Britischer Premier

Cameron und die Euro-Bastler

Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, 26. Jänner 2012, 18:22

Zögerliche Krisenlösung - Verrückte Transaktionssteuer

Der britische Premierminister David Cameron nutzte seinen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos, um sich weiter gegen den Rest der EU-Staaten zu positionieren. Eine Finanztransaktionssteuer sei "verrückt", sagte er und reagierte damit auf die deutsche Kanzlerin Angela Merkel vom Vortag, die in Davos ihr Bedauern darüber geäußert hatte, dass diese Steuer noch nicht beschlossen worden sei. Camerons Argument: Eine solche Maßnahme würde "fast 500.000 Arbeitsplätze kosten" und führe dazu, dass bestimmte Finanzdienstleistungen aus Europa "zu bis zu 90 Prozent" abgezogen werden könnten.

Cameron attackierte auch direkt das von Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy geführte Euro-Krisenmanagement. "Da und dort rumzubasteln reicht nicht mehr. Wir müssen kühn und mutig sein und nicht ängstlich und zögerlich."

Zu seiner umstrittenen Haltung beim EU-Gipfel im Dezember sagte Cameron, er habe Sicherheiten für ein gemeinsames Abkommen verlangt, "und diese Sicherheiten habe ich nicht bekommen. Deswegen gibt es das Abkommen nicht."

Dass das Abkommen, der sogenannte Fiskalpakt, am Montag beim EU-Gipfel beschlossen wird, versicherten am Nachmittag gleich drei Beteiligte bei einer Diskussion, die den Titel "Wiederaufbau Europas" trug. Der finnische Premierminister Jyrki Tapani Katainen schob Großbritannien die Schuld daran zu, dass die Vereinbarung nicht im Rahmen der EU-Verträge geschlossen werde. "Großbritannien hat nicht erlaubt, dass wir den Vertrag ändern. Die jetzige Lösung ist besser als nichts, denn fast jeder nimmt teil. So ist das fast wie ein EU-Vertrag." Auch die dänische Regierungschefin und derzeitige EU-Ratsvorsitzende Helle Thorning-Schmidt sprach von einer "zweitbesten Lösung", die beschlossen werde.

Der irische Premier Enda Kenny ging ganz selbstverständlich davon aus, dass die Mittel des permanenten Krisenmechanismus ESM durch Mittel des Rettungsschirms EFSF aufgestockt werden - was Deutschland offiziell noch ablehnt. Nur Bronislaw Komorowski, der Präsident des Nicht-Euromitglieds Polen, ließ leise Kritik an Deutschland anklingen, indem er von einer "zu legistischen Annäherung an das Problem" sprach und beklagte: "Wir dürfen nicht nur an die Eurozone denken."

Fiskalpakt steht

Beim Fiskalpakt selbst dürfte Berlin nun auf keine weiteren Verschärfungen mehr drängen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus deutschen Regierungskreisen. Das gilt insbesondere für das Klagsrecht der EU-Kommission, wenn Sparvorgaben verletzt werden. Auch auf scharfe Sanktionen bei zu hoher Verschuldung wird Merkel wegen des Widerstands aus Frankreich und Italien nicht insistieren. Begründung: Berlin habe sich in allen zentralen Fragen durchgesetzt. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.1.2012)

Franz Schwingenschrot
11
27.1.2012, 10:33

Die Zeit arbeitet für uns. Irgendwann werden die Polkappen geschmolzen und GB überschwemmt sein. Dann herrscht wieder Ruhe in Europa.
http://gedaunknsplitta.blog.de

Kralj Matjaz
11
27.1.2012, 08:19
..in wessen Auftrag...

hat der englische Häuptling in Davos überhaupt gesprochen.....??? oder gar für eine Insel-Gruppe in der Karibik...

hlg
10
27.1.2012, 07:49
kühn und mutig, pakt...

die sprache deutet die richtung.

es riecht nach krieg.

Volleystop
00
27.1.2012, 05:32
Ich glaube es wäre richtig

auch Cameron genau zuzuhören und sich inhaltlich mit seinen Positionen auseinander zu setzen.

"Die spinnen die Briten" ist ein Armutszeugnis und führt zu keinen Lösungen.

cookieberlin
12
27.1.2012, 08:12
Verlust von 500000 Arbeitsplätzen?

Geplant ist dem Vernehmen nach eine Steuer auf Finanztransaktionen in Höhe von 0,05%.
Dies würde 200 Milliarden Euro jährlich erlösen.
Damit verspricht man sich eine geringe Beteiligung der Hedgefonds, Banken und sonstiger Spekulanten an den Folgen des Hin-und Herschiebens von Geldmitteln.
Cameron errechnet zu aller Überraschung bei dieser simplen rechnergesteuerten Aktion einen Verlust von 500000 Arbeitsplätzen.
Kann man diesen Mann noch ernst nehmen?

tho_mi
00
26.1.2012, 19:18

Ist doch nur logisch, dass er Angst um die City hat...

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