Staat billig abzugeben?

Kolumne | Günter Traxler, 26. Jänner 2012, 19:57

Wäre Erwin Pröll zum Bundespräsidenten gewählt worden, er hätte sich dieser Tage selbst weggespart

Man wird ja noch träumen dürfen. Etwa davon: Erwin Pröll wäre, obwohl Niederösterreich auf ewig und unverbrüchlich verbunden, vom Volk justament zum Bundespräsidenten gewählt worden - und diese Woche hätte er seine Abschaffung verlangt. An seiner Opferbereitschaft ist nicht zu zweifeln, und wer es dennoch tut, der kennt ihn schlecht. Der Mann ist schließlich, auch wenn das zunehmend Burleske seiner Auftritte manchmal darüber hinwegtäuscht, ein Muster an Konsequenz. Wo immer sich ein bissel was einsparen lässt, wird er in diesen Tagen zum rasenden Sparefroh, bereit, sich selbst vom Hausaltar des Vaterlandes wegzusparen, hätte man der Bevölkerung nur die Chance gegeben, ihn dorthin zu entsenden.

Es war die eigene Partei, die ihm damals einen Strich durch die Rechnung machte, über die Grenzen des Landes unter der Enns zeigen zu können, wo der Bartel den Most holt. Und heute ist es wieder die eigene Partei, die ihm die Gefolgschaft verweigert, kleinkariert, wie sie ist. Jetzt muss das Volk tatenlos zusehen, wie der Bundespräsident ohne Rücksicht auf die Schuldenbremse im Amt bleibt! Selbst schuld, es hat ihn ja auch gewählt. Das kommt von diesen Auswüchsen der direkten Demokratie, die einige leichtsinnigerweise sogar noch ausbauen wollen. Aber mit solchen Modeerscheinungen gerät man bei Pröll an den Falschen. Wo das Volk mit seinen Marotten zu teuer kommt, da muss ökonomische Rotation her. Wer weiß, wer ihm nach seiner Selbstabschaffung als Bundespräsident (nur im Traum!) gefolgt wäre? "Persönlichkeiten aus der Regierung oder aus der Bundesversammlung" schweben ihm vor. Dass das mit einigen anderen Vorschriften der Verfassung nur schwer verträglich wäre, könnte ein Landeshauptmann wissen. Aber muss es ihn auch interessieren? Ihn doch nicht, wo man ihm die Chance, sich in der Hofburg einzusparen, so schnöde verweigerte.

Auch sonst findet die Redimensionierung der Demokratie im Sinne des Spargedankens begeisterte Anhänger. Gelingt es schon nicht, einen Bundesrat abzuschaffen, für den sich in Jahrzehnten keine vernünftige Funktion kreieren ließ, fehlt es nicht an Fantasien, wie man dessen funktionsloses Personal durch kaum weniger funktionsloses, aber anderweitig bezahltes ersetzen könnte. Und dass Regierungsmitglieder ihren Sparwillen dem Nationalrat aufzwingen wollen, indem sie für seine Verkleinerung plädieren, mutet im Geiste der Gewaltentrennung etwas seltsam an.

Da bauen sie vermutlich auf eine Stammtischklientel, die keine Ahnung hat, was im Nationalrat an Gesetzesarbeit, an Ausschussarbeit, an Arbeit in Untersuchungsausschüssen, die Korruption in Regierungskreisen durchleuchten sollen, zu leisten ist - unter anderem. Die Kontrollfunktion des Nationalrates ist wichtiger denn je. All diese Arbeit auf weniger Abgeordnete zu verteilen müsste vor allem die kleineren Fraktionen überfordern. Schon jetzt wird von Höchstrichtern oft die mangelhafte legistische Arbeit kritisiert. Mit weniger Personal wird sie mit Sicherheit schlechter. Stümperhafte Verkleinerungsvorschläge sind ein Bärendienst an der Demokratie, ein Schaden, der jeder Ersparnis spottet. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 27.01.2012)

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Christian Peter1
 
30
27.1.2012, 21:01
Selten so einen Schwachsinn gelesen

"Dass Regierungsmitglieder ihren Sparwillen dem Nationalrat aufzwingen wollen, indem sie für seine Verkleinerung plädieren, mutet im Geiste der Gewaltentrennung etwas seltsam an."

Die Anzahl der NR - Abgeordneten hat auf Gewaltenteilung keinen Einluss.

Außerdem würde in einem Parteienstaat wie Österreich das Verringern des Einflusses der Legislative Gewaltenteilung überhaupt erst verwirklichen.

Christian Peter1
 
00
27.1.2012, 20:23
Selten so einen Schwachsinn gelesen

"Schon jetzt wird von den Höchstrichtern die mangelhafte legistische Arbeit kritisiert. Mit weniger Personal wird sie mit Sicherheit schlechter."

