Moderne Netzwerke wie Facebook, Twitter und Google+ funktionieren nach ähnlichen Kriterien wie soziale Geflechte bei Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften
Cambridge/London - Wer in einem der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter,
Diaspora und Google+ vertreten ist, kann sich erstmals sicher sein, dass sein
"Freundschaftsnetz" nicht eine Erfindung des Internet-Zeitalters ist. Uralte
Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften suchen sich ihre Freunde schon längst nach
ähnlichen, wenn auch nicht in allen Bereichen vergleichbaren Kriterien. Das
berichten Forscher, die die Beziehungen in der isolierten Volksgruppe der Hadza
in Tansania untersucht hatten.
Das Team um Nicholas Christakis von der Harvard Universität schrieb im
Fachmagazin "Nature", Freundschaften seien eine ungewöhnliche Eigenheit des
Menschen, verglichen mit den Beziehungen anderer Lebewesen untereinander. Sie
dauerten oft lange an und hätten mit der Zeugung von Nachkommen zumindest direkt
nichts zu tun.
Die Wissenschafter machten zwei Tests mit 205 Männern und Frauen aus 17
Siedlungen der Hadza - Jägern und Sammlern, die als Nomaden in der Gegend um den
Eyasisee leben. Sie wurden gefragt, wen sie gerne als Nachbarn hätten. Dazu
wurden ihnen Fotobögen mit Gesichtern gezeigt. Frauen wählten im Durchschnitt
sechs Wunschnachbarn aus, Männer im Mittel sieben.
Darüber hinaus sollten sie - in einer Art Spiel und anonym - drei
Honiggeschenke an andere Hadza machen. Sie konnten dabei den Honig auf drei
Menschen verteilen oder die gesamte Menge einer Person schenken. Honig gilt bei
den Hadza als beliebtestes Nahrungsmittel, erläutern die Autoren. Mehrere
Ähnlichkeiten mit modernen Netzwerken zeigten sich: So unterschied sich die Zahl
der jeweiligen Freunde.
War ein Mensch befreundet mit zwei weiteren, so war die Wahrscheinlichkeit
hoch, dass diese beiden auch gut miteinander auskamen. Beliebte Mitglieder
hatten Beziehungen zu anderen beliebten Menschen. Außerdem gab es eine Vorliebe
für Menschen, die einander in ihrem Wesen ähnelten. Die Forscher verglichen ihre Ergebnisse mit sozialen Netzwerken von Jugendlichen in den USA
und von erwachsenen Dorfeinwohnern in Honduras. Auch wenn nicht alle Parameter vergleichbar seien, ähnelten sich auch dort die
Beziehungsmuster. (APA/red, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)