Tanz um den Jansa

26. Jänner 2012, 18:47
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Einer von drei Künstlern, die aus Protest den Namen ihres Regierungschefs angenommen haben, zeigt sein neues Stück "Who is next?"

Wien - Janez Jansa, der designierte neue Regierungschef von Slowenien, im Tanzquartier? Noch dazu mit einem Stück, das Who is next? heißt? Was wie ein frivoler Schmäh klingt, hat eine Geschichte, die mit den jüngsten Entwicklungen in der slowenischen Politik direkt zusammenhängt.

Denn jener Janez Jansa, der mit einer dezidiert politischen Performance in Wien gastiert, heißt erst seit 2007 so. Er ist einer von drei Künstlern, die gemeinsam offiziell mit Brief und Siegel ihre Namen auf den des auch damals regierenden Premiers änderten. Davor hießen sie Davide Grassi, Emil Hrvatin und Ziga Kariz. Mit ihrer Umtaufaktion wollten sie gegen den Politiker protestieren.

Denn dieser war während seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident (2004- 2008) als eiserner Neoliberaler zu einem abschreckenden Musterbeispiel für dreiste Einflussnahme der Politik auf Medien geworden. Zeitungen sowie der wichtigste TV-Sender wurden an die Kandare genommen, kritische Journalisten wurden gefeuert, progressiven Medien wurden Subventionen verwehrt.

Nach seiner Abwahl vor vier Jahren verschwand der Name Jansas, des Vorsitzenden der liberal-konservativen Slowenischen Demokratischen Partei (SDS), weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis. Jetzt kommt er wieder. Als neuer Regierungschef will Jansa, wenn er seinen anstehenden Schmiergeldprozess nicht verliert, einen Sparkurs fahren. Vor diesem politischen Hintergrund ist Who is next? zu sehen. Verantwortlich für die choreografische Performance zeichnet jener der drei Künstler-Jansas, der vor seiner Namensänderung Emil Hrvatin hieß. Als Leiter der in Ljubljana erscheinenden Performance-Zeitschrift Maska hatte er sich bereits in den 1990ern einen Namen gemacht, bevor er sich dazu entschied, selbst Kunst zu machen.

Passend zur politischen Realität geht es in dem Stück um gesellschaftliche, politische und auch um persönliche Beschränkungen im heutigen künstlerischen Schaffen. Und ganz allgemein darum, wofür jeder Einzelne in der Krise von heute verantwortlich ist. (Helmut Ploebst  / DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

28., 29. 1., TQW / Halle G

  • Davide Grassi, Emil Hrvatin und Ziga Kariz thematisieren die Lage der Kunst in neoliberaler Zeit.
    foto: tqw / matjaz kenda

    Davide Grassi, Emil Hrvatin und Ziga Kariz thematisieren die Lage der Kunst in neoliberaler Zeit.

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