Diese "legistische Arbeit", wie Sie es nennen, wird von Juristen und nicht von Nationalratsabgeordneten
geleistet. Auf deren Arbeit haben NR - Abgeordnete keinen Einfluss.

ShineOnYouCrazyDiamond
10
27.1.2012, 17:34
Traxler!

Bald der einzige Grund den Standard zu lesen.
Immer wieder eine erfrischende Mixtur aus intelligentem Witz und feinsinnigem Spott.
Was für ein Unterschied zum Fast Food Journalismus á la Föderl-Schmid und Rauscher.

Vseckojedno von Jednovsek
00
27.1.2012, 16:34
Köstlicher Kommentar,

nur die legistische Arbeit leisten eh die Beamten und nicht die Politiker, also wäre es schon möglich mit der halben NR-Mannschaft auszukommen.

Andreas W
01
27.1.2012, 16:54
Ganz genau,

denn wenn ich mir nur so als Masochist mal vorstelle, dass ein Petzner ein Gesetz verfasste, wird mir ganz anders.

Das Ende der Republik waere sehr sehr nah!

J. Reichhart
00
27.1.2012, 16:06
die legistische qualität, die wir jetzt haben,

die könnte auch von einem viertel der jetzigen abgeordneten gehalten werden.

schon mal drüber nachgedacht, wieviele abg. die div. sitzungen schwänzen, anderweitig beschäftigt sind und sich an der parlamentsarbeit überhaupt nicht beteiligen?

schon mal überlegt, warum abg. 1000 nebenjobs haben von aufsichtratsposterln in staatsnahen betrieben über berater- und konsulentenverträgen, über parteifunktionen bis hin zu dubiosen nebengeschäften?

nein! die qualität der gesetze ist so mies (manchmal absichtlich, meist fahrlässig), das ist kein argument!

die meisten abg. sind lobbyisten irgendeines vereins von den kammern über die gewerkschaften bis zu den kirchen!

Peda
00
27.1.2012, 14:54

Die ersten beiden Absätz (die sich mit LH Pröll beschäftigen) lasse ich unkommentiert.

Die anderen beiden haben schon mehr Inhalt, laufen aber auf das Grundübel unserer Republik hinaus - Parteien, die Exekutive, Judikative und Legislative kontrollieren und (de facto) über der Verfassung stehen, weshalb ihnen auch mit keinem Gesetz und keiner Reform beizukommen ist.

Realistisch gesehen könnte man das gesamte Parlament (NR+BR) durch 5 Personen ersetzen (oder jeweilige Anzahl an Fraktionen) deren Stimme anteilig Gewicht hat und die Tagungen drastisch reduzieren (um 50%-Gesetze durchzuwinken muss keine Opposition anwesend sein).

Peda
01
27.1.2012, 15:02

PS:
Was Hr. Traxler über die Arbeitsbelastung schreibt, verstehe ich angesichts der vielfältigen Nebenbeschäftigungen nicht wirklich.

Untersuchungsauschüsse (außer u.U. gg. die Opposition) sind doch lächerlich, wenn man mit den richtigen Beziehungen auch für das Strafrecht unantastbar ist.

Der legistische (Un-)Wert mancher Gesetze entsteht doch nicht im NR, sondern wird dort nur abgenickt. Auch 2000 Abgeordnete würden das nicht ändern, weil nur der Klubchef zählt, alle anderen schauen nur, wann er/sie die Hand hebt. Ich behaupte vielen ist unbekannt worüber gerade abgestimmt wird.

In so einem System von Demokratie-Reform zu reden ist eigentl. falsch, es würde sich um die Schaffung von Demokratie handeln!

Christ in der Zeit
11
27.1.2012, 14:44

Herr Traxler, net bös sein, aber mit der Reduktion des Nationalrates auf VorKreiskysche Zeiten geht Österreich net wirklich unter.
Im Gegenteil. Damit nähern wir uns nur dem international üblichen Durchschnitt von Abgeordneten zur Bevölkerungszahl.

Hm, schon mal nachgedach, oder tut denken weh?

byron sully
21
27.1.2012, 14:23

es tut gut, (nach dem gestrigen von völker) nun den zweiten standard-kommentar zu lesen, der sich nicht dem zur zeit populär-populistischen "sparen mir NR-abgeordnete ein!" anschließt.
so als würde dadurch irgendetwas besser werden, wenn wir nur 100 abgeordnete hätten...

Standard deviation
00
29.1.2012, 09:49
Sie stellen die Frage falsch

Was wird dadurch besser, dass 183 Abg. und eben-
falls überdimensionierte Landtage haben?

Was wird dadurch besser, dass wir ein unsinniges
Verhältniswahlrecht haben, das unsinnige große
Koalitionen nach sich zieht und Populisten in der
Politik reüssieren läßt?

byron sully
00
29.1.2012, 17:19

also ich bin noch eher bereit, über die zahl der abgeordneten zu reden als über das verhältniswahlrecht. dieses ist nämlich nicht unsinnig, sondern das einzige sinnige wahlrecht.

