Suche nach dem schnellen Geld

26. Jänner 2012, 20:58

Immobilienbesitzer, Spitzenverdiener und Profiteure diverser Steuerlücken sind im Visier der Regierung - Manche Ziele stehen fest, doch viele Details sind strittig

Wien - Die Begegnung gab Günter Stummvoll zu denken. Ein Immobilien-Tycoon hatte dem ÖVP-Finanzsprecher von einem fetten Deal berichtet, garniert mit einem masochistischen Hinweis, wo der Staat noch Geld holen könnte: Für den Gewinn sei kein Cent an Steuern fällig gewesen. "Da fehlen mir die Argumente, um einem kleinem Sparer zu erklären, warum er auf seine Zinsen 25 Prozent zahlt", resümiert Stummvoll.

Die ÖVP sei immer noch dafür, das Budget nur mit Sparen zu sanieren, betont Stummvoll, aber wenn schon Steuern, dann auf die Erträge von Vermögen. Nach seinem Willen sollten im Gegenzug Eingangssteuersatz und Spitzensteuersatz gesenkt werden, doch das ist wegen knapper Kasse kurzfristig unwahrscheinlich. Ergo steht die erste Geldquelle de facto fest: Steuern auf Immobiliengewinne.

Erste Variante ist eine Widmungssteuer. Laut Studie des Marktanalysten Kreutzer, Fischer & Partner streifen Grundbesitzer pro Jahr 2,7 Milliarden an Gewinn ein, indem Agrar- und Forstflächen per Federstrich in Bauland umgewidmet werden. Eine Abgabe von 25 Prozent verspräche mehr als 600 Millionen.

Zweite Möglichkeit: Eine Steuer auf Wertgewinne aus Immobilienverkäufen. Derzeit fällt eine solche nur an, wenn Immobilien innerhalb von zehn Jahren gekauft und wieder verkauft werden. Der Steuersatz von 25 Prozent scheint fix, andere Details sind strittig. Die Minimalvariante, die nur ab Einführung der Steuer gekaufte Immobilien beträfe, greift der SPÖ viel zu kurz. Sie will zumindest eine Rückwirkung von zehn Jahren, wenn nicht alle verkauften Immobilien einbeziehen.

Diskutiert wird auch über die Grundsteuer, die - während die Vermögen wuchsen - ständig günstiger wurde. Berechnet wird sie anhand von Einheitswerten, die nie der Realität angepasst wurden und deshalb oft nur ein Zehntel oder weniger des Marktwertes ausmachen; seit 1973 stiegen sie um 35 Prozent, die Verbraucherpreise aber um 247 Prozent, sagt Margit Schratzenstaller vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Entgegen dem EU-Trend tragen vermögensbezogene Steuern hierzulande daher immer weniger zum Staatshaushalt bei.

Allerdings ist eine Reform der Einheitswerte kompliziert. Als Zwischenlösung steht die Aufbesserung der sogenannten Hebesätze zur Debatte. Die Arbeiterkammer rechnet mit einem Erlös von 400 Millionen.

Als sicher gilt eine Solidarabgabe, doch das "Wie" ist umstritten. Die SPÖ will den Spitzensteuersatz für Jahreseinkommen ab etwa 200.000, 300.000 Euro anheben. Hintergedanke: Da die Kapitalertragssteuer maximal den halben Spitzensteuersatz betragen darf, könnte selbige ebenso angehoben werden, womit der Erlös auf mehr als eine halbe Milliarde steigen könnte. Wohl auch deshalb tendiert die ÖVP dazu, den Rabatt für Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das mit nur sechs Prozent besteuert wird, einzuschränken. Ein Arbeitnehmer mit 80.000 Euro brutto erspart sich dank des Vorteils im Jahr 2700 Euro - ein Schlechtverdiener mit 13.000 Euro gar nichts.

Schratzenstaller hält die Streichung von Steuervorteilen für klüger als die Erhöhung von Steuersätzen, die abschreckend wirken und Ausweichmanöver provozieren könnten. Potenzial sieht sie großes - von der Überstundenbegünstigung bis hin zur Sparförderung, etwa für die Pensionsvorsorge.

Scheintote Steuerideen

Finanzministerin Maria Fekter schielt ebenfalls auf Lückenschluss - auch in aus ÖVP-Sicht überraschenden Bereichen. Zwar verteidigt sie die Gruppenbesteuerung, dank der Konzerne Verluste im Ausland mit Gewinnen im Inland zwecks Steuerminimierung aufrechnen können. Jedoch will sie "Missbrauch" abstellen, weshalb Einschränkungen wahrscheinlich sind. Fallen könnten auch Ausnahmen bei der Mehrwertsteuer: nicht alltägliche Güter wie Goldmünzen, Blumen, Saatgut oder Wellnessdienste sind nur mit zehn statt 20 Prozent belastet, aber auch Mieten, Lebensmittel, Bücher, Medikamente sowie Karten für Sport- und Kulturveranstaltungen. Ebenso schnelles Geld verspricht eine höhere Mineralölsteuer, und zwar gut 800 Millionen pro zehn Cent - abflauender Tanktourismus inkludiert.

Schon aus praktischen Gründen hat hingegen die rote Prestigeidee einer allgemeinem Vermögenssteuer für Millionäre schlechte Chancen (siehe unten); und die Erbschaftssteuer erklärt ÖVP-Mann Stummvoll für "tot".

SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer sieht das anders, er widerspricht dem vehement: "Ohne echte Vermögenssteuer wird das Konsolidierungsziel nicht erreichbar sein."(Gerald John, DER STANDARD; Printausgabe, 27.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 38
1 2
Mickey Leitner
01
10 Jahre Rückwirkend Immobesteuerung

.
Wenn für die Immunität der Politiker selbiges zur Anwendung gelangt (inkl. Rückabwicklung aller Geschäfte, die dadurch ungültig werden), dann kann man ernsthaft darüber reden.

Fraho
03
28.1.2012, 06:44
GERECHTES Teilen ist gefragt!

die Statistik sagt, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer mehr werden, dann sollte es jedem Menschen mit Hausverstand und auch der Regierung klar sein, wo zusätzliches Geld für die Staatsaufgaben herkommen müsste.

90 % der Bevölkerung besitzen 1/3 des gesamten Volksvermögens, aber die 10 % der Mitbürger die ganze 2/3 des Volksvermögens ihr Eigentum nennen, möchte man weiter (ver-)schonen? Da gehörten wohl vorerst diese 10 % Reichen höher besteuert, die es überhaupt nicht spüren ob 1 oder 2 Mill. mehr am Konto ist.

Nicht Arbeitnehmer noch weiter belasten, denn NUR diese beleben den Konsum, aber nicht die Reichen die schon alles haben und die ihr Geld im Ausland „investieren“ bzw. anlegen.

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00
27.1.2012, 16:38
Sparen

von mir aus überall, aber nur nicht bei den Schulen, Unis und in der Forschung - wäre fatal für unsere Jugend!

Sky7
10
27.1.2012, 12:27
Ich bin zwar durchaus der Meinung, dass "Leistungsträger" mit 200.000, 300.000 Euro und mehr

pro Jahr durchaus mehr Steuer zahlen könnten, aber es stört mich, dass dabei wieder Arbeit und nicht Kapital besteuert wird.

Für die Bezieher dieser Gagen würde es ohnehin kaum Nachteile bringen, da in den meisten Fällen die Unternehmen entsprechend mehr zahlen würden.

Die einzige einigermaßen akzeptable Massensteuererhöhung ist in meinen Augen ein paar Cent mehr auf Treibstoff. Die Treibstoffpreise sind ohnehin völlig abgehoben und das wird in nächster Zeit wohl ohnehin noch schlimmer. Es auf jeden Fall besser, als bei der Pflege, Invaliditätspensionen und der Gesundheitsversorgung (Verwaltung und Doppelgleisig. ausg.) zu sparen.

Präsident, Bundesrat etc. sind auch entbehrlich.

lalala blablabla
00
27.1.2012, 11:43
hab auch eine idee zum sparen

schliessen wir das militaer ..
in der heutigen zeit, in der mitte von Europe, einfach nur ueberfluessig.
eine katastrophenhilfe bleibt erhalten.
Militaerangehoerige bekommen sofern sie nicht bei der katastrophenhilfe bleiben, ein bedingungsloses grundeinkommen.
kasernen werden umfunktioniert.
aus dem verteidigungsministerium wird ein friedensministerium.
Aus der Wehrpflicht wird das freiwillige Sozialjahr fuer Manderl und Weiberl.

Verteidigungsetat von Oesterreich 2010: 2,5Mrd Euro

davon koennen sicher 1,5Mrd durch die Schliessung eingespart werden.
Und wir verschiessen keine Gelder mehr.
Eine glorreiche Zukunft erwartet uns

http://en.wikipedia.org/wiki/List... med_forces

ewald bauer
00
27.1.2012, 10:56
Div. Ministeriums

zusammen lege....weg mit Heinisch-Hoschek und ihrem BA-Ministerium, das kann wohl jemand andere dazu bzw. nebenher machen....

