ist das Angebot gratis. Thrun spricht von der Economy of Scale des Lernens. In Stanford gehe man von Kosten pro Kurs und Student von 1500 Dollar aus. Ab einer gewissen Größe kämen Lehrveranstaltungen dann aber nur noch auf einen Dollar pro Student. Ursprünglich habe er das Ganze aus seinem Privatvermögen finanziert. Doch vor kurzem habe KnowLabs, das Unternehmen, das hinter Udacity steht, Venture Capital bekommen.

Ungefährliche Geisterfahrer

Im Zweitjob forscht der 44-jährige Thrun nach wie beim Internetkonzern Google. Vor vier Jahren hat er unter anderem Street View mitentwickelt. Heute leitet er das mittlerweile 50 Kopf starke Team bei Google Driverless Cars. Ziel des Projekts für selbststeuernde Fahrzeuge sei es, Autofahren sicherer zu machen und dabei verloren gehende Zeit zu kompensieren. "Wir wollen die Option bieten, sich auf Knopfdruck fahren zu lassen und dabei etwas anderes zu tun, zum Beispiel lesen", sagt er. Der virtuelle Fahrer sei auch für Ältere oder Menschen mit Handicaps interessant, eine Möglichkeit, mobil zu bleiben.

340.000 Kilometer hat die Google-Geisterfahrer-Flotte der anderen Art schon absolviert. "Und zum Glück ist nichts passiert", freut sich Thrun. Doch noch lässt sich nicht sagen, bis wann das System perfekt genug läuft, um es serienreif zu machen. "Ein plötzlich über die Straße springendes Reh oder einen Polizisten, der mit seiner Kelle herumfuchtelt, erkennt das System noch nicht."

Ob Investitionen in öffentliche Verkehrsmittel nicht sinnvoller wären? Zumindest nicht in den USA, meint der Forscher. Es sei schon viel in entsprechende Programme reingesteckt geworden. "Doch 90 Prozent der Bevölkerung nutzen weiter das Auto." (Karin Tzschentke, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

Kommentar posten
15 Postings
metalwoman
00
27.1.2012, 14:37

gibts schon lange am MIT mit open course

Chemist88
00
28.1.2012, 21:01
nur so toll wie alle behaupten ist das nicht

zumindest wenn man sich die Chemie anschaut. Oft gibt es nur irgendwelche ppt-Folien/Zusammenfassungen/Vortragstitel+Inhalt die klarerweise ohne Vortrag gar nichts aussagen, die Videos sind in schlechter Qualität (man kann nicht erkennen was der Prof an die Tafel schreibt und vestehen kann man ihn auch nicht) und zeitweise so alt, dass der Inhalt schon überholt ist. Klarerweise ist es ne gute Sache und toll das sie es machen aber, zumindest für mcih, kein bisschen hilfreich.

Der Steiner
00
27.1.2012, 16:13
Hey ho!

Ich wusste ja, dass ich zu Neujahr was vergessen hatte!
Danke für den Tip mit Walter Lewin:-) Meine Güte, das ist ein Unterschied. Der Mann nimmt einen ja an der Hand und zeigt die Physik von Grund auf. Die Frage die sich mir nun stellt ist: Wenn das MIT die eine der weltbesten technischen Universitäten ist, warum können die dann mit Grundlegenden Sachen anfangen und wir hier nicht? Warum werden bei uns Dinge von der Schule her vorrausgesetzt die kaum jemand weiß, aber dort fangen die von vorne an?

metalwoman
00
29.1.2012, 22:58
Vom Vergnügen, endlich Physik zu verstehen

Da fallen mir mehrere mögl. Gründe ein
- weil man am MIT erkannt hat, dass man den Leuten die Grundlagen ordentlich erklären muss, damit sie später alles verstehen können und gute Techniker werden
- weil es in den USA nur einen Schultyp für alle gibt dh. ein einheitlicheres Ausgangsniveau
- weil Prof. Lewin, anders als viele andere, Spaß am Unterrichten und didaktisches Gespür hat. Ich lese gerade sein Buch: "Es funktioniert! Vom Vergnügen, endlich Physik zu verstehen".
- Weil in AT und auch in Deutschland schon das Schulsystem die "Mithilfe" der Eltern voraussetzt und an der Uni ist es nicht anders. Drum schaffen es auch meist nur die allerbegabtesten "Arbeiterkinder", überhaupt eine Chance zur Matura und Uni zu erhalten.

Der Steiner
00

Also Nummer 1 wäre der vernünftigste Grund. Nummer 2 mag stimmen, weiß ich aber nicht so genau. Nummer 3 kann ich voll ung ganz bestätigen. Sein Unterricht macht Spass. Nummer 4 ist leider die traurige Wahrheit.

Kursus
00
27.1.2012, 09:58
TOP!

die Zukunft der Bildung...

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
04
26.1.2012, 23:10

standford, cammbridge, ochsford, prinzton: das sind unis!

Der Neue Alte
00
27.1.2012, 01:40
Wie meinen?

Ein Opel im Schafspelz
00
27.1.2012, 10:06
Rechtschreibung :-)

der Artikel wimmelt nur so von falsch geschriebenen und versehentlich ausgelassenen Wörtern. (passend zum Thema Uni --> intelligentes Lesen ;-) )

Egal: Inhalt ist interessant!

CL
00
26.1.2012, 21:53
Heiße News!

Egal, ob Standford oder Stanford ...

Hoffentlich gibt es so etwas bald auch für andere Wissensgebiete als Informatik!

Ain't got no how watchamacallit
01
26.1.2012, 19:24

die uni heisst stanford

Cirque Désolé
00
26.1.2012, 20:53

Ist mir auch grad als Erstes aufgefallen.

Trollblume
50
26.1.2012, 19:19

Interessanter Ansatz möglicherweise - aber Google brauchen wir sicher NICHT dafür!

Martin Major
 
00
27.1.2012, 02:56

apple all the way!

Grumble
00
27.1.2012, 00:15

Du kannst das ganze ja auf deinem Privatcomputer hosten. Vielleicht braucht es doch etwas Internet-Expertise für solche Projekte.

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