Plinius
25
27.1.2012, 12:11
er könnte sich noch...

...immer wegrationalisieren. 9 Bundesländer sind ohnehin zuviel, wenn 3 - 4 übrigbleiben würden, dann hätte er die Chance seinen Sparwillen unter Beweis zu stellen.
Im Übrigen bin ich nicht der Ansicht, dass eine verkleinerung der Abgeordnetenanzahl der Demokratie Schaden zufügt. Tatsächlich müssten sie dann das tun was jeder Arbeitnehmer auch machen muss. Arbeiten nämlich, da hapert es nur alltzuoft!

Archi
00
27.1.2012, 14:15
ich bin mir ziemlich sicher, dass sie keine ahnung davon haben, was ageordnete leisten, stimmts?

allerdings glaube ich auch, dass die abgeordneten der regierungsparteien es mit dem arbeiten nicht so haben... die opposition wäre bei einer verkleinerung aber mit sicherheit nicht mehr in der lage, eine kontrollfunktion auszuüben, und das kann niemand, der eingermaßen klar im kopf ist, wirklich wollen...

Plinius
00
27.1.2012, 16:28
ich bin mir sogar absolut sicher,...

...dass SIE ahnungslos sind!

Archi
00
27.1.2012, 16:41
wow, ich bin überrascht von ihrer gehaltvollen antwort!

nein, nicht wirklich, wes geistes kind sie sind, ist ja aus ihren postings leicht zu erkennen...

Plinius
00
27.1.2012, 22:31
armselig was sie...

...abliefern, es beweist neuerlich dass sie null Ahnung haben.

Archi
00
27.1.2012, 22:36
wenn sie meinen...

außer, dass sie behauptungen nach plappern, von denen sie hoffen, dass sie am stammtisch gut ankommen, haben sie leider nicht viel zu bieten (eigentlich gar nix), daher ist eine unterhaltung mit ihnen wirklich verschwendete lebenszeit...

Plinius
00
27.1.2012, 22:42
ach sie Armer...

...Ihre Lebenszeit ist doch bisher eine einzige Verschwendung gewesen, daher ist es besser über ihre Beiträge den Mantel des Erbarmens breiten.

(.) (.)
00
27.1.2012, 14:41
Für die Kontrolle sind unsere Abgeordneten denkbar schlecht geeignet

Kontrolle der Exekutive ist ja auch nicht wirklich die Kernaufgabe der Legilative.

Effizienter und besser wäre es, die ausserparlamentarische Kontrolle (z.b. Medien) zu stärken. Indem man etwa wie in den USA einen "Freedom of Information Act" macht statt dem bei uns geltenden "Amtsgeheimnis".

Archi
00
27.1.2012, 15:06
da irren sie sich gewaltig!

neben der beratung und verabschiedung von gesetzen ist die kernaufgabe der legislative GERADE die kontrolle der exekutive... oder glauben sie, die bundesregierung wird durch die kronen-zeitung, österreich oder heute kontrolliert?

medien können natürlich einen beitrag leisten, aber nur, wenn sie es auch wollen!

in wirklichkeit bräuchten wir wahrscheinlich eher MEHR abgeordnete statt weniger... dafür könnte man die landesregierungen ersatzlos streichen, die würden niemandem abgehen, und gleich eine ordentliche verwaltungform (jetzt mal auf der politischen ebene) durchführen, wenn bloß nicht ganz österreich von dieser widerlichen kleinkrämer-mentalität durchsetzt wäre...

me gustan tus ojos
00
27.1.2012, 13:12

*schmunzel*
"Da bauen sie vermutlich auf eine Stammtischklientel, die keine Ahnung hat, was im Nationalrat an Gesetzesarbeit, an Ausschussarbeit, an Arbeit in Untersuchungsausschüssen, die Korruption in Regierungskreisen durchleuchten sollen, zu leisten ist"

Plinius
10
27.1.2012, 16:26
sie haben leider wirklich keine Ahnung

und glauben das Märchen von den Arbeitsbienen die sich als Abgeordnete verkleiden. Da ich offenbar gerade in diesem Punkt besser Bescheid weiß wie sie, können sie natürlich sinnentleert weiter "schmunzeln", aber welchen Eindruck das auf alle übrigen macht, werden sie wohl kaum mitkriegen...

me gustan tus ojos
00
27.1.2012, 17:28

na dann, klär mich halt auf und tu nicht nur so, als ob du es besser weißt.
ich lass mich gern eines besseren belehren, aber sicher nicht mit der antwort "sie haben leider wirklich keine ahnung".

Plinius
00
27.1.2012, 22:36
machen sie sich...

...selbst kundig, ich ahne aber dass jemand wie sie der sich an Stammtischen auskennt das nicht tun wird. Sie sind bloß einer jener der sich mit der Attitüde des Kundigen schmückt ohne die Realität zu kennen...

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