Sonia Sutter
14
27.1.2012, 10:36
Nicht die Erbschaftsteuer sondern die ÖVP ist tot

wenn sie den ganzen Schwachsinn mitbestimmt. Ich höre bisher nur von Steuererhöhungen, gespart wird dann später und am besten bei den anderen.....
Auch das gequake vom Pröll wird das nicht verhindern. Ein wirklich mutiges Steuererhöhungspaket, welches sicher zur Gesundschrumpfung der ÖVP bei der nächsten Wahl beitragen wird.

Dr.Michi
00
27.1.2012, 13:08
Erbschaftssteuer ist der OeVP ihr tot

die Abschaffung der Erbschaftssteuer war ja durch die Ungleichbehandlung von Immobilienbesitz bedingt. Eine Wiedereinführung somit an eine Neuregelung der Immobilienbewertung, sprich Einheitswert, gekoppelt. Das geht ans Eingemachte mehrerer Kernwählergruppen der ÖVP.
Erbschaftssteuer kann es somit nur ohne ÖVP Regierungsbeteiligung geben, aber ich lasse mich gerne überraschen :-)

Herrlich1
02
27.1.2012, 09:26
nächste Überraschung dieses Morgen ....

zuerst, die Sache, dass das gut verborgte Geld mit tollen Zinsen, doch nicht so sicher ist. na ein paar Milliarden haben wir halt in den Sand gesetzt.

der Schmäh mit den Reformen, den die liebe Leut, die außer heiße Luft zu produzieren nix weiter bringen, wird doch nix. wir machen das, was wir eh schon immer gemacht haben. wir erhöhen die Steuern und füllen unsere Taschen, aber ändern brauchen wir eh nix ....

die Gehälter der lieben Regierung+Abgeordneten sollten, wie bei jedem Erwerbstätigen, am Resultat der Tätigkeit gemessen werden. Sprich Einsparung p.a. x 0,00001 = Jahresgehalt. würd mich interessieren, ob dann was geleistet würde.

sonne-licht
 
00
27.1.2012, 08:44
immobilien und wertpapiergewinne

steuererleichterungen nur wenns wieder im eigenen land investiert werden!

steuergesetze sind nur dazu da um arme ärmer und reiche reicher zu machen.

da die macht/einfluss bei den "goldigen" liegt, ist ein umdenken der geldwirtschaft von nöten! das betrifft jeden einzelnen!

intelligent wärs geld zu investieren, schulden zahlen um österreich vor fremden zugriff inflation zu schützen.

nur immer an die eigene angst zu denken, was wäre wenn! ist einfach zu wenig in diesen zeiten!

der staat wird nicht mehr für die bürger sorge tragen können! entkoppelung der finanzwirtschaft von der privatwirtschaft (selbstvorsorge)!

sonst explodieren die gesundheits- und sozialkosten!

entschleunigung ist angesagt - planwirtschaft!

Android1337
02
27.1.2012, 07:29
Und wieder kommen nur höhere Steuern,

und keine Einsparungen. S&P bitte gleich noch einmal downgraden!

Verbal Kint
00
27.1.2012, 09:35
Steuererhöhungen führen nicht zu downgradings

Ganz im Gegenteil: Alles was den Schuldenstand senkt ist für s&p gut.

zett
02
27.1.2012, 09:52

auch wieder falsch: s&p sieht keinen zu hohen schuldenstand in österreich sondern bedenkliche wirtschaftsprognosen...also zu geringes wirtschaftswachstung für die zukunft-das war der grund für das AA+.

Wenn man nun bei den Leuten spaart, die normalerweise ihr geld ausgeben(wie angekündigt: Beamte, pensionisten, Studenten etc) wird noch weniger gekauft, die wirtschaft schrumpft weiter und wir könnten tatsächlich auch das AA+ verlieren.

Neu Anfang
00
27.1.2012, 16:49
S&P

die USA und damit auch die Rating-Agenturen wollen
den Euro so weit herunterdrücken, daß der Dollar wieder an Gewicht bekommt.
S&P´s Argumente lauten: unsere Banken haben sich im ehemals kommunistischen Osten viel zu stark
mit Krediten "eingeschlichen", diese aber kaum zurückbezahlt belpmmen werden und, daß der Österr.
Staat diese übernehmen wird können, daran zweifeln
sie.

weana beinhart
00
27.1.2012, 07:27
das liebe geld

aber die probleme können von profis locker kontrolliert werden...

http://www.flickr.com/photos/32... /lightbox/

Pogled
11
27.1.2012, 03:01
Grundsteuermultiplikator

Eine einfache Erhöhung auf der Basis des Jahres Schnee wäre ein Verfassungsbruch wie der VfGH schon bei mehreren Steuern festgestellt hat.

Grund: Der Wert der Grundstücke hat sich seit der letzten Erhebung massiv unterschiedlich geändert.
Es gibt Gegenden, wo die Grundstücke heute das 10 und mehrfache Wert sind und in der hinteren Pampas Grundstücke die weniger wert sind als zum Zeitpunkt der Erhebung.
(Bau aufgeschlossen <5 €/m² und trotzdem keine Käufer)

Dies wäre eine 'Armensteuer'.

jeffk
11
27.1.2012, 08:48

<5€/m² wo bitte? da wo ich wohne ist eine wiese teurer.....

zett
00
27.1.2012, 10:03

bei uns...NÖ, ländliches gebiet ist das ungefähr der preis für 1qm Ackerland.

Ich vermute in ganz Ö bekommen sie dafür keinen qm Bauland...warum jeffk rote stricherl krigt-ka.

Stuff
31
27.1.2012, 00:35
"Ohne echte Vermögenssteuer wird das Konsolidierungsziel nicht erreichbar sein."

heisst im Klartext: "Ohne echte _Klein_vermögenssteuer wird das Konsolidierungsziel nicht erreichbar sein."
Damit ist gemeint, dass die ehemalige Erstwohnung, nun Zweitwohnung, die der Tochter halber nicht verkauft, sondern vermietet war, nun mittels Steuern den an miesen Krediten Leidenden nachgeschmissen werden soll. Wie nach dem Krieg, meine eigentliche Erstwohnung ist auch der Kriegsfolgen halber von meinen Eltern verkauft worden.
Ich weiss nicht, ob da nicht viele bis dato sozialdemokratische Wähler nicht auch so eine Wohnung für ihre Kids haben. Sie müssen ja nicht bösartigerweise den Blauäugigen wählen, es reicht, wenn die bei der Wahl zuhause bleiben. Schwarzwähler freunden sich dann dem Dühringer'schen Song an und bleiben daheim…?

Verbal Kint
02
27.1.2012, 09:37
Wenn ich den Artikel richtig gelesen hab, fällt die Steuer ja nur an, wenn Sie verkaufen.

Das wollen sie ja eh nicht?
Und die Mieteinnahmen werden Sie ja wohl jetzt schon ordnungsgemäß versteuern, oder?

Stuff
00
27.1.2012, 14:36
Grossvermögen werden kaum betroffen:

Sind Wohnungen Firmenvermögen, verkauft der Eigentümer seinen Firmenanteil und zahlt, weil der Eigentümer der Wohnungen im Grundbuch sich nicht ändert, öhm, wieviel? Der Zauber hinter dieser Akzeptanz, dass mein Verkauf steuerpflichtig sein soll, der aber im Firmen-Beispiel nicht, ist: Faschismus, die Einteilung der Menschheit in Leute, die wirtschaften dürfen und Prolos, denen das verboten gehört, Kleinvermögen. Ist Vermögen gross genug, ist dies Behelligungen von staatlicher Seite geradezu enthoben.
Faschismus ist erfunden worden, kleine Vermögen zu gunsten grosser zu enteignen und dazu sind diese "Die Reichen sollen zahlen!"-Sprüche da, die "Lohnsteuer" eingeführt und "Steueroasen": Jene Länder, in die der Hitler nicht einmarschiert ist…

Dimple
00
28.1.2012, 13:07
Verkauft jemand den Firmenanteil

wird das - ab einem Anteil von 1% am Grundkapital - seit Jahren besteuert.

Es ist beschämend wieviele hier schreiben, ohne eine Ahnung zu haben, wie die gesetzliche Regelung ist.

lg
Dimple

Stuff
00
30.1.2012, 00:51
Bei im Privatvermögen gehaltenen Gesellschaftsanteilen sieht das Budgetbegleitgesetz 2011 nunmehr die folgende Neuregelung vor: Bisher unterlag der Veräußerungsgewinn aus Beteiligungsveräußerungen, wenn die Beteiligung in den letzten 5 Jahren zumind

Ich schrieb von _Gross_vermögen…

Stuff
00
30.1.2012, 02:12
Fehler in der Kopfzeile

Das 1-Prozent-Zeichen mag das Standard-Scriot nicht oder die Zeile war zu lang…

Also wenn der verkaufte Firmenanteil 1 Prozent nicht übersteigt, ist's steuerfrei…

Drum schrie(b) ich ja: Grösstvermögen…

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
63
26.1.2012, 22:45
Ginge es nach den Roten,

wären eh schon alle Nicht-Rot-Wähler enteignet.
Mit dem Geld ließe sich dann sogar der Niko gleichzeitig bei ÖBB und ORF in Frühpension schicken.

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