Korruptionsausschuss

Beamte belasten Gorbach und Telekom

26. Jänner 2012 18:24
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    Foto: der standard/cremer

    Der Telekomregulator kam nicht, der Platz der Auskunftsperson im U-Ausschusszimmer Lokal VI im Parlament blieb leer. 

Die Befragungen im U-Ausschuss begannen mit einem Eklat - Serentschy ist gleich gar nicht erschienen, weil die Justiz gegen ihn ermittelt - Hubert Gorbach hat noch keine Ladung

Ob Hubert Gorbach am Mittwoch im Korruptions-Untersuchungsausschuss erscheinen wird, könnte richtig spannend werden. Denn laut Standard-Recherchen wurde dem Verkehrsminister a. D. bis Donnerstagnachmittag weder per Post noch per E-Mail eine Vorladung zu- oder in Aussicht gestellt. Auch Gorbachs Anwalt Herbert Eichenseder will bis dato noch nicht kontaktiert worden sein.

Wiewohl die Parlamentsdirektion versichert, dass der Brief an den früheren Vizekanzler bereits abgefertigt wurde: Angesichts des Postwegs und allfälliger anderweitiger Terminverpflichtungen könnte es knapp werden für den ehemaligen BZÖ-Obmann. Ein Rückschein, mit dem die Post die ordnungsgemäße Zustellung quittiert, liege noch nicht vor.

Neuer Termin für Befragung: Dienstag

Die nächste Pleite im U-Ausschuss ist damit programmiert. Die erste ereignete sich Donnerstagfrüh: Telekomregulator Georg Serentschy ließ die Abgeordneten sitzen. Das allerdings nicht gänzlich überraschend - er hatte tags zuvor von Journalisten erfahren, dass die Staatsanwaltschaft Wien gegen ihn ermittle und per Mail um Vorladung zu einem späteren Zeitpunkt ersucht.

Die Ausschussmitglieder aller Fraktionen reagierten empört, sie wollen beim Bezirksgericht Innere Stadt eine Ordnungsstrafe beantragen. Schließlich sei Serentschy "nicht irgendwer", sondern der Chef einer Behörde mit richterlichem Einschlag, wie sich SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim echauffierte. Ausschussvorsitzende Gabriela Moser von den Grünen betonte, Serentschy hätte erscheinen müssen und sich allenfalls der Aussage entschlagen sollen, um sich nicht selbst zu belasten. Ob es Serentschy auf eine polizeiliche Vorführung ankommen lässt, wie von Peter Pilz (Grüne) vorgeschlagen, bleibt abzuwarten. Zunächst wird wohl der neue Termin für seine Befragung am Dienstag abgewartet.

Nach dem missglückten Start mussten sich die Mandatare im Lokal VI des Parlaments mit Beamten des Verkehrsministeriums begnügen. Ministerialrat Eva-Maria Weissenburger, Sektionschef Andreas Reichhardt und Christian Singer von der Fernmeldebehörde schilderten den mutmaßlichen "Gesetzeskauf". "Es gab eine übertragene Weisung des Ministers", sagte Singer. Rüdiger Schender, Gorbachs Kabinettschef, habe ihm aufgetragen, den von der Telekom übermittelten Text unverändert umzusetzen.

Ob dies mit Parteienfinanzierung durch die Telekom Austria (TA) honoriert wurde, ist damit nicht bewiesen. Die so genannte Universaldienstverordnung könnte das Vehikel gewesen sein. Das BZÖ, als dessen geschäftsführender Obmann Gorbach fungierte, Geld für den Nationalratswahlkampf 2006 bekommen haben. Gorbach bestreitet dies ebenso vehement wie Geldflüsse nach seinem Abschied aus der Regierung über die Firma Valora des Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger. Die TA soll damals 264.000 Euro über Gorbachs Sekretärin an das Jungunternehmen des Ex-Ministers geschleust haben. Dessen nunmehrige Ex-Sekretärin sagt, sie habe monatlich 4500 Euro erhalten, das restliche Valora-Geld wäre Gorbach zur Verfügung gestanden.

Profitiert von den locker sitzenden Millionen der TA soll auch das BZÖ haben, 600.000 Euro seien dorthin geflossen - über Agenturen Schmied und "Orange". Andere Quellen beziffern die Beihilfen mit 720.000 Euro. Und: 240.000 Euro habe man in den Vorzugsstimmenwahlkampf für die damalige Justizministerin Karin Gastinger (BZÖ) investiert. (gra, ung, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 84
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verkehrsrichter
28.01.2012 09:59
Ein Narrenland

Der eine Verpetzt, der andere verschüttet Amoniak und Funghi ruft plötztlich nach Polizzi.

sitharta
28.01.2012 00:19
Beamte belasten....

... warum sitzen diese Pülcher nicht schon längst in Untersuchungshaft? Würde uns diesen hilflosen und sündteuren "Untersuchungsausschuß" ersparen.
Aber in der österr. polit. Gesellschaft gelten halt andere Gesetze, als für den kleinen Hühnerdieb .

Andreas W
27.01.2012 14:18
Und alles gaaanz neu für die StA, oder weshalb gibt's noch immer keine Anklagen???

atomkraft neindanke
29.01.2012 08:19

die Justizministerin heißt Karl!

Anton J. Helmreich
27.01.2012 13:12
so ists nun mal in unserer politik

dilettanten kümmern sich dilettantisch um unsere problemen.

im konkreten fall kümmern sich dilettanten dilettantisch um korrupte dilettanten

was soll da denn rauskommen

sitharta
28.01.2012 00:22
na was schon?

Österr. Realpolitik.
Aber wir hatten ja die "Wahl"

Nexialist
27.01.2012 11:01
man sollte die "Liste der Schande" unbedingt einführen und auch korrupte Politiker mit aufnehmen - also mit "Schaden an der Gesellschaft, die sie bezahlt" titulieren

selbst für diejenigen, die (noch) nicht erwischt wurden steht damit die Gefahr einer gesellschaftlichen Ächtung im Raum, was den einen oder anderen vermutlich schon präventiv davon abhalten dürfte.

atomkraft neindanke
29.01.2012 08:32
Sorry da stimmt doch was nicht, ich halte das für ein Phänomen von Massenverblödung!!

nur blöd, wenn die meisten das im Grunde eh fesch (Porsche, braungebrannt und schöner Anzug)= wählbar finden!

die, die für uns alle was hackln, wie Moser und Pilz, und in dem Sumpf sauber bleiben, werden nämlich von 10 Prozent gewählt, fahren Fahrrad und wohnen im Gemeindebau (weil dort aufgewachsen!)

letztlich müssten ja all, die sich hier aufregen, auf die 25-27% die jene Pücher an die Macht gewählt haben, einen echten Grant haben!

die Wählerumfragen bestätigen aber, dass die Blau Orangen bereits machen können, was sie wollen, sie sind österreichische Helden! und werden als die führende Opposition wahrgenommen!

Schulmisere+ORFPropaganda= Berlusconisierung Österreichs!

Alles ist käuflich! auch die Wähler_innen!

Zivilgeselle
27.01.2012 09:25
Staatsbürgerkunde

Ministerien und Posten werden parteipolitisch "besetzt", um Gewinne für sich und die Partei zu lukrieren. Was sonst ?

Oder glauben die Wähler immer noch das Minister gemäß der Gesetzeslage regieren würden.

Besonders eigennützig wurde unter schwarz/blau, aber auch in Kärnten, NÖ und Tirol regiert.

Den Machthabern fehlt bis heute jegliches Unrechtsbewusstsein, wenn sie über Umwege Millionen einsackten.

Martinz, Graf Ali, Strasser, Gorbi, Scheibner, Rumpolds oder der schönste aller Unschuldsengel und seine "Masterbande".

Wutbürger, Medien, UAusschüsse sind notwendig, um der ÖVP Justiz eine Serie an Anklagen abzutrotzen.

sitharta
28.01.2012 00:30
Unrechtsbewußtsein?

es fehlt ihnen an Rechtsbewußtsein, an Redlichkeit und Anstand, an Ehr und Treu. Weil sie davon weder im Elternhaus noch in der Schule je vernommen haben. Wir sind im "wilden westen" angelangt : der, der die meisten Pferde stiehlt wird Häuptling.

Aristarch
27.01.2012 11:12
Mit derartigen Aussagen unterstützen Sie aktiv die Korruption!

"Oder glauben die Wähler immer noch das Minister gemäß der Gesetzeslage regieren würden."

Es stimmt eben nicht, dass sich die Minister generell kaufen lassen. Wahrscheinlich gibt es deutlich mehr Fälle als nun bekannt geworden sind, aber die Mehrzahl lässt sich nicht kaufen. Es gibt durchaus Minister, die sich an das Gesetz halten und die ein entwickeltes Unrechtsbewusstsein haben.

Die Haltung "es sind eh alle korrupt!" unterstützt die Korrupten. Sie lenkt den Zorn auf ein unkonkretes "System" statt auf die konkreten Täter. Weiter entsteht dadurch quasi eine Entschuldigung für Korruption ("Machen eh alle!").

(.) (.)
27.01.2012 09:07
Gesetze beschliesst das Parlament, nicht der Minister

Man darf also die dort sitzenden gutbezahlten Abgeordneten nicht aus der Letzt-Verantwortung entlassen.

Wer hat damals denn für dieses Gesetz gestimmt?

Harald Bruckner
27.01.2012 08:54
Vorzugsstimmenwahlkampf für die damalige Justizministerin Karin Gastinger (BZÖ) investiert

Sehr treffend. Man steckt Geld (auch noch fremdes) in einen Wahlkampf, in der Erwartung mehr zurückzubekommen. Parteien pfui!

Rudolpho der I
27.01.2012 08:47
In dem ganzen Sumpf

scheint mir,das ausser Grünen ,alle beteiligt sind, weil
man in dieser Sache von keinen Parteien etwas hört
einschliesslich SPÖ.

?und
27.01.2012 08:29
darum liebe ich diese pragmatisierten weicheier, sowas von unabhängig und korrekt, pfau

?und
27.01.2012 09:02
hallo lieber rotmarkierer - hab ich sie aufgeweckt am schreibtisch, sorry, hab nicht gewußt dass pc schon eingeschalten ist

Aristarch
27.01.2012 09:02
Wem gegenüber sollen die Beamten gegenüber "unabhängig" sein?

Etwa dem Minister gegenüber? Gerade dem Minister gegenüber sind sie nicht unabhängig sondern weisungsgebunden.

Eine Weisung kann nur zurückgewiesen werden, wenn sich rechtswidrig ist. Die Erstellung eines Gesetzesentwurfes mit einem bestimmten Inhalt wird aber nur ganz selten rechtswidrig sein.

no so ana
27.01.2012 08:17

Korruption hin oder her, das muss sich erst im Laufe der Untersuchung herausstellen. Mich würde aber jetzt schon etwas interessieren.
Angeblich geht es in diesem Artikel ja um den Untersuchungsausschuss. Warum ist aber so gut wie nichts von seinem Inhalt in der nebenstehenden "Ausschuss-Nachlese" zu finden? Wird hier nur wild herumspekuliert und das Ergebnis dann als Tatsache verkauft oder ist die Nachlese die Pixel nicht wert, weil das meiste das im Ausschuss passiert ist eh nicht drinsteht? Bitte um Aufklärung um entscheiden zu können was ich in Zukunft lesen soll.
Nicht falsch verstehen, ich will keinen der (möglicherweise) Beteiligten in Schutz nehmen, ich möchte nur verstehen, was derstandard.at hier abzieht.

natoll
27.01.2012 08:13

es war für die telekom offenbar sehr ungewohnt nicht wie früher die gesetze direkt schreiben zu können. jetzt müssens eben minister & parteien schmieren. genau wie alle anderen.
ein von vorn bis hinten korrupter bananenstaat ist das.

sitharta
28.01.2012 00:39

aber eigentlich hätten WIR doch wohl die "wahl" gehabt. oder?

Neue Heimat
27.01.2012 07:48
Interessant

Interessant wäre auch welche Gutachten der RTR der aktuellen Tariferhöhungen der Telekom zugrunde gelegt wurden.... Da hat die Telekom heute noch Einfluss ich glaub in der RTR mehr als im Ministerium

eh-wahr
27.01.2012 07:23
Gesetzwerdung

Da wird ein Gesetzestext von einer Firma in ein Ministerium geschickt, der Minister sagt "Ja, so mach ma das" und die weisungsgebundenen Beamten bringen die Vorlage ins Parlament. Und jetzt kommt es: von 183 Abgeorndetzen des Nationalrates stimmt mehr als die Hälfte diesem Entwurf zu. Also ist der Entwurf eh in Ordnung. Oder ist er doch schlecht, dann haben mindestens 92 Abgeordnete keine Ahnung, was sie beschließen. Das ganze spielt in der demokratischen Republik Österreich.

David Hochberger1
27.01.2012 09:14
auch der zweite Schritt wird allenfalls "unterstützt"

durch sogenanntes "Lobbying" bei Vertretern aller bzw. der relevanten Parteien.
Darum hat ein Lobbyist verschiedene Farben auf seiner Payroll. Aber es gibt auch Lobbyisten, die auf eine Farbe spezialisiert sind. Entweder werden diese direkt beauftragt, oder sie agieren als Subcontractors zum beauftragten Lobbyisten.

Franz Schwingenschrot
27.01.2012 07:20

Das ist solide Wertarbeit. Die Telekom hat ein Gesetz bestellt und es genauso bekommen. Was ist schlimm daran. Vom Christkind darf sich ja auch jeder wünschen, was er will.
http://gedaunknsplitta.blog.de

...and miles to go before I scream
27.01.2012 06:31

ich glaube, gorbach als dümmster der korrupten Partie wird das bauernopfer. das Volk jubelt, KHG und Konsorten machen ein flascherl dom auf in kitz